Interview mit Agnese Baruzzi, BCBF 2019

Auf der diesjährigen Kinderbuchmesse in Bologna habe ich am 2.4.19 die renommierte Kinderbuchillustratorin Agnese Baruzzi getroffen. Mit ehrlichen Worten gewährt sie in diesem Interview einen tiefen Einblick ins Leben einer Illustratorin, in die Zusammenarbeit zwischen Verlag und Künstlerin, in ihr künstlerisches Schaffen und die finanzielle Komponente.

Als Tochter eines Schriftsetzers und einer Bibliothekarin ist die 1980 geborene Agnese Baruzzi seit ihrer Kindheit von Büchern umgeben. Seit 2001 arbeitet sie nun schon als Illustratorin und Kinderbuchautorin, und zwar höchst erfolgreich. Ihre über 100 Bilderbücher werden in vielen Ländern publiziert. Sie lebt nahe Bologna in einem kleinen Häuschen am Land, gut bewacht von ihren Hunden Zorba und Orso.

BW: Wie entstehen Deine Bücher? Beginnt alles mit einer Idee von Dir oder kommen die Impulse vonseiten des Verlags?

AB: Jedes Buch hat seine eigene Entstehungsgeschichte. Manchmal habe ich eine Idee und gehe damit zum Verleger. Dann besprechen wir sie. Diese Gespräche sind sehr wertvoll und nützlich, zum Bespiel mit Michael Neugebauer von Minedition. Zusammen können wir ein Projekt enorm verbessern. Wenn es schnell gehen muss und ich nur Dateien an den Verlag schicke, ohne eine ordentliche Besprechung mit dem Verleger, dann fehlt dem Projekt etwas. Sich auszutauschen ist ein wichtiger Teil der Zusammenarbeit. Üblicherweise fühle ich mich besonders jenen Buchprojekten verbunden, die aus einer meiner eigenen Ideen enstanden sind. Aber es kommt natürlich auch vor, dass mich ein Verlag bittet, ein Buch zu einem bestimmten Thema zu machen und sie das Format aussuchen, etc. Natürlich ist das auch okay, aber für diese Bücher brennt mein Herz ein klein bisschen weniger.

BW: Hier auf der Kinderbuchmesse in Bologna sieht man viele IllustratorInnen, die sich an Verlagsständen anstellen, um ihre Portfolios herzuzeigen und Aufträge an Land zu ziehen. Musst Du das auch noch machen?

AB: Nein. Ich vereinbare schon vor der Messe Termine mit den Verlagen, für die ich arbeite. Ich arbeite sehr gerne für meine Verlage und hoffe, dass sie auch gerne mit mir zusammenarbeiten. An die Zeit, als ich mich noch anstellen musste, kann ich mich aber noch gut erinnern. Ich wünsche den KollegInnen alles Gute, allerdings ist es sicher schwer für die Verlage, in so kurzer Zeit so viele Illustrationen zu beurteilen. Vielleicht ist dies doch nicht die beste Möglichkeit, sich und seine Bilder vorzustellen.

BW: Hast Du immer einen Notizblock dabei, allzeit bereit, neue Ideen festzuhalten?

AB: Ja. Allerdings nicht immer einen Notizblock, manchmal auch nur irgendwelche Zettel oder Ähnliches. Aber um die Wahrheit zu sagen: Ich arbeite sehr strukturiert. Meistens arbeite ich von 8 oder 9 Uhr bis Mittag und dann wieder am Nachmittag. Nachts arbeite ich so gut wie nie. Irgendwie nicht besonders spannend: Hört sich mehr nach Angestellter an als nach Künstlerin (lacht). Aber in der Phase der Ideenfindung geht es natürlich spontan zu. Da kann es schon vorkommen, dass ich auf dem Rad sitze oder schwimme oder an der Supermarktkasse stehe, wenn mir etwas einfällt.

BW: Arbeitest Du auf Papier oder benützten IllustratorInnen heutzutage nur den Computer?

AB: Beim Ideenfinden mache ich mir immer Muster aus Papier. In dieser Arbeitsphase muss man Papier in Händen halten um zu sehen, was verbessert werden kann.

