Rose Lagercrantz und Eva Eriksson: So glücklich wie noch nie?

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 7 Jahren

224 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12,95

Themen: Freundschaft, Familie, Patchwork-Familie, Hochzeit, Besuch, Schweden, Italien, Krankheit, Reise, Rom

Es gibt sie: richtig gute Bücher für ErstleserInnen. So glücklich wie noch nie? von Rose Lagercrantz ist so ein besonderer Schatz, den ich euch uneingeschränkt ans Herz legen möchte. Im spannenden, beglückenden und inspirierenden Kinderroman geht es um Freundschaft, Familie und Liebe. „Liebe ist besser als keine Liebe“, sagt die Hauptfigur Dunne. Wie wahr! Große Gefühle in einem kleinen Buch!

Seit 2011 sind schon 7 Bände der Freundschaftsgeschichte um Dunne und Ella Frida herausgekommen, jeder absolut bezaubernd und auch gut einzeln lesbar. Man kann also durchaus mit dem neuen und letzten Band der Reihe beginnen. Dunne erlebt neben vielen schönen Momenten auch echte Schicksalsschläge, hat aber entschieden, dass das Unglück nicht zählt, und sich aufs Glücklichsein spezialisiert.

In diesem Band fällt ihr das nicht ganz leicht, obwohl ihr Papa und Wanda heiraten wollen. Die zwei möchten nämlich nur ganz klein in Rom heiraten, ohne Dunnes bester Freundin Ella Frida. Bringt das ihre Freundschaft in Gefahr?

Lagercranzt taucht tief ins kindliche Fühlen und Erleben ein. Ihr schlichter, fesselnder Stil ist einfach großartig.

Laut Verlag ist das Buch in vier Stunden (vor-)lesbar. Meine Kleine hat es schneller geschafft. Sie ist genauso wie ich von der Reihe begeistert und hat dieses Buch voller Witz und Kinderlogik geradezu verschlungen.

Rose Lagercrantz, geboren 1947 in Stockholm, leitete ein Kindertheater und arbeitete für Rundfunk und Fernsehen, bevor sie begann, Kinderbücher zu schreiben. Ihre Eltern hatten den Holocaust überlebt, aber darüber wurde in der Familie nicht gesprochen. Für ihr Gesamtwerk wurde Lagercrantz 1979 mit dem Astrid-Lindgren-Preis ausgezeichnet.

Die zuckersüßen Illustrationen hat übrigens Eva Eriksson gestaltet. Angelika Kutsch hat wunderbar aus dem Schwedischen übersetzt.

Ich danke dem Moritz Verlag für das Rezensionsexemplar.

Rose Lagercrantz. So glücklich wie noch nie? Frankfurt: Moritz Verlag, 2020. Übersetzt von Angelika Kutsch. Mit Illustrationen von Eva Eriksson. Originaltitel: Kärlek är bättre än ingen kärlek.

Martin Verg und Jürgen Hübner, Hg.: Gestern war noch Krieg: Die Zeit um 1945 in Sachtexten und Erzählungen von Gudrun Pausewang, Christine Nöstlinger, Klaus Kordon u.a.

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦◊◊◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 10 Jahren

240 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12

Themen: Zweiter Weltkrieg, 1945, Kriegsende, Bombenkrieg, Widerstand, Volkssturm, Adolf Hitler, Flucht, Vertreibung, Befreiung, Besatzung, Nationalsozialismus, Gestapo, Konzentrationslager, SS, Wehrmacht, Nazi-Diktatur

Wie war das Leben in Deutschland und Österreich während des Zweiten Weltkriegs? Gestern war noch Krieg schildert Kindern den Zweiten Weltkrieg in verständlichen Sachtexten und spannenden Erzählungen berühmter KinderbuchautorInnen. Sehr berührend und fundiert! Absolut empfehlenswert!

Vor 75 Jahren endete der Zweiten Weltkrieg. Der langjährige GEOlino-Journalist und Kinderbuchautor Martin Verg hat aus diesem Anlaß mit dem Kinderbuchexperten Jürgen Hübner ein hervorragendes Buch gegen das Vergessen herausgegeben, das spannende Kriegskinderprosa von elf namhaften AutorInnen versammelt und einen kindgerechten historischen Überblick über den Zweiten Weltkrieg liefert.

