Rainer Oberthür und Barbara Nascimbeni: Die zehn Gebote

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Zielgruppe: ab 8 Jahren

56 Seiten, gebundene Ausgabe um € 15

Themen: Gott, Menschen, die zehn Gebote, Christentum, christlicher Glaube, Ethik, Eltern, Kinder, Benehmen, Goldene Regel, die Bibel, Nächstenliebe, Lebenseinstellung

„Wie wollen wir leben?“, fragen wir Menschen uns seit tausenden von Jahren. Die zehn Gebote zeigen uns, wie wir Frieden und Gerechtigkeit für alle erreichen und eine lebenswerte Zukunft schaffen können. Das hört sich nach Friday for Future an, bezieht sich hier aber auf einen Lebensweg mit und zu Gott.

Der Aachener Rainer Oberthür, er ist Dozent für Religionspädagogik und Grundschullehrer, beschreibt in seinem Buch Die zehn Gebote die Bedeutung der zehn Regeln und ihren biblischen Hintergrund. Die studierte Grafikdesignerin Barbara Nascimbeni, sie lebt in Hamburg und ist international erfolgreiche Illustratorin, veranschaulicht in den beeindruckenden Bildern des Buches den Kern der zehn Gebote und wie sie in das Leben jedes und jeder Einzelnen hineinwirken.

Dieses Buch ist nicht nur in der Fastenzeit und Osterzeit oder für die Erstkommunion empfehlenswert, sondern ist ein schöner religiöser Begleiter für jeden Tag.

Vielen Dank an den Gabriel Verlag in der Thienemann-Esslinger-Verlagsgruppe und an Henrike Blum für das Rezensionsexemplar!

Rainer Oberthür, Barbara Nascimbeni. Die zehn Gebote. Stuttgart: Gabriel Verlag in der Thienemann-Esslinger-VerlagsGmbH, 2020.

Susanne Straßer: Fuchs fährt Auto

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Zielgruppe: 2 – 6 Jahre alte Kids

26 Seiten, robuste gebundene Ausgabe um € 14,90

Themen: Auto, Bobby Car, Tiere, Fuchs, Freundschaft, Team, Landschaften, Skateboarden

In diesem witzigen Bilderbuch fährt Fuchs mit seinem Bobby-Car herum: durch Pfützen, auf Schotterwegen, durch den Wald, bergauf, bergab. Wo er auch hinkommt, immer springt ein blinder Passagier auf und genießt den wilden Ritt. Als zu guter Letzt ein Kind aufspringt, merkt der eifrige Flitzer dann doch, dass er nicht allein ist und…

Auf jeder Seite können die kleinen Leser etwas entdecken, zum Beispiel wo sich die wagemutige Raupe immer hinwagt. Die Kids können sich ins coole Bobby-Car-Abenteuer des Fuchses voll hineinleben: Bestimmt sind sie auch schon mal zwischen Hindernissen hindurchgebraust und haben ihr Auto über steile Hügel hinaufgeschoben. Susanne Strassers klare, farbenfrohe, ansprechende und einfallsreiche Bilder sprechen Bände.

Ein lustiges Bilderbuch für kleine Flitzer! Herrlich unterhaltsam!

Susanne Straßer, geboren 1976 in Erding, studierte Kommunikationsdesign in München und London. Ihre Arbeiten wurden international ausgezeichnet, u. a. mit dem Troisdorfer Bilderbuchpreis 2019 für ihr ebenfalls großartiges Bilderbuch Der Wal nimmt ein Bad. Susanne Straßer lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in München.

Vielen Dank an den Peter Hammer Verlag für das Rezensionsexemplar!

Susanne Straßer. Fuchs fährt Auto. Wuppertal: Peter Hammer Verlag, 2020.

Katja Gehrmann und Constanze Spengler: Seepferdchen sind ausverkauft

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Zielgruppe: ab 4 Jahren

48 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14

Themen: Langeweile, Eltern-Kind-Beziehung, Tiere, Freundschaft, Baden, arbeitende Eltern, Berufstätigkeit, Home-Office, Zoohandlung, Humor

Katja Gehrmann und Constanze Spengler ist mit Seepferdchen sind ausverkauft etwas ganz Großes gelungen: eine Bilderbuch voller Witz und vor allen Dingen überhaupt nicht vorhersehbar!