BW: Deine Illustrationen und Bücher haben immer etwas Überraschendes und Unerwartetes. Sie binden die jungen LeserInnen ein und erlauben ihnen, aktiv zu sein. Ist das Deiner Persönlichkeit geschuldet oder machst Du das vorsätzlich, vielleicht aus pädagogischen Motiven?

AB: Das sprudelt einfach so aus mir heraus. Es macht mir Spaß, Veränderungen und Transformationsprozesse zu beobachten. Und ich liebe es, das zu tun, was mir selber Spaß macht.

BW: Was inspiriert Dich? Die Natur? Oder beobachtest Du Kinder?

AB: Für mich sind die Illustrationen anderer KünstlerInnen sehr wichtig. Meiner Meinung nach erschafft niemand etwas, das es zuvor noch nicht gegeben hat. Es ist ganz normal, sich von den Werken anderer, von Büchern, von der Natur, von Filmen und von Kunst inspirieren zu lassen. Es gibt viele Inspirationsquellen, aber für mich ist der Vergleich mit den Werken anderer KünstlerInnen wesentlich. Und es ist mir auch sehr wichtig zu beobachten, was die Kinder mit meinen Büchern machen. In einem meiner Kinderkurse hat sich ein kleines Mädchen eine schlaue Verwandlung von einem Drachen in einen Fuchs einfallen lassen. Ich habe sie gefragt, ob ich ihre Idee in mein neues Buch einbauen dürfe – und ich durfte. (Anmerkung: Die Rede ist von Agnese Baruzzis neustem Verwandlungsbilderbuch Hoppla, was kann das sein?, das am 23. April im Verlag minedition erscheint. Die erwähnte Drache-Fuchs-Kombi hat es letztendlich nicht ins Buch geschafft – es gab noch besser: Regenschirm zu Walfischflosse beispielsweise.)

BW: Hast Du einen Lieblingsillustrator oder ein Lieblingskinderbuch?

AB: Maurice Sendak. Sein Buch Wo die Wilden Kerle wohnen liebe ich ganz besonders. Und als Kind mochte ich Roald Dahl sehr.

BW: Du lebst in Imola, in der Nähe von Bologna. Ist diese Messe ein Heimspiel für Dich?

AB: Ja, absolut. Früher habe ich sogar in Bologna gewohnt – jetzt lebe ich auf dem Land. Ich bin damals mit dem Rad zur Buchmesse gefahren, während die anderen MessebesucherInnen mit dem Flugzeug aus allen Teilen der Welt angereist sind.

BW: Wie viele Bücher hast Du schon veröffentlicht?

AB: Ich zähle sie nicht, aber über hundert werden es schon sein.  

BW: Deine Scherenschnitt-Bücher sind faszinierend, zum Beispiel The Beauty and the Beast (erschienen 2016 im Verlag Sterling Publishing). Machst Du solche Bücher besonders gerne?

AB: Ja, sehr gerne. Das kommt daher, dass mein Vater, der eine Druckerei hat, eine Laserschneidanlage gekauft hat. In diese Maschine habe ich mich Hals über Kopf verliebt. Ich habe damit unglaublich viel Zeit verbracht, habe mir Bücher mit dieser Technik ausgedacht. Aber leider ist es sehr teuer, solche Bücher fertigen zu lassen. Aus wirtschaftlicher Sicht waren diese Bücher kein großer Erfolg, fürchte ich. Sie kosten einfach zu viel. Aber ich bastle noch immer an neuen Projekten mit weniger ausgeklügelten Schnitten, damit die Bücher dann weniger kosten und wirtschaftlich erfolgreicher sind.

BW: Du bist eine bekannte Illustratorin und arbeitest für Verlage in Deutschland, Italien, England, Japan, Portugal, Südkorea und den USA. Arbeitest Du mit den ÜbersetzerInnen Deiner Bücher zusammen?

AB: Nein. Einmal habe ich sogar ein Buch für ein englisches Verlagshaus gemacht, das ins Italienische übersetzt wurde, aber nicht von mir. Natürlich war der Text sehr einfach, aber es wäre doch naheliegend gewesen, dass ich dieses Buch übersetze. Ich hätte die Worte gerne selbst ausgewählt. Ich bin überzeugt davon, dass das Übersetzen sehr wichtig ist. Leider beherrsche ich keine Fremdsprache gut genug, um selbst zu übersetzen, aber mir ist die Bedeutsamkeit des Übersetzens bewusst.

