Alyson Noel: Soul Seeker: Vom Schicksal bestimmt

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 16 Jahren

441 Seiten, eBook um € 8,99

Themen: Teenieleben, Magie der Ureinwohner Nordamerikas, Liebe, Familie, Gut gegen Böse, Fantasy

Dieses Buch habe ich gekauft, weil ich seine Übersetzerin verehre: Ariane Böckler, die schon Bridget Jones: Schokolade zum Frühstück und viele andere tolle Bücher auf geniale Weise übersetzt hat und nebenbei auch noch ein total netter Mensch ist, hat dieses Young Adult Schätzchen ins Deutsche übertragen (#theartoftranslation). Auch die amerikanische Romanautorin Alyson Noel ist sehr erfolgreich: Vielleicht kennt ihr sie durch ihre YA-Serie Evermore? Soul Seeker: Vom Schicksal bestimmt ist ein durch und durch gelungenes Buch! Die vierbändige Soul Seeker-Reihe startet mit diesem Band, in dem die 16-jährige Halbwaisin Daire Santos ihre Bestimmung erfährt.

Daires Lebenwird wird vom Job ihrer Mutter bestimmt, die als Visagistin auf Hollywood-Filmsets arbeitet: Zusammen reisen sie von Filmlocation zu Flmlocation. Als Daire plötzlich Visionen bekommt, die alle um sie herum für Halluzinationen halten und ihr beinahe einen Aufenthalt in der Klapse bescheren, meldet sich Paloma, Daires Großmutter väterlicherseits. Sie überzeugt die Mutter, den Teenie zu ihr zu schicken und verspricht, ihr helfen zu können.

Daire reist also zu ihrer Abuela und staunt nicht schlecht, als sie von der langen Seelensucher-Tradition ihrer Familie väterlicherseits erfährt. Zuerst wehrt sie sich dagegen, dieses Schicksal anzunehmen, und will das kleine Dorf Enchantment in New Mexico, wo die Großmutter lebt, sofort wieder verlassen. Doch dann verliert sie sich in den blauen Augen des feschen Dace, spürt die Tiefe ihrer familiären Bande und genießt es, zum ersten Mal in ihrem Leben ein richtiges Zuhause zu haben. Daire bleibt, und die kränkelnde Paloma lehrt sie die Magie der Suchenden:

Ich sehe mich im Zimmer um, betrachte die Regale voller Tinkturen und Tränke und allen möglichen Kräuterarzneien, während in anderen Bücher, Rasseln, verschiedene Kristalle und Steine und eine rot bemalte Trommel zu erkennen sind. Und obwohl ich versuche, meinen Geist offen zu halten, und mein Bestes tue, um mitzuspielen, habe ich keine Ahnung, was sie meint. Ich bin die Tochter einer reisenden Visagistin – alles, was ich weiß, habe ich auf einem Filmset gelernt, im Internet oder direkt durch eigene Anschauung. So etwas habe ich allerdings noch nie gelernt. Ich hatte noch nicht einmal von Schamanen oder Suchenden gehört, ehe ich hierhergekommen bin.
Ich will schon protestieren, doch sie beeilt sich, mich zum Schweigen zu bringen. „Glaub mir, nieta – alles Wissen, das du brauchst, steckt bereits in dir. Es ist das Erbe deiner Vorfahren, es ist in dem Blut, das durch deine Adern fließt, es ist der Puls in deinem Herzschlag, und es ist meine Aufgabe, dir dabei zu helfen, es zu entdecken (Seite 158-159).

Das Dorf Enchantment ist sozusagen ein magischer Hotspot und zu Allerseelen kommt es zum Showdown: Daire und ihre Verbündeten gegen die böse Richter-Familie, zu der Dace in gewisser Weise gehört.

