Elisabeth Steinkellner und Michael Roher. Vom Flaniern und Weltspaziern: Reime und Sprachspiele

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 6 – 10 Jahren
112 Seiten, gebundene Ausgabe um € 16,95

Themen: Stadtleben, Liebe, Streit, Reisen, Berufung, Gefühle

Ich liebe ja Gedichte. Schreibe selbst seit meiner Jugend welche, brannte im Studium dafür, habe mit vielen DichterInnen über Gott und die Welt gesprochen und ihre Werke verschlungen. Auch im Kinderbuchbereich sprechen mich gereimte, rhythmische, kurze Texte – gerne mit Witz – in besonderer Weise an. Das neue erschienene Buch von Autorin Elisabeth Steinkellner und Illustrator Michael Roher, Vom Flaniern und Weltspaziern, ist ein solches Reim- und Sprachspielbuch. Und ich stehe in Flammen: Es ist G E N I A L !!!

Die unterschiedlichsten Gedichtformen finden sich darin: optische Gedichte, wie das vom Mund, in dem ein schwarzer Zahn steckt („Zahnarzt-Termin“), gereimte Verse (etwa das überraschend endende „Kontrolleur“), freie Gedichte ohne Reim, aber mit viel Rhythmus und Lautmalerei, in „Einsam“ sogar mit Zahlenordnung, in „Post von unterwegs“ mit alphabetischer Reihenfolge (inklusive X, Ypsilon und Zett!).

Jedem Gedicht wohnt sein eigener Zauber inne, jedes erweckt im Kinderkopf schöne Bilder und Gedanken, unterhält auf kreativste Weise (wie „Hitzig“, das in einem gemeinsamen Schwimmbadbesuch zweier Streithähne endet). Auch dem Sprachspiel sind einige Texte gewidmet: In „Umwege“ verwandelt sich ein Wort, indem immer nur ein Buchstabe pro Zeile abgeändert wird: Man sitz gespannt da, wie vor einem Zauberer in der Manege, und wartet, was wohl als nächstes aus dem magischen Zylinder gezogen wird: eine Ziege, Diebe oder vielleicht eine Wiege? Auch die lustige Liste österreichischer Ortsbezeichnungen in „Urlaub in Österreich“ ist total unterhaltsam: Hier zum Beispiel im Absatz „Literarische Reisen“:

„Bucheck, Lesachtal,

Schönbuch,

St. Roman,

Wörtherberg“ (Seite 49).

Den Absatz „Lustvoll reisen“ darf jede(r) selbst durchlesen ;-). – Nana, nur keine Angst, „Venusberg“ und „Triebental“ werden Eure Kids nicht verderben!

Klangspiele sind natürlich in allen Gedichten eingebaut, aber „Mutprobe“, der lautliche Ausdruck einer gefährlichen Handlung, und „Kaffeehaus“, das die Geräuschkulisse eines Cafés einfängt, stechen als besonders überzeugend und witzig heraus.

Reime sind ein prägendes Element dieses Buches. Ein absurdes Gedicht wie „In Kathmandu flog eine Kuh“ darf da natürlich nicht fehlen. Wär ja jammerschade, wenn die Kids und Teens so etwas nicht lesen würden:

„In Singapur

Sah ich `ne Schnur –

Nur war’s dann eine Schlangenspur.“ (Seite 64)

Eins der vielen wunderbaren Gedichte heißt „Nur so“, und an die „Just so stories“ von Rudyard Kipling (deutsch: „Nur so Geschichten“) erinnert mich der Kindergedichtband von Steinkellner und Roher auch: Viel Wortwitz, viel Sprachgefühl, sehr unterhaltsame Geschichten und ein Klangspiel, das Kinder verzaubert.


Die österreichische Autorin Elisabeth Steinkellner ist Sozialpädagogin und Anthropologin mit Liebe zur Literatur, zum Reisen und zum Zirkus. Nicht nur hier harmoniert sie mit ihrem Mann, Michael Roher, der für dieses Buch punktgenaue Illustrationen zu Steinkellners Gedichten gezeichnet hat. Roher ist selbst auch Kinderbuchautor, und sein fabelhaftes, sehr empfehlenswertes Buch Tintenblaue Kreise habe ich hier vorgestellt. Zusammen mit ihren Kindern leben Elisabeth Steinkellner und ihr Mann in Baden bei Wien.

Elisabeth Steinkellner und Michael Roher. Vom Flaniern und Weltspaziern: Reime und Sprachspiele. Innsbruck: Tyrolia, 2019.