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Agnese Baruzzi, die sich auf der geschäftigen Messe in Bologna die Zeit genommen hat, mit mir zu sprechen. Dem Verlag minedition (Michael Neugebauer Edition) danke ich sehr herzlich fürs Einfädeln dieses Interviews und für die Gastfreundschaft auf dem Minedition-Stand! Besonders Gudrun Albertsmeier gebührt ein großes Dankeschön!

Auf meinem Blog finden sich Rezensionen zu folgenden, sehr empfehlenswerten Bilderbüchern von Agnese Baruzzi:

Spiel mit mir!

Große Überraschungen

Interview mit Kveta Pacovska, BCBF 2019

Kveta Pacovska, die kleine, zarte, über 90-jährige Dame, sitz am Tisch des knallroten Minedition Standes auf der Kinderbuchmesse in Bologna und guckt mich wach an (es ist der 3. April 2019). Sie sieht nach Künstlerin aus, schwarze Kleidung aus verschiedenen Materialien, Metallic-Nagellack, eine wunderschöne Frau. Dass sie etwas auf dem Kasten hat ist schon klar, bevor sie den Mund öffnet. Wir sprechen Englisch, doch dann fragt mich die Tschechin auf Deutsch, ob wir das Interview in deutscher Sprache machen wollen. Überrascht strahle ich sie an. Hinter mir reihen sich sofort weitere Pacovska-Fans ein, die nach meinem Interview um ein Autogramm bitten wollen. Eine asiatische Dame vor mir hatte Kveta um ein Selfie gebeten und ihr, noch bevor sie nein sagen konnte, ein Küsschen auf die Wange gedrückt. Andere Bewunderer filmen sie beim Signieren wie einen Panther hinter Gitterstäben. Meine Ausgabe von Pacovskas jüngstem Bilderbuch, Die Nimmtes-Nimmtes-Frau, das der Verlag Michael Neugebauer Edition 2018 zu Ehren ihres 90. Geburtstags herausgegeben hat, wird auch signiert. „Für Stella und Helena“ malt Pacovska in kraftvollen Strichen mit silbernem Metallicstift auf das schwarze Papier. Die Vornamen meiner Kinder werden wohl nie mehr schöner geschrieben werden, außer von ihnen selbst.


INTERVIEW

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Willkommen zum Kinderbuchbloggerinnen-Adventskalender! Wie Constanze von Kitzings drei Pinguine warten wir froh und munter auf das große Fest und freuen uns auf viele glückliche GewinnerInnen bei unseren täglichen Verlosungen!

An jedem Tag stellt eine von uns deutschen, schweizerischen und österreichischen Kinderbuchbloggerinnen ein geniales Kinderbuch vor, das dann nach 48 Stunden verlost und den Gewinnern zugeschickt wird. So bekommt Ihr ratzfatz freudebringende, sinnvolle und besondere Geschenkideen für Kinder, und mit etwas Glück gewinnt Ihr sogar ein Buch (oder mehrere)! Toitoitoi für die Verlosungen!

Am 1.12. startet die Initiatorin Anna Herrmann auf ihrem Blog Kinderbuch-Detektive.

 
Und so geht es weiter:

2.12. Familienbücherei

3.12. Papillionis liest

4.12. Kids & Cats

5.12. Bücherwelt von Corni Holmes

6.12. Buchverzückt

7.12. Favolina & Junior

8.12. Papillionis liest

9.12. Lütte Lotte

10.12. Geschichtenwolke

11.12. Mint & Malve

12.12. Kinderbuch-Fuchs

13.12. Buchwegweiser

14.12. meine Wenigkeit in der goldenen Mitte

15.12. Juli liest

16.12. Buchverzückt

17.12. Lütte Lotte

18.12. Buchverzückt

19.12. Mint & Malve

20.12. Letteraturen

21.12. Kids & Cats

22.12. Kinderbuch-Detektive

23.12. Favolina & Junior

24.12. Familienbücherei

Interview mit Anne Sanders alias Lea Coplin aka Alexandra Pilz auf der Lit Love in München am 11.11. 2018

Ich war letzten Sonntag in München auf der Lit Love, einer jährlichen Veranstaltung der Random House-Verlage für alle Liebhaberinnen romantischer Belletristik. Es war toll! Kann ich Euch echt wärmstens empfehlen! Hingefahren bin ich hauptsächlich für das untenstehende Interview mit der sympathischen Jugendbuchautorin Lea Coplin (alias Anne Sanders aka Alexandra Pilz), aber ich habe sämtliche Lesungen, Gesprächsrunden und vor allem die nette Lit Nerd-Community sehr genossen.