So ein YA-Text über Magie, Liebe, Familie und Teenierebellion könnte ganz schnell ins Platte, Abgekaute abdriften. Aber dank der wunderbaren Übersetzung von Ariane Böckler geschieht das nicht. Hut ab! Und volle Leseempfehlung für die Soul Seeker-Reihe, wenn Ihr Fans von Twilight und anderen Fantasy-Büchern wie Das Reich der sieben Höfe seid. Weil die Soul Seeker-Reihe der 1967 geborenen US-Bestsellerautorin Alyson Noel zwischen 2012 und 2015 herausgekommen ist, könnt Ihr jetzt gleich alle 4 Bücher nacheinander lesen: juhu!

Alyson Noel: Soul Seeker: Vom Schicksal bestimmt. München: Goldmann Verlag, 2012. Aus dem Deutschen übertragen von Ariane Böckler.

Wieland Freund: Krakonos

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
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Spannung: ♦♦♦♦♦
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Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: Jugendliche von 10 – 14 Jahren

292 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,95

Themen: Rübezahl, Brüderbeziehung, digitale Welt, Natur

Die Brüder Nik und Levi leben zusammen mit anderen Jugendlichen und Kindern auf dem Campus der IT-Firma Qwip, für die ihre Eltern fast Tag und Nacht arbeiten. Der Alltag wird dominiert von Handys, PCs, Computerspielen, Laptops, autonomen Fahrzeugen und Videoüberwachung. Levi hält nichts von dieser digitalen Blase, sucht die Natur, auch wenn ihn das auf verbotene Wege führt. Sein Bruder ist bemüht, Levi zu decken und zu beschützen, wo er kann. Eines Nachts treffen sie jedoch auf den Naturgeist und Gestaltenwandler Krakonos, den man auch Rübezahl nennt. Er wird von einem erbarmungslosen Sonderkommando gejagt, das ihn töten will. Nur die Mythobiologin Emma, die einst zur Überwachung des Berggeistes abgestellt wurde und nun Teil des Sonderkommandos sein muss, will Krakonos schützen. Eine spannende Jagd beginnt, bei der auch die beiden Jungs ins Visier der Technokraten geraten.

Wieland Freund gelingt es mühelos, eine glaubhafte und fesselnde Geschichte im Spannungsfeld zwischen hochtechnologisierter Gegenwart und sagenhafter Naturwelt anzusiedeln. Zur aufregenden Jagd auf Rübezahl kommt auch noch die interessante Beziehung zwischen Nik und Levi. Letzterer erscheint zu Beginn des Romans autistisch, seltsam technologiefremd und eigenbrötlerisch. Später wird Nik entdecken, dass Levis Interesse an der Natur und Zuneigung zu Tieren durchaus ihre Berechtigung hat und dank Levi in eine neue Denkart und Sichtweise eintauchen. Ein tolles, sehr empfehlenswert Buch, das 2018 mit dem Leipziger Lesekompass und dem Rattenfänger Literaturpreis ausgezeichnet wurde.

Der 1969 geborene Wieland Freund, dessen Vater Germanistikprofessor war, arbeitet als Journalist, Autor von Kinder-und Jugendbüchern und Literaturkritiker in Berlin. Der Vater dreier Kinder ist auch als Übersetzer tätig. Zusammen mit Andrea Wandel hat er Steve Coles _Astrosaurier_-Bücher aus dem Englischen übertragen.

Dieses Buch ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 nominiert. Toitoitoi :-)!

Wieland Freund. Krakonos. Weinheim: Beltz & Gelberg Verlag, 2017.

Tomi Adeyemi Children of Blood and Bone: Goldener Zorn

ab 14 Jahren

624 Seiten, gebundene Ausgabe um € 18,99

Leselevel: ♦♦♦♦♦
Wissenssteigerung:♦♦♦♦◊
Humor:♦♦♦◊◊
Spannung:♦♦♦♦♦
Gefühl:♦♦♦♦♦
Elternvergnügen:♦♦♦♦♦

Themen: Rassenkampf, Magie, Abenteuer, Krieg, Liebe, Freundschaft, Gemeinschaft

Im Juni 2018 ist Tomi Adeyemis erster Band ihrer Children of Blood and Bone-Trilogie erschienen, Goldener Zorn. Er ist genial: Ihr müsst ihn lesen!