Maz Evans: Die Götter sind los

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 10 – 14 Jahren
336 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,99 (TB um €7,99)
Themen: griechische Götter, England, Schule, Stonehenge

Der tolle Band 1 der Tetralogie Die Chaos Götter, deren dritter Band diesen Februar erscheinen wird, ist ein Hit. Elliot Hooper, der Held der Story, hat’s nicht leicht: Seine Mum ist dement, ein Lehrer mobbt ihn, und das Geld ist knapp. Doch dann knallt das Sternbild-Mädchen Virgo in seinen Kuhstall und sein Leben steht Kopf. Die beiden müssen den Todesdämon Thanatos einfangen, den sie leider irrtümlich befreit haben. Mit sexy Zeus, Fashion-Fan Hermes, den streitenden Schwestern Aphrodite und Athene, dem erfinderischen Hephaistos und dem hochtrabenden Pegasus könnte das schwierige Unterfangen gelingen.

Diese moderne, witzig-spritzige und superkreative Version der griechischen Göttersagen ist wirklich empfehlenswert! Die Geschichte reißt einen förmlich mit, und wer ein Fan der griechischen Götter ist, wird die vielen lustigen Einfälle von Hermes iGod bis zur Zeitung „Argus-Kurier“ lieben. Die actionreiche Handlung (inklusive kickboxender Queen) wird die jugendlichen LeserInnen sicherlich begeistern.

Maz (eigentlich Mary Alice) Evans ist eine britische Autorin, Liedmacherin, Journalistin und Mutter zweier Töchter. Das vorgestellte Buch ist ihr Erstlingsroman (der coole englische Titel lautet Who let the Gods out?), wurde für über 20 Kinderbuchpreise nominiert und in 17 Sprachen übersetzt. Evans ist auch als engagierte Lehrerin für kreatives Schreiben im Einsatz.

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Meine signierte Ausgabe habe ich bei einem Gewinnspiel des Carlsen Verlages gewonnen. Vielen Dank, Ihr Lieben!

Maz Evans (Mary Alice Evans). Die Götter sind los. Hamburg: Carlsen Verlag / Chicken House Buch, 2017. Übersetzt von Ilse Rothfuss.

Nesrin Kismar Arda und der Spuk von Tegel: Ein Tegeler Abenteuerroman

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: 8 – 12 Jahre
170 Seiten, Taschenbuch um € 10

Themen: Gespenster, Abenteuer, interkulturelle Freundschaft, Hund, Verbrechen, türkisch-deutsche Kultur

Arda und sein bester Freund Lennard erleben abenteuerliche Sommerferien in Berlin Tegel. Die beiden Elfjährigen wollen das Rätsel rund um den berühmt berüchtigten „Spuk von Tegel“ lösen, was zu einer nächtlichen Gespensterjagd, einem geklärten Verbrechen und ziemlich viel Ärger mit der Familie führt. Aber alles geht gut aus, und am Ende ergänzt ein vierbeiniger Spuk das dynamische Duo.

Die aufregende Geschichte spielt in Berlin – charmantes Lokalkolorit und fesselnde Beschreibungen bekannter Plätze und Sehenswürdigkeiten inklusive. Da einer der zwei Jungs aus einer Familie mit türkischen Wurzeln stammt, ist auch die deutsch-türkische Kultur und Geschichte ein Thema, was zusätzlich interessant ist. Hier weist die türkische Oma etwa ihren Sohn, Ardas Vater Ahmet, zurecht, weil er Arda für seine Spukbesessenheit tadelt:

„Lass mein Enkelkind in Ruhe, Ahmet, natürlich darf er fragen, was er im Sinn hat, und sich darüber Gedanken machen. Damit er nicht den falschen Weg nimmt, musst du ihm alles erklären“ (Seite 153).

Super, die Eltern-Kind-Beziehung mal aus muslimischer Sicht zu betrachten: Die Eltern, nicht der Sprössling selbst, sind dafür verantwortlich, dass das Kind auf dem rechten Weg bleibt ;-).

Die verlockenden Beschreibungen des leckeren Essens, das die Mütter von Arda und Lennard zubereiten, ist mir besonders aufgefallen: Wenn es den lesenden Kids so geht wie mir, werden sie während der Romanlektüre ständig Hunger haben.

Nesrin Kismars Kinderbuch punktet mit sympathischen Charakteren, einer spannenden Geschichte und einem kulturell sowie geographisch interessanten Hintergrund. Wie schade, dass diese Geschichte nicht von einem der großen Kinderbuchverlage publiziert wurde: Eine erfolgreiche Verlagslektorin hätte dem Buch definitiv zu einem besseren Untertitel, Klappentext und Cover verholfen und eventuell die ein oder andere Passage etwas gekürzt. Nichtsdestotrotz ist Arda und der Spuk von Tegel ein absolut empfehlenswertes Buch und ein wahrer Geheimtipp!

Die gebürtige Türkin und studierte Physikerin Nesrin Kismar lebt übrigens mit ihrem Mann und vier Kindern in Berlin. Sie schreibt Kinderbücher sowie Romane für Erwachsene.

Nesrin Kismar. Arda und der Spuk von Tegel: Ein Tegeler Abenteuerroman. Aachen: Shaker Media, 2017.