Die unter drei Pseudonymen publizierende Schriftstellerin aus München, die am gleichen Tag wie Jane Austen Geburtstag hat, gewährt im Interview tiefe Einblicke in die Zusammenarbeit von Autorin, Literaturagentur und Verlag, erklärt die Sache mit ihren Pseudonymen und plaudert ein bisschen aus dem Nähkästchen, zum Beispiel wie sie sich belohnt, wenn mal wieder eins ihrer Bücher an der Spitze der Spiegel-Bestsellerliste landet. Übrigens haben mir andere Autoren auf der Lit Love erzählt, welch dominante Rolle die Verlage spielen, zum Beispiel beim Festlegen von Titel und Cover. Wusstet Ihr das?

 


Als Anne Sanders (im Blanvalet Verlag) hat die Schriftstellerin ihre größten Erfolge gefeiert, im Bereich der romantischen Belletristik. Ich liebe ganz besonders Sommer in St. Ives (2016), aber auch Mein Herz ist eine Insel (2017) und ihre jüngste Publikation Sommerhaus zum Glück (2018) sind große Erfolge. Bald wird Wild at Heart – Willkommen im Hotel der Herzen folgen.

Ihr Erstlingswerk, Zurück nach Hollyhill, erschien im Februar 2013 beim Verlag Heyne fliegt unter dem Pseudonym Alexandra Pilz. Dieses Jugendbuch ist eine Mischung aus Fantasy, Romanze und Thriller und war so erfolgreich, dass zwei weitere Bände folgten.

Im April 2018 erschien das geniale Jugendbuch Nichts ist gut. Ohne dich. im dtv Verlag unter dem Pseudonym Lea Coplin. Den Folgeband Nichts zu verlieren. Außer uns. (publiziert im September 2018) hebe ich mir für die Weihnachtsferien auf – ich freue mich jetzt schon darauf!


 

Interview mit Anna Sanders (AS) alias Lea Coplin aka Alexandra Pilz auf der Lit Love in München am 11.11. 2018

 

BW: Lass uns doch mit Deinen Pseudonymen starten. Du hast ja derer drei, und keiner ist Dein echter Name, nicht?

AS: Alexandra Pilz ist mein Mädchenname. Unter diesem Namen habe ich Jugendbücher geschrieben, bevor ich zu Blanvalet gegangen bin und so das Genre in die Erwachsenenbelletristik gewechselt habe. Mit dem Genrewechsel hat sich der Verlag einen neuen Namen gewünscht, möglichst einen, den man auch englisch aussprechen kann – wie Anne Sanders eben. Als ich dann mit meinen Jugendbüchern zu dtv gegangen bin, wäre es verwirrend gewesen, für beide Genres den Namen Anne Sanders zu verwenden, allein wegen der nahe zusammenliegenden Erscheinungstermine.

 

BW: Jeanne Birdsall, die Autorin der Penderwicks, hat in einem Interview festgestellt, dass sie sich noch ganz genau erinnern könne, wie es war, Kind zu sein. Deine Jugendbücher erwecken in mir auch den Eindruck, dass Du Dich noch ganz genau daran erinnern kannst, wie es war, ein Teenager zu sein. Ist dem so?

AS: Tatsächlich werde ich im nächsten Jahr 50, und trotzdem ist Jugendbuch mein absolutes Steckenpferd. Ich habe nicht umsonst mit dem Schreiben von Jugendbüchern begonnen und auch wieder dorthin zurückgefunden, weil es mir einfach total Spaß macht, sie zu schreiben und zu lesen. Und ich kann die Gefühle, die diese Zeit mit sich bringt, noch sehr genau abrufen. Es geht nicht nur um erste Liebe und ersten Sex – zum Beispiel weiß ich noch ganz genau, wann ich meine erste Avocado gegessen habe. Ich glaube, da war ich schon vierzehn. Coming of Age und Erwachsenwerden ist eine dramatische Zeit. Ich weiß noch sehr genau, wie das war [lacht].