Das Buch ist entstanden, weil die Autorin Tag für Tag in den Nachrichten sah, wie wehrlose und unschuldige Schwarze in den USA von der Polizei erschossen wurden. Das Schreiben dieses Romans gab ihr das Gefühl, etwas dagegen tun zu können, und ich finde, sie hat ihr Ziel mehr als erfüllt. Denn zusätzlich zur politischen Relevanz ist das Buch auch noch unglaublich spannend, berührend, mitreißend, toll geschrieben und brillant konzipiert. Es hat alles, was ein Lieblingsbuch braucht, und die geniale Geschichte wird auch schon verfilmt (angeblich wurden die Filmrechte um einen siebenstelligen Betrag verkauft). Die 624 Seiten hören sich abschreckend an, sind aber absolut knackig und im Nu gelesen. Im Gegensatz zu anderen dicken Schwarten habe ich bei diesem Koloss keinen einzigen Absatz überflogen, sondern jedes einzelne Wort genossen. Und wie immer bei solch hervorragenden Büchern ist es eine große Freude zu wissen, erst Band eins von drei gelesen zu haben.

Zélie Adebola ist die Heldin dieses Young Adult-Fantasy-Romans. Sie lebt in Orisha, einer Monarchie, in der alle Bewohner mit magischen Fähigkeiten, die sogenannten „Maji“, getötet wurden. Ihre Nachfahren, die „Diviné“, deren Magie nicht erweckt ist, erfahren dort Unterdrückung und Hass. Zélie ist eine von ihnen. Durch Zufall kommen ihr Bruder Tzain und sie mit der Königstochter Amari und einer magischen Schriftrolle zusammen. Ob sie gemeinsam die Magie wieder erwecken können? Amaris Bruder, Prinz Inan, ist ihnen dicht auf den Versen und versucht, das zu verhindern. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt.

Tomi Adeyemi wurde 1993 in den USA geboren. Ihre Eltern sind aus Nigeria in die Staaten eingewandert. Erst als Erwachsene habe sie begriffen, wie cool ihre afrikanische Herkunftskultur sei, und ihr Roman sei ein Liebesbrief an die nigerianische Heimat, so die Autorin.

Tomi Adeyemi. Children of Blood and Bone: Goldener Zorn. Übersetzt von Andrea Fischer. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 2018.

Karen McManus: One of us is Lying

Zielgruppe: alle ab 14 Jahren

Themen: Mord, Highschool-Leben, Teenager-Probleme

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦◊◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Fünf Jugendliche finden sich zum Nachsitzen in der Bayview High ein: die schlaue Bronwyn, die schöne Addy, der drogendealende Nate, der sportliche Cooper und Simon, der eine Gossip-App betreibt. Letzterer wird ermordet und alle anderen beteuern ihre Unschuld. Am Folgetag hätte Simon einen Skandalpost absetzen wollen, der die vier Tatverdächtigen arg blamiert hätte. Da stellt sich natürlich die Frage: Wer von ihnen war’s? Während der spannende Kriminalfall geklärt wird, entfaltet sich vor unseren Augen Skandal um Skandal.

Der tolle Debutroman der amerikanischen Autorin Karen McManus ist nicht umsonst ein New York Times Bestseller. Klugerweise wird die ganze Geschichte aus der Ich-Perspektive der vier Tatverdächtigen erzählt. Dadurch ist ganz lange unklar, wie alles abgelaufen ist. Sicher ist nur, dass einer lügt, denn One of us is lying. Die Jugendlichen sind überzeugend beschrieben und je besser man sie kennenlernt, desto mehr gewinnen die anfangs so stereotyp erscheinenden Teenies mit ihren Sorgen (Sexualität, Liebe, Vertrauen, Elternprobleme,…) an Tiefe. Die langsam aufkeimende Freundschaft der vier Beschuldigten ist nur eines der Highlights dieses gelungenen Pageturners. Unbedingte Leseempfehlung für alle Whodunnit-Fans!

