Stefanie Höfler: Mein Sommer mit Mucks

Stefanie Hoefler Mein Sommer mit Mucks Buchtipp Empefhlung Jugendbuch Kinderbuch Kinderbuchblog Brigitte Wallinger Feuer und Flamme fuer junge Literatur
Zielgruppe: alle ab 11
Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 5 von 5 Wissensstufen
Humor: 4 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

140 Seiten, TB um € 5,95

Themen: Freundschaft, Anderssein, Gewalt in der Familie

Vorab schon mal: Stefanie Höflers Debütroman ist ein wirklich geniales Jugendbuch! Das Taschenbuch kostet nicht einmal 6 €: Was für ein tolles Präsent für Teenies, die man ab einem gewissen Alter sonst nur mehr mit Gutscheinen beschenkt… Ein einzigartig gutes Buch: muss gelesen und ins Herz geschlossen werden!

Zonja ist ein wissbegieriges Mädchen, das schwierige Wörter, Statistiken und Kurioses liebt und Fragen sammelt, auf die sie Antworten finden will (z.B.: „Was ist die durchschnittliche Temperatur im Dezember in Weißrussland?“, 9). Das macht sie in ihrer Klasse natürlich zur Außenseiterin, doch sie hält sich an das, was ihre Mutter ihr einmal geraten hat: „Wenn du etwas sagen oder tun willst, dann mach das auch. Egal ob jemand anderes dich und deine Fragen blöd findet. Mach das, was dir richtig vorkommt. Und lass dich nicht davon abbringen“ (83). Schlaue Mutter, schlaues Kind! Jedenfalls lernt die Einzelgängerin an einem Sommertag im Schwimmbad Mucks (aka „die Birke“) kennen, und eine wunderbare Freundschaft keimt auf: „Und dann fragt er mich tatsächlich, ob ich mit ihm Scrabble spielen will. Das Spielbrett ist schon aufgebaut und er hat einige Wörter gelegt. Poesie, Gartentor und Kokosnus kann ich lesen, bevor er das Brett mit der Handkante leerfegt. Kokosnus. Mit einem S. Die Birke geht also ins Freibad, um gegen sich selbst Scrabble zu spielen. Und ich dachte, es gäbe keinen Zwölfjährigen, der so komische Hobbys hat wie ich. Na ja, vermutlich ist er dreizehn. Und ich bin überzeugt, dass ich beim Scrabble gewinnen werde. Hämoglobin kennt er auf keinen Fall.“ (Seite 22-23).
Als Zonja in Mucks Tasche zufällig einen Pfefferspray entdeckt und ihr die blauen Flecke auf seinem Körper auffallen, findet sie langsam heraus, welches Geheimnis sein Leben überschattet. Ein spannendes, tiefsinniges, feines Buch für Jugendliche ab 11 Jahren und erwachsene LiebhaberInnen guter Romane.

Völlig verdient wurde Mein Sommer mit Mucks 2016 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und gewann einen Leipziger Lesekompass. Die Autorin, Stefanie Höfler, wurde 2015 mit dem Nachwuchspreis für deutschsprachige Kinder-und Jugendbuchautoren ausgezeichnet.

Stefanie Höfler. Mein Sommer mit Mucks. Mit Vignetten von Franziska Walther. Weinheim: Beltz & Gelberg, 2015.

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Buchdeckel von John Green Das Schicksal ist ein mieser VerräterLeselevel: ♦♦♦♦♦
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

336 Seiten, Taschenbuch, € 9,95

Zielgruppe: für Jugendliche ab 13 Jahren

Themen: Liebe, Krankheit, Tod

Diese wundervolle, berührende Liebesgeschichte für Jugendliche und Erwachsene zeigt eine Welt aus Intensivstationen, aufgeschwemmten Magerkörpern und Todesangst. Das hört sich wenig einladend an, aber ihr begrenzter Zeitrahmen macht diese Liebe umso schöner. Und das Ende ist dennoch keinesfalls vorhersehbar. Lasst Euch einfach auf diese Gefühlsachterbahn ein!

Die 16-jährige Romanheldin Hazel Grace lernt Augustus in einer Selbsthilfegruppe für krebskranke Jugendliche kennen. Sie verlieben sich Hals über Kopf und bald wird klar: die zeitliche Begrenzung dieser Liebe ist so definitiv wie das traurige Ende eines Romeo und Julia-Theaterbesuchs. Allerdings entfaltet sich der Zauber dieser innigen Beziehung direkt vor unseren Augen. Und auch wenn die beiden Hauptfiguren keine Zukunft à la Zusammenziehen-Hochzeit-Kind erwartet, so leben sie doch glücklich bis an ihr Lebensende.

Der Krebs spielt natürlich eine wichtige Rolle, bekommt Hazel doch nur schwer Luft, und Augustus muss sich mit seinen 1,5 Beinen auch einigen Herausforderungen stellen. Trotzdem ist die Erzählung frei von Mitleid und Gefühlsduselei. Und die eigenen Erwartungen, Vorurteile und Stereotype gegenüber Krebspatienten und Todkranken werden gehörig über den Haufen geworfen. Ich war zum Beispiel ganz überrascht, dass es Hazel vor Augustus Amputationsstumpf ekelte: „Ich wollte nicht, dass es mir etwas ausmachte, aber das tat es trotzdem. Meine Sauerstoffschläuche machten ihm wahrscheinlich auch was aus. Krankheit ist abstoßend“ (44).

Man würde es einem Buch über ein krebskrankes junges Paar nicht zutrauen, aber es ist wahnsinnig witzig geschrieben. Als Hazel etwa mit Augustus Mutter auf der Couch sitz, sticht ihr die Zeichnung eines Engels mit dem Spruch „Ohne Leid würden wir nicht wissen, was Freude ist“ ins Auge: „Ein altes Argument aus dem Feld Gedanken über das Leiden, dessen Dummheit und Stumpfsinn Stoff für hundert Jahre Lästern bot, aber möge hier die Feststellung reichen, dass die Existenz von Brokkoli auch keinerlei Einfluss auf den Geschmack von Schokolade hat. ‚Ja‘, sagte ich, ‚ein schöner Gedanke.‘“ (43).

Ich habe natürlich Rotz und Wasser geweint, weil mich das Schicksal der beiden Teenager so gebeutelt hat. Aber im Buch geht es nicht nur um die Liebe zweier schlagfertiger Jugendlicher, sondern auch um Hazels Liebe zum einzigen Buch des Autors Peter Van Houten. Ihr Lieblingsbuch handelt von einem krebskranken Mädchen und ist aus deren Sicht geschrieben. Es hört am Ende einfach auf, ohne dass der Erzählstrang beendet wird (das Mädchen ist verstorben). Hazel will nun unbedingt wissen, was aus den restlichen Romanfiguren geworden ist (es beschäftigt sie sehr, was aus ihrer Familie und ihrem Freund nach ihrem Ableben wird). Augustus ermutigt sie, zum Autor zu fahren und es heraus zu finden – er lebt allerdings auf einem anderen Kontinent. Ob Augustus und Hazel es lebend zu ihm schaffen?

PS: Dieser Bestseller, der 2013 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, ist auch verfilmt worden. Der Autor und Videoblogger John Green war bei den gesamten Dreharbeiten dabei, was ja so gut wie nie vorkommt. Der 2014 veröffentlichte Film ist also Autoren-genehmigt 🙂 und wird ebenfalls empfohlen.

PPS: Hier habe ich ein Buch von John Greens Bruder Hank empfohlen.

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter. München: dtv, 2014. Übersetzt von Sophie Zeitz.