Kate de Goldi: Die Anarchie der Buchstaben

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung:♦♦♦◊◊
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen:♦♦♦♦♦
Zielgruppe: ab 10 Jahren
151 Seiten, Kindle-Edition um € 9,99
Themen: Familie, Demenz, Tod, Freunschaft, Zuneigung, das ABC, positive Anarchie

Perrys Leben wird von ihren berufstätigen Eltern streng getaktet: vormittags Schule, nachmittags Malklasse, Klavierstunden, Klarinettengruppe, Musik- und Bewegungskurs und Förderunterricht. Samstags besuchen die Neunjährige und ihr Vater dessen demente Mutter Honora Lee im Altersheim – für ganze 40 Minuten. Sonntags geht die Familie zum Brunch ins „The Café“: Familienzeit. Doch plötzlich zerrt sich Brita von „Musik und Bewegung“ den Rücken, und der Kurs wird abgesagt. Was tun? Wohin soll das Kind nun am Donnerstagnachmittag geschickt werden? Perry schlägt vor, Oma Honora zu besuchen, und mangels Alternativen erlauben es ihr die Eltern widerwillig. Das Kind entwickelt eine wunderbare Liebe zur Oma, obwohl die alte Dame oft nicht einmal weiß, wer dieses Mädchen überhaupt ist und warum es einen Jungennamen trägt. Aber Perry verschreckt das schrullige Verhalten der Großmutter (und der anderen HeimbewohnerInnen) nicht. Ganz im Gegenteil: sie liebt die Zeit im Altersheim und beschließt, ein Abc-Buch darüber zu schreiben. Nur dass alphabetisches Vorgehen für senile Senioren schwierig ist und am Ende eher ein Acb- bzw. Bca-Buch dabei herauskommt. Aber diese Anarchie der Buchstaben (und die der Altenheimleute) ist für das eingeteilten Kind wie Balsam auf Wüstenhaut.

Alle, die schon einmal in einem Altenheim waren, können bestätigen, wie komisch manche Erlebnisse mit AltersheimbewohnerInnen sind. Und auch wie traurig. Und oft beides zusammen. Der neuseeländischen Kinder- und Jugendbuchautorin Kate de Goldi gelingt es, solche Momente wunderbar einzufangen. Sie erzählt einfühlsam, witzig und schlau. Gregory O’Briens fabelhafte Illustrationen runden dieses feine Meisterwerk ab. Und Ingo Herzke hat das englische Original gekonnt ins Deutsche übersetzt.
Hier eine bittersüße Szene aus dem Buch, die einen guten Eindruck vom Charakter des Textes gibt:

„Oma hat vergessen, wie man Ich sehe was, was du nicht siehst spielt“, verriet Perry Audrey [einer Pflegerin].
„Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist frech“, sagte Oma. Sie beugte sich zu Doris und flüsterte ihr ins Ohr: „Ich gewinne.“
„Viel Spaß!“, sagte Audrey. Sie ging auf die andere Seite des Gemeinschaftsraums, um Jeffrey zu helfen, der manchmal auf seinem Stuhl zur Seite sackte und dann mit alter, dünner Stimme „Schwester? Schwester?“ rief.
Oma stand auf. Krümel fielen ihr von der Brust. Doris stand ebenfalls auf. Sie reichte Oma bis zur Schulter. Sie hatte einen Marmeladenklecks auf dem Kinn, wie ein glänzender Schorf.
„Jeden Moment kommen die Schüler“, sagte Oma. „Die Zeit wartet nicht.“
„Die Zeit wartet nicht“, wiederholte Doris.
Auch Perry stand auf. Sie könnte ebenso gut mitgehen, dachte sie sich. (Seite 39).

Eine der genialen Nebenhandlungen des Buches dreht sich um den Tod, und zwar konkret um tote Hummeln, die Perry findet, aufhebt und schlussendlich begräbt. Der Nebenstrang mit dem zweijährigen Sohn von Perrys Kinderfrau, der sich im Prinzip wie die AltersheimbewohnerInnen verhält, zeigt auf wunderbare Weise, dass sich der Kreis schließt und alte Leute wieder wie Kinder werden. Und das Ende der Geschichte, ist es vorhersehbar?? Wer erwartet schließlich nicht, dass eine Oma-Enkelin-Geschichte, die im Altersheim spielt, traurig ausgeht? Ob das bei diesem Buch auch so ist, findet Ihr am besten selbst heraus ;-). Die Lektüre lohnt sich für alle ab 10!

Kate de Goldi. Die Anarchie der Buchstaben. Übersetzt von Ingo Herzke. Mit Bildern von Gregory O’Brien. Hamburg: Königskinderverlag (Carlsen), 2012.

