Maz Evans: Die Götter sind los

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 10 – 14 Jahren
336 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,99 (TB um €7,99)
Themen: griechische Götter, England, Schule, Stonehenge

Der tolle Band 1 der Tetralogie Die Chaos Götter, deren dritter Band diesen Februar erscheinen wird, ist ein Hit. Elliot Hooper, der Held der Story, hat’s nicht leicht: Seine Mum ist dement, ein Lehrer mobbt ihn, und das Geld ist knapp. Doch dann knallt das Sternbild-Mädchen Virgo in seinen Kuhstall und sein Leben steht Kopf. Die beiden müssen den Todesdämon Thanatos einfangen, den sie leider irrtümlich befreit haben. Mit sexy Zeus, Fashion-Fan Hermes, den streitenden Schwestern Aphrodite und Athene, dem erfinderischen Hephaistos und dem hochtrabenden Pegasus könnte das schwierige Unterfangen gelingen.

Diese moderne, witzig-spritzige und superkreative Version der griechischen Göttersagen ist wirklich empfehlenswert! Die Geschichte reißt einen förmlich mit, und wer ein Fan der griechischen Götter ist, wird die vielen lustigen Einfälle von Hermes iGod bis zur Zeitung „Argus-Kurier“ lieben. Die actionreiche Handlung (inklusive kickboxender Queen) wird die jugendlichen LeserInnen sicherlich begeistern.

Maz (eigentlich Mary Alice) Evans ist eine britische Autorin, Liedmacherin, Journalistin und Mutter zweier Töchter. Das vorgestellte Buch ist ihr Erstlingsroman (der coole englische Titel lautet Who let the Gods out?), wurde für über 20 Kinderbuchpreise nominiert und in 17 Sprachen übersetzt. Evans ist auch als engagierte Lehrerin für kreatives Schreiben im Einsatz.

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Meine signierte Ausgabe habe ich bei einem Gewinnspiel des Carlsen Verlages gewonnen. Vielen Dank, Ihr Lieben!

Maz Evans (Mary Alice Evans). Die Götter sind los. Hamburg: Carlsen Verlag / Chicken House Buch, 2017. Übersetzt von Ilse Rothfuss.

Lea Coplin: Nichts zu verlieren. Außer uns.

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 14 Jahren

368 Seiten, Taschenbuch um € 10,95

Themen: Liebe, Freundschaft, Erwachsenwerden, Edinburgh, Reisen, Musik

 

Ich bin vor 20 Jahren mit einem riesigen Rucksack und zwei lieben Freundinnen durch Schottland gereist, und so etwas Ähnliches machen Max von Linden und Lina Stollberg auch. Als sie sich das erste Mal am Flughafen von Edinburgh treffen, fliegen die Fetzen, aber immer wieder laufen sie sich in der wunderschönen Stadt über den Weg. Schließlich fahren sie gemeinsam gen Norden, als touristische Zweckgemeinschaft sozusagen. Beide werden von familiären Problemen getrieben und könnten gegensätzlicher nicht sein: Er aus „gutem“ Elternhaus, vermögend, ein Strahlemann; sie die chaotische Straßenmusikerin, kratzbürstig und zickig. Doch sobald sie ihre Vorurteile ablegen und zaghafte Blicke hinter die Fassade des/der anderen wagen, kommen sie sich näher.

 

Bezaubernder, romantischer Roadtrip durch Schottland mit zwei Charaktertypen, die faszinieren. Lea Coplin* hat erneut eine fabelhafte Geschichte gesponnen, die nicht oberflächlichem Schmus nachjagt, sondern tief in die Gefühls- und Lebenswelt der Hauptfiguren eintaucht. _Nichts zu verlieren. Außer uns._ ist spannend, überzeugend und berührend. Unbedingt lesen und hier bis zum 23.12. um 23:59 einen Kommentar hinterlassen. Am 24.12. verlose ich das vom dtv-Verlag zur Verfügung gestellte Exemplar und dackle brav zum Postamt, damit die glückliche Gewinnerin oder der glückliche Gewinner dieses super YA-Buch noch in den Weihnachtsferien lesen kann, so wie ich es eigentlich geplant hatte. Aber, hey! Wer könnte diesem feinen, knallroten Band schon widerstehen?!?!!