Papa ist im Home-Office schwer beschäftigt und gibt Mika sein Portemonnaie, damit Mika sich ein Haustier kaufe und sich schön leise damit spiele. Doch dann verkriecht sich die gekaufte Wüstenrennmaus im Wohnzimmer und Mika muss noch einen Welpen kaufen, um die Maus wiederzufinden. Leider hat der Hund Mikas Kloerklärung nicht ganz verstanden, und so muss Mika noch einen Seehund kaufen. Der ist schon groß, kann im Badezimmer wohnen und darauf achten, dass der Welpe ins WC macht und nicht daneben. So geht die Geschichte weiter, bis Mika zum Premiumkunden der Zoohandlung aufsteigt und die Wohnung voller Tiere ist. Doch irgendwann ist Mikas Papa mit seiner Arbeit fertig…

Zur superwitzigen Geschichte kommen die bezaubernden Illustrationen, auf denen es unglaublich viel zu entdecken gibt (z.B. wie sich die Laune des Zoohändlers bessert, was die Tiere immer so treiben und wie es möglich ist, dass der Papa nichts von der stetig wachsenden Herde mitbekommt). Die Bilder sind äußerst ansprechend, farbenfroh und fantasiereich: einfach absolut gelungen!

Herrlich unterhaltsam! Ein Lachbuch für Groß und Klein!

Vielen Dank an den Moritz Verlag und Henrike Blum vom Literaturbüro für das Rezensionsexemplar!

Katja Gehrmann und Constanze Spengler. Seepferdchen sind ausverkauft. Frankfurt am Main: Moritz Verlag, 2020.

Erwin Moser: Wer küsst den Frosch?

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Zielgruppe: ab 3 Jahren

24 Seiten, gebundene Ausgabe um € 7,50

Themen: Liebe, Küssen, Partnerschaft, Tiere, Valentinstag; Mitbringsel

Zum Valentinstag (und den anderen 364 Tagen des Jahres) passt Erwin Mosers Bilderbuch Wer küsst den Frosch perfekt!

Der kleine Teichfrosch führt ein wunderbar einfaches Leben. Doch als er zwei Eichkätzchen beim Küssen beobachtet, sehnt er sich plötzlich nach jemandem, der ihn küsst. Die Suche beginnt: Storch? (Räusper, bitte nicht!) Bär? Mücke? Maus? Schildkröte? Igel? (Autsch!), Hase? Katze? („‚Das kostet zwanzig Mäuse, Kleiner! Hast du die?‘“, S. 15) Soweit, so unromantisch, aber herrlich unterhaltsam!

Als der Frosch zum Teich zurückkehrt, betrachtet er sich im Spiegelbild, und da geschieht es. Und dann geschieht es noch einmal! Herrlich romantisch und lustig!

Eine wunderschöne, witzige, liebevolle Geschichte für alle ab 3 Jahren. Sehr empfehlenswert!

Erwin Moser (1954 – 2017) war der begnadete Zeichner und Autor von über 100 Kinder- und Jugendbüchern, die vielfach ausgezeichnet und in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden. Für den herausragenden Künstler richtete seine Heimatgemeinde Gols am Neusiedlersee 2014 ein eigenes Erwin-Moser-Museum ein.

Ich danke dem G&G Verlag für das Rezensionsexemplar!

Erwin Moser. Wer küsst den Frosch? Wien: G&G Verlagsgesellschaft, 2017.

Anouck Boisrobert und Louis Rigaud: Eins, zwei, drei, die Akrobaten!

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Zielgruppe: Jungs und Mädchen ab 3 Jahren

24 Seiten, gebundene Ausgabe um € 21,90

Themen: Zirkus, Akrobatik, Akrobaten, Kater, Manege

Eins, zwei, drei, die Akrobaten! ist ein besonders gelungenes Pop-up-Buch für LeserInnen ab 3 Jahren. Anouck Boisrobert und Louis Rigaud sind exzellente Pop-up-Künstler. Auch die gelungene Übersetzung von Aggi Becker in feinstem Zirkusdeutsch trägt zur herausragenden Qualität dieses Bilderbuchs bei.

