William Shakespeare und Lisbeth Zwerger: Romeo & Julia

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦◊◊◊
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Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: meiner Einschätzung nach ab 8 Jahren, auch für erwachsene Verliebte und Shakespeare-Fans sehr zu empfehlen. Das vom Hersteller empfohlene Alter liegt bei 12 – 15 Jahren. Ich traue jüngeren LeserInnen die gehobene Sprache allerdings schon zu, insbesondere da durchwegs geläufige Wörter verwendet werden
48 Seiten, gebundene Ausgabe um € 19,95

Themen: Liebe, Feindschaft, Verona, Shakespeare-Drama für Kinder, Liebespaar

Romeo und Julia las ich zum ersten Mal als 17-Jährige (Shakespeares beliebtestes Drama war natürlich Schullektüre). Gott sei Dank hatte unsere Englischlehrerin Gnade mit uns und schaffte für uns Teenies eine zweisprachige Schulausgabe der Cambridge University Press mit Verständnishilfen an. Ich stand schon nach den ersten Seiten in Flammen und fand das Drama genial. Umso mehr freut es mich, dass Lisbeth Zwerger sich Shakespeares Romeo und Julia „vorgeknöpft“ hat und die herausfordernde Geschichte für Kinder nacherzählt und illustriert hat. Herausgekommen ist ein rundum gelungenes Meisterwerk, das ich Euch sehr ans Herz legen möchte.

Die Geschichte vom berühmtesten Liebespaar der Weltliteratur ist vielen Erwachsenen geläufig, wenn nicht von Shakespeares Theaterstück, dann zumindest von Leonard Bernsteins West Side Story oder Baz Luhrmanns cooler Verfilmung aus dem Jahr 1996. Lisbeth Zwerger macht diese Liebesgeschichte Kindern zugänglich, in einfachen Sätzen und doch in stimmig-gehobener Sprache. Ihre wunderschönen, feinen Illustrationen veranschaulichen zum einen die Handlung und Gefühlswelt der Figuren, zum anderen sind sie zauberhafte Kunstwerke, die diese Ausgabe von Romeo und Julia anderen überlegen machen. Als Sahnehäubchen hat Zwerger noch Shakespeares Originalstimme eingebaut und die berühmtesten Zitate bzw. wichtigsten Zeilen des Theaterstücks in den Text eingefügt. Was will man mehr?

Tja… also eigentlich will man noch, dass die Geschichte gut ausgeht und Romeo und Julia bis an ihr Lebensende glücklich zusammenleben. Ob Lisbeth Zwerger das möglich macht???

Wenn Ihr Eure Kinder an Shakespeares geniales Werk heranführen wollt bzw. den Kids die Romeo und Julia-Story vorstellen wollt, kann ich Euch dieses Buch nur empfehlen. Hier könnt Ihr mein Interview mit der großartigen Lisbeth Zwerger nachlesen.

Ich bedanke mich sehr herzlich beim Verlag Michael Neugebauer (Minedition), von dem ich ein signiertes Rezensionsexemplar erhalten habe.

William Shakespeare. Romeo & Julia. Nacherzählt und illustriert von Lisbeth Zwerger. Bargteheide: Michael Neugebauer Edition (Minedition), 2016.

Interview mit Lisbeth Zwerger, BCBF 2019

Bild: Detail aus Lisbeth Zwergers Romeo und Julia (2016)

Die Wienerin Lisbeth Zwerger zählt zu den bekanntesten IllustratorInnen. Die grandiose Künstlerin erhielt schon zahlreiche Auszeichnungen, darunter vier (!!) Bologna Ragazzi Awards, zwei (!!) Hans Christian Andersen Preise und das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich. Sie hat zwei Tage und ein paar Jährchen vor mir Geburtstag und begeisterte mich auf der Kinderbuchmesse in Bologna, wo ich sie am 3. April 2019 am Stand des Michael Neugebauer Verlags interviewen durfte, mit ihrer direkten und ehrlichen Art. Hat sie wirklich gesagt, ihr falle nichts mehr ein? Warum juckt sie es eigentlich nicht, sich eine eigene Geschichte auszudenken? Die Antworten zu diesen und anderen spannenden Fragen findet Ihr hier:

BW: Diese langen IllustratorInnenschlangen an den Verlagsständen der Kinderbuchmesse in Bologna stechen einem ins Auge. Was sagen Sie dazu?

LZ: Ich musste es nie tun. Ich bin sozusagen froh, dass ich schon in einem höheren Alter bin: Ich hatte noch das Glück, eine Art Karriere zu machen. Es ist jetzt sicher schwieriger für die jungen Leute.

BW: Sie sind hochdekorierte Illustratorin und wurden unter anderem mehrmals von der New York Times ausgezeichnet, sind Trägerin von vier Bologna Ragazzi Awards, zwei Hans Christian Andersen Preisen, dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich und vielem mehr. Hat es am Karriereanfang genauso viele Absagen gegeben?