*Informationen zum ersten Band von Lea Coplin gibt’s hier.
Und mein Interview mit der sympathischen Bestseller-Autorin Lea Coplin aka Anne Sanders könnt Ihr hier nachlesen.

Lea Coplin. Nichts zu verlieren. Außer uns. München: dtv, 2018.

Maggie Stiefvater: Rot wie das Meer

Leselevel: ♦♦♦♦♦
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: ab 14 Jahren
432 Seiten, wunderschöne gebundene Ausgabe um € 18,95
Themen: Freundschaft, Familie, Liebe, Pferde, Rennen, Capaill Uisce-Mythos, britische Inseln

Gleich vorweg: Diesen Jugendroman werden nicht nur PferdeliebhaberInnen genial finden! Maggie Stiefvater gelingt in diesem Band, den faszinierenden Capaill Uisce-Mythos von blutrünstigen Wasserpferden einzufangen, die spannende Geschichte eines Pferderennens zu erzählen, eine zarte Liebesgeschichte einzuflechten und die von vielen Schicksalsschlägen geprägten Lebenslinien der beiden Protagonisten (und Erzähler) Puck und Sean einfühlsam nachzuzeichnen – daher auch die 432 Seiten. Echt gewaltig!

Die britische Insel Thisby* wird alljährlich im Herbst von Capaill Uisce heimgesucht, monströsen, magischen Meerespferden, die unglaubliche Kräfte haben, aber auch blutrünstig sind. Nur den mutigsten Inselbewohnern gelingt es, die Wesen einzufangen, ohne dabei getötet zu werden. Sie treten am 1. November zum Skorpio-Rennen gegeneinander an. Sean Kendrick ist einer von ihnen, er hat das Rennen mit seinem Hengst Corr sogar schon viermal gewonnen. „Seinem“ stimmt leider nicht ganz, denn obwohl er für dieses Capaill Uisce sorgt, gehört es ihm genauso wenig wie das hohe Preisgeld. Puck Connolly braucht genau dieses: Wenn sie das Rennen nicht gewinnt, verliert sie ihr Zuhause. Doch kann ein Mädchen ein Capaill Uisce beherrschen? Was wird aus ihrem eigenen Pferd Dove? Das Rennen wird definitiv Menschenleben kosten und die Meereswellen rot färben.

*“Thisby“ ist eine von Shakespeare im Sommernachtstraum benutzte, falsche Schreibweise von „Thisbe“, dem weiblichen Teil eines babylonischen Romeo und Julia-Liebespaares. Dass Stiefvaters ihren Handlungsort so benannt hat, ließ mich schon von Beginn an an einem Happy End zweifeln.


Nicht nur dieser Roman, auch die Schriftstellerin ist faszinierend. 1981 in Virginia, USA, geboren, hieß sie ursprünglich mit Vornamen Heidi, änderte ihn aber mit 16 Jahren auf Margaret. Die New York Times-Bestsellerautorin ist Hobby-Rennfahrerin und schreibt auch Artikel für Rennsportmagazine. Ihre Young Adult-Romane, die teils als Folgen erschienen sind und teils als Einzelbände, haben unzählige Preise erhalten, Filmrechte wurden verkauft, die Presse feierte sie ab, kurz: Sie ist megaerfolgreich. Mit Mann und Kindern sowie Kühen, Pferden, Hunden, Ziegen und einer Katze lebt sie im Shenandoahtal in Virginia (in der lokalen indigenen Sprache heißt „Shenandoah“ übrigens Tochter der Sterne – na das passt ja perfekt!). Sie spielt mehrere Instrumente und ist auch Künstlerin. Schaut am besten auf ihrer Homepage vorbei, dort könnt ihr coole Pics der brillanten Frau sehen.

Maggie Stiefvater. Rot wie das Meer. Fein übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessika Komina. Bindlach: Loewe Verlag (script5), 2012.

Lea Coplin: Nichts ist gut. Ohne dich.