Alyson Noel: Soul Seeker: Vom Schicksal bestimmt

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
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Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 16 Jahren

441 Seiten, eBook um € 8,99

Themen: Teenieleben, Magie der Ureinwohner Nordamerikas, Liebe, Familie, Gut gegen Böse, Fantasy

Dieses Buch habe ich gekauft, weil ich seine Übersetzerin verehre: Ariane Böckler, die schon Bridget Jones: Schokolade zum Frühstück und viele andere tolle Bücher auf geniale Weise übersetzt hat und nebenbei auch noch ein total netter Mensch ist, hat dieses Young Adult Schätzchen ins Deutsche übertragen (#theartoftranslation). Auch die amerikanische Romanautorin Alyson Noel ist sehr erfolgreich: Vielleicht kennt ihr sie durch ihre YA-Serie Evermore? Soul Seeker: Vom Schicksal bestimmt ist ein durch und durch gelungenes Buch! Die vierbändige Soul Seeker-Reihe startet mit diesem Band, in dem die 16-jährige Halbwaisin Daire Santos ihre Bestimmung erfährt.

Daires Lebenwird wird vom Job ihrer Mutter bestimmt, die als Visagistin auf Hollywood-Filmsets arbeitet: Zusammen reisen sie von Filmlocation zu Flmlocation. Als Daire plötzlich Visionen bekommt, die alle um sie herum für Halluzinationen halten und ihr beinahe einen Aufenthalt in der Klapse bescheren, meldet sich Paloma, Daires Großmutter väterlicherseits. Sie überzeugt die Mutter, den Teenie zu ihr zu schicken und verspricht, ihr helfen zu können.

Daire reist also zu ihrer Abuela und staunt nicht schlecht, als sie von der langen Seelensucher-Tradition ihrer Familie väterlicherseits erfährt. Zuerst wehrt sie sich dagegen, dieses Schicksal anzunehmen, und will das kleine Dorf Enchantment in New Mexico, wo die Großmutter lebt, sofort wieder verlassen. Doch dann verliert sie sich in den blauen Augen des feschen Dace, spürt die Tiefe ihrer familiären Bande und genießt es, zum ersten Mal in ihrem Leben ein richtiges Zuhause zu haben. Daire bleibt, und die kränkelnde Paloma lehrt sie die Magie der Suchenden:

Ich sehe mich im Zimmer um, betrachte die Regale voller Tinkturen und Tränke und allen möglichen Kräuterarzneien, während in anderen Bücher, Rasseln, verschiedene Kristalle und Steine und eine rot bemalte Trommel zu erkennen sind. Und obwohl ich versuche, meinen Geist offen zu halten, und mein Bestes tue, um mitzuspielen, habe ich keine Ahnung, was sie meint. Ich bin die Tochter einer reisenden Visagistin – alles, was ich weiß, habe ich auf einem Filmset gelernt, im Internet oder direkt durch eigene Anschauung. So etwas habe ich allerdings noch nie gelernt. Ich hatte noch nicht einmal von Schamanen oder Suchenden gehört, ehe ich hierhergekommen bin.
Ich will schon protestieren, doch sie beeilt sich, mich zum Schweigen zu bringen. „Glaub mir, nieta – alles Wissen, das du brauchst, steckt bereits in dir. Es ist das Erbe deiner Vorfahren, es ist in dem Blut, das durch deine Adern fließt, es ist der Puls in deinem Herzschlag, und es ist meine Aufgabe, dir dabei zu helfen, es zu entdecken (Seite 158-159).

Das Dorf Enchantment ist sozusagen ein magischer Hotspot und zu Allerseelen kommt es zum Showdown: Daire und ihre Verbündeten gegen die böse Richter-Familie, zu der Dace in gewisser Weise gehört.

So ein YA-Text über Magie, Liebe, Familie und Teenierebellion könnte ganz schnell ins Platte, Abgekaute abdriften. Aber dank der wunderbaren Übersetzung von Ariane Böckler geschieht das nicht. Hut ab! Und volle Leseempfehlung für die Soul Seeker-Reihe, wenn Ihr Fans von Twilight und anderen Fantasy-Büchern wie Das Reich der sieben Höfe seid. Weil die Soul Seeker-Reihe der 1967 geborenen US-Bestsellerautorin Alyson Noel zwischen 2012 und 2015 herausgekommen ist, könnt Ihr jetzt gleich alle 4 Bücher nacheinander lesen: juhu!

Alyson Noel: Soul Seeker: Vom Schicksal bestimmt. München: Goldmann Verlag, 2012. Aus dem Deutschen übertragen von Ariane Böckler.