Karen McManus hat die Young Adult-Szene im Sturm erobert. Sie ist Alleinerzieherin eines Sohnes; ihr Mann starb, als der Junior noch ein Kleinkind war. McManus arbeitet vollzeit im Marketing und schrieb sozusagen nebenbei noch dieses tolle Buch. Die Hälfte von One of us is lying sei neben dem Baseballfeld ihres Kindes entstanden, erzählt die Schriftstellerin im Writers Digest-Interview vom 08.12.2017. Hier erfährt man auch, dass Ihr Sohn sehr stolz darauf ist, den Namen eines der Romanpolizisten, Hank Budapest, erfunden zu haben. Ihr nächster Thriller ist auch schon im Entstehen: Two Can Keep a Secret dreht sich um Geheimnisse und Lügen in einer kleinen Stadt und wird 2019 erscheinen. Ich freu mich schon darauf!

Karen McManus. One of us is Lying. München: cbj, 2018. Übersetzt von Anja Galic.

Joyce Carol Oates: Sexy

Joyce Carol Oates Sexy Buchtipp Jugendbuchblog Brigitte Wallinger Buchempfehlung LGBT Feuer und Flamme Buchblog 80 Geburtstag

Zielgruppe: alle ab 12 Jahren

240 Seiten, TB um €8,95; gibt’s auch als Reclam Fremdsprachentext um €6,60

Themen: Homophobie, Mitläufertum, Mut, Feigheit, Pubertät, Sportlerclique, Schwimmtraining, Kameradschaft, LGBT-Bashing

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ◊◊◊◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Der sechzehnjährige Darren Flynn wird angehimmelt von den Ladies, ist erfolgreich im Schwimmverein, schreibt gute Noten. Es läuft. Er ist allerdings nicht von seinem eigenen Ruhm überzeugt und hat nur wenig Selbstbewusstsein. Als ihm sein Englischlehrer Mr. Tracey bei Schneetreiben eine Mitfahrgelegenheit anbietet, lässt er sich nach Hause fahren. Er hat das Gefühl, bei dieser Autofahrt vom Englischlehrer angemacht worden zu sein und ist verwirrt (sein Vater, der Darren für „weibisch“ hält, hatte ihn eindringlich vor homosexuellen Übergriffen gewarnt). Als Mr. Tracey dem Besten des Schwimmteams eine schlechte Note gibt, muss dieser wegen seiner zu schwachen schulischen Leistung aus dem Team ausscheiden. Die Sportlerclique will sich an Mr. T. rächen und zettelt eine homophobe Hexenjagd an. Der Englischlehrer ersucht Darren, für ihn vor der Polizei auszusagen – ob er Manns genug dazu ist?

In Amerika sind Anschuldigungen von SchülerInnen, besonders jenen aus reichem Hause, deren Eltern die Schulen ihrer Kinder sponsern, leider an der Tagesordnung. Hierzulande bekommen LehrerInnen Probleme, wenn sie alkoholkrank sind oder Kinder schlagen, aber in den USA reicht oft nur der Verdacht, eine Lehrkraft könnte schwul oder lesbisch sein, und schon wird sie gekündigt. Joyce Carol Oates, die seit Jahren als Literaturnobelpreiskandidatin gehandelt wird und übrigens für ihre rege Twitter-Tätigkeit bekannt ist, nimmt sich auf unnachahmlich geniale Weise dem LGBT-Bashing in _Sexy_ an. Ohne Zeigefinger, mit viel Einfühlungsvermögen, auch gegenüber allen Darrens dieser Welt, denen sie den Roman widmet.

Heute wird Joyce Carol Oates 80 Jahre alt. Alles Gute dieser tollen Schriftstellerin!

