Nesrin Kismar Arda und der Spuk von Tegel: Ein Tegeler Abenteuerroman

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: 8 – 12 Jahre
170 Seiten, Taschenbuch um € 10

Themen: Gespenster, Abenteuer, interkulturelle Freundschaft, Hund, Verbrechen, türkisch-deutsche Kultur

Arda und sein bester Freund Lennard erleben abenteuerliche Sommerferien in Berlin Tegel. Die beiden Elfjährigen wollen das Rätsel rund um den berühmt berüchtigten „Spuk von Tegel“ lösen, was zu einer nächtlichen Gespensterjagd, einem geklärten Verbrechen und ziemlich viel Ärger mit der Familie führt. Aber alles geht gut aus, und am Ende ergänzt ein vierbeiniger Spuk das dynamische Duo.

Die aufregende Geschichte spielt in Berlin – charmantes Lokalkolorit und fesselnde Beschreibungen bekannter Plätze und Sehenswürdigkeiten inklusive. Da einer der zwei Jungs aus einer Familie mit türkischen Wurzeln stammt, ist auch die deutsch-türkische Kultur und Geschichte ein Thema, was zusätzlich interessant ist. Hier weist die türkische Oma etwa ihren Sohn, Ardas Vater Ahmet, zurecht, weil er Arda für seine Spukbesessenheit tadelt:

„Lass mein Enkelkind in Ruhe, Ahmet, natürlich darf er fragen, was er im Sinn hat, und sich darüber Gedanken machen. Damit er nicht den falschen Weg nimmt, musst du ihm alles erklären“ (Seite 153).

Super, die Eltern-Kind-Beziehung mal aus muslimischer Sicht zu betrachten: Die Eltern, nicht der Sprössling selbst, sind dafür verantwortlich, dass das Kind auf dem rechten Weg bleibt ;-).

Die verlockenden Beschreibungen des leckeren Essens, das die Mütter von Arda und Lennard zubereiten, ist mir besonders aufgefallen: Wenn es den lesenden Kids so geht wie mir, werden sie während der Romanlektüre ständig Hunger haben.

Nesrin Kismars Kinderbuch punktet mit sympathischen Charakteren, einer spannenden Geschichte und einem kulturell sowie geographisch interessanten Hintergrund. Wie schade, dass diese Geschichte nicht von einem der großen Kinderbuchverlage publiziert wurde: Eine erfolgreiche Verlagslektorin hätte dem Buch definitiv zu einem besseren Untertitel, Klappentext und Cover verholfen und eventuell die ein oder andere Passage etwas gekürzt. Nichtsdestotrotz ist Arda und der Spuk von Tegel ein absolut empfehlenswertes Buch und ein wahrer Geheimtipp!

Die gebürtige Türkin und studierte Physikerin Nesrin Kismar lebt übrigens mit ihrem Mann und vier Kindern in Berlin. Sie schreibt Kinderbücher sowie Romane für Erwachsene.

Nesrin Kismar. Arda und der Spuk von Tegel: Ein Tegeler Abenteuerroman. Aachen: Shaker Media, 2017.

Jutta Treiber: Na ja

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: ab 4 Jahren
32 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,95

Themen: Eigenliebe / Selbstkritik, Individualität vs. Mainstream, Schönheit, Identität, Mut zum Anderssein

Zum 70. Geburtstag alles Gute, liebe Jutta Treiber! Die am 10.1.1949 geborene österreichische Autorin ist vielseitig begabt, und ihre Bilderbücher, Kinderbücher, Romane für Jugendliche und Erwachsene, Lyrik, Kindermusicals, Hörspiele, Kurzgeschichten und Kurzfilme begeistern Jung und Alt. Sie erhielt zahlreiche Literaturpreise, darunter den Kinder- und den Jugendbuchpreis der Stadt Wien, den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur sowie Würdigungspreise der Burgenlandstiftung Theodor Kery und des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. Treibers umfangreiches Werk wurde in 23 Sprachen übersetzt.

Ihr zu Ehren hat der Tyrolia Verlag Jutta Treibers gefeiertes Bilderbuch Na ja neu aufgelegt, das die deutsche Künstlerin und Illustratorin Susanne Eisermann einfühlsam und beeindruckend bebildert hat. Selbstkritisch blicken da ein Kreis, ein Dreieck und ein Quadrat vom Cover. Na ja, so ganz perfekt ist man nicht: Zu spitz, findet sich das Dreieck, zu rund der Kreis, zu eckig das Quadrat. Der Figurendoktor meint: „Kein Problem“. Hier kommt was weg, dort wird abgesaugt, da schnürt er was zusammen – et voilà. „Na ja“, sagen die drei Formen nun und stehen alle gleich eiförmig da. Der Figurendoktor zögert nicht lange, polstert auf, kantet ab, spitzt zu. Ob die Drei nun zufrieden sind?? Das herrliche Ende möchte ich nicht vorwegnehmen: unbedingt selber lesen!

Jutta Treiber führt die Absurdität des menschlichen Schönheitswahns lustig vor Augen, und jedem Kind (bzw. vorlesenden Erwachsenen) wird nach dem genussvollen Erleben von Susanne Eisermanns bezaubernden Formen und Farben bewusst, wie schön es ist, sich selbst zu lieben, genauso wie man ist. Jutta Treiber ruft uns zu: Pfeif auf das Idealbild, sei du selbst! Wie schön ist das?!

Jutta Treiber. Na ja. Innsbruck: Tyrolia, 2019.