Wieland Freund: Krakonos

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Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: Jugendliche von 10 – 14 Jahren

292 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,95

Themen: Rübezahl, Brüderbeziehung, digitale Welt, Natur

Die Brüder Nik und Levi leben zusammen mit anderen Jugendlichen und Kindern auf dem Campus der IT-Firma Qwip, für die ihre Eltern fast Tag und Nacht arbeiten. Der Alltag wird dominiert von Handys, PCs, Computerspielen, Laptops, autonomen Fahrzeugen und Videoüberwachung. Levi hält nichts von dieser digitalen Blase, sucht die Natur, auch wenn ihn das auf verbotene Wege führt. Sein Bruder ist bemüht, Levi zu decken und zu beschützen, wo er kann. Eines Nachts treffen sie jedoch auf den Naturgeist und Gestaltenwandler Krakonos, den man auch Rübezahl nennt. Er wird von einem erbarmungslosen Sonderkommando gejagt, das ihn töten will. Nur die Mythobiologin Emma, die einst zur Überwachung des Berggeistes abgestellt wurde und nun Teil des Sonderkommandos sein muss, will Krakonos schützen. Eine spannende Jagd beginnt, bei der auch die beiden Jungs ins Visier der Technokraten geraten.

Wieland Freund gelingt es mühelos, eine glaubhafte und fesselnde Geschichte im Spannungsfeld zwischen hochtechnologisierter Gegenwart und sagenhafter Naturwelt anzusiedeln. Zur aufregenden Jagd auf Rübezahl kommt auch noch die interessante Beziehung zwischen Nik und Levi. Letzterer erscheint zu Beginn des Romans autistisch, seltsam technologiefremd und eigenbrötlerisch. Später wird Nik entdecken, dass Levis Interesse an der Natur und Zuneigung zu Tieren durchaus ihre Berechtigung hat und dank Levi in eine neue Denkart und Sichtweise eintauchen. Ein tolles, sehr empfehlenswert Buch, das 2018 mit dem Leipziger Lesekompass und dem Rattenfänger Literaturpreis ausgezeichnet wurde.

Der 1969 geborene Wieland Freund, dessen Vater Germanistikprofessor war, arbeitet als Journalist, Autor von Kinder-und Jugendbüchern und Literaturkritiker in Berlin. Der Vater dreier Kinder ist auch als Übersetzer tätig. Zusammen mit Andrea Wandel hat er Steve Coles _Astrosaurier_-Bücher aus dem Englischen übertragen.

Dieses Buch ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 nominiert. Toitoitoi :-)!

Wieland Freund. Krakonos. Weinheim: Beltz & Gelberg Verlag, 2017.

Tomi Adeyemi Children of Blood and Bone: Goldener Zorn

ab 14 Jahren

624 Seiten, gebundene Ausgabe um € 18,99

Leselevel: ♦♦♦♦♦
Wissenssteigerung:♦♦♦♦◊
Humor:♦♦♦◊◊
Spannung:♦♦♦♦♦
Gefühl:♦♦♦♦♦
Elternvergnügen:♦♦♦♦♦

Themen: Rassenkampf, Magie, Abenteuer, Krieg, Liebe, Freundschaft, Gemeinschaft

Im Juni 2018 ist Tomi Adeyemis erster Band ihrer Children of Blood and Bone-Trilogie erschienen, Goldener Zorn. Er ist genial: Ihr müsst ihn lesen!

Das Buch ist entstanden, weil die Autorin Tag für Tag in den Nachrichten sah, wie wehrlose und unschuldige Schwarze in den USA von der Polizei erschossen wurden. Das Schreiben dieses Romans gab ihr das Gefühl, etwas dagegen tun zu können, und ich finde, sie hat ihr Ziel mehr als erfüllt. Denn zusätzlich zur politischen Relevanz ist das Buch auch noch unglaublich spannend, berührend, mitreißend, toll geschrieben und brillant konzipiert. Es hat alles, was ein Lieblingsbuch braucht, und die geniale Geschichte wird auch schon verfilmt (angeblich wurden die Filmrechte um einen siebenstelligen Betrag verkauft). Die 624 Seiten hören sich abschreckend an, sind aber absolut knackig und im Nu gelesen. Im Gegensatz zu anderen dicken Schwarten habe ich bei diesem Koloss keinen einzigen Absatz überflogen, sondern jedes einzelne Wort genossen. Und wie immer bei solch hervorragenden Büchern ist es eine große Freude zu wissen, erst Band eins von drei gelesen zu haben.