Joyce Carol Oates. Sexy. München: Carl Hanser Verlag, 2006. Übersetzt von Birgitt Kollmann.

Stefanie Höfler: Mein Sommer mit Mucks

Stefanie Hoefler Mein Sommer mit Mucks Buchtipp Empefhlung Jugendbuch Kinderbuch Kinderbuchblog Brigitte Wallinger Feuer und Flamme fuer junge Literatur
Zielgruppe: alle ab 11
Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 5 von 5 Wissensstufen
Humor: 4 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

140 Seiten, TB um € 5,95

Themen: Freundschaft, Anderssein, Gewalt in der Familie

Vorab schon mal: Stefanie Höflers Debütroman ist ein wirklich geniales Jugendbuch! Das Taschenbuch kostet nicht einmal 6 €: Was für ein tolles Präsent für Teenies, die man ab einem gewissen Alter sonst nur mehr mit Gutscheinen beschenkt… Ein einzigartig gutes Buch: muss gelesen und ins Herz geschlossen werden!

Zonja ist ein wissbegieriges Mädchen, das schwierige Wörter, Statistiken und Kurioses liebt und Fragen sammelt, auf die sie Antworten finden will (z.B.: „Was ist die durchschnittliche Temperatur im Dezember in Weißrussland?“, 9). Das macht sie in ihrer Klasse natürlich zur Außenseiterin, doch sie hält sich an das, was ihre Mutter ihr einmal geraten hat: „Wenn du etwas sagen oder tun willst, dann mach das auch. Egal ob jemand anderes dich und deine Fragen blöd findet. Mach das, was dir richtig vorkommt. Und lass dich nicht davon abbringen“ (83). Schlaue Mutter, schlaues Kind! Jedenfalls lernt die Einzelgängerin an einem Sommertag im Schwimmbad Mucks (aka „die Birke“) kennen, und eine wunderbare Freundschaft keimt auf: „Und dann fragt er mich tatsächlich, ob ich mit ihm Scrabble spielen will. Das Spielbrett ist schon aufgebaut und er hat einige Wörter gelegt. Poesie, Gartentor und Kokosnus kann ich lesen, bevor er das Brett mit der Handkante leerfegt. Kokosnus. Mit einem S. Die Birke geht also ins Freibad, um gegen sich selbst Scrabble zu spielen. Und ich dachte, es gäbe keinen Zwölfjährigen, der so komische Hobbys hat wie ich. Na ja, vermutlich ist er dreizehn. Und ich bin überzeugt, dass ich beim Scrabble gewinnen werde. Hämoglobin kennt er auf keinen Fall.“ (Seite 22-23).
Als Zonja in Mucks Tasche zufällig einen Pfefferspray entdeckt und ihr die blauen Flecke auf seinem Körper auffallen, findet sie langsam heraus, welches Geheimnis sein Leben überschattet. Ein spannendes, tiefsinniges, feines Buch für Jugendliche ab 11 Jahren und erwachsene LiebhaberInnen guter Romane.

Völlig verdient wurde Mein Sommer mit Mucks 2016 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und gewann einen Leipziger Lesekompass. Die Autorin, Stefanie Höfler, wurde 2015 mit dem Nachwuchspreis für deutschsprachige Kinder-und Jugendbuchautoren ausgezeichnet.

Stefanie Höfler. Mein Sommer mit Mucks. Mit Vignetten von Franziska Walther. Weinheim: Beltz & Gelberg, 2015.

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Buchdeckel von John Green Das Schicksal ist ein mieser VerräterLeselevel: ♦♦♦♦♦
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

336 Seiten, Taschenbuch, € 9,95

Zielgruppe: für Jugendliche ab 13 Jahren

Themen: Liebe, Krankheit, Tod

Diese wundervolle, berührende Liebesgeschichte für Jugendliche und Erwachsene zeigt eine Welt aus Intensivstationen, aufgeschwemmten Magerkörpern und Todesangst. Das hört sich wenig einladend an, aber ihr begrenzter Zeitrahmen macht diese Liebe umso schöner. Und das Ende ist dennoch keinesfalls vorhersehbar. Lasst Euch einfach auf diese Gefühlsachterbahn ein!