LZ: Um ganz ehrlich zu sein, ich habe eigentlich keine Ablehnung in Erinnerung. Ich bin in die richtigen Hände gekommen, nämlich zu Neugebauer Press, zum Vater des jetzige Verlegers Michael Neugebauer.

BW: Wie läuft so eine Publikation als etablierte Illustratorin ab? Denken Sie sich nun einfach Sachen aus und geben beim Verlag Bescheid?

LZ: Früher war das so. Früher habe ich mir Sachen ausgedacht und konnte die dann illustrieren. Aber jetzt fällt mir nichts mehr ein. Ich habe schon so viele Märchen illustriert, was soll ich noch machen? Jetzt bin ich auf die Anregung der Verleger angewiesen. Und das ist dann eine schönere Herausforderung, als hätte ich die Idee schon lange mit mir herumgetragen.

BW: Sie sind ja bekannt für Ihre Märchenbücher. Juckt es Sie manchmal, ein eigenes Bilderbuch mit einer eigenen Geschichte zu machen?

LZ: Nein, weil ich nicht zu den Leuten gehöre, die gerne etwas erzählen. Ich wüsste nicht, was ich mir einfallen lassen sollte. Es fällt mir nichts ein und es würde mich, glaube ich, langweilen, meine eigenen Geschichten zu illustrieren.

BW: Ist es für Sie ein Druck, sich in eine Tradition einzureihen und einen Stoff zu bearbeiten, den auch schon andere KünstlerInnen illustriert haben?

LZ: Früher, vor vielen Jahren habe ich mich nicht getraut anderer Leute Illustrationen anzuschauen, weil ich mir gedacht habe, das würde mich ablenken oder zu stark beeinflussen. Aber jetzt schaue ich sie mir gerne an, weil diese Gefahr nicht mehr besteht.

BW: Was ist Ihr Lieblingskinderbuch?

LZ: Sofort fallen mir Die Mumins ein.

BW: Welches Ihrer eigenen Bücher ist Ihr Liebling? Oder ist Ihnen immer Ihr jüngstes Projekt am liebsten?

LZ: Ja, ich bin immer in die Neuesten verliebt, aber es gibt schon Lieblinge, zum Beispiel Der Nussknacker.

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Lisbeth Zwerger für das Interview! Leider habe ich in der Aufregung vergessen, um ein gemeinsames Foto zu bitten. Da ein Bild mehr sagt als tausend Worte, stelle ich ein Foto von einer ihrer Illustrationen ein. Darauf zu sehen sind vier Zeichnungen von zwei Rosen, die die Handlung von Shakespeares Romeo und Julia grandios zusammenfassen und sozusagen den graphischen Prolog zu ihrem Buch Romeo und Julia (2016) bilden. Hier stelle ich dieses unfassbar schöne Buch vor.

Ein großes Dankeschön an Michael Neugebauer und sein Team für die Interview-Herberge am Minedition-Stand in Bologna und an Gudrun Albertsmeier für ihre beherzte Intervieworganisation!

Clive Gifford und Paul Boston: Das große Buch der Vergleiche

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 6 Jahren

96 Seiten; gebundene Ausgabe um € 16,95

Themen: Natur, Naturwissenschaften, Vergleiche, Sachbuch

Als ich gerade meinen Blog gestartet hatte, hat mich eine Followerin angeschrieben und mich gefragt, ob ich nicht ein Natursachbuch kennen würde, das Kindern naturbezogene Zahlen und Fakten durch Vergleiche veranschaulicht. In etwa so: „Wenn man die ganze Weltbevölkerung gleichmäßig auf die Erde verteilt, dann leben 129 Personen auf 2,5 Quadratkilometern, das ist so groß wie ein Fußballfeld.“ Oder: „Ein Giraffenbulle wird in etwa 5,5m groß, das ist so hoch wie drei durchschnittlich große Männer übereinander.“

Ich habe damals sofort eine große Recherche gestartet, wollte meine erste Anfrage als Kinder- und Jugendbuchexpertin natürlich gut meistern. Leider fand ich nur englischsprachige Sachbücher dieser Art. Typisch: Im anglo-amerikanischen Sprachraum versteht man es, selbst Fakten in eine spannende Story zu verpacken.

Aber nun, taadaaaa: Diese tolle Neuerscheinung im Moses Verlag, dem meine Kinder und ich übrigens sehr herzlich für das Rezensionsexemplar danken. Clive Gifford (Text) und Paul Boston (Illustrationen) haben genau so ein Traumbuch verfasst, das den Kindern naturwissenschaftliche Fakten durch lustige Vergleiche vorstellbar und zugänglich macht. Na gut, die zwei kommen aus Großbritannien, aber durch die feine Übersetzung von Stefanie Kuballa-Cottone gibt es dieses schlaue Buch nun auf Deutsch. Hurra!