Zélie Adebola ist die Heldin dieses Young Adult-Fantasy-Romans. Sie lebt in Orisha, einer Monarchie, in der alle Bewohner mit magischen Fähigkeiten, die sogenannten „Maji“, getötet wurden. Ihre Nachfahren, die „Diviné“, deren Magie nicht erweckt ist, erfahren dort Unterdrückung und Hass. Zélie ist eine von ihnen. Durch Zufall kommen ihr Bruder Tzain und sie mit der Königstochter Amari und einer magischen Schriftrolle zusammen. Ob sie gemeinsam die Magie wieder erwecken können? Amaris Bruder, Prinz Inan, ist ihnen dicht auf den Versen und versucht, das zu verhindern. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt.

Tomi Adeyemi wurde 1993 in den USA geboren. Ihre Eltern sind aus Nigeria in die Staaten eingewandert. Erst als Erwachsene habe sie begriffen, wie cool ihre afrikanische Herkunftskultur sei, und ihr Roman sei ein Liebesbrief an die nigerianische Heimat, so die Autorin.

Tomi Adeyemi. Children of Blood and Bone: Goldener Zorn. Übersetzt von Andrea Fischer. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 2018.

Karen McManus: One of us is Lying

Zielgruppe: alle ab 14 Jahren

Themen: Mord, Highschool-Leben, Teenager-Probleme

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦◊◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Fünf Jugendliche finden sich zum Nachsitzen in der Bayview High ein: die schlaue Bronwyn, die schöne Addy, der drogendealende Nate, der sportliche Cooper und Simon, der eine Gossip-App betreibt. Letzterer wird ermordet und alle anderen beteuern ihre Unschuld. Am Folgetag hätte Simon einen Skandalpost absetzen wollen, der die vier Tatverdächtigen arg blamiert hätte. Da stellt sich natürlich die Frage: Wer von ihnen war’s? Während der spannende Kriminalfall geklärt wird, entfaltet sich vor unseren Augen Skandal um Skandal.

Der tolle Debutroman der amerikanischen Autorin Karen McManus ist nicht umsonst ein New York Times Bestseller. Klugerweise wird die ganze Geschichte aus der Ich-Perspektive der vier Tatverdächtigen erzählt. Dadurch ist ganz lange unklar, wie alles abgelaufen ist. Sicher ist nur, dass einer lügt, denn One of us is lying. Die Jugendlichen sind überzeugend beschrieben und je besser man sie kennenlernt, desto mehr gewinnen die anfangs so stereotyp erscheinenden Teenies mit ihren Sorgen (Sexualität, Liebe, Vertrauen, Elternprobleme,…) an Tiefe. Die langsam aufkeimende Freundschaft der vier Beschuldigten ist nur eines der Highlights dieses gelungenen Pageturners. Unbedingte Leseempfehlung für alle Whodunnit-Fans!

Karen McManus hat die Young Adult-Szene im Sturm erobert. Sie ist Alleinerzieherin eines Sohnes; ihr Mann starb, als der Junior noch ein Kleinkind war. McManus arbeitet vollzeit im Marketing und schrieb sozusagen nebenbei noch dieses tolle Buch. Die Hälfte von One of us is lying sei neben dem Baseballfeld ihres Kindes entstanden, erzählt die Schriftstellerin im Writers Digest-Interview vom 08.12.2017. Hier erfährt man auch, dass Ihr Sohn sehr stolz darauf ist, den Namen eines der Romanpolizisten, Hank Budapest, erfunden zu haben. Ihr nächster Thriller ist auch schon im Entstehen: Two Can Keep a Secret dreht sich um Geheimnisse und Lügen in einer kleinen Stadt und wird 2019 erscheinen. Ich freu mich schon darauf!

Karen McManus. One of us is Lying. München: cbj, 2018. Übersetzt von Anja Galic.

M. G. Leonard: Käferkumpel

M G Leonard Käferkumpel Kaeferkumpel Britt Somann Jung Brigitte Wallinger Kinderbuchblog Jugendbuchblog geniales Buch fuer Kinder Buchtipp Buchempfehlung Mädchen und Jungen Kinder
Zielgruppe: Kinder von 10 – 14 Jahren

336 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,99

Themen: Käfer, Freundschaft, Familie, Genforschung

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Der Vater des dreizehnjährigen Darkus Cuttle verschwindet spurlos. Mit Hilfe seiner Menschen- und Käfer-Freunde kann er einen Teil des Rätsels in diesem ersten von drei genialen Bänden lösen. Käferkumpel ist so temporeich und spannend wie ein guter Film und bringt die Leserschaft dazu, Käfer von nun an mit ganz anderen Augen zu sehen. Zwei Daumen nach oben für dieses geniale Buch (und dessen ebenso geniale Übersetzerin Britt Somann-Jung, die ich in einem Übersetzungsworkshop in Wolfenbüttel zufällig kennengelernt habe). Chicken House, das zum Carlsen Verlag gehört, hat übrigens erst gestern bekannt gegeben, dass M.G. Leonard gerade das Drehbuch für die TV-Realverfilmung der Trilogie schreibt. Juhuuu!