Die Kinder-Anthologie besteht aus fünf Kapiteln (Bombenkrieg, Widerstand, Volkssturm, Vertreibung, Besatzung), zu denen immer zwei bis drei hochkarätige, eindrückliche, bewegende Erzählungen gehören. Unter den AutorInnen sind Christine Nöstlinger, Uri Orlev, Gudrun Pausewang, Klaus Kordon , Ruta Sepetys und Anke Bär. Jedes Kapitel wird von einem einführenden Text eingeleitet, der den geschichtlichen Hintergrund verständlich und knapp erläutert und die Texte kontextualisiert. Ein fundiertes Vorwort und Nachwort verbinden die schrecklichen Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs mit der Gegenwart und Zukunft. Eine gelungene Zeittafel und ein tolles Glossar ergänzen dieses herausragende Kinderbuch, das Kindern den Zweiten Weltkrieg begreifbar macht.

„Je weniger Menschen leben, die aus eigener Erfahrung über diese Zeitberichten können, desto bedeutender werden historische und literarische Quellen, die die Ursachen, Geschichte und Folgen der NS-Herrschaft und ihre Verbrechen auf anschauliche Weise näher bringen“, schreiben Sabine Bamberger-Stemmann und Jens Hüttmann im Nachwort. Auch aus diesem Grund ist Gestern war noch Krieg sehr wertvoll.

Ich danke dem Thienemann Verlag für das Rezensionsexemplar.

Martin Verg und Jürgen Hübner in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg. Gestern war noch Krieg: Die Zeit um 1945 in Sachtexten und Erzählungen von Gudrun Pausewang, Christine Nöstlinger, Klaus Kordon u.a. Stuttgart: Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 2020. Mit Illustrationen von Irmela Schautz.

Thomas Brezina: Fritz Fantom – der Schrecken der Schule

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: 7-11 Jahre

145 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12,95

Themen: Fritz Fantom, Familie, Tom Turbo, Freunde, Mobbing, Schule, Verbrecher, Gauner, Bösewichte, Geheimnisse, Superheld, Superschurke

Sehr spannend, den Blickwinkel zu wechseln und die berühmten Tom Turbo-Fälle aus Fritz Fantoms Sicht zu sehen. Wie und in welcher Familie ist er wohl aufgewachsen? Hat er auch gute Seiten? Als sich der Gauner eines Tages riesig groß zaubern lassen will, wird er winzig klein geschrumpft. Gut, dass ihm Tom Turbo immer auf der Spur ist!

Viele von Euch kennen Tom Turbos spannende Abenteuer, in denen Fritz Fantom einer der Hauptschurken ist. Nun hat ihm Thomas Brezina ein eigenes Buch gewidmet, in dem Fritz Fantoms größte Geheimnisse gelüftet und die Rätsel um seine Familie gelöst werden. Das Buch wird von vielen ansprechenden Illustrationen und Comic-Elementen aufgepeppt und ist so auch für weniger geübte LeserInnen ein großes Lesevergnügen.

Fritz Fantom verrät im Buch auch die besten Tricks aus seiner laaaangen Schulkarriere: sehr witzig! Das Unheil nimmt seinen Lauf, als Dr. Frankenschrei Fritz Fantom vergrößern will. Das geht nämlich gehörig schief, und natürlich hat Tom Turbo da seine Finger (äh, Speichen) im Spiel! Er ist es auch, der Fritz Fantom aus seiner misslichen Lage retten kann. Ob er seinem Erzrivalen helfen wird?

Thomas Brezina ist ein erfolgreicher österreichischer Autor, Moderator und Produzent. Mit seinen über 550 Büchern in 40 Sprachen hat er „die Welt erobert“. Brezina lebt in Wien und London und ist seit 2008 für das Kinderprogramm des Österreichischen Rundfunks ORF verantwortlich. Auf seiner Homepage gibt’s Genaueres zu seiner spannenden Karriere, den vielen Auszeichnungen und seinen neuesten Projekten (ich sage nur: Liebesroman für Erwachsene!).