Jeanne Birdsall: Die Penderwicks zu Hause

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Zum Vorlesen ab 5 Jahren, zum Selberlesen ab 10; für Jungs und Mädchen
320 Seiten, Taschenbuch um € 7,99

Themen: Familie, Freundschaft, Schule, erste Liebe, Nachbarschaft

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Hinter dem 14. Türchen unseres Kinderbuchblogger-Adventskalenders versteckt sich Jeanne Birdsalls Die Penderwicks zu Hause. Dieses wundervolle Kinderbuch verschenke ich zusammen mit dem ersten Band der Penderwick-Serie an eine glückliche Gewinnerin (oder einen GewinnER natürlich), die (der) mir in einem Kommentar zu diesem Blogbeitrag verrät, was für sie (ihn) das Schönste an Weihnachten ist.

Alle Astrid Lindgren- und Christine Nöstlinger-Fans werden sie lieben, die Penderwick-Bücher der genialen amerikanischen Kinderbuchautorin Jeanne Birdsall. Das Besondere an Birdsalls Büchern ist, dass sie den Kindern aus dem Herzen spricht und eine brillante Geschichtenerzählerin ist. 1992 erschuf sie in Anlehnung an Louisa May Alcotts Betty und ihre Schwestern die Penderwicks, vier Schwestern, die im Gegensatz zu ihren literarischen Vorbildern modern und lustig sind. Sehr lustig sogar! Rosalind ist 12, Sky 11, Jane 10, und Nesthäkchen Batty ist 4 Jahre alt. Der lateinliebende Botaniker Mr. Penderwick und der alles zerkauende Hund Hound, Battys Schatten, komplettieren die Familie.

Im ersten von fünf Bänden*, den Sylke Hachmeister virtuos übersetzt hat, fährt die Rasselbande auf Urlaub und gerät in allerlei Schwierigkeiten. Hier habe ich Band 1 schon einmal vorgestellt. Der zweite Band, Die Penderwicks zu Hause (ebenfalls genial übersetzt von Sylke Hachmeister), startet mit einem Brief der fünf Jahre zuvor verstorbenen Familienmutter an Papa Penderwick: Er solle sich eine neue Partnerin suchen und nur ja nicht ewig alleine bleiben. Die Töchter sind wenig begeistert vom Gedanken an eine Stiefmutter, und so hecken sie einen verwegenen Plan aus… Ein brillantes Buch über Familie, Freundschaft, das Schulleben und besondere Nachbarschaftsbande. Jeanne Birdsall ist es gelungen, eine kunterbunte, heitere, warmherzige und abenteuerliche Erzählung von vier fabelhaften Schwestern zu schreiben, die uns LeserInnen, egal ob jung oder alt, zum Lachen bringen (und manchmal auch vor Rührung zum Weinen). Und das aller-, allerbeste an diesem Buch ist, dass noch weitere geniale Penderwick-Bände* auf uns warten!

Weil ich selbst Reihen immer von Buch 1 weg lese, verlose ich Band 1 und 2 zusammen, obwohl ich in diesem Blogbeitrag hauptsächlich Band 2, Die Penderwicks zu Hause, vorstelle. Ihr habt bis zum 15. Dezember 2018 um 23:59 Uhr Zeit, diesen Blogbeitrag zu kommentieren, danach verlose ich die Penderwicks. (Es entscheidet das Los. Der Rechtsweg sowie eine Barauszahlung des Gewinns sind ausgeschlossen.) So einfach kommt Ihr zu zwei herausragenden Kinderbüchern!! Wenn Ihr schnell seid, könnt Ihr hier noch in den Lostopf des gestrigen Türchens hüpfen. Und morgen gibt es bei Juli liest schon die nächste Gewinnchance. Ich wünsche Euch viel Glück und eine wunderschöne Weihnachtszeit!


Über die Autorin:
Jeanne Birdsall, Jahrgang 1951, lebt mit ihrem Mann in Northampton, Massachusetts (USA). Die Kinderbuchautorin erhielt zahlreiche Preise, darunter den US-amerikanischen National Book Award für Kinderbücher, die Kalbacher Klapperschlange (ein von einer reinen Kinderjury vergebener Jugendliteraturpreis) sowie den Heidelberger Leander.


 

*Der fünfte Band der Penderwick-Reihe wird vom Carlsen-Verlag im Mai 2019 publiziert werden.

Jeanne Birdsall. Die Penderwicks zu Hause. Hamburg: Carlsen Verlag, 2011. Übersetzt von Sylke Hachmeister.