Aber fangen wir mal bei der Story an: Darkus Vater ist von einem Tag auf den anderen wie vom Erdboden verschluckt. Obwohl der Rest der Welt vermutet, dass sich Dr. Bartholomew Cuttle das Leben genommen hat, weiß der Junge instinktiv, dass dem nicht so ist. Er wird von seinem Onkel Max aufgenommen und beide beginnen ihre Detektivarbeit. Aufgrund des neuen Wohnortes kommt Darkus allerdings an eine neue Schule, wo er schnell aneckt. Virginia Wallace und Bertolt Roberts helfen ihm aus der ersten brenzligen Situation auf dem Pausenhof und beschließen, Darkus bei der Suche nach seinem Vater zu helfen. Kurz bevor der Schultyrann Robby und seine Lakeien, „ die Klone“, Darkus auf der Straße angreifen, lernt er einen riesigen Nashornkäfer kennen, der ihn zu verstehen scheint. Als die Mobber auf Darkus losgehen, passiert folgendes:

Der riesige schwarze Käfer schoss plötzlich in Robbys Gesicht und flog zischend – fast spuckend – gegen ihn an, wie eine Königskobra.
„Was zur Hölle ist DAS?“ Robby machte einen Satz rückwärts, als hätte man ihm einen Elektroschock verpasst.
„Wonach sieht es denn aus?“ Darkus mühte sich auf die Knie, sein Verstand arbeitete schnell. „Das ist mein Käfer.“
(…) Plötzlich steuerte der Käfer auf die verängstigten Jungen zu und ließ sein Horn an ihren Gesichtern vorbeisausen.
Darkus fiel die Kinnlade herunter.
„Der hat es auf mich abgesehen!“, kreischte einer der Klone und duckte sich.
„Der kommt im Sturzflug!“, schrie ein anderer.
„Haltet euch die Augen zu!“, rief Darkus. „Oder er … äh … bringt eure Augäpfel zum Platzen.“ Er bluffte nur. „Diese Käferart heißt, äh, Augen-Ausstecher!“
Der Käfer sauste wie ein Mini-Kampfflugzeug über die Köpfe der kauernden Jungs hinweg und zischte ihnen in die Ohren, bevor er wieder zu Darkus abdrehte. Als er das Insekt wieder auf seiner Schulter landen fühlte, gab er sich größte Mühe, seine Überraschung und seine Freude vor den Jungen zu verbergen, die vor ihm im Staub krochen. Mit dem majestätischen Käfer auf seiner Schulter fühlte er sich stark. Das war neu für ihn und er mochte es.
„Du bist ein verdammter Irrer!“, schrie Daniel Dowie, der die Hände von den Augen nahm und rückwärtsstolperte. „Durchgeknallter Käferjunge!“
„Wie du meinst.“ Darkus lächelte. Die Sache fing an ihm Spaß zu machen. „Aber der Augen-Ausstecher und ich, wir sind ein Team, weißt du, und wenn du mir nochmal zu nahe kommst, finden wir heraus, wo du wohnst, und dann kommt mein Freund hier mitten in der Nacht durch den Briefschlitz gekrabbelt und sticht dir im Schlaf die Augen aus.“

(Seite 47-49)

Der Käfer, den Darkus gleich Baxter nennen wird, ist in Wirklichkeit natürlich keine Insektenwaffe, aber ungewöhnlich intelligent und groß ist er schon … Jedenfalls sind er und Darkus von nun unzertrennlich. Im Laufe der Recherchen stößt der Junge noch auf einen riesengroßen Haufen weiterer derart auffälliger Käfer, und die Spur führt zur verrückten Modedesignerin Lucretia Cutter.

Durch die Lektüre dieser lustigen und fesselnden Geschichte entflammt auch eine echte Faszination für Käfer und für wissenschaftliche Forschung, und man weiß dann bestens Bescheid über Elytren, DNS, Stridulation, Setae und vieles mehr. Was, das sagt Dir nichts?!? Dann musst Du Käferkumpel unbedingt lesen!