Der Illustrator Pablos Tambuscio hat Kunst studiert und lebt in Buenos Aires, Argentinien, wo er für Thomas Brezinas Buchserien Alle meine Monster, Bronti und Tom Turbo zeichnet.

Ich danke dem G&G Verlag für das Rezensionsexemplar!

Thomas Brezina. Fritz Fantom: Der Schrecken der Schule. Wien: G&G Verlag, 2020. Mit Illustrationen von Pablo Tambuscio.

Marliese Arold: Magic Maila, verhext noch mal!

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦◊◊◊◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦◊

Zielgruppe: ab 9 Jahren

240 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12,99

Themen: Magie, Zaubern, Familie, Freundschaft, Patchworkfamilie, Mehrgenerationenhaushalt, Hexen, Zauberei, Vogel, magische Wesen

Magic Maila: Verhext noch mal! von Marliese Arold ist ein lustiger, spannender Hexenspaß über Freundschaft und Familienzusammenhalt.

Maila lebt mit ihrer Familie in der Hexenwelt. Sie betreiben einen Zauberladen, doch leider macht ganz in der Nähe ein großes Zaubereigeschäft auf und nun wird dringend ein neues Zugpferd gebraucht. Oma Luna beschließt, einen Likör fürs Jungbleiben zu brauen, doch leider passiert ihr ein Fehler: Der Hexenkessel explodiert und dabei verschlägt es jede Menge Zaubergegenstände und magische Wesen in die Menschenwelt. Die 13-jährige Maila wird ausgesandt, alles wieder einzusammeln und zurückzubringen, bevor der Magische Kontrolldienst dahinterkommt und Oma Luna bestraft wird.

Mailas Tante Juna lebt bereits in der Menschenwelt. Sie hat sich einmal bei einem Ausflug in einen Menschenmann verliebt, mit dem sie jetzt ein Kind erwartet. Onkel Justus darf natürlich nichts von alledem wissen. Er ist Schuldirektor, und Maila wird in sein Gymnasium eingeschult. Beim Einsammeln der magischen Objekte geht’s drunter und drüber. Auch in der Schule juckt es Maila zu zaubern, und immer kann sie sich nicht beherrschen… Zusammen mit Schulfreundin Emily und Tante Juna macht sich Maila ans Werk, doch dann geschehen merkwürdige Dinge mit Onkel Justus, und ein unheimlicher Agent des Magischen Kontrolldienst erscheint.

Das Buch ist wirklich unterhaltsam und total spannend geschrieben, allerdings bricht es sehr abrupt ab. Kein einziger Handlungsstrang wird abgeschlossen und mitten in der Erzählung endet die Geschichte. Band 2 erscheint Gott sei Dank schon am 6. August! Da das Buch meinen Kindern und mir aber unglaublich gut gefällt, empfehle ich es trotz des offenen Endes weiter und freue mich auf Band 2.

Marliese Arold, Jahrgang 1958, ist eine erfolgreiche deutsche Kinder- und Jugendbuchautorin. Ihre mehr als 180 Bücher kennt man in über 20 Ländern. Sie hat zwei erwachsene Kinder und lebt mit ihrem Mann in Erlenbach am Main.

Ich danke dem Edel Kids Books Verlag für das Rezensionsexemplar.

Marliese Arold. Magic Maila: Verhext noch mal! Band 1. Hamburg: Edel Kids Books, 2020.

Anke Kuhl: Manno! Alles genau so in echt passiert

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: für alle (!!!) ab 7 Jahren

136 Seiten, gebundene Ausgabe um € 16

Themen: Geschwister, Schwestern, Familie, Freunde, Schule, Kindheit

Anke Kuhls preisgekrönte, witzige Sammlung von lose verknüpften Anekdoten aus ihrer Kindheit in den 70er Jahren, Manno! Alles genau so in echt passiert, ist ein grenzgeniales, kunterbuntes, superlustiges Kindercomic über Geschwisterliebe und Kindheitserlebnisse, vom Eislutschenlassen über Krankenhausbesuche und Haustieralarm bis hin zu Kartenspielzoff und Tanzchoreographien.