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen:♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 14 Jahren

352 Seiten, TB um € 10,95

Themen: Liebe, Freundschaft, Familie, Unfalltod, München

Die Münchner Autorin „Lea Coplin“, die am gleichen Tag wie Jane Austen Geburtstag hat, hat 2018 dieses geniale Buch veröffentlicht. Seit der Geburt meiner Kinder habe ich aus den hinlänglich bekannten Gründen kein einziges Buch mehr auf einmal ausgelesen („in one sitting“, hätte Edgar Allan Poe gesagt), und gestern war es wieder soweit: Schlag 18 Uhr setzte ich mich hin und stürzte mich Hals über Kopf in _Nichts ist gut. Ohne dich._ Und als ich den letzten Satz fertiggelesen hatte, herrschte schon finsterste Nacht, mein Mann hatte die Kinder zu Bett gebracht und der Hund streckte sich genüsslich nach seinem Marathonschläfchen.

 Was für ein grandioses, gelungenes Buch! Der Plot ist vielschichtig und interessant, die Charaktere tiefgründig und faszinierend, die Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten Jana und Leander intensiv und ergreifend. Die Geschichte wird größtenteils abwechselnd aus seiner und ihrer Sicht erzählt, was spannende Einblicke gewährt.

Das Buch beginnt mit dem ersten, schockierenden Wiedersehen von Leander und Jana in der Jetztzeit. Als Kinder gut befreundet, riss ihre Verbindung sechs Jahre zuvor jäh ab, weil Janas Bruder in einem von Leander verursachten Autounfall starb. Nun müssen sich die beiden mit der schmerzlichen Vergangenheit auseinandersetzen und finden dabei mehr und mehr zueinander, was Jana in eine moralische Zwickmühle bringt (darf man den Mörder seines Bruders lieben?). Als Leanders Mutter an Krebs stirbt, gerät die zerbrechliche Liebe ins Wanken.

Jana und Leander stürzen die Leserschaft in eine emotionale Achterbahnfahrt. Steigt man am Ende aus, ist das Gehirn voller Speed und das Herz rast. Hier als kleine Leseprobe ein schönes Zitat von Leanders Mutter. Sie verspricht ihrem Sohn fünf Gründe, warum sein von Schuld geplagtes Leben lebenswert ist:

„Weil du noch nicht das getan hast, was du tun möchtest, ohne den Erwartungen anderer zu entsprechen. […] Weil du dir noch nicht erlaubt hast, glücklich zu sein. Weil du noch nie einem Mädchen ‚Ich liebe dich‘ gesagt und es aus tiefstem Herzen gemeint hast. Weil du noch nicht so geliebt wurdest, wie du es verdient hast. Weil du dir noch nicht selbst vergeben hast. Weil du noch nicht um das Mädchen gekämpft hast, das dir am wichtigsten ist. Weil du noch nicht der bist, der du sein willst. Weil jeder eine Aufgabe hat und du deine erst herausfinden musst. Weil das Schönste noch kommt, Leander.“

Für den Augenblick bin ich sprachlos. Dann habe ich das Gefühl, zu ersticken, was womöglich daran liegt, dass ich vergessen habe zu atmen. Ich sauge Luft ein, dann senke ich den Kopf und blinzle was auch immer da hinter meinen Lidern brennt in die Flucht.

„Das waren an die hundert Gründe“, sage ich schließlich.

„Du findest deine Top Fünf heraus.“ (Seite 151-152)

 

Natürlich habe ich immer wieder geheult wie ein Schlosshund und mich dann extrem gefreut, wenn Silberstreifen am Horizont dieser komplizierten Geschichte erschienen. Das Buch hat mich gebeutelt und mitgenommen. Was ich besonders herausragend an Lea Coplins Buch finde ist, dass die Autorin keinen Roman für Jugendliche als Zielgruppe geschrieben hat. Nein! Vielmehr weiß sie noch bis ins letzte Detail, wie es wirklich ist, jung zu sein und das Auf und Ab verworrener Familienbande und tiefgründiger Liebe zu erleben. Ein großer Lesegenuss! Und im September 2018 hat Lea Coplin Nichts zu verlieren. Außer uns. veröffentlicht, in dem es um Leanders Freund Max geht. Das ist sicher ebenfalls genial: Ich hebe es mir für die Weihnachtsfeiertage auf <3 !

 

 

Lea Coplin. Nichts ist gut. Ohne dich. München: dtv, 2018.