M. G. Leonard. Käferkumpel. Hamburg: Carlsen, 2018. Übersetzt von Britt Somann-Jung.
Britt Somann Jung Buchtipp Buchempfehlung Kinderbuchblog Jugendbuchblog Brigitte Wallinger

Joyce Carol Oates: Sexy

Joyce Carol Oates Sexy Buchtipp Jugendbuchblog Brigitte Wallinger Buchempfehlung LGBT Feuer und Flamme Buchblog 80 Geburtstag

Zielgruppe: alle ab 12 Jahren

240 Seiten, TB um €8,95; gibt’s auch als Reclam Fremdsprachentext um €6,60

Themen: Homophobie, Mitläufertum, Mut, Feigheit, Pubertät, Sportlerclique, Schwimmtraining, Kameradschaft, LGBT-Bashing

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ◊◊◊◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Der sechzehnjährige Darren Flynn wird angehimmelt von den Ladies, ist erfolgreich im Schwimmverein, schreibt gute Noten. Es läuft. Er ist allerdings nicht von seinem eigenen Ruhm überzeugt und hat nur wenig Selbstbewusstsein. Als ihm sein Englischlehrer Mr. Tracey bei Schneetreiben eine Mitfahrgelegenheit anbietet, lässt er sich nach Hause fahren. Er hat das Gefühl, bei dieser Autofahrt vom Englischlehrer angemacht worden zu sein und ist verwirrt (sein Vater, der Darren für „weibisch“ hält, hatte ihn eindringlich vor homosexuellen Übergriffen gewarnt). Als Mr. Tracey dem Besten des Schwimmteams eine schlechte Note gibt, muss dieser wegen seiner zu schwachen schulischen Leistung aus dem Team ausscheiden. Die Sportlerclique will sich an Mr. T. rächen und zettelt eine homophobe Hexenjagd an. Der Englischlehrer ersucht Darren, für ihn vor der Polizei auszusagen – ob er Manns genug dazu ist?

In Amerika sind Anschuldigungen von SchülerInnen, besonders jenen aus reichem Hause, deren Eltern die Schulen ihrer Kinder sponsern, leider an der Tagesordnung. Hierzulande bekommen LehrerInnen Probleme, wenn sie alkoholkrank sind oder Kinder schlagen, aber in den USA reicht oft nur der Verdacht, eine Lehrkraft könnte schwul oder lesbisch sein, und schon wird sie gekündigt. Joyce Carol Oates, die seit Jahren als Literaturnobelpreiskandidatin gehandelt wird und übrigens für ihre rege Twitter-Tätigkeit bekannt ist, nimmt sich auf unnachahmlich geniale Weise dem LGBT-Bashing in _Sexy_ an. Ohne Zeigefinger, mit viel Einfühlungsvermögen, auch gegenüber allen Darrens dieser Welt, denen sie den Roman widmet.

Heute wird Joyce Carol Oates 80 Jahre alt. Alles Gute dieser tollen Schriftstellerin!

Joyce Carol Oates. Sexy. München: Carl Hanser Verlag, 2006. Übersetzt von Birgitt Kollmann.

Stefanie Höfler: Mein Sommer mit Mucks

Stefanie Hoefler Mein Sommer mit Mucks Buchtipp Empefhlung Jugendbuch Kinderbuch Kinderbuchblog Brigitte Wallinger Feuer und Flamme fuer junge Literatur
Zielgruppe: alle ab 11
Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 5 von 5 Wissensstufen
Humor: 4 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

140 Seiten, TB um € 5,95

Themen: Freundschaft, Anderssein, Gewalt in der Familie

Vorab schon mal: Stefanie Höflers Debütroman ist ein wirklich geniales Jugendbuch! Das Taschenbuch kostet nicht einmal 6 €: Was für ein tolles Präsent für Teenies, die man ab einem gewissen Alter sonst nur mehr mit Gutscheinen beschenkt… Ein einzigartig gutes Buch: muss gelesen und ins Herz geschlossen werden!

Zonja ist ein wissbegieriges Mädchen, das schwierige Wörter, Statistiken und Kurioses liebt und Fragen sammelt, auf die sie Antworten finden will (z.B.: „Was ist die durchschnittliche Temperatur im Dezember in Weißrussland?“, 9). Das macht sie in ihrer Klasse natürlich zur Außenseiterin, doch sie hält sich an das, was ihre Mutter ihr einmal geraten hat: „Wenn du etwas sagen oder tun willst, dann mach das auch. Egal ob jemand anderes dich und deine Fragen blöd findet. Mach das, was dir richtig vorkommt. Und lass dich nicht davon abbringen“ (83). Schlaue Mutter, schlaues Kind! Jedenfalls lernt die Einzelgängerin an einem Sommertag im Schwimmbad Mucks (aka „die Birke“) kennen, und eine wunderbare Freundschaft keimt auf: „Und dann fragt er mich tatsächlich, ob ich mit ihm Scrabble spielen will. Das Spielbrett ist schon aufgebaut und er hat einige Wörter gelegt. Poesie, Gartentor und Kokosnus kann ich lesen, bevor er das Brett mit der Handkante leerfegt. Kokosnus. Mit einem S. Die Birke geht also ins Freibad, um gegen sich selbst Scrabble zu spielen. Und ich dachte, es gäbe keinen Zwölfjährigen, der so komische Hobbys hat wie ich. Na ja, vermutlich ist er dreizehn. Und ich bin überzeugt, dass ich beim Scrabble gewinnen werde. Hämoglobin kennt er auf keinen Fall.“ (Seite 22-23).
Als Zonja in Mucks Tasche zufällig einen Pfefferspray entdeckt und ihr die blauen Flecke auf seinem Körper auffallen, findet sie langsam heraus, welches Geheimnis sein Leben überschattet. Ein spannendes, tiefsinniges, feines Buch für Jugendliche ab 11 Jahren und erwachsene LiebhaberInnen guter Romane.