Das große Buch der Vergleiche: Groß wie ein Wolkenkratzer, klein wie eine Maus überrascht mit witzigen Vergleichen: Die Zunge des Blauwals ist so groß, dass 2 Fußballmannschaften darauf passen. Ein Nashornkäfer kann das 100-fache seines Körpergewichts stemmen, das ist, als würde ein Mann 1 Afrikanischen Elefanten + 1 Breitmaulnashorn stemmen. Unsere Mundspeicheldrüsen produzieren pro Jahr so viel Speichel, dass man damit 3,5 Badewannen füllen könnte (ja, das ist eklig, aber wahr!). Und all diese Zahlen werden nicht nur beschrieben, sondern auch noch bildlich dargestellt. Perfekto!

Wie sollen sich Kinder die Größe oder das Gewicht von etwas vorstellen, das sie noch nie gesehene haben, noch dazu, wenn sie eigentlich nicht wissen, wie schwer 1 Tonne oder wie hoch 100 Meter sind? Durch Vergleiche mit Dingen, die Kinder kennen, veranschaulicht dieses tolle Sachbuch interessante naturwissenschaftliche Fakten zu den Themen Mensch, Tiere, Pflanzen, Weltall, Naturkatastrophen wie Lawinen und Erdbeben, Energie, Wetter, Wasser (inkl. Ozeane und Tiefsee), Höhe (Tiere, Bäume, Gebäude, Berge), Sphärische Höhe (alle Höhenangaben erfolgen in km sowie der Anzahl übereinandergestapelter Bleistifte), das Erdinnere, Temperatur, Rekorde, Sonnensystem, Weltraum, Schwerkraft, Dinosaurier, Sport, Maschinen, Physik, die Sinne und die Geschichte der Erde. Kurz: Alles, was Kinder an naturwissenschaftlichen Informationen wissen wollen und sollen steckt in diesem Buch, und zwar so erklärt, dass man sich was darunter vorstellen kann und es sich merken kann (Das macht dieses Buch zu einem idealen Geschenk für praktisch jedeN). Und die Illustrationen von Paul Boston sind auch genial, sodass auch die Augen der Kids bestens unterhalten werden. Dieses Buch ist ein perfektes Rundumpaket, ein erstklassiges Sachbuch, das die Kinder bestens unterhält.

Der mehrfach ausgezeichnete Autor Clive Gifford legt übrigens größten Wert darauf, dass seine Bücher die jungen LeserInnen unterhalten, informieren und in Staunen versetzen. Gifford schreibt nicht nur Bestseller, sondern hat auch schon über 70 Länder bereist, als Journalist berühmte WissenschaftlerInnen und SportlerInnen interviewt und Beiträge für die Encyclopedia Britannica verfasst. Mehr zu seiner Person findet Ihr hier. Informationen zum Illustrator Paul Boston gibt’s hier.

Clive Gifford und Paul Boston. Das große Buch der Vergleiche: Groß wie ein Wolkenkratzer, klein wie eine Maus. Kempen: Moses Verlag, 2019. Übersetzt von Stefanie Kuballa-Cottone. Titel der Originalausgabe: The Book of Comparisons: Sizing up the World around You.

Elsa Mroziewicz: Wilde Tierstimmen

Leselevel: ♦◊◊◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦◊◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 1 – 3 Jahren
12 Seiten, robuste Ausgabe mit Klappen um € 12

Themen: Tiere, Geräusche, Laute, Rätselspaß, Feinmotorik, Klappen

Elsa Mroziewiczs Wilde Tierstimmen ist ein wunderschönes, farbenfrohes Bilderbuch für 1 – 3-Jährige. Seine dreieckige Form und die bezaubernden Illustrationen sind hinreißend. Zudem enthält es spannende Tierrätsel: Die Kids dürfen auf jeder Doppelseite raten, welches Tier wohl den beschriebenen Laut macht. Dann gilt es die Klappen zu öffnen und nachzusehen, ob sie Recht hatten. Die jungen LeserInnen dürfen die Tierköpfe mit 2 Klappen „auspacken“, und zwar je nach Tier mal nach oben, mal nach unten, und beim Krokodil heißt es sogar Buch drehen. Großartig! Auch für ältere Geschwisterkinder ein großes Vergnügen!

Ich wünsche Euch viel Spaß mit diesem besonderen Bilderbuch und bedanke mich sehr herzlich beim Verlag Minedition für mein Rezensionsexemplar.

Elsa Mroziewicz ist eine herausragende Bilderbuchkünstlerin, die auch schreibt und Filme macht. Hier erhält man einen guten Eindruck von ihrem bunten, ansprechenden Stil, der stark geprägt ist von der Zirkuswelt, dem Theater, der Musik und ihren Reisen in Länder wie Mexiko, dem Jemen, Indien und Indonesien.

Elsa Mroziewicz. Wilde Tierstimmen. Bargteheide: minedition (Verlag Michael Neugebauer Edition): 2019.