Alexandra Pilz: Zurück nach Hollyhill

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 15 Jahren
368 Seiten, TB um € 8,99
Themen: Freundschaft, Liebe, Zeitreise, Familie, Unfalltod, Geheimnisse, England

Die Münchner Autorin „Alexandra Pilz“, die am gleichen Tag wie Jane Austen Geburtstag hat, hat 2012 dieses tolle Buch veröffentlicht. Es ist der erste Band ihrer abgeschlossenen Hollyhill-Trilogie rund um die siebzehnjährige Zeitreisende Emily.

Die Vollwaise Emily lebt in München bei ihrer Oma, die ihr zum Schulabschluss einen Brief der Mutter aushändigt. „Ich bitte dich“, steht darin geschrieben, „nach Hollyhill zu reisen, das Dorf, das viele Jahre meine Heimat war. Es liegt im Dartmoor. Du wirst es finden.“ Ohne Umschweife macht sich die junge Frau auf den Weg dorthin. Auch wenn das Örtchen Hollyhill auf keiner Landkarte verzeichnet ist, reist Emily ins Dartmoor und steigt im Zentrum des Nationalparks aus. Zufällig trifft sie dort den gutaussehenden Matt, der sie mit dem Auto nach Hollyhill bringt. Sobald sie in dem sehr kleinen Örtchen ist, geschehen sonderbare Dinge und ein Abenteuer voller Magie und Zauber beginnt. Und natürlich bahnt sich da etwas an, zwischen Emily und Matt… Während die Münchnerin das Rätsel um das Dorf langsam entschlüsselt, wird ihre beste Freundin von einem Mädchenmörder entführt, und Emily kann zusammen mit Matt ihre neuentdeckten Kräfte einsetzen.

Mich hat dieses Buch begeistert. Ich habe eigentlich einen romantischen Roman für Mädels erwartet und war vom gelungenen, spannenden Plot rund um das Zeitreisedorf Hollyhill und die Jagd nach dem Mädchenmörder sehr angetan. Zudem macht der wundervolle Humor der Autorin dieses Buch zu etwas ganz Besonderem: „In diesem Meer aus Anzugträgern stach sie [Emily] mit ihren lila Strähnen und der pinkfarbenen Leggings heraus wie ein Zirkusclown auf einer Beerdigung“ (Seite 271). Und das Beste: Es gibt noch zwei Folgebände. Hurra!

Alexandra Pilz. Zurück nach Hollyhill. München: Heyne, 2012.

En Hanaya: Motokare Retry 1: Second Chance

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Mädchen und Jungs (Frauen und Männer) ab 15
192 Seiten, TB um € 6,99
Themen: erste Liebe, neuer Versuch, Unistart, Highschoollovers, Manga, Japan

Ich wollte unbedingt mal ein Manga testen. Ihr wisst schon, diese japanischen Comics, sozusagen die Buchform der Anime-Serien, die wir in jungen Jahren guckten (Sailor Moon, Pokemon, Kickers und Digimon). Und es ist vollbracht: mein erstes Manga war En Hanayas Motokare Retry: Second Chance 1.

Mit so einem Manga taucht man echt in eine andere Welt ein. Es fängt schon damit an, dass man das Buch, wie sich’s in Japan gehört, „von hinten“ anfängt und von hinten nach vorne liest. Herrlich, wenn ein Buch schon mal vom Start weg ganz anders ist! Hat man’s mal begriffen, von rechts nach links vorzugehen, steht dem Vergnügen nichts mehr im Weg. Wie das schöne Cover schon erahnen lässt, ist der Zeichenstil sehr ansprechend.

Die Geschichte auch: Mitsu zieht frisch in ihre Wohnung am Unicampus und will ihren Nachbarn begrüßen gehen. Doch sofort gibt’s die böse Überraschung: Ihr Ex Kaede grinst raus. Das Schicksal will es haben, dass die zwei Tür an Tür wohnen, nur fünf Jahre nachdem sie an der Highschool ein Paar waren, bis sich Kaede von Mitsu trennte, weil wegen ihr seine Baseballform abnahm. In schneller Bildfolge und rapidem Wortwechsel bzw. Gedankengängen wird schnell klar, dass die beiden etwas für einander empfinden. Aber kann so eine aufgewärmte Liebe funktionieren?