Auch wenn Kuhl aus ihrer Kindheit in den 70ern erzählt (mit lustigen Details wie Schlaghosen, ABBA und gestreiften Klappstühlen) und sich viele Eltern dieses Kinderbuch krallen werden, finden sich heutige Kids genauso in diesen Kindheitsepisoden wieder. Als dieses Buch bei uns zuhause ankam, hat es sich die Kleinste sofort unter den Nagel gerissen und auf einen Sitz durchgelesen. Ihre große Schwester und ich haben derweil wie die Aasgeier darauf gewartet, dass sie das Buch mal weglegt, was nicht geschah, und schließlich haben wir zwei es nacheinander verschlungen. Manno! ist das erste Buch, das meine Kinder und mich gleichermaßen in Begeisterung versetzt hat. Ein großartiges Buch für alle Kinder von früher und heute!

Anke Kuhl erklärte 2019 in einem Interview mit der Comic-Denkblase, Alex Jakubowskis Comicblog, dass ein Comic für sie das einzig wahre Medium für ihre Kindheitserinnerungen sei, „weil ich so viele Bilder im Kopf habe, die ich zeichnerisch viel präziser und treffender ausdrücken kann, als mit vielen Worten. In den Geschichten kommen schöne und schlimme, lustige und traurige, komische und tragische, fröhliche und eklige, leise und laute Momente nebeneinander vor.“ Tatsächlich beschert Anke Kuhl mit Manno! nicht nur haufenweise Lachanfälle, sondern bringt auch vereinzelt traurige, angstvolle Moment aufs Trapez: so wie es in der Kindheit eben ist.

Dieses Buch ist absolut großartig. Alle ab 7 Jahren sollten es unbedingt lesen!!!

Anke Kuhl (* 1970) ist eine erfolgreiche deutsche Illustratorin, die mit Mann und Kindern in Frankfurt am Main lebt. Sie hat zahlreiche Kinderbücher illustriert und erhielt 2011 für Alles Familie! den Deutschen Jugendliteraturpreis. Hier habe ich ihre Bücher Alles lecker! und Ein ABC der Schadenfreude vorgestellt. Für Manno! erhielt Anke Kuhl den Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung, die mit 20.000€ höchst-dotierte Comicauszeichnung des deutschsprachigen Raums.

Ich danke dem Klett Kinderbuch Verlag für das Rezensionsexemplar.

Anke Kuhl. Manno! Alles genau so in echt passiert. Leipzig: Klett Kinderbuch Verlag, 2020.

Mila Sternberg und Verena Körting: Emily Pferdeflüsterin: Eine Freundschaft mit Eselsohren

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 9 Jahren

176 Seiten, gebundene Ausgabe um € 13

Themen: Pferdeliebe, Tierliebe, Empathie, Autismus, Familie, Freundschaft, neu an der Schule, Halbwaise, TV-Show, Tiere, Streichelzoo, Hund

Dieser wunderbare Kinderroman lässt sich ebenso wenig in eine Schublade stecken, wie seine Protagonistin Emily, die nicht nur einfühlsame Pferdeflüsterin und tolle Freundin ist, sondern auch Autistin, TV-Star und Halbwaise. Egal welche ihrer Besonderheiten in der Erzählung gerade in den Vordergrund tritt, die Geschichte ist immer berührend, überzeugend und spannend. Ein ganz wundervolles Kinderbuch fernab von Pferdekitsch, das trotzdem von einer innigen Pferd-Kind-Beziehung erzählt und auch PferdeliebhaberInnen begeistern wird.

Emily träumt von einem eigenen Pferd und einem Haus auf dem Land. Anders als die meisten Kinder ihres Alters macht sie sich akribisch daran, diesen Traum zu verwirklichen. Obwohl sie Autistin ist, nimmt das Mathe-Genie an einer TV-Show teil und gewinnt dabei viel Geld. Nun kann sie mit Papa Paulus aufs Land ziehen und kauft die Stute Runa. Doch die ist, so wie Emily, eine zurückgezogene Einzelgängerin. Langsam nähern sich Pferd und Kind an und Emily kommt Runas trauriger Vergangenheit auf die Spur.

In der neuen Schule erlebt die Außenseiterin Emily auch jede Menge. Zunächst einmal trifft sie auf Lea, die die richtigen Antennen für Emilys manchmal seltsam anmutendes Verhalten hat. Sie weiß intuitiv, dass die Neue nicht absichtlich angibt oder verletzt, sondern ohne böse Absicht einfach offen sagt, was sie denkt. Lea hält Abstand, wenn Emily den braucht, und steht ihrer neuen Freundin zur Seite, wenn sie Unterstützung braucht, etwa mit dem ruppigen Ben, der Emilys Schulleben anfangs zur Hölle macht.

Papa Paulus kennt seine liebenswerte Tochter natürlich in- und auswendig. Dass sie sich so schnell mit Lea anfreundet, erstaunt ihn trotzdem – oder gerade deswegen? Emily ist übrigens Halbwaise, Mama Evalynne ist vor einigen Jahren verstorben. Das macht Paulus und Emily zu schaffen, doch zusammen sind sie stark genug für ein neues Leben auf dem Land mit Pferd, Esel, Enten und allem, was sonst noch dazu gehört.

Die drei Erzählstränge rund um Emilys Familie, Freunde und Pferd verflicht Mila Sternberg auf wunderbare Weise in ein spannendes Abenteuer, das den LeserInnen den Blickwinkel einer jungen Autistin vermittelt, ohne diese Krankheit auch nur zu erwähnen. Es ist einfach so, dass Emily manchmal etwas anders denkt.

Die großartigen Illustrationen von Verena Körting ergänzen die feine Geschichte perfekt. Das stimmungsvolle Cover mit den ansprechenden Figuren verrät das sofort, aber auch die schwarz-weiß Innen-Illustrationen mit den roten Akzenten sind sehr ausdrucksstark.

Dieses wundervolle Kinderbuch hat meine Kinder und mich tief bewegt. Ich kann es euch nur wärmstens empfehlen!

Die unter Pseudonym publizierende Österreicherin Mila Sternberg ist Drehbuchautorin fürs Kinderfernsehen und schreibt Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Ich danke dem Dressler Verlag aus der Verlagsgruppe Oetinger für das Rezensionsexemplar.

Mila Sternberg. Emily Pferdeflüsterin: Eine Freundschaft mit Eselsohren. Hamburg: Dressler Verlag, 2020. Mit Illustrationen von Verena Körting.

Katja Gehrmann: Stadtbär

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: 6 – 8 Jahren

96 Seiten, gebundene Ausgabe um € 10,95

Themen: Bär, Tiere, Wald, Stadt, Freundschaft, Jäger, Zoo, zum Selberlesen, ErstleserInnen

Katja Gehrmanns vielfach preisgekröntes ErstleserInnen-Buch Stadtbär ist absolut witzig, genial illustriert und superspannend, mit wenig Text in großer Schrift.

Die humorvolle Geschichte dreht sich um einen Bären, der nach dem Winterschlaf feststellt, dass sich außer dem Habicht keiner seiner Freunde mehr im Wald befindet. „Die sind alle in die Stadt gezogen“ (11), erklärt der Vogel. Klar, dort gibt’s ja beheizte Höhlen, jede Menge Futter und keine Jäger. Da muss der Bär auch hin! Die Waldtiere, die schon in der Stadt sind, bemerken, dass der Bär nun auch da ist. Sofort machen sie sich Sorgen: In der Stadt müsse man sich geschickt anpassen, unauffällig sein. Das könne der riesige Bär bestimmt nicht, deshalb wollen sie ihn in den Zoo stecken. Während der Bär die Stadt erobert, versuchen die anderen Wildtiere seine Fehler auszumerzen, und eine wahre Kinderbuch-Slapstickkomödie entfaltet sich. Zum Schluss treffen alle Tiere und die Polizei aufeinander, es kommt zum großen Showdown, und ein Raubüberfall wird auch noch aufgeklärt! Herrlich lustige Story mit Lachgarantie!