 

BW: Ist das Alter der Protagonisten auch etwas, das der Verlag festlegt?

AS: Bei den Lea Coplin-Büchern sind die Protagonisten tatsächlich etwas älter, 18 und 21, und da sprechen wir natürlich vorher ab, ob das im Jugendbuch möglich ist. Aber nachdem dtv Colleen Hoover unter Vertrag hat, in deren Büchern die Protagonisten manchmal noch älter sind, ist das hier zum Glück kein Problem.

 

BW: An welchem Punkt hast Du entschieden, dass Du Vollzeitschriftstellerin sein möchtest?

AS: Ich glaube, möchten möchte man das immer, aber entscheiden kann man es erst, wenn es tatsächlich möglich ist. Als ich mit meinem ersten Buch, Zurück nach Hollyhill, angefangen habe, habe ich noch Vollzeit als Redakteurin gearbeitet. Ich musste das Haus um acht Uhr verlassen und bin um fünf Uhr aufgestanden, um zu schreiben. Damals war ich wie besessen davon. Ich habe dagesessen und hatte Gänsehaut, weil mir das Schreiben so viel Spaß gemacht hat. Als dann nach Band eins auch Band zwei verkauft wurde, bin ich sukzessive immer weiter mit meinen Stunden runtergegangen, bis es dann irgendwann gar nicht mehr möglich war, nebenher zu arbeiten. Spätestens, als mit dem zweiten Verlag ein Buch mehr im Jahr auf dem Plan stand. Und nun ist die Schriftstellerei meine Arbeit. Und sie hat nicht wirklich viel an Reiz verloren, aber wenn ich Sonntagabend auf dem Sofa sitze, denke ich doch: „Morgen muss ich arbeiten.“ Dennoch: Die schönste Arbeit der Welt, zuhause, im Warmen, allein, mit meinen zwei Katzen.

 

BW: Und bespricht man im Vorfeld mit seinem Verlag, welche Ideen man hätte?

AS: Ja, natürlich. Meistens schlage ich mehrere Ideen vor, und dann entscheidet man zusammen mit der Lektorin, welche man macht, welche nicht, und welche man vielleicht noch aufhebt.  

 

BW: Hast Du ein Belohnungssystem? Wenn Du wieder mal einen Spiegel-Bestseller raushaust, kaufst Du Dir dann eine teure Handtasche oder so?

AS: Meistens belohne ich mich, indem ich mit meinem Mann schön essen gehe. Es gibt hier in München eine Kette englischer Restaurants, The Victorian House, da ist es sehr gemütlich und very British und gerade zur Weihnachtszeit wunderschön geschmückt. Es gibt englische Gerichte und englisches Bier, und wann immer es mit den Anne-Sanders-Büchern etwas zu feiern gibt, gehen wir eigentlich dorthin.

 

BW: Was ist Dein Lieblingskinderbuch?

AS: Das Tragische ist: Ich kann mich daran nicht erinnern. Ich habe erst kürzlich mit meinem Mann darüber gesprochen, ob mir meine Mutter überhaupt vorgelesen hat – ich weiß es einfach nicht mehr. Ich erinnere mich, dass ich später, als ich so zehn war, Enid Blyton gelesen habe und Trixie Belden, das war so eine Reihe über ein mutiges Mädchen und deren Abenteuer, ein bisschen wie Krimis für Zehn- bis Zwölfjährige.

 

BW: Hast Du mal eine Krimiphase gehabt?

AS: Ich hatte die absolute Krimiphase, weil ich jemand bin, der aus einem Genre, das ihm gefällt, dann gern gleich alles liest. Also habe ich eine Zeit lang nur Krimis gelesen, bis mir das alles dann doch irgendwann zu deprimierend wurde. Bei Arnaldur Indridason habe ich aufgehört, und dann bin ich zu den Jugendbüchern gekommen. Ich glaube tatsächlich sogar über Twilight, oder über Harry Potter.

 

BW: Was ist Dein liebstes Jugendbuch?