Um das Hin und Her dieser Story genießen zu können, sollte man schon ein wenig mit den verwinkelten Gedankengängen der japanischen Kultur vertraut sein. Sonst fragt man sich unweigerlich ab und an mal: „Hä??“, zum Beispiel warum Kaede sich in der Highschool von Mitsu trennte und ihr dann vorwirft, ihm das Herz gebrochen zu haben, weil sie sich ganz zurückgezogen habe (er habe doch nur eine Beziehungspause machen wollen, aber sie habe ihm die kalte Schulter gezeigt). Über Gefühle wird eben weniger miteinander als vielmehr mit sich selbst gesprochen. Trotzdem ist die Geschichte ansprechend und man will unbedingt wissen, ob diese Beziehung gerettet werden kann.

Also Bonus enthält dieses Manga auch noch die Geschichte von China, die unsterblich in den wenig zugänglichen, aufbrausenden Mikami verliebt ist. Diese Story ist ein herrlicher Kontrast zu den stets zweifelnden Liebenden Mitsu und Kaede, denn von Beginn an sind die Fronten geklärt: China ist verschossen in den Typen, Mikami will nichts von ihr wissen. Ob sie diese harte Nuss knacken kann?

Definitiv eignet sich dieses Manga für Männer und Frauen (ab 15 Jahren), denn das Buch ist frei von unseren westlichen Liebesklischees und auch für Romantikallergiker geeignet. Die Geschichten sind folglich auch überhaupt nicht vorhersehbar und spannend. Übrigens gibt es von der abgeschlossenen Serie Motokare Retry sieben Teile. 3 Bände gibt’s schon auf Deutsch. Der vierte Band kommt Ende Dezember 2018 heraus. Band 5 wird im Februar 2019 folgen. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle an den Carlsen Verlag, der mir dieses Buch zur Verfügung gestellt hat und mir den Einstieg in die mir neue Mangawelt versüßt hat!

En Hanaya. Motokare Retry 1: Second Chance. Hamburg: Carlsen Manga, 2018. Übersetzt von Benjamin Rusch.

En Hanaya Motokare Retry Second Chance 1 Manga empfehlung jugendliche buchtipp Jugendbuchblog Brigitte Wallinger

Michael Roher: Tintenblaue Kreise

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 12 Jahren

184 Seiten, Taschenbuch um € 15,-

Themen: Freundschaft, Familie, Zusammenhalt, erste Liebe, Krankheit, Mobbing

 

In Michael Rohers Jugendroman Tintenblaue Kreise entfaltet sich die wundervolle Liebesgeschichte zwischen Biene und Philip. Während Biene eine liebevolle Familie, einen fürsorglichen Bekanntenkreis und die beste Freundin Shirin um sich hat, lebt Philip ein Eigenbrötlerleben zwischen geschiedenen Eltern. Als ein ihr bekanntes Kind mit dem Tod ringt, stellt sich Biene die Frage, wie es ist, wenn man stirbt. Philips Tante hatte eine Nahtoderfahrung, und so besucht Biene Philip. Der unglaublich talentierte Junge zeigt ihr seine Malkünste, und die Tante berichtet von ihrem beinahe Tod. Fortan treffen sich die benachbarten Teenager immer wieder. Besonders süß ist die Szene, in der Philip seinen Geheimplatz in der Au zeigt, wo Biene seinen Arm mit Kugelschreiber bemalt. Die tintenblauen Kreise sind ein Schutzzauber, ein Mutsymbol und ein Zeichen ihrer Freundschaft.

 

Irgendwann fällt sein Blick auf die lange Linie, die der Stift quer über seine Handfläche hinterlassen hat, als er mir so abrupt den Arm entzogen hat.

„Ist das auch Elfenschrift?“

„Das heißt: Tenka ist ein Arsch!“, sage ich trocken.

Philip lacht laut auf.

„Ja!“, ruft er. „Das stimmt. Aber cool, dass es sogar ein elfisches Wort dafür gibt!“

Wir lachen beide (126-127).

Dieser Tenka ist ein Klassenkollege der beiden, und er blamiert den Halbiren Philip, den er „Milchbubi“ nennt, wo er nur kann. Philip wehrt sich allerdings nie und spricht nicht mit seinen Eltern darüber, und das kann Biene so gar nicht verstehen. Sie und Shirin stellen sich bei einem dieser Mobbingfälle auf Philips Seite, doch dadurch wird alles noch viel schlimmer, und Tenka rächt sich auf hässliche Weise. Kann Philip Biene trotz dieser Blamage noch in die Augen schauen?

