Emma Carroll: Das Geheimnis der roten Schatulle

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 9 – 12 Jahre (und darüber hinaus)
336 Seiten, gebundene Ausgabe um € 15

Themen: Freundschaft, arm, reich, Diebin, Wissenschaftler, Heißluftballon, Erfinder, Erfindung, die Brüder Montgolfier, Detektivgeschichte, Spannung, historischer Roman: 18. Jahrhundert

Emma Carrolls Kinderroman rund um die erste Ballonfahrt der Welt ist superspannend und handelt von der Diebin Elster, die von der zwielichtigen Madame Delacroix beauftragt wird, aus dem Hause der Erfinderbrüder Montgolfier eine rote Schatulle zu stehlen. Der Einbruch misslingt, doch die Elster rettet später Montgolfier Junior bei einem missglückten Heißluftballonversuch das Leben. Sie verletzt sich dabei und wird im Erfinderhaushalt gesund gepflegt. Dort freundet sie sich mit dem jungen Pierre Montgolfier an. Die beiden verbindet nicht nur ihr wacher Geist und das herzliche Wesen, sondern auch ihre ungewöhnlichen Haustiere: Pierre zieht mit einer Ente herum und die Elster mit einem Hahn. Als der französische König die Montgolfiers einlädt, ihren Heißluftballon in Versailles vorzuführen, hilft die ehemalige Diebin den Erfindern mit ihren Küchenbeobachtungen auf die Sprünge. Ob sie dem König ein flugfähiges Modell bringen können? Und wie wird die Elster mit den Drohungen ihrer einstigen Auftraggeberin Madame Delacroix fertig? Was will diese überhaupt von den Montgolfiers?

Der Roman bleibt spannend bis zum Schluss und zieht die Leserschaft total in seinen Bann. Der historische Hintergrund des Buches ist natürlich überaus faszinierend. In Anwesenheit des französischen Königs Ludwig XVI. ließen die Brüder Montgolfier am 19.9.1783 ihren Heißluftballon aufsteigen – an Bord befanden sich eine Ente, ein Hahn und ein Hammel, die Carroll geschickt in ihren Roman einbaut. Mit dieser achtminütigen Ballonfahrt gingen die Montgolfiers in die Geschichte ein, und noch heute nennt man Heißluftballon-Wettbewerbe „Montgolfiaden“.

Emma Carroll ist eine englische Kinderbuchautorin (Jahrgang 1970), die mit ihrem Mann und den Jack Russell Terriern Pip und Bertie in den Hügeln von Somerset lebt. Auf ihrer Homepage schreibt Carroll, ihre Bücher seien für jede(n), egal welchen Alters, auch wenn man sie im Buchhandel in der Abteilung für 9-12 Jährige finde. Das kann ich nur unterstreichen: Das Lesen dieses Buches war nicht nur für meine Tochter sondern auch für mich ein Genuss. Emma Carroll liebt übrigens Schnee und ist seit ihrem 11. Lebensjahr Vegetarierin. Mehr zur Autorin findet Ihr hier.

Emma Carroll. Das Geheimnis der roten Schatulle. Übersetzt von Cornelia Panzacchi. Stuttgart: Thienemann-Esslinger Verlag, 2019. Titel des englischen Originals: Sky Chasers.

Lene Mayer-Skumanz und Birgitta Heiskel: Ein Löffel Honig. Eine Geschichte zur Erstkommunion

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 7 – 9 Jahren
128 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,95

Themen: Freundschaft, Erstkommunion, Gott, Imkerei, Honig, Fels, Schule, Familie, Nachbarschaft

Ein Löffel Honig: Eine Geschichte zur Erstkommunion ist ein wunderschönes Buch über Freundschaft. Vorneweg sei gleich gesagt: Das Buch ist einfach ein toller Kinderroman! Auch wenn sich die sechs Kinder der Erstkommunionsgruppe rund um Tischmutter Ulli gerade auf das Fest der Erstkommunion vorbereiten, kann man das Buch gerne auch „einfach so“ lesen. Es fasziniert mich aber schon sehr, wie es sowohl der Autorin Lene Mayer-Skumanz als auch der Illustratorin Birgitta Heiskel gelungen ist, dem Kinderbuch auch eine spirituelle Dimension zu verleihen.

            Vordergründig aber lesen wir von sechs Erstkommunionskindern einer Vorbereitungsgruppe. Die Autorin Lene Mayer-Skumanz fängt deren Familien einfühlsam ein, spiegelt ihre Gedankenwelt wider und enthüllt ihre Konflikte und Freuden. Die sich entwickelnde Freundschaft zwischen den Kindern Julia und Stefan ist hinreißend. Sie treffen sich meistens auf einem geheimen Felsen im Wald und tauschen sich aus. Ab und an besuchen sie auch Stefans Großvater in seiner Imkerhütte und genießen einen Löffel Honig. Diese naturbezogenen Ausflüge und die tiefe Freundschaft lassen die Kinder aufblühen.