Die kurze und kurzweilige Geschichte wird untermalt von lustigen, farbenfrohen und detailreichen Illustrationen. Auch in den Bildern steckt großer Witz und Charme. Die jungen LeserInnen können nach dem Lesen einer Doppelseite innehalten (bzw. rasten) und sich über die Illustrationen amüsieren. Auf einem Bild sieht man zum Beispiel einen Dachs, der einen Regenwurm wie eine Spaghetti aus der Erde saugt. Gehrmanns Illustrationsstil in Stadtbär erinnert mich irgendwie an Axel Scheffler. Vielleicht liegt das an den kugeligen Augen und den coolen Barthaaren? Jedenfalls sind die Bilder ungemein spaßig und ergänzen die tolle Geschichte perfekt.

Text und Bilder stammen von Katja Gehrmann (Jahrgang 1968). Sie studierte Illustration in Mexiko, Spanien und an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg. Für ihre Werke hat sie schon zahlreiche Preise gewonnen, so den Goldenen Apfel der Biennale in Bratislava oder das Troisdorfer Bilderbuch-Stipendium. 1995 wurde sie mit dem UNICEF-Bilderbuchpreis in Bologna ausgezeichnet. In der Sparte Kinderbuch war sie 2014 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Hier habe ich ihr geniales Bilderbuch Seepferdchen sind ausverkauft vorgestellt.

Ich danke dem Moritz Verlag für das Rezensionsexemplar!

Katja Gehrmann. Stadtbär. Frankfurt am Main: Moritz Verlag, 2019.

Didier Lévy und Katrin Stangl: Als die wilden Tiere bei uns einzogen

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 5 Jahren

40 Seiten, gebundene Ausgabe um € 15

Themen: Freundschaft, Familie, Tiere, Bio-Essen, ungesundes Essen, Tierschutz, Jagd, Vegetarier, Playstation, Computerspiel, Umweltschutz, Wald, Leben mit der Natur, Konsumgesellschaft, Überfluss, Bio

Das lustige Bilderbuch Als die wilden Tiere bei uns einzogen (Text von Didier Lévy, Illustrationen von Katrin Stangl, Übersetzung von Silvia Bartholl) dreht sich um eine Bio-Öko-Großstadt-Familie, die aufs Land zieht. Als Öko-Fritzin hat mich das Buch besonders amüsiert, meine Kinder und ich haben uns durchs Buch gekichert!

Der Sohn und Ich-Erzähler freundet sich mit Max an. Er lebt offensichtlich im Schlaraffenland: Junkfood, Playstation, Flachbildschirm, fettes Auto und Whirlpool. Manchmal ist Max zu Gast bei der Öko-Familie, aber dort gibt’s nur gesundes Essen: „alles bio, logisch.“ Sehr fad. Doch dann beginnt die Jagdsaison und alle Wildtiere retten sich in den Garten der Bio-Familie. Das spricht sich natürlich herum, und bald belagert die gesamte Dorfjägerschaft das Öko-Haus. Wie das wohl enden mag?

Herrlich lustige Freundschaftsgeschichte, in der es eigentlich um biologische Ernährung geht, aber das merkt man gar nicht, weil die Geschichte und die Illustrationen so witzig sind. Wenn ich gesund koche, mache ich es genauso: Das Vollkornmehl meiner Gugelhupfe tarne ich mit Kakaopulver!

Didier Lévy (*1964) ist einer der bekanntesten Kinderbuchautoren Frankreichs.

Die Kölnerin Katrin Stangl (*1977) bebildert in verschiedensten Techniken eigene und fremde Texte. Ihre Werke wurden vielfach ausgezeichnet, z.B. mit dem „Preis der Stiftung Buchkunst“ und dem „Hans-Meid-Förderpreis“. Ihre Homepage gewährt einen schönen Einblick in ihr herausragende Kunst.

Silvia Bartholl ist Übersetzerin und Lektorin. In diesem spannenden Geolino-Artikel könnt Ihr erfahren, was man als LektorIn so macht.