Optisch macht das Buch ebenfalls einiges her. Es ist so hoch wie mein Unterarm lang und so breit wie meine Hand (auf der Leipziger Buchmesse können mich alle, die es genau wissen wollen, treffen und vermessen). Klappt man es auf, sieht man ein herrliches, dunkelblaues Zirkuszelt in dem sich Seite um Seite immer mehr farbenfrohe Zirkusakrobaten türmen. Als sich zu guter Letzt Alex und Alexa auf der Menschenpyramide verrenken, springt Kater Rufus oben drauf und RUMS! Aber echte Zirkusleute und -kater haben immer ein Ass im Ärmel!

Die staunenden Kinder lernen übrigens ganz nebenbei die Zahlen von 1 bis 10 und den Zauber von Teamarbeit kennen!

Ein großartiges, unterhaltsames Bilderbuch-Kleinod, das natürlich aufgrund der aufwendigen Machart seinen Preis hat. Trotzdem: Absolut empfehlenswert!

Ich danke dem Verlag Kleine Gestalten für das wunderschöne Rezensionsexemplar!

Anouck Boisrobert und Louis Rigaud. Eins, zwei, drei, die Akrobaten! Berlin: Kleine Gestalten, 2019. Übersetzt von Aggi Becker.

Erwin Moser: Die Mäusepiraten

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Zielgruppe: ab 3 Jahren

24 Seiten, gebundene Ausgabe um € 7,50

Themen: Piraten, Freundschaft, Schatz, Insel, Tiere; Mitbringsel

„(Vor)Lesen macht Ihr Kind schlauer!“ steht auf der Seite vor dem Titelblatt von Erwin Mosers genialem Bilderbuch Die Mäusepiraten. Es rege die Fantasie an und fördere Sprache und Wortschatz. Wie wahr! Und vor allen Dingen, im Fall von Erwin Mosers Büchern: Es macht einen Heidenspaß!

Die beiden Mäuse Edgar und Daniel beschließen eines Tages einfach so, mir nichts, dir nichts, Piraten zu werden. Sie kaufen sich ein Segelschiff und schippern los, um Schiffe auszurauben und berühmt zu werden. Dabei machen sie jede Menge Freunde und finden am Ende sogar noch einen Piratenschatz.

Eine liebevolle, witzige, spannende Geschichte für alle ab 3 Jahren (nach oben hin gibt’s keine Grenze!). Dazu kommen noch Erwin Mosers unfassbar schöne, lustige, fantasiereiche Bilder. Einfach durch und durch gelungen und sehr empfehlenswert!

Erwin Moser (1954 – 2017) war der begnadete Zeichner und Autor von über 100 Kinder- und Jugendbüchern, die vielfach ausgezeichnet und in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden. Für den herausragenden Künstler richtete seine Heimatgemeinde Gols am Neusiedlersee 2014 ein eigenes Erwin-Moser-Museum ein.

Ich danke dem G&G Verlag für das wunderschöne Rezensionsexemplar!

Erwin Moser. Die Mäusepiraten. Wien: G&G Verlagsgesellschaft, 2017.

Markus Dietrich: INVISIBLE SUE Plötzlich unsichtbar

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Zielgruppe: ab 10 Jahren

160 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12,90

Themen: Einzelgängerin, Freundschaft, Familie, Superheldin, Erfindungen, Superkraft, Nerd, IT-Genie, BMX-Champ, Hochbegabung, Außenseiter

Im Herbst 2019 kam der Kinofilm „Invisible Sue: Plötzlich unsichtbar“ heraus – den haben wir irgendwie nicht mitbekommen. Aber das Buch zum Film von Markus Dietrich finden meine Kinder und ich klasse!

Sue ist zwölf und wird von allen, außer ihrem Vater, ignoriert. Bei einem Unfall im Labor ihrer Mutter kommt sie eines Tages mit einer neu entwickelten Substanz in Berührung: Ab diesem Zeitpunkt kann sie sich unsichtbar machen – und wird gejagt.

Zwei Mitschüler, der BMX-Champ Tobi und die geniale Tüftlerin Kaya, helfen ihr in höchster Not und retten zusammen mit Sue deren entführte Mutter. Auf weitere Abenteuer der Drei darf man gespannt sein!