           Die schöne Geschichte eröffnet aber auch eine religiöse Dimension. Bei der Erstkommunionsvorbereitung mit Ulli und den Gesprächen zwischen Julia und dem Pfarrer werden religiöse Themen angesprochen, zum Beispiel das Gewissen, Versöhnung und einige Bibelstellen (darunter den Psalm, in dem Gott als „schützender Fels“ bezeichnet wird). Wer ist Gott, wie wirkt Gott in unserem Leben, wie verbindet man sich mit Gott, wieso lässt Gott Kriege zu? Nicht nur die ProtagonistInnen sind diesen Fragen auf der Spur, sondern wir hören (bzw. lesen) auch Gottes eigene Stimme: Gott kommentiert das Geschehen glaubwürdig, überzeugend, liebevoll. Das ist ein großer Kunstgriff, und ehrlich gesagt wundert es mich selbst, dass er gelungen ist 😉 . Ebenfalls bewundernswert ist, wie Lene Mayer-Skumanz es schafft, komplexe katholische Themen wie die Transsubstantiation in einfachen Worten, für Kinder verständlich anzusprechen und das Ganze dann auch noch in diese schöne Freundschaftsgeschichte zu packen. Wirklich toll!

Die Illustratorin dieser Ausgabe von _Ein Löffel Honig_, Birgitta Heiskel, vermag es, in ihren Bildern die Gefühle der Protagonisten wunderbar einzufangen: Julia sitzt voller Freiheitsdrang mit wild wehendem Haar auf ihrem Fels, Stefans Großvater steht gütig und entspannt im Imkeranzug da wie ein cooler Raumfahrergreis, die nervige Mirella spreizt sich verzweifelt von einem Föhrenast ab und Stefan greift mit freudig glühendem Gesicht nach Julia, um ihr ins gemeinsame Versteck zu helfen. Heiskels Illustrationen sind einfach unsagbar schön und berührend, wobei honiggelb in allen Bildern eine zentrale Rolle spielt. Zum einen natürlich weil die Zeit der Erstkommunionsvorbereitung für Julia so erfreulich ist wie ein Löffel Honig, genascht in der Imkerhütte von Stefans Großvater. Zum anderen ist dieses Honiggelb ein Symbol für Gott und Julias Beziehung zu Gott. Heiskels Bilder zeigen nicht nur Menschen, sondern immer auch wunderschön gezeichnete Tiere und Pflanzen, was die Schönheit und Bedeutung der Natur als Gottes Schöpfung unterstreicht.

           Ein Löffel Honig stammt übrigens aus dem Jahr 1994. Die Wiener Germanistin Kathrin Wexberg, die auch wissenschaftliche Mitarbeiterin der STUBE (Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur) ist, hat diese Neuauflage behutsam überarbeitet und Elemente wie den Walkman aktualisiert.

  • Lene Mayer-Skumanz, geboren 1939 in Wien, ist freischaffende Schriftstellerin. Sie ist insbesondere bekannt für ihre religiösen und historischen Kinder- und Jugendbücher. Sie ist Preisträgerin vieler Auszeichnungen, wie zum Beispiel dem Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur, dem Book Award of USA and Canada und dem Kinderbuchpreis der Stadt Wien.
  • Birgitta Heiskel, 1962 in Frankfurt am Main geboren, lebt seit 1990 in Wien als freiberufliche Illustratorin und Grafikerin im Buch- und Zeitschriftenbereich. Ihre Illustrationen wurden vielfach ausgezeichnet, zum Beispiel mit dem österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis.

Lene Mayer-Skumanz und Birgitta Heiskel. Ein Löffel Honig: Eine Geschichte zur Erstkommunion. Innsbruck: Tyrolia Verlag, 2019. Bearbeitet von Kathrin Wexberg.

Ich danke dem Tyrolia Verlag für das Rezensionsexemplar!

Beate Dölling und Alexandra Junge: Zwei kleine Wilde in der großen Stadt

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 5 – 9 Jahren
128 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12,95

Themen: Geschwister, Abenteuer, Wald, Tiere, Wildschweine, Eichhörnchen, Füchse, Biber, Meerschweinchen, Ratten, Hund, Mäuse, Maulwurf, Nussball, Mama retten

„Leseglück für die ganze Familie“ steht auf dem Buchrücken von Beate Döllings Zwei kleine Wilde in der großen Stadt. Und ich finde völlig zurecht! Diese Tiergeschichte für Kinder von 5 bis 9 Jahren ist witzig, unterