Gabrielle Kent Alfie Bloom: Das Geheimnis der Drachenburg

Gabrielle Kent Alfie Bloom Das Geheimnis der Drachenburg Brigitte Wallingers Kinderbuchblog Buchtipp Buchempfehlung mega toll super genial
Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦◊◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

311 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12,99

Zielgruppe: Jungen und Mädchen ab 10 Jahren; auch für abenteuerlustige, magieaffine Erwachsene geeignet 🙂

Themen: Freundschaft, Magie, Drachen, Geheimnisse, fliegendes Bärenfell, Zauberburg, Druiden

Alfie Bloom ist ein Glücksfall für alle lesewütigen Zwei- und Vierbeiner! Dieses Buch ist total spannend, super geschrieben bzw. übersetzt und wahnsinnig witzig! Die Kids werden Alfie Bloom: Das Geheimnis der Drachenburg geradezu verschlingen.

Der elfjährige Halbwaise Alfie kommt aus bescheidenen Verhältnissen, sein Vater ist ein unkonventioneller Erfinder und viele seiner Mitschüler würden ihn wohl als „Opfer“ bezeichnen. Das Blatt wendet sich allerdings, als er eine magische Burg erbt, samt geheimnisvollem Butler, fliegendem Fell und gefährlichem Drachenkerker. Ein fantastisches Abenteuer jagt das nächste und es bleibt bis zum Schluss spannend. Alfies Cousin Robin, seine Cousine Madeleine und seine Freundin Amy stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite, und zusammen entwirren sie das Geheimnis rund um den Druiden Orin Hopcraft und dessen Burg.

Auf der Suche nach Orin Hopcrafts Studierzimmer erwecken Alfie, Robin und Madelaine mithilfe einer Zauberpfeife ihren zukünftigen Freund Artan zum Leben:
„Vor dem Kamin lag ein Bärenfellteppich, dem Robin gerade ins offene Maul spähte.
‚Der muss ziemlich furchterregend gewesen sein, als er noch gelebt hat‘, sagte Madelaine und strich über den pelzigen Teppich, während Alfie ein letztes Mal in das Pfeifchen blies.
‚Sehr freundlich von dir, das zu sagen, Kleines‘, erwiderte eine tiefe, grollende Stimme. Im selben Moment hob sich der Kopf des Bären und wandte sich ihnen zu.
Alfie verschluckte beinahe die kleine Pfeife. Robin krabbelte hektisch ein paar Meter rückwärts und hatte es dermaßen eilig, von dem sprechenden Teppich wegzukommen, dass er Madelaine von den Beinen fegte. Alle drei sahen fassungslos zu, wie der Bär sanft ein Stück in die Höhe schwebte und sich nach einem lautstarken Gähner zu schütteln begann wie ein Hund nach dem Schaumbad. Eine jahrhundertealte Schicht aus Staub und lockeren Fellhaaren wirbelte durch das Zimmer.
Als er schließlich einigermaßen zufrieden schien, wandte der Bär sich an Alfie, dessen Wuschelkopf jetzt komplett von Staub bedeckt war.
‚Also dann, Jungchen. Ich hab viel zu lange geschlafen und könnte es ganz gut vertragen, mir ein bisschen den Wind durch den Pelz wehen zu lassen. Und da du mich geweckt hast, darfst du auch bestimmen, wo’s hingeht.‘
Alfie starrte auf die schimmernden Glasaugen und das grinsende Bärenmaul und überlegte fieberhaft, ob er antworten oder doch lieber um sein Leben rennen sollte. Der Bär hingegen schien diese Reaktion sehr zu genießen, denn er rollte theatralisch die Augen und sagte dann übertrieben langsam und laut, so als spräche er mit einem Schwerhörigen: ‚WO WÜRDEST DU GERNE HIN?‘“ (Seite 108-109).

Alfies erstes Abenteuer ist wirklich genial, was man – wenn man den Rezensionen der Online-Leserschaft Glauben schenkt – von den beiden Folgebänden nicht behaupten kann. Ich habe soeben Band 1 fertiggelesen und bin total begeistert. Sollten Band 2 und 3 auch toll sein, werde ich sie auf meinem Blog empfehlen, ansonsten genießt einfach nur dieses Buch!

Die Autorin Gabrielle Kent arbeitete übrigens über fünfzehn Jahre lang in der Videospielbranche, unterrichtet nun Spielentwicklung und -design an der Teesside Universität und organisiert Animex, Englands größtes Festival für Computerspiele und Animation. Die super Story dieses Buches überrascht mich vor diesem Hintergrund überhaupt nicht!

Gabrielle Kent. Alfie Bloom: Das Geheimnis der Drachenburg. Köln: Schneiderbuch EGMONT, 2015. Aus dem Englischen übersetzt von Kai Kilian.

Brandon Mull: Spirit Animals: Der Feind erwacht

Titelbild von Brandon Mull Spirit Animals 1: Der Feind erwacht Zielgruppe: Kinder ab 10
Themen: Kinder retten die Welt, Fantasy, Freundschaft, Tiere

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦◊
Elternvergnügen: ♦♦♦♦◊
256 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,99 (TB € 8,99)

Spirit Animals wurde mir von einer Kinderbuchexpertin der Stadtbibliothek Salzburg empfohlen, weil es eine der beliebtesten Kinderbuchreihen derzeit sei. Ich habe mir natürlich sofort Band 1 vorgeknöpft und kann ihn empfehlen. Besser als jede Fernsehserie ist er allemal, auch wenn die Erzählweise keinen literaturverwöhnten Erwachsenen begeistern wird. Aber das Buch ist ja nicht für Erwachsene geschrieben worden…

Die vier Hauptfiguren Connor, Abeke, Meilin und Rollan sind elfjährige Auserwählte (2 Jungen, 2 Mädchen), die ihre Welt namens „Erdas“ zusammen mit ihren mächtigen Seelentieren vor dem Untergang retten müssen. In Der Feind erwacht werden die unterschiedlichen Kinder und ihre Seelentiere zu einem Team, und wir erfahren vieles über diese spannende Welt. Am Ende des Buches wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht. Ich bin mir sicher, das empfinden die jungen LeserInnen ebenso, deshalb beide Daumen nach oben für die Spirit Animals.

Wie geht es denn weiter?
Brandon Mull hat Band 1 geschrieben und die Geschichte konzipiert. Die meisten Folgebände wurden von anderen AutorInnen verfasst. Ich hatte Glück: Der Autor von Band 6, den ich per Zufall ausgewählt hatte, ist Eliot Schrefer. Sein Buch hat mir sogar besser gefallen als Mulls erster Band. Bis Band 7 ist der Übersetzer Wolfram Ströle unsere Konstante in der deutschen Version, danach übernimmt Friedrich Pflüger. Band 1 – 7 gehören zur 1. Staffel der Buchserie. Die 2. Staffel hat 6 Bände, zudem gibt es noch drei Sonderausgaben. Die deutschen LeserInnen müssen aber erstmal auf Band 9 (bzw. Band 2 der 2. Staffel) warten, der im Juni 2018 herauskommen wird.
16 Bände zu einer Geschichte sind eine ganze Menge, aber die komplexe Geschichte gibt durchaus einiges her. Und echte Fans erschüttert ja sowieso nichts…

Hier habe ich Eliot Schrefers Fantasyreihe Caldera beschrieben: ein ebenfalls sehr empfehlenswertes Buch!

Brandon Mull. Spirit Animals: Der Feind erwacht. Ravensburg: Ravensburger Buchverlag, 2015.

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Buchdeckel von John Green Das Schicksal ist ein mieser VerräterLeselevel: ♦♦♦♦♦
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

336 Seiten, Taschenbuch, € 9,95

Zielgruppe: für Jugendliche ab 13 Jahren

Themen: Liebe, Krankheit, Tod

Diese wundervolle, berührende Liebesgeschichte für Jugendliche und Erwachsene zeigt eine Welt aus Intensivstationen, aufgeschwemmten Magerkörpern und Todesangst. Das hört sich wenig einladend an, aber ihr begrenzter Zeitrahmen macht diese Liebe umso schöner. Und das Ende ist dennoch keinesfalls vorhersehbar. Lasst Euch einfach auf diese Gefühlsachterbahn ein!

Die 16-jährige Romanheldin Hazel Grace lernt Augustus in einer Selbsthilfegruppe für krebskranke Jugendliche kennen. Sie verlieben sich Hals über Kopf und bald wird klar: die zeitliche Begrenzung dieser Liebe ist so definitiv wie das traurige Ende eines Romeo und Julia-Theaterbesuchs. Allerdings entfaltet sich der Zauber dieser innigen Beziehung direkt vor unseren Augen. Und auch wenn die beiden Hauptfiguren keine Zukunft à la Zusammenziehen-Hochzeit-Kind erwartet, so leben sie doch glücklich bis an ihr Lebensende.

Der Krebs spielt natürlich eine wichtige Rolle, bekommt Hazel doch nur schwer Luft, und Augustus muss sich mit seinen 1,5 Beinen auch einigen Herausforderungen stellen. Trotzdem ist die Erzählung frei von Mitleid und Gefühlsduselei. Und die eigenen Erwartungen, Vorurteile und Stereotype gegenüber Krebspatienten und Todkranken werden gehörig über den Haufen geworfen. Ich war zum Beispiel ganz überrascht, dass es Hazel vor Augustus Amputationsstumpf ekelte: „Ich wollte nicht, dass es mir etwas ausmachte, aber das tat es trotzdem. Meine Sauerstoffschläuche machten ihm wahrscheinlich auch was aus. Krankheit ist abstoßend“ (44).

Man würde es einem Buch über ein krebskrankes junges Paar nicht zutrauen, aber es ist wahnsinnig witzig geschrieben. Als Hazel etwa mit Augustus Mutter auf der Couch sitz, sticht ihr die Zeichnung eines Engels mit dem Spruch „Ohne Leid würden wir nicht wissen, was Freude ist“ ins Auge: „Ein altes Argument aus dem Feld Gedanken über das Leiden, dessen Dummheit und Stumpfsinn Stoff für hundert Jahre Lästern bot, aber möge hier die Feststellung reichen, dass die Existenz von Brokkoli auch keinerlei Einfluss auf den Geschmack von Schokolade hat. ‚Ja‘, sagte ich, ‚ein schöner Gedanke.‘“ (43).

Ich habe natürlich Rotz und Wasser geweint, weil mich das Schicksal der beiden Teenager so gebeutelt hat. Aber im Buch geht es nicht nur um die Liebe zweier schlagfertiger Jugendlicher, sondern auch um Hazels Liebe zum einzigen Buch des Autors Peter Van Houten. Ihr Lieblingsbuch handelt von einem krebskranken Mädchen und ist aus deren Sicht geschrieben. Es hört am Ende einfach auf, ohne dass der Erzählstrang beendet wird (das Mädchen ist verstorben). Hazel will nun unbedingt wissen, was aus den restlichen Romanfiguren geworden ist (es beschäftigt sie sehr, was aus ihrer Familie und ihrem Freund nach ihrem Ableben wird). Augustus ermutigt sie, zum Autor zu fahren und es heraus zu finden – er lebt allerdings auf einem anderen Kontinent. Ob Augustus und Hazel es lebend zu ihm schaffen?

PS: Dieser Bestseller, der 2013 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, ist auch verfilmt worden. Der Autor und Videoblogger John Green war bei den gesamten Dreharbeiten dabei, was ja so gut wie nie vorkommt. Der 2014 veröffentlichte Film ist also Autoren-genehmigt 🙂 und wird ebenfalls empfohlen.

PPS: Hier habe ich ein Buch von John Greens Bruder Hank empfohlen.

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter. München: dtv, 2014. Übersetzt von Sophie Zeitz.

Jacqueline West: Olive und das Haus der Schatten

Zielgruppe: Mädchen und Jungen von 9-14 Jahren
Thema: Rätsel, Spannung, Mädchen, Katzen, Zauberer, magische Welt

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
221 Seiten, gebundene Ausgabe, € 12,80

Für mutige Kinder, die nicht so leicht Angst bekommen, ist dieses gut geschriebene und fesselnde Buch. Der Spannungsbogen des Buches ist wirklich gelungen, für Zartbesaitete mag die ansonsten humorvolle Geschichte stellenweise zu unheimlich sein.

Die Heldin des Kinderbuches, Olive Dunwoody, zieht mit ihren Eltern in ein altes Haus, in dem viele Gemälde der Vorbesitzerin hängen. Bald findet Olive heraus, dass sie durch die Bilderrahmen in eine von einem bösen Zauberer beherrschte Geheimwelt steigen kann. Drei besonders große und gesprächige Katzen helfen ihr im Kampf gegen den Magier. Und Freund Morton, auf den sie in einem der Bilder trifft, steht ihr ebenfalls zur Seite, auch wenn er eine verdächtig glatte und kühle Haut hat…

Olives Eltern, beide Mathematiker, sind liebevoll und schrullig, und viele lustige Momente entstehen durch ihre naturwissenschaftliche Leidenschaft.

Die deutsche Übersetzung von Leonard Thamm ist gut gelungen. Die Illustrationen der englischen Originalausgabe sind allerdings viel ansprechender. Vielleicht ist das der Grund, warum nur zwei der fünf in Amerika sehr beliebten Elsewhere-Abenteuer  auf Deutsch erschienen sind.

Olive und das Haus der Schatten ist ein tolles Kinderbuch. Ich gebe eine klare Lese- und Kaufempfehlung für mutige Jungen und Mädchen ab, allerdings ist ängstlichen, nervösen Kindern von der Lektüre dieses Romans abzuraten. Man darf auf Olives nächstes Abenteuer gespannt sein: Band zwei der Serie, Im Bann der Magie, ist auch auf Deutsch erhältlich.

Jacqueline West. Olive und das Haus der Schatten. Übersetzt von Leonard Thamm. Mit Illustrationen von Ingrid und Dieter Schubert. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2010.