Die 16-jährige Romanheldin Hazel Grace lernt Augustus in einer Selbsthilfegruppe für krebskranke Jugendliche kennen. Sie verlieben sich Hals über Kopf und bald wird klar: die zeitliche Begrenzung dieser Liebe ist so definitiv wie das traurige Ende eines Romeo und Julia-Theaterbesuchs. Allerdings entfaltet sich der Zauber dieser innigen Beziehung direkt vor unseren Augen. Und auch wenn die beiden Hauptfiguren keine Zukunft à la Zusammenziehen-Hochzeit-Kind erwartet, so leben sie doch glücklich bis an ihr Lebensende.

Der Krebs spielt natürlich eine wichtige Rolle, bekommt Hazel doch nur schwer Luft, und Augustus muss sich mit seinen 1,5 Beinen auch einigen Herausforderungen stellen. Trotzdem ist die Erzählung frei von Mitleid und Gefühlsduselei. Und die eigenen Erwartungen, Vorurteile und Stereotype gegenüber Krebspatienten und Todkranken werden gehörig über den Haufen geworfen. Ich war zum Beispiel ganz überrascht, dass es Hazel vor Augustus Amputationsstumpf ekelte: „Ich wollte nicht, dass es mir etwas ausmachte, aber das tat es trotzdem. Meine Sauerstoffschläuche machten ihm wahrscheinlich auch was aus. Krankheit ist abstoßend“ (44).

Man würde es einem Buch über ein krebskrankes junges Paar nicht zutrauen, aber es ist wahnsinnig witzig geschrieben. Als Hazel etwa mit Augustus Mutter auf der Couch sitz, sticht ihr die Zeichnung eines Engels mit dem Spruch „Ohne Leid würden wir nicht wissen, was Freude ist“ ins Auge: „Ein altes Argument aus dem Feld Gedanken über das Leiden, dessen Dummheit und Stumpfsinn Stoff für hundert Jahre Lästern bot, aber möge hier die Feststellung reichen, dass die Existenz von Brokkoli auch keinerlei Einfluss auf den Geschmack von Schokolade hat. ‚Ja‘, sagte ich, ‚ein schöner Gedanke.‘“ (43).

Ich habe natürlich Rotz und Wasser geweint, weil mich das Schicksal der beiden Teenager so gebeutelt hat. Aber im Buch geht es nicht nur um die Liebe zweier schlagfertiger Jugendlicher, sondern auch um Hazels Liebe zum einzigen Buch des Autors Peter Van Houten. Ihr Lieblingsbuch handelt von einem krebskranken Mädchen und ist aus deren Sicht geschrieben. Es hört am Ende einfach auf, ohne dass der Erzählstrang beendet wird (das Mädchen ist verstorben). Hazel will nun unbedingt wissen, was aus den restlichen Romanfiguren geworden ist (es beschäftigt sie sehr, was aus ihrer Familie und ihrem Freund nach ihrem Ableben wird). Augustus ermutigt sie, zum Autor zu fahren und es heraus zu finden – er lebt allerdings auf einem anderen Kontinent. Ob Augustus und Hazel es lebend zu ihm schaffen?

PS: Dieser Bestseller, der 2013 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, ist auch verfilmt worden. Der Autor und Videoblogger John Green war bei den gesamten Dreharbeiten dabei, was ja so gut wie nie vorkommt. Der 2014 veröffentlichte Film ist also Autoren-genehmigt 🙂 und wird ebenfalls empfohlen.

PPS: Hier habe ich ein Buch von John Greens Bruder Hank empfohlen.

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter. München: dtv, 2014. Übersetzt von Sophie Zeitz.