Frances Hodgson Burnett. Der geheime Garten

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 10 Jahren
320 Seiten, gebundene Ausgabe um € 4,95
Themen: Freundschaft, Familie, positives Denken, Garten, Natur, Geheimnis

Die Kraft des positiven Denkens wird in diesem Buch auf wundervolle Weise beschrieben. Das Waisenkind Mary wird nach Misselthwaite Manor zu ihrem Onkel Archibald Craven gebracht, wo sie von nun an leben soll. Allerdings ergeht es ihr so, wie schon zuvor in Indien, als ihre Eltern noch lebten: Niemand kümmert sich um sie. Sie bekommt zwar Essen, Kleidung und ein Dach über dem Kopf, aber ansonsten ist sie auf sich allein gestellt. Natürlich bemitleidet sie sich selbst und geht ruppig mit anderen um.
Alles ändert sich, als sie einen geheimen Garten entdeckt und sich um die Pflanzen dort kümmert. Indem sie sich um andere Lebewesen kümmert, erwacht ihre eigene Lebensfreude. Sie gewinnt menschliche, tierische und pflanzliche Freunde, wird langsam netter zu den Angestellten und findet zuletzt sogar am düsteren Herrschaftshaus Gefallen.

Der zehnjährige Sohn ihres Onkels, ihr Cousin Colin, vegetiert derweil abgeschottet in einem anderen Teil des Schlosses dahin. Bei seiner Geburt starb seine Mutter, was weder er noch sein Vater je verwunden haben. Der Junge befürchtet, sterbenskrank zu sein und bucklig zu werden, und er ist ein wahrer Tyrann. Zufällig trifft er auf Mary, die beiden freunden sich an und auch ihn verändert der geheime Garten. Plötzlich hat er etwas, auf das er sich freut, ein Ziel, das der schwache und deshalb an den Rollstuhl gefesselte Junge erreichen möchte. Ihr Geheimnis schweißt die beiden und den Bauernjungen Dickon, der ihnen aufgrund seiner positiven, liebevollen, freundlichen und naturbezogenen Lebensart ein großes Vorbild ist, eng zusammen. Zu guter Letzt erliegt auch noch der depressive Onkel Archibald dem Zauber des Gartens und die Kraft des positiven Denkens und der Liebe entfaltet ihre Wirkung.

Ein wirklich empfehlenswerter Klassiker aus dem Jahr 1911, geschrieben von der Autorin des Kleinen Lord. Trotz der über hundert Jahre, die dieses Buch auf dem Buckel hat, ist das Thema des Ich-bezogenen bzw. depressiven Kindes sehr aktuell und die Lösung (ein Fleckchen Erde, das die Kinder bearbeiten) wunderbar einfach. Mary bestärkt ihren Cousin zudem mehrmals, positiv zu denken. Das ganze Geschehen spielt sich vor dem Hintergrund der englischen Zweiklassengesellschaft von 1900 ab: Die reichen Adeligen beschäftigen sich nicht mit ihren Kindern, der armen Bäuerin aus der Nachbarschaft, Dickons Mutter, gelingt es trotz knapper Finanzen, ihre Kinder zu versorgen und ihnen Liebe zu schenken. Das ist auch heute noch aktuell: Anstatt die Kinder mit Geschenken, Urlaubsreisen und Nachmittagsprogramm zu überhäufen, empfiehlt es sich, ihnen in die Augen zu schauen, mit ihnen zu sprechen und gemeinsam hinaus in die Natur zu gehen, denn es hat ja wohl kaum einer von uns einen geheimen Garten zuhause – oder vielleicht doch?

Frances Hodgson Burnett. Der geheime Garten. Übersetzt von Felix Mayer. Köln: Anaconda Verlag, 2013.

Renate Welsh: Das Vamperl

Leselevel: ♦♦◊◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: Kinder von 6 – 8 Jahren

112 Seiten, Taschenbuch um € 5,95

Themen: Freundschaft, alte Dame, Vampir, Wut, Freundlichkeit, Schullektüre

 

Das Vamperl von Renate Welsh ist das erste Buch, das meine Große für die Schule lesen „musste“.  Dieses geniale Kinderbuch ist höchst unterhaltsam, auch für Erwachsene. Frau Lizzi, eine 67-jährige, gutmütige, alleinstehende Stadtbewohnerin, findet einen kleinen Vampir, den sie mit einer Milchflasche aufzieht und heiß und innig liebt. Rundherum begegnen den beiden fiese Wüteriche (z.B. vampirfeindliche Nachbarinnen, hänselnde Kinder und karrieregeile Wissenschafler), doch das Vamperl ist die Rettung: Er beißt in den Bauch der Bösen, saugt ihnen das Gift aus der Galle und schwups sind die Zornzwerge freundliche Mitmenschen. Das sorgt natürlich für sehr lustige Momente. Ich liebe die Szene, in der ein Einbrecher eine alte Frau in ihrer Wohnung ausrauben will, aber dann saugt ihm das Vamperl das Gift aus. Sein nettes Ich trifft nun auf die resolute alte Dame, die sich zunächst ordentlich empört: „Und was wollen Sie hier? … Sie sind ja ein Dieb! … Sie sollten sich schämen“ (Seite 53). Das tut er auch. Und weil er schon mal da ist, schickt ihn die Lady gleich einkaufen, denn sie ist schon seit einer Woche krank und der Kühlschrank schrecklich leer. Herrlich!