AS: Zählt Harry Potter als Jugendbuch? Dann sind es alle sieben Bände. Ich habe die damals angefangen, weil ich mein Englisch aufbessern wollte und dachte: „Ach, so ein Kinderbuch, das wird schon gehen.“ Seitdem bin ich absoluter Fan. Aber ich mag auch Jugendbücher von Maggie Stiefvater sehr gerne. Die finde ich ganz, ganz toll, quasi als Gesamtkunstwerk, denn sie malt auch und macht Musik.

 

BW: Wie bist Du zum kreativen Schreiben gekommen?

AS: Ich bin ja Journalistin, ausgebildet bei der Tageszeitung. Und ich habe diesen Weg eingeschlagen, weil ich immer schon schreiben wollte, nur habe ich nie an die Schriftstellerei gedacht. Das kam mir wohl zu absurd vor. Also Journalistin. Und jeder Journalist will irgendwann mal ein Buch schreiben, zumindest ist das in meiner Umgebung so. Irgendwann habe ich mich mit meinem Mann zusammen hingesetzt -er ist auch Journalist – und wir haben jeder einen Romananfang geschrieben. Davor haben wir ein paar Theoriebücher gelesen, Wie man einen verdammt guten Roman schreibt zum Beispiel. Dabei bin ich mir gar nicht sicher, ob man die Theorie wirklich braucht. Lesen ist eigentlich der beste Lehrer.

 

BW: Wie viele Bücher schreibst Du pro Jahr?

AS: Dadurch, dass ich zwei Verlage habe, sind es mindestens zwei pro Jahr. Wenn dazu noch die Abstände zwischen Romanen kürzer werden – wie bei Nichts ist gut. Ohne dich., das im April erschienen ist, und Nichts zu verlieren. Außer uns., erschienen im September, dann wird es allmählich knapp. Es ist ja nicht nur das Schreiben, auch das Überarbeiten dauert lange. Dann kommt der Satz, und die Fahnen müssen korrigiert werden. Also im Augenblick ist wirklich viel zu tun, aber das ist ja auch gut. Besser, als andersherum.

 

BW: War es leicht für Dich, einen Verlag für Deinen ersten Roman zu finden?

AS: Ich hatte tatsächlich ziemliches Glück, weil ich sehr bald meine Agentin hatte, Rosi Kern. Sie ist mit meinem Mann in die Grundschule gegangen und hat ihn angeschrieben, nachdem sie einen seiner Artikel über Literatur in der Zeitung gelesen hatte. Wir haben ihr dann beide unsere Romananfänge geschickt, und die Agentur – Agence Hoffman – hat uns beide unter Vertrag genommen. Das war wirklich sehr, sehr glücklich. Und Rosi hat dann wiederum mein Exposé und den Anfang von Zurück nach Hollyhill mit zur Buchmesse nach Frankfurt genommen.

 

BW: Schreibst Du ein Buch fertig und startest dann das nächste?

AS: Eigentlich ja. Aber, wie schon gesagt, ich fange das nächste an, dann kommt noch die Überarbeitung von dem vorherigen, dann die Fahnen, etc. etc.

 

BW: Mir gefällt vieles an Deinen Büchern. Besonders bemerkenswert finde ich, dass sie so eine eigene, markante Stimme auszeichnet.

AS: Dankeschön! Das höre ich tatsächlich öfter, und es freut mich immer sehr.

 

BW: Du kommst ja aus der Serien- und Medienecke und hast berühmte Persönlichkeiten interviewt.

AS: Das stimmt. Ich bin Printjournalistin gewesen, habe aber unter anderem für eine Nachrichtenagentur viel im Unterhaltungsbereich gearbeitete, das heißt, Kinokritiken geschrieben und Schauspieler interviewt. Alan Rickman zum Beispiel, den ich immer schon sehr verehrt habe – obwohl er dann beim Interview sehr strikt Fragen zu Harry Potter abgelehnt hat, was ich schade fand. Und Rosamunde Pilcher war ein Highlight. Seitdem liebe ich diese Frau. Sie ist über 90, topfit und so humorvoll. Ich hoffe, dass meine Bücher noch irgendwann ins Englische übersetzt werden, weil ich ihr gern eins schicken würde. Hollyhill hat sie schon – sie ist in München bei der gleichen Agentur wir ich und so konnte ich den Kontakt herstellen. Sie hat mir daraufhin geschrieben, dass sie es ins Regal gestellt hat, weil es so schön gelb ist. Eine so tolle Frau.