Markus Dietrichs Erzählweise ist zwar nicht so kunstvoll wie z. B. Katja Brandis‘ oder Eliot Schrefers, aber die Geschichte läuft so spannend ab wie ein Kinofilm* und unterhält mit viel Witz und Nervenkitzel bestens.

*Der Kinofilm hat übrigens den Preis der Kinderjury (Oulu Filmfestival 2018) und den Publikumspreis (FIFEM Montreal 2019) gewonnen.

Ich danke dem 360 Grad Verlag und Bücherwege für das Rezensionsexemplar!

Markus Dietrich. Invisible Sue: Plötzlich unsichtbar. Schriesheim: 360 Grad Verlag, 2019.

Samuel Castaño Mesa: Die Uhr meines Großvaters

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Zielgruppe: ab 5 Jahren

44 Seiten, gebundene Ausgabe um € 17

Themen: Tod, Zeit, Familie, Großvater – Enkelkind, Opa

Samuel Castaño Mesa, ein 1988 geborener Buchillustrator, zeichnet für Geschichte und Bilder dieses absolut empfehlenswerten Bilderbuchs verantwortlich. In Wort und Bild erzählt er die bewegende Geschichte eines kleinen Jungen und seiner Familie. Die vom Großvater am Laufen gehaltene Pendeluhr gibt im Familienleben den Takt vor. Doch eines Tages stirbt der Großvater und die Zeit scheint stehen zu bleiben, bis der Junge den Schlüssel der Pendeluhr entdeckt und das Leben wieder in Gang bringen kann.

Der Kolumbianer Mesa hat diese feine Geschichte mit Bleistift, Aquarellfarben und Collagen fantasievoll, ergreifend und beeindruckend illustriert. Ein Gesamtkunstwerk!

Ich danke dem Verlag Baobab Books für das Rezensionsexemplar.

Samuel Castano Mesa. Die Uhr meines Großvaters / El reloj de mi abuelo. Basel: Baobab Books, 2019.

Lena Raubaum und Clara Frühwirth: Die Knotenlöserin

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Zielgruppe: ab 4 Jahren

26 Seiten, gebundene Ausgabe um € 16,95

Themen: Streit, Versöhnung, Harmonie, Entwirrung, Geradebiegen; die Muttergottes

Kennt ihr das? Die Kinder streiten sich und die Lage scheint so verzwickt und verdreht, dass man in dem Moment nicht weiß, wie man den Streit schlichten und den Knoten lösen kann. Lena Raubaum und Clara Frühwirths Bilderbuch Die Knotenlöserin ist das perfekte Buch für solche Fälle. Nicht nur weil Vorlesen generell beruhigend wirkt, sondern auch weil die poetische Geschichte zum Lösen und Entwirren einlädt.

Sobald die Knotenlöserin in die Stadt kommt, laufen Menschen und Tiere zu ihr hin und bringen ihr Verwirrtes und Verwickeltes, Verknotetes und Verzwicktes, alles, von verhedderten Flamingohälsen bis hin zu verknoteten Kopfhörerkabeln und verfilztem Pudelfell. Man erzählt ihr oder beobachtet sie still, mit viel Geduld entwirrt sie und hört zu, dann zieht sie weiter, „sanften Fußes, frohen Mutes“. Lena Raubaums feine Geschichte wird untermalt von Clara Frühwirths einfühlsamen, lustigen Bildern, die nicht nur mit ihrer wunderschönen Farb- und Formgebung begeistern, sondern auch mit bezaubernden Ideen wie verknoteten Häusern, zusammengeflochtenen Zöpfen und verwinkelten Kirchturmspitzen.

Der Borromäusverein hat dieses Buch übrigens als „Religiöses Kinderbuch des Monats 03/2019“ ausgezeichnet. Die Muttergottes wird manchmal auch als Knotenlöserin dargestellt (z.B. in der ältesten Kirche von Augsburg, St. Peter am Perlach) und somit ist eine religiöse Deutung möglich.

Ich bedanke mich sehr herzlich bei der Verlagsanstalt Tyrolia für das Rezensionsexemplar.

Lena Raubaum und Clara Frühwirth. Die Knotenlöserin. Innsbruck, Wien: Tyrolia Verlag, 2018.