Nach vielen lustigen Episoden verplappert sich Frau Lizzi eines Tages. Sie erzählt einem Krankenhausarzt von Vamperls Heldentaten. Der Wissenschaftler überredet Frau Lizzi, das Vamperl ins Krankenhaus zu bringen. Es wird unter einen Glassturz gesteckt und erforscht. Doch Frau Lizzi wäre nicht Frau Lizzi, wenn sie ihrem Vamperl nicht aus der Klemme helfen könnte.

Nicht nur wir Erwachsene, sondern auch unsere Kinder wünschen sich so ein Vamperl, das den bösen Leuten die Galle leert und für mehr Freundlichkeit und Wohlwollen sorgt. Dieser Blogbeitrag soll nicht nur die tolle österreichische Autorin Renate Welsh und den österreichischen Nationalfeiertag ehren, sondern im Sinne von #bookstagrammergegenrechts und #vielfaltstatteinfalt für ein freidliches Zusammenleben werben. #wirsindmehr und #mutstattwut könnten schließlich von Frau Lizzi und ihrem Vamperl stammen!

Das 1979 publizierte Vamperl gibt es übrigens als Little Vampie auch auf Englisch: Zum ersten Englischlesen oder -hören (Renate Welsh war lange Jahre als freiberufliche Übersetzerin tätig). So können die Kinder gleich in eine andere Sprache und Kultur eintauchen, ein doppelter Gewinn! Zum Vamperl gibt es auf Antolin praktischer Weise gleich zwei Quizmöglichkeiten, also doppeltes Punkteabräumen. Und es gibt noch einige Vamperl-Bände mehr, denn von Vamperl kann man einfach nicht genug bekommen!

 

Renate Welsh. Das Vamperl. München: dtv junior, 2011.

Carson Ellis: Wazn Teez?

Leselevel: ♦◊◊◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: 4 – 8 Jahre

48 Seiten, gebundenes Bilderbuch um € 16,50

Themen: Insekten, die Jahreszeiten, Freundschaft, Forschen, Abenteuer, Natur

Neuerlich hat mir eine Bibliothekarin ein extrem tolles Buch gezeigt. Vielen Dank, liebe Martina! Wazn Teez? ist bezaubernd, wunderbar, total gelungen – ja, Leute, ich bin sowas von begeistert: Die klaren, in Naturtönen gehaltenen Illustrationen sind wunderschön, die Geschichte toll, und nach dem Lesen gibt’s noch jede Menge lustigen Gesprächsstoff mit den Kids.

 

Aber fangen wir mal vorne an:

Die Story: Im Frühling sprießt ein grünes Pflänzchen aus dem Boden und viele vorbeikommende Insekten fragen sich: „Wazn teez?“ (Das heißt natürlich: „Was ist das denn?“) Erste Antwort: „Mi nanüt.“

Was? Du sprichst kein Insektisch? Kein Problem! Deine Kinder werden Dir alles perfekt übersetzen, und dabei gibt’s viel zu lachen! Man kommt natürlich auch als Erwachsene(r) in diese Fantasiesprache rein: „an Plumpse“ = eine Pflanze/Blume, „an Sprossel“ = eine Leiter, usw. Die Übersetzung der wüsten Beschimpfung der Spinne, die die Pflanze samt darauf errichteter Festung in Beschlag nimmt, ist dabei sicher ein Highlight (im Original: „SCHROXXLER! TITTI SCHROXXLER!“). Keine Sorge, schon auf dem nächsten Bild löst ein großer Vogel dieses Problem ;-). Als es schließlich Herbst wird, ziehen sich die Insekten zurück, Blume und Festung verfallen, Schnee bedeckt das Land, bis dann im Frühling…

Meine Kinder und ich hatten große Freude an den bezaubernden Bildern und unglaublichen Spaß beim Entziffern der Insektensprache. Auch danach haben wir noch weitergelacht und selbst Wörter in Insektensprache erfunden. (Ich werde wohl nie mehr eine Leiter sehen und nicht „an Sprossel“ denken!)

Carson Ellis Wazn Teez? Buchempfehlung Buchtipp Kinderbuchblog Brigitte Wallinger geniales Buch Kinderbuch Bilderbuch

Ein gewaltig gutes Bilderbuch, große Empfehlung für dieses geniale Werk! Unbedingt lesen und scheckig lachen!

 

ENDE DER LOBESHYMNE, HIER DIE NACKTEN FAKTEN 🙂

Das Buch ist nur für Menschen geeignet, die Zeit haben, es mit ihren Kindern zu besprechen. Wer ein ratz-fatz-vorlesen-und-dann-ab-ins-Bett-mit-dir-Buch braucht (und solche Bücher benötigt man manchmal auch), der ist hier falsch.