Ich danke dem Peter Hammer Verlag für das Rezensionsexemplar!

Didier Lévy. Als die wilden Tiere bei uns einzogen. Wuppertal: Peter Hammer Verlag, 2020. Mit Illustrationen von Katrin Stangl. Übersetzt von Silvia Bartholl.

Rainer Oberthür und Barbara Nascimbeni: Die zehn Gebote

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦◊◊◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 8 Jahren

56 Seiten, gebundene Ausgabe um € 15

Themen: Gott, Menschen, die zehn Gebote, Christentum, christlicher Glaube, Ethik, Eltern, Kinder, Benehmen, Goldene Regel, die Bibel, Nächstenliebe, Lebenseinstellung

„Wie wollen wir leben?“, fragen wir Menschen uns seit tausenden von Jahren. Die zehn Gebote zeigen uns, wie wir Frieden und Gerechtigkeit für alle erreichen und eine lebenswerte Zukunft schaffen können. Das hört sich nach Friday for Future an, bezieht sich hier aber auf einen Lebensweg mit und zu Gott.

Der Aachener Rainer Oberthür, er ist Dozent für Religionspädagogik und Grundschullehrer, beschreibt in seinem Buch Die zehn Gebote die Bedeutung der zehn Regeln und ihren biblischen Hintergrund. Die studierte Grafikdesignerin Barbara Nascimbeni, sie lebt in Hamburg und ist international erfolgreiche Illustratorin, veranschaulicht in den beeindruckenden Bildern des Buches den Kern der zehn Gebote und wie sie in das Leben jedes und jeder Einzelnen hineinwirken.

Dieses Buch ist nicht nur in der Fastenzeit und Osterzeit oder für die Erstkommunion empfehlenswert, sondern ist ein schöner religiöser Begleiter für jeden Tag.

Vielen Dank an den Gabriel Verlag in der Thienemann-Esslinger-Verlagsgruppe und an Henrike Blum für das Rezensionsexemplar!

Rainer Oberthür, Barbara Nascimbeni. Die zehn Gebote. Stuttgart: Gabriel Verlag in der Thienemann-Esslinger-VerlagsGmbH, 2020.

Markus Dietrich: INVISIBLE SUE Plötzlich unsichtbar

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦◊◊◊◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦◊◊
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 10 Jahren

160 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12,90

Themen: Einzelgängerin, Freundschaft, Familie, Superheldin, Erfindungen, Superkraft, Nerd, IT-Genie, BMX-Champ, Hochbegabung, Außenseiter

Im Herbst 2019 kam der Kinofilm „Invisible Sue: Plötzlich unsichtbar“ heraus – den haben wir irgendwie nicht mitbekommen. Aber das Buch zum Film von Markus Dietrich finden meine Kinder und ich klasse!

Sue ist zwölf und wird von allen, außer ihrem Vater, ignoriert. Bei einem Unfall im Labor ihrer Mutter kommt sie eines Tages mit einer neu entwickelten Substanz in Berührung: Ab diesem Zeitpunkt kann sie sich unsichtbar machen – und wird gejagt.

Zwei Mitschüler, der BMX-Champ Tobi und die geniale Tüftlerin Kaya, helfen ihr in höchster Not und retten zusammen mit Sue deren entführte Mutter. Auf weitere Abenteuer der Drei darf man gespannt sein!

Markus Dietrichs Erzählweise ist zwar nicht so kunstvoll wie z. B. Katja Brandis‘ oder Eliot Schrefers, aber die Geschichte läuft so spannend ab wie ein Kinofilm* und unterhält mit viel Witz und Nervenkitzel bestens.

*Der Kinofilm hat übrigens den Preis der Kinderjury (Oulu Filmfestival 2018) und den Publikumspreis (FIFEM Montreal 2019) gewonnen.

Ich danke dem 360 Grad Verlag und Bücherwege für das Rezensionsexemplar!

Markus Dietrich. Invisible Sue: Plötzlich unsichtbar. Schriesheim: 360 Grad Verlag, 2019.