Völlig verdient wurde Mein Sommer mit Mucks 2016 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und gewann einen Leipziger Lesekompass. Die Autorin, Stefanie Höfler, wurde 2015 mit dem Nachwuchspreis für deutschsprachige Kinder-und Jugendbuchautoren ausgezeichnet.

Stefanie Höfler. Mein Sommer mit Mucks. Mit Vignetten von Franziska Walther. Weinheim: Beltz & Gelberg, 2015.

Katherine Applegate: Der unvergleichliche Ivan

Katherine Applegate Der unvergleichliche Ivan  Buchempfehlung Buchtipp Kinderbuchblog Brigitte Wallinger Feuer und Flamme fuer junge Literatur tolles Buch lesenswert empfehlung
Ein poetisches Kinderbuch, geschrieben aus der Sicht eines Gorillas. Wunderschön!

Zielgruppe: Jungen und Mädchen ab 10 Jahren
Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 4 von 5 Wissensstufen
Humor: 4 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

264 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,95

Themen: Tiere, Freundschaft, Kunst, Gefangenschaft, Hoffnung

Der Silberrücken Ivan wir zusammen mit anderen exotischen Tieren in kleinen Käfigen als Attraktion in einem großen Einkaufszentrum gefangen gehalten. Mit Elefantendame Stella und Streunerhund Bob ist er befreundet, ebenso wie mit dem Kind Julia, der kleinen Tochter seines Pflegers. Der Roman wird aus Ivans Perspektive erzählt, was zu kurzen, wunderschön verfassten Kapiteln führt – schließlich sind Berggorillas keine Plaudertaschen wie etwa Schimpansen… Als Stella durch Verschulden des Zirkusbetreibers Mack stirbt und Elefantenbaby Ruby von ihm mit einem Hakenstock misshandelt wird, beschließt der „unvergleichliche Ivan“, seinem Namen gerecht zu werden und Ruby zu retten:
„Als alle Menschen gegangen sind, schicke ich Bob los, um nach Ruby zu sehen. ‚Wie geht es ihr?‘, frage ich, als er zurückkommt.
‚Sie zittert‘, sagt Bob. ‚Ich habe versucht, sie mit Stroh zuzudecken. Und ich habe ihr gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen soll, weil du sie retten wirst.‘
Ich starre ihn an. ‚Das hast du ihr so gesagt?‘
‚Du hast es Stella versprochen.‘ Bob senkt den Kopf. ‚Ich wollte doch nur, dass die Kleine sich besser fühlt.‘
‚Ich hätte das nicht versprechen dürfen, Bob. Ich wollte nur…‘ Ich zeige auf Stellas Zuhause, und einen Moment lang kommt es mir vor, als hätte ich plötzlich vergessen, wie man atmet. ‚Ich wollte Stella glücklich machen, glaube ich. Aber ich kann Ruby nicht retten. Ich kann ja noch nicht einmal mich selbst retten.‘
Ich lasse mich nach hinten auf den Rücken fallen. Der Betonboden ist hart und kalt wie immer, aber heute Nacht fühlt er sich an wie Eis.
Bob springt auf meinen Bauch. ‚Du bist der unvergleichliche Ivan‘, sagt er, ‚der mächtige Silberrücken‘“ (Seite 102-103). Und Ivan gelingt das Unmögliche!

Die kompakte Sprache des tierischen Erzählers ist bezaubernd, die Geschichte unglaublich fesselnd – und sie beruht auf einer wahren Begebenheit: 27 Jahre lang wurde der aus dem Kongo entführte Gorilla Ivan in einem amerikanischen Einkaufszentrum in einem Einzelkäfig gefangen gehalten. 2012 ist er schließlich verstorben, und Katherine Applegates Roman verleiht ihm eine Stimme, die Gehör findet: Das berührende Buch ist ein New York Times Bestseller und Gewinner der John Newbery Medaille.