Die Insektensprache ist eine super Vorleseübung für Schulkinder, denn hier muss auf den Buchstaben genau gelesen werden, und die Kids können Wörter nicht „erraten“. Leider ist leider noch kein Quiz dazu auf Antolin abrufbar.

Und die Autorin? Carson Ellis, Jahrgang 1975, lebt mit ihrem Mann, dem Folkmusiker Colin Meloy, und ihren zwei Söhnen (sowie einer Katze, zwei Lamas, zwei Ziegen, einem Schaf, zehn Hühnern, einer Eulenfamilie und unzähligen Fröschen) auf einer Farm in Portland. Wazn Teez? ist ihr zweites Bilderbuch. Ihr erstes, Zuhause, ist auch schon auf Deutsch erschienen (also diesmal echt in Deutsch und nicht in Insektisch). Für einen Grammy war Carson Ellis übrigens auch schon mal nominiert: Sie hat 2016 ein wunderschönes Albumcover für die Band ihres Mannes, The Decemberists, kreiert.

Der Titel der Originalausgabe heißt Du Iz Tak. Das Buch hat unter anderem den E. B. White Lautlesepreis gewonnen. Ich habe ein bisschen in den englischen Originaltext hineingeschnuppert und muss sagen: Das ist das erste Buch, bei dem ich die deutsche Übersetzung noch besser finde als das Original! Hut aber vor den Übersetzern Jess Jochimsen und Anja Schöne!

Wazn Teez? war übrigens für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Gewonnen hat in der Kategorie Kinderbuch schließlich aber Megumi Iwasas Viele Grüße, Deine Giraffe (illustriert vom genialen Jörg Mühle) – und das ist auch ein klasse Buch! Aber dazu ein ander Mal mehr…

 

Carson Ellis. Wazn Teez? Zürich: NordSüd Verlag, 2018. Genial übersetzt aus dem Englischen von Jess Jochimsen und Anja Schöne.

Kate de Goldi: Die Anarchie der Buchstaben

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung:♦♦♦◊◊
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen:♦♦♦♦♦
Zielgruppe: ab 10 Jahren
151 Seiten, Kindle-Edition um € 9,99
Themen: Familie, Demenz, Tod, Freunschaft, Zuneigung, das ABC, positive Anarchie

Perrys Leben wird von ihren berufstätigen Eltern streng getaktet: vormittags Schule, nachmittags Malklasse, Klavierstunden, Klarinettengruppe, Musik- und Bewegungskurs und Förderunterricht. Samstags besuchen die Neunjährige und ihr Vater dessen demente Mutter Honora Lee im Altersheim – für ganze 40 Minuten. Sonntags geht die Familie zum Brunch ins „The Café“: Familienzeit. Doch plötzlich zerrt sich Brita von „Musik und Bewegung“ den Rücken, und der Kurs wird abgesagt. Was tun? Wohin soll das Kind nun am Donnerstagnachmittag geschickt werden? Perry schlägt vor, Oma Honora zu besuchen, und mangels Alternativen erlauben es ihr die Eltern widerwillig. Das Kind entwickelt eine wunderbare Liebe zur Oma, obwohl die alte Dame oft nicht einmal weiß, wer dieses Mädchen überhaupt ist und warum es einen Jungennamen trägt. Aber Perry verschreckt das schrullige Verhalten der Großmutter (und der anderen HeimbewohnerInnen) nicht. Ganz im Gegenteil: sie liebt die Zeit im Altersheim und beschließt, ein Abc-Buch darüber zu schreiben. Nur dass alphabetisches Vorgehen für senile Senioren schwierig ist und am Ende eher ein Acb- bzw. Bca-Buch dabei herauskommt. Aber diese Anarchie der Buchstaben (und die der Altenheimleute) ist für das eingeteilten Kind wie Balsam auf Wüstenhaut.

Alle, die schon einmal in einem Altenheim waren, können bestätigen, wie komisch manche Erlebnisse mit AltersheimbewohnerInnen sind. Und auch wie traurig. Und oft beides zusammen. Der neuseeländischen Kinder- und Jugendbuchautorin Kate de Goldi gelingt es, solche Momente wunderbar einzufangen. Sie erzählt einfühlsam, witzig und schlau. Gregory O’Briens fabelhafte Illustrationen runden dieses feine Meisterwerk ab. Und Ingo Herzke hat das englische Original gekonnt ins Deutsche übersetzt.
Hier eine bittersüße Szene aus dem Buch, die einen guten Eindruck vom Charakter des Textes gibt:

„Oma hat vergessen, wie man Ich sehe was, was du nicht siehst spielt“, verriet Perry Audrey [einer Pflegerin].
„Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist frech“, sagte Oma. Sie beugte sich zu Doris und flüsterte ihr ins Ohr: „Ich gewinne.“
„Viel Spaß!“, sagte Audrey. Sie ging auf die andere Seite des Gemeinschaftsraums, um Jeffrey zu helfen, der manchmal auf seinem Stuhl zur Seite sackte und dann mit alter, dünner Stimme „Schwester? Schwester?“ rief.
Oma stand auf. Krümel fielen ihr von der Brust. Doris stand ebenfalls auf. Sie reichte Oma bis zur Schulter. Sie hatte einen Marmeladenklecks auf dem Kinn, wie ein glänzender Schorf.
„Jeden Moment kommen die Schüler“, sagte Oma. „Die Zeit wartet nicht.“
„Die Zeit wartet nicht“, wiederholte Doris.
Auch Perry stand auf. Sie könnte ebenso gut mitgehen, dachte sie sich. (Seite 39).

Eine der genialen Nebenhandlungen des Buches dreht sich um den Tod, und zwar konkret um tote Hummeln, die Perry findet, aufhebt und schlussendlich begräbt. Der Nebenstrang mit dem zweijährigen Sohn von Perrys Kinderfrau, der sich im Prinzip wie die AltersheimbewohnerInnen verhält, zeigt auf wunderbare Weise, dass sich der Kreis schließt und alte Leute wieder wie Kinder werden. Und das Ende der Geschichte, ist es vorhersehbar?? Wer erwartet schließlich nicht, dass eine Oma-Enkelin-Geschichte, die im Altersheim spielt, traurig ausgeht? Ob das bei diesem Buch auch so ist, findet Ihr am besten selbst heraus ;-). Die Lektüre lohnt sich für alle ab 10!

Kate de Goldi. Die Anarchie der Buchstaben. Übersetzt von Ingo Herzke. Mit Bildern von Gregory O’Brien. Hamburg: Königskinderverlag (Carlsen), 2012.

Gunilla Bergström: Die besten Geschichten von Willi Wiberg

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: Kinder von 5-8 Jahren

128 Seiten, gebundene Ausgabe um € 15

Themen: Erlebnisse eines Schulkindes, Kindergeburtstag, erster Schultag, Verletzung, Jungs-Mädels-Freundschaft

Willi Wiberg-Geschichten sind ein Quell der Weisheit und absolute Kultbücher:-) . In diesem Sammelband ist Willi schon 7 Jahre alt (in den ersten WW-Büchern ist er vier) und erlebt allerlei Abenteuer, mit denen Kids in den ersten Schuljahren konfrontiert sind: der Schulstart, ungerechtes Verhalten, Jungs-Mädchen-Freundschaft und eine Kindergeburtstagsparty. Die Autorin hat auch die herausragenden Illustrationen gestaltet.

Der sympathische Knirps mit dem braunen Pulli und dem ballförmigen Kopf ist kein Superheld oder Übertyp, sondern er erlebt seinen Alltag als ganz normaler Junge: witzig, erfindungsreich und empfindsam – eine Identifikationsfigur für viele Kinder. Sein Leben wird nicht idealisiert dargestellt, sondern echt und wirklich, mit tatsächlichen Kindheitsproblemen, die Willi – oft mithilfe seines herzigen Vaters – lösen kann. Seine Lösungen sind alltagstaugliche, höchst nützliche Wegweiser für unsere Kinder, die sich in vielen Willi Wiberg-Geschichten vor lauter Lachen kringeln.

Auch erwachsenen (Vor-)Leser erliegen dem Humor und Charme der Willi Wiberg-Bände: Willi ruft uns wieder in Erinnerung, wie es sich angefühlt hat, Kind zu sein. Den fleißigen Mamis und Partyqueens möchte ich unbedingt die Geschichte „Jetzt wird gefeiert, Willi Wiberg“ ans Herz legen, in der Willis Tante Fiffi extra anreist, um dem Jungen ein unvergessliches Geburtstagsfest auszurichten, wobei Willi am Ende sein eigenes Fest im kleinen Kreis unter dem Tisch abhält. Die anderen drei Geschichten erzählen von Turbulenzen in der Schule, die ideale Gesprächsanstöße für tiefgehende Eltern-Kind-Gespräche sein können.