 

Eine rührende, herzerwärmende und sehr empfehlenswerte Geschichte über die erste Liebe, das Leben nach dem Tod und Mobbing in der Schule. Obwohl die im Buch auftauchenden Probleme keine leichte Kost sind, gelingt es Roher, einen witzigen, frohen Roman zu schreiben. Er zeigt den jugendlichen und erwachsenen Lesern, dass die Schicksalsschläge des Lebens mit Zusammenhalt, Liebe und Fürsorge bewältigt werden können. „Mut statt Wut“ könnte Biene ihrem Philip in tintenblauen Schwüngen auf den Arm gemalt haben.

 

Michael Roher. Tintenblaue Kreise. Wien: Luftschacht, 2017.

Kate de Goldi: Die Anarchie der Buchstaben

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung:♦♦♦◊◊
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen:♦♦♦♦♦
Zielgruppe: ab 10 Jahren
151 Seiten, Kindle-Edition um € 9,99
Themen: Familie, Demenz, Tod, Freunschaft, Zuneigung, das ABC, positive Anarchie

Perrys Leben wird von ihren berufstätigen Eltern streng getaktet: vormittags Schule, nachmittags Malklasse, Klavierstunden, Klarinettengruppe, Musik- und Bewegungskurs und Förderunterricht. Samstags besuchen die Neunjährige und ihr Vater dessen demente Mutter Honora Lee im Altersheim – für ganze 40 Minuten. Sonntags geht die Familie zum Brunch ins „The Café“: Familienzeit. Doch plötzlich zerrt sich Brita von „Musik und Bewegung“ den Rücken, und der Kurs wird abgesagt. Was tun? Wohin soll das Kind nun am Donnerstagnachmittag geschickt werden? Perry schlägt vor, Oma Honora zu besuchen, und mangels Alternativen erlauben es ihr die Eltern widerwillig. Das Kind entwickelt eine wunderbare Liebe zur Oma, obwohl die alte Dame oft nicht einmal weiß, wer dieses Mädchen überhaupt ist und warum es einen Jungennamen trägt. Aber Perry verschreckt das schrullige Verhalten der Großmutter (und der anderen HeimbewohnerInnen) nicht. Ganz im Gegenteil: sie liebt die Zeit im Altersheim und beschließt, ein Abc-Buch darüber zu schreiben. Nur dass alphabetisches Vorgehen für senile Senioren schwierig ist und am Ende eher ein Acb- bzw. Bca-Buch dabei herauskommt. Aber diese Anarchie der Buchstaben (und die der Altenheimleute) ist für das eingeteilten Kind wie Balsam auf Wüstenhaut.

Alle, die schon einmal in einem Altenheim waren, können bestätigen, wie komisch manche Erlebnisse mit AltersheimbewohnerInnen sind. Und auch wie traurig. Und oft beides zusammen. Der neuseeländischen Kinder- und Jugendbuchautorin Kate de Goldi gelingt es, solche Momente wunderbar einzufangen. Sie erzählt einfühlsam, witzig und schlau. Gregory O’Briens fabelhafte Illustrationen runden dieses feine Meisterwerk ab. Und Ingo Herzke hat das englische Original gekonnt ins Deutsche übersetzt.
Hier eine bittersüße Szene aus dem Buch, die einen guten Eindruck vom Charakter des Textes gibt:

„Oma hat vergessen, wie man Ich sehe was, was du nicht siehst spielt“, verriet Perry Audrey [einer Pflegerin].
„Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist frech“, sagte Oma. Sie beugte sich zu Doris und flüsterte ihr ins Ohr: „Ich gewinne.“
„Viel Spaß!“, sagte Audrey. Sie ging auf die andere Seite des Gemeinschaftsraums, um Jeffrey zu helfen, der manchmal auf seinem Stuhl zur Seite sackte und dann mit alter, dünner Stimme „Schwester? Schwester?“ rief.
Oma stand auf. Krümel fielen ihr von der Brust. Doris stand ebenfalls auf. Sie reichte Oma bis zur Schulter. Sie hatte einen Marmeladenklecks auf dem Kinn, wie ein glänzender Schorf.
„Jeden Moment kommen die Schüler“, sagte Oma. „Die Zeit wartet nicht.“
„Die Zeit wartet nicht“, wiederholte Doris.
Auch Perry stand auf. Sie könnte ebenso gut mitgehen, dachte sie sich. (Seite 39).