Katherine Applegate. Der unvergleichliche Ivan. München: Knesebeck, 2014. Übersetzt von Ingrid Ickler

Gabrielle Kent: Alfie Bloom: Das Geheimnis der Drachenburg

Gabrielle Kent Alfie Bloom Das Geheimnis der Drachenburg Brigitte Wallingers Kinderbuchblog Buchtipp Buchempfehlung mega toll super genial
Alfie Bloom ist ein Glücksfall für alle lesewütigen Zwei- und Vierbeiner! Dieses Buch ist total spannend, super geschrieben bzw. übersetzt und wahnsinnig witzig! Die Kids werden Alfie Bloom: Das Geheimnis der Drachenburg geradezu verschlingen.

Zielgruppe: Jungen und Mädchen ab 10 Jahren; auch für abenteuerlustige, magieaffine Erwachsene geeignet 🙂

Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 2 von 5 Wissensstufen
Humor: 5 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

311 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12,99

Themen: Freundschaft, Magie, Drachen, Geheimnisse, fliegendes Bärenfell, Zauberburg, Druiden

Der elfjährige Halbwaise Alfie kommt aus bescheidenen Verhältnissen, sein Vater ist ein unkonventioneller Erfinder und viele seiner Mitschüler würden ihn wohl als „Opfer“ bezeichnen. Das Blatt wendet sich allerdings, als er eine magische Burg erbt, samt geheimnisvollem Butler, fliegendem Fell und gefährlichem Drachenkerker. Ein fantastisches Abenteuer jagt das nächste und es bleibt bis zum Schluss spannend. Alfies Cousin Robin, seine Cousine Madeleine und seine Freundin Amy stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite, und zusammen entwirren sie das Geheimnis rund um den Druiden Orin Hopcraft und dessen Burg.

Auf der Suche nach Orin Hopcrafts Studierzimmer erwecken Alfie, Robin und Madelaine mithilfe einer Zauberpfeife ihren zukünftigen Freund Artan zum Leben:
„Vor dem Kamin lag ein Bärenfellteppich, dem Robin gerade ins offene Maul spähte.
‚Der muss ziemlich furchterregend gewesen sein, als er noch gelebt hat‘, sagte Madelaine und strich über den pelzigen Teppich, während Alfie ein letztes Mal in das Pfeifchen blies.
‚Sehr freundlich von dir, das zu sagen, Kleines‘, erwiderte eine tiefe, grollende Stimme. Im selben Moment hob sich der Kopf des Bären und wandte sich ihnen zu.
Alfie verschluckte beinahe die kleine Pfeife. Robin krabbelte hektisch ein paar Meter rückwärts und hatte es dermaßen eilig, von dem sprechenden Teppich wegzukommen, dass er Madelaine von den Beinen fegte. Alle drei sahen fassungslos zu, wie der Bär sanft ein Stück in die Höhe schwebte und sich nach einem lautstarken Gähner zu schütteln begann wie ein Hund nach dem Schaumbad. Eine jahrhundertealte Schicht aus Staub und lockeren Fellhaaren wirbelte durch das Zimmer.
Als er schließlich einigermaßen zufrieden schien, wandte der Bär sich an Alfie, dessen Wuschelkopf jetzt komplett von Staub bedeckt war.
‚Also dann, Jungchen. Ich hab viel zu lange geschlafen und könnte es ganz gut vertragen, mir ein bisschen den Wind durch den Pelz wehen zu lassen. Und da du mich geweckt hast, darfst du auch bestimmen, wo’s hingeht.‘
Alfie starrte auf die schimmernden Glasaugen und das grinsende Bärenmaul und überlegte fieberhaft, ob er antworten oder doch lieber um sein Leben rennen sollte. Der Bär hingegen schien diese Reaktion sehr zu genießen, denn er rollte theatralisch die Augen und sagte dann übertrieben langsam und laut, so als spräche er mit einem Schwerhörigen: ‚WO WÜRDEST DU GERNE HIN?‘“ (Seite 108-109).

Alfies erstes Abenteuer ist wirklich genial, was man – wenn man den Rezensionen der Online-Leserschaft Glauben schenkt – von den beiden Folgebänden nicht behaupten kann. Ich habe soeben Band 1 fertiggelesen und bin total begeistert. Sollten Band 2 und 3 auch toll sein, werde ich sie auf meinem Blog empfehlen, ansonsten genießt einfach nur dieses Buch!

Die Autorin Gabrielle Kent arbeitete übrigens über fünfzehn Jahre lang in der Videospielbranche, unterrichtet nun Spielentwicklung und -design an der Teesside Universität und organisiert Animex, Englands größtes Festival für Computerspiele und Animation. Die super Story dieses Buches überrascht mich vor diesem Hintergrund überhaupt nicht!

Gabrielle Kent. Alfie Bloom: Das Geheimnis der Drachenburg. Köln: Schneiderbuch EGMONT, 2015. Aus dem Englischen übersetzt von Kai Kilian.