Steven Herrick: Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen

Leselevel: ♦♦♦♦◊
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Zielgruppe: ab 13 Jahren

240 Seiten, gebundene Ausgabe um € 15

Themen: Familie, Freundschaft, erste Liebe, Stadtleben

Steven Herricks Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen, großartig übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn, hat 2019 den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis gewonnen. Es drängt sich die Frage auf, warum. Ist es besonders katholisch*? Nein. Ist es besonders gut? Oh, ja!!

Dieses unglaublich faszinierende Jugendbuch kombiniert die Gattungen Roman und Gedicht auf einzigartige Weise (und hier kommt der deutsche Übersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn wieder ins Spiel, denn ohne ihn hätte dieses Buch bestimmt keinen Buchpreis gewonnen!). Die Erzählung besteht aus gedichtartigen Szenen, die den LerserInnen bewegende Einblicke ins Leben des Jugendlichen Harry Hodby gewähren. Er lebt zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder Keith in einer australischen Stadt, ist in Linda verliebt und schlägt sich in der ärmlichen Nachbarschaft und der Schule durch.

Das Buch beginnt mit dem Gedicht „Die Farbe meiner Stadt“, das meiner Meinung nach dem Prolog in Shakespeares _Romeo und Julia_ hinsichtlich Vorausschau und Schönheit absolut ebenbürtig ist. (Wenn ihr mir nicht glaubt, lest bitte beides nach und nickt dann zustimmend!) Ich darf mal die letzten Zeilen dieses Gedichts zitieren, damit Ihr Euch selbst eine Vorstellung von diesem feinen Werk machen könnt:

Aus „Die Farbe meiner Stadt“:

„Braun

war den ganzen Sommer über das Gras,

eine tote Schlange,

platt gefahrene Riesenkröten

und unser mit Öl beschmiertes Haus;

nichts, was lebt,

nichts, was leuchtet.

Weiß

war Mums Nachthemd,

die Kreide, die Miss Carter benutzte,

um meinen Namen zu schreiben,

Krankenhauslaken

und die Farbe von Lindas Kreuz.“

(Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen, Seite 6-7)

Nun entfaltet sich vor unseren Augen Szene für Szene und Gedicht für Gedicht das Leben dieses scharfen Beobachters, der das Schöne auch im Hässlichen entdeckt und mit seiner anständigen Art gegen die Windmühlen seines Milieus kämpft, etwa wenn er die Lehrerin unschuldig fragt: „Warum haben Sie eigentlich / niemals geheiratet, / Miss Carter?“ (42), als sie seine Freundin Linda schikaniert und bezichtigt, sie träume davon, mit einem Jungen durchzubrennen.

Was Harry alles erlebt, ist schwer übersichtlich wiederzugeben: Menschen sterben, verletzten sich, ein Mädchen wird geschwängert, ein Haus geht in Flammen auf. Es ist das packende Leben eines normalen Jungen, den die Achterbahn des Lebens herumreißt, bis:

„Ich schließe das Tor,

gehe die Treppe hinauf,

setze mich

auf die oberste Stufe

und warte auf Dad

und auf Keith,

dass sie

nach Hause kommen

in der perfekten Stille

des Nachmittags.“ (238-239)

Großes Kino für feinfühlige Jugendliche und Erwachsene!

Das Buch wurde übrigens auch mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2019 ausgezeichnet und es wurde Jugendbuch des Monats Juni 2018 der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V..

*Gott wird im Buch zweimal erwähnt: Einmal nach einem schrecklichen Unfall des Vaters, einmal im Gedicht „Es war nicht Gott“, in dem sich Harry fragt, wo Gott war, als all die schrecklichen Dinge in seinem Leben passierten.

Heute habe ich zwar nicht für ein Rezensionsexemplar zu danken (selbstgekauft, grins), aber trotzdem danke ich dem Thienemann-Esslinger-Verlag, der so großartige Bücher ins Deutsche übersetzen lässt und herausbringt, damit auch die deutschsprachige LeserInnenschaft so etwas Schönes lesen kann!

Steven Herrick. Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen. Stuttgart: Thienemann Esslinger Verlag, 2018. Genial aus dem australischen Englisch übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn. Originaltitel: By the River.