Eine der genialen Nebenhandlungen des Buches dreht sich um den Tod, und zwar konkret um tote Hummeln, die Perry findet, aufhebt und schlussendlich begräbt. Der Nebenstrang mit dem zweijährigen Sohn von Perrys Kinderfrau, der sich im Prinzip wie die AltersheimbewohnerInnen verhält, zeigt auf wunderbare Weise, dass sich der Kreis schließt und alte Leute wieder wie Kinder werden. Und das Ende der Geschichte, ist es vorhersehbar?? Wer erwartet schließlich nicht, dass eine Oma-Enkelin-Geschichte, die im Altersheim spielt, traurig ausgeht? Ob das bei diesem Buch auch so ist, findet Ihr am besten selbst heraus ;-). Die Lektüre lohnt sich für alle ab 10!

Kate de Goldi. Die Anarchie der Buchstaben. Übersetzt von Ingo Herzke. Mit Bildern von Gregory O’Brien. Hamburg: Königskinderverlag (Carlsen), 2012.

Alyson Noel: Soul Seeker: Vom Schicksal bestimmt

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 16 Jahren

441 Seiten, eBook um € 8,99

Themen: Teenieleben, Magie der Ureinwohner Nordamerikas, Liebe, Familie, Gut gegen Böse, Fantasy

Dieses Buch habe ich gekauft, weil ich seine Übersetzerin verehre: Ariane Böckler, die schon Bridget Jones: Schokolade zum Frühstück und viele andere tolle Bücher auf geniale Weise übersetzt hat und nebenbei auch noch ein total netter Mensch ist, hat dieses Young Adult Schätzchen ins Deutsche übertragen (#theartoftranslation). Auch die amerikanische Romanautorin Alyson Noel ist sehr erfolgreich: Vielleicht kennt ihr sie durch ihre YA-Serie Evermore? Soul Seeker: Vom Schicksal bestimmt ist ein durch und durch gelungenes Buch! Die vierbändige Soul Seeker-Reihe startet mit diesem Band, in dem die 16-jährige Halbwaisin Daire Santos ihre Bestimmung erfährt.

Daires Lebenwird wird vom Job ihrer Mutter bestimmt, die als Visagistin auf Hollywood-Filmsets arbeitet: Zusammen reisen sie von Filmlocation zu Flmlocation. Als Daire plötzlich Visionen bekommt, die alle um sie herum für Halluzinationen halten und ihr beinahe einen Aufenthalt in der Klapse bescheren, meldet sich Paloma, Daires Großmutter väterlicherseits. Sie überzeugt die Mutter, den Teenie zu ihr zu schicken und verspricht, ihr helfen zu können.

Daire reist also zu ihrer Abuela und staunt nicht schlecht, als sie von der langen Seelensucher-Tradition ihrer Familie väterlicherseits erfährt. Zuerst wehrt sie sich dagegen, dieses Schicksal anzunehmen, und will das kleine Dorf Enchantment in New Mexico, wo die Großmutter lebt, sofort wieder verlassen. Doch dann verliert sie sich in den blauen Augen des feschen Dace, spürt die Tiefe ihrer familiären Bande und genießt es, zum ersten Mal in ihrem Leben ein richtiges Zuhause zu haben. Daire bleibt, und die kränkelnde Paloma lehrt sie die Magie der Suchenden:

Ich sehe mich im Zimmer um, betrachte die Regale voller Tinkturen und Tränke und allen möglichen Kräuterarzneien, während in anderen Bücher, Rasseln, verschiedene Kristalle und Steine und eine rot bemalte Trommel zu erkennen sind. Und obwohl ich versuche, meinen Geist offen zu halten, und mein Bestes tue, um mitzuspielen, habe ich keine Ahnung, was sie meint. Ich bin die Tochter einer reisenden Visagistin – alles, was ich weiß, habe ich auf einem Filmset gelernt, im Internet oder direkt durch eigene Anschauung. So etwas habe ich allerdings noch nie gelernt. Ich hatte noch nicht einmal von Schamanen oder Suchenden gehört, ehe ich hierhergekommen bin.
Ich will schon protestieren, doch sie beeilt sich, mich zum Schweigen zu bringen. „Glaub mir, nieta – alles Wissen, das du brauchst, steckt bereits in dir. Es ist das Erbe deiner Vorfahren, es ist in dem Blut, das durch deine Adern fließt, es ist der Puls in deinem Herzschlag, und es ist meine Aufgabe, dir dabei zu helfen, es zu entdecken (Seite 158-159).