Sollten Eure Kinder noch nicht zur Schule gehen, kann ich Euch Gute Nacht, Willi Wiberg als herrliche Geschichte zum Schlafengehen empfehlen und Mach schnell, Willi Wiberg für alle Haushalte mit Kindergartenkindern, in denen es morgens gerne hektisch zugeht.
Gunilla Bergström Gute Nacht Willi Wiberg Brigitte Wallinger Kinderbuchblog Buchempfehlung fuer Kinder von 4 bis 6 Jahren Buchtipp geniales Kinderbuch
Gunilla Bergström Mach schnell Willi Wiberg Gunilla Bergström Willi Wiberg Brigitte Wallinger Kinderbuchblog Buchempfehlung fuer Kinder von 4 bis 6 Jahren Buchtipp geniales Kinderbuch

Seit den 1970er Jahren hat die Schwedin Gunilla Bergström mehr als 30 dieser tollen Kinderbücher publiziert, die in 29 Sprachen übersetzt worden sind. Willi Wiberg heißt im Original Alfons Aberg. Was für ein genialer Kunstgriff, den Namen des Titelhelden so treffend ins Deutsche zu übertragen! (In England kennt man unseren Willi übrigens als „Alfie Atkins“.) Die 1942 in Göteborg geborene Journalistin, Kinderbuchautorin, Illustratorin und Großmutter Gunilla Bergström verbringt den Winter gerne in Ostafrika – das kann ich als österreichische Bergziege nur zu gut verstehen!

Gunilla Bergström. Die besten Geschichten von Willi Wiberg. Hamburg: Oetinger, 2012. Übersetzt von Angelika Kutsch. Illustrationen von Gunilla Bergström.

Timo Parvela: Ella in der Schule

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦◊◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: Kinder von 6 – 9 Jahren
144 Seiten, Taschenbuch um € 6,95

Thema: das erste Schuljahr, Blödsinn im Klassenverband, doppelbödiger Humor aus Kinderperspektive

Es ist soweit: Meine „Kleine“ kommt in die Schule, und in ihrer Schultüte steckt ein witziger Ella-Band, der ihr Lust auf einen Haufen Blödsinn inmitten der Schulbänke machen soll (sorry, Frau Lehrerin!).

Ella ist Erstklässlerin und alles läuft super, bis ihr Lehrer einen vermeintlichen Erpresserbrief bekommt. Was folgt ist eine Lawine aus Missverständnissen und urkomischen Situationen, und am Ende gibt‘s Zeugnisse für die SchülerInnen und ein Baby für den Herrn Lehrer. Juhu!

Einen kleinen Textausschnitt hab ich auch für Euch, der den temporeichen, lustigen Charakter des Buches ganz gut widergibt (Buch Seite 55-56):

Als Nächstes wollte der Vertretungslehrer mit uns rechnen. (…) „Kann jemand von Euch rückwärts zählen?“
„Ist doch pepsi“, sagte Mika.
„Dreh sofort deinen Stuhl wieder um und schau nach vorn!“, sagte der Vertretungslehrer streng.
„Ich dachte, ich soll rückwärts zählen.“
„Und du weißt nicht, was das bedeutet?“
„Doch“, sagte Mika und ruckte wieder seinen Stuhl in Richtung Rückwand.
„Ruhe die anderen!“, sagte der Vertretungslehrer, weil sich inzwischen die ganze Klasse darüber stritt, wie er das mit dem Rückwärts-Zählen wohl meinte.
„Und ihr dreht euch auch um!“, sagte der Vertretungslehrer zu Timo und Hanna, die genau wie Mika ihre Stühle umgedreht hatten.
„Ihr anderen nicht!“, rief der Vertretungslehrer, als wir anderen unsere Stühle umdrehten und plötzlich nur noch Mika, Timo und Hanna richtig herum saßen.
„Herr Lehrer“, meldete sich Pekka, als wir wieder alle in dieselbe Richtung schauten.
„Ja?“
„Heute ist bei uns Saunatag“, sagte Pekka und lächelte stolz. Pekka sagt manchmal einfach irgendwelche Sachen, und niemand weiß, warum.

Und alle LehrerInnen unter Euch wissen, dass es in jeder Klasse einen Pekka gibt 🙂 … Ella und ihre SchulkollegInnen verehren ihren Lehrer übrigens (also null Teacher-Bashing, keine Sorge!). Die Buchreihe ist nach der Ich-Erzählerin Ella benannt, aber in Ella in der Schule geht es um die ganze Klassengemeinschaft, das ist natürlich fabelhaft!

Ich wünsche allen ErstklässlerInnen und auch den „alten Hasen“ ein spannendes Schuljahr, in dem sie zusammen mit ihren KlassenkollegInnen viel zu lachen haben! Und uns Eltern starke Nerven, haha!

 

PS: Der 15. deutsche Ella-Band, Ella und der falsche Zauberer, kommt übrigens am 24. September in den Buchhandel. Ella und ihre KollegInnen – sie sind mittlerweile schon in der 3. Klasse – retten in dieser Geschichte ihren Lehrer, der plötzlich verdächtigt wird, ein Juwelendieb zu sein.

 

Timo Parvela. Ella in der Schule. München: dtv, 2017. 12. Auflage! 1995 auf Finnisch erschienen als Ella ja kaverit. Ins Deutsche übersetzt von Anu und Nina Stohner. Mit Bildern von Sabine Wilharm. Ella in der Schule ist der erste Band der Ella-Reihe.