 

BW: Ich gehe davon aus, dass Du auch ein großer Jane Austen-Fan bist.

AS: Ja, ich mag Jane Austen und auch Elizabeth Gaskell, wobei die Schreibe heute natürlich etwas antiquiert daherkommt.

 

BW: Was liest du sonst noch gern?

AS: Im Augenblick halte ich es so: Wenn ich Jugendbücher schreibe, lese ich Jugendbücher, und wenn ich Frauenunterhaltung schreibe, dann Frauenunterhaltung. Ich habe gerade das aktuelle Buch von Petra Hülsmann gelesen, das hat mir sehr gut gefallen. Jenny Colgans Sommerküche am Meer fand ich auch toll.

 

Yay! Und ich finde Anne Sanders, Lea Coplin und Alexandra Pilz toll! Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview!
LLit Love 2018 Rosie Walsh Anne Sanders Lea Coplin Alexandra Pilz Interview Lit Love 2018 11 11 2018 Brigitte Wallinger Kinderbuchblog

 

Die Top Ten meiner eigenen Kinderbücher

(An die werde ich mich auch noch mit Alzheimer erinnern!)

Vielleicht interessiert Euch, was ich als Kind am liebsten gelesen habe.
Obwohl das natürlich nicht dem entspricht, was ich mir selbst ausgesucht hätte, empfehle ich diese Bücher voller Begeisterung weiter:

Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter, Wir Kinder aus Bullerbü und Märchen

Christine Nöstlinger: Die feuerrote Friederike und Nagle einen Pudding an die Wand

Mira Lobe: Das kleine Ich bin Ich

Die gesammelten Märchen von Hans Christian Andersen

Die Gebrüder Grimm: Gesammelte Märchen

Franz Baumann: Salzburger Sagenreise (Zugegeben, hohen literarischen Ansprüchen wird hier nicht unbedingt Genüge getan. Aber mich begeistern die spannend erzählten Überlieferungen aus meiner Heimat trotzdem!)

Wilhelm Busch: Max und Moritz (Leute machen Blödsinn und alles reimt sich auch noch: herrlich!!)

3, 2, 1, Start!

Super Kinderbücher, mega Jugendbücher, tolle Sachbücher, geniale Kinderbücher, Empfehlung, Tipp, Ratschlag, Rat, Begeisterung, junge Literatur, Bibliophil, Literaturwissenschaft, Leidenschaft, Bücherliebe, Übersetzerin

„Kinderbücher gibt’s wie Sand am Meer. Ich suche am Strand nach besonders schönen Steinen und Muscheln, die ich in meiner Blogvitrine präsentiere.“

Wir füttern die Seelen unserer Kinder mit Lesestoff. Und egal, ob wir ihnen vorlesen oder ob sie sich selbst gemütlich zusammengerollt einem Buch widmen, wir wollen, dass dieser Stoff etwas Besonderes ist. Etwas, das sie in ihrer Eigenart bekräftigt, in ihren Träumen bestärkt und in ihrer Offenheit fördert. Nach solchen Büchern suche ich mit meinem geschulten Auge, und wenn sie noch eine große Portion Humor mitbringen und auch Erwachsene beim Vorlesen in Begeisterung versetzen, dann umso besser!

Dieser Blog macht keinen Gewinn, sondern Spaß. Er ist gänzlich unabhängig und stellt nur die Besten der Besten vor, und zwar aus den Kategorien Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch. Eine übersichtliche Bewertung mit Punkten ermöglicht zunächst einmal einen guten ersten Eindruck. Es folgt eine knackige Inhaltsbeschreibung mit vielen Zitaten, die das Wesen des Buches widerspiegeln. Spannendes Hintergrundwissen und Gossip zu AutorIn und Werk runden das Buchporträt ab. Bei Bedarf füge ich noch an, für wen das vorgestellte Buch besonders oder überhaupt nicht geeignet ist. Mein erster Buchtipp ist zum Beispiel nichts für schwache Nerven. Aber davon morgen mehr…