Das Dorf Enchantment ist sozusagen ein magischer Hotspot und zu Allerseelen kommt es zum Showdown: Daire und ihre Verbündeten gegen die böse Richter-Familie, zu der Dace in gewisser Weise gehört.

So ein YA-Text über Magie, Liebe, Familie und Teenierebellion könnte ganz schnell ins Platte, Abgekaute abdriften. Aber dank der wunderbaren Übersetzung von Ariane Böckler geschieht das nicht. Hut ab! Und volle Leseempfehlung für die Soul Seeker-Reihe, wenn Ihr Fans von Twilight und anderen Fantasy-Büchern wie Das Reich der sieben Höfe seid. Weil die Soul Seeker-Reihe der 1967 geborenen US-Bestsellerautorin Alyson Noel zwischen 2012 und 2015 herausgekommen ist, könnt Ihr jetzt gleich alle 4 Bücher nacheinander lesen: juhu!

Alyson Noel: Soul Seeker: Vom Schicksal bestimmt. München: Goldmann Verlag, 2012. Aus dem Deutschen übertragen von Ariane Böckler.

Wieland Freund: Krakonos

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: Jugendliche von 10 – 14 Jahren

292 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,95

Themen: Rübezahl, Brüderbeziehung, digitale Welt, Natur

Die Brüder Nik und Levi leben zusammen mit anderen Jugendlichen und Kindern auf dem Campus der IT-Firma Qwip, für die ihre Eltern fast Tag und Nacht arbeiten. Der Alltag wird dominiert von Handys, PCs, Computerspielen, Laptops, autonomen Fahrzeugen und Videoüberwachung. Levi hält nichts von dieser digitalen Blase, sucht die Natur, auch wenn ihn das auf verbotene Wege führt. Sein Bruder ist bemüht, Levi zu decken und zu beschützen, wo er kann. Eines Nachts treffen sie jedoch auf den Naturgeist und Gestaltenwandler Krakonos, den man auch Rübezahl nennt. Er wird von einem erbarmungslosen Sonderkommando gejagt, das ihn töten will. Nur die Mythobiologin Emma, die einst zur Überwachung des Berggeistes abgestellt wurde und nun Teil des Sonderkommandos sein muss, will Krakonos schützen. Eine spannende Jagd beginnt, bei der auch die beiden Jungs ins Visier der Technokraten geraten.

Wieland Freund gelingt es mühelos, eine glaubhafte und fesselnde Geschichte im Spannungsfeld zwischen hochtechnologisierter Gegenwart und sagenhafter Naturwelt anzusiedeln. Zur aufregenden Jagd auf Rübezahl kommt auch noch die interessante Beziehung zwischen Nik und Levi. Letzterer erscheint zu Beginn des Romans autistisch, seltsam technologiefremd und eigenbrötlerisch. Später wird Nik entdecken, dass Levis Interesse an der Natur und Zuneigung zu Tieren durchaus ihre Berechtigung hat und dank Levi in eine neue Denkart und Sichtweise eintauchen. Ein tolles, sehr empfehlenswert Buch, das 2018 mit dem Leipziger Lesekompass und dem Rattenfänger Literaturpreis ausgezeichnet wurde.

Der 1969 geborene Wieland Freund, dessen Vater Germanistikprofessor war, arbeitet als Journalist, Autor von Kinder-und Jugendbüchern und Literaturkritiker in Berlin. Der Vater dreier Kinder ist auch als Übersetzer tätig. Zusammen mit Andrea Wandel hat er Steve Coles _Astrosaurier_-Bücher aus dem Englischen übertragen.

Dieses Buch ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 nominiert. Toitoitoi :-)!

Wieland Freund. Krakonos. Weinheim: Beltz & Gelberg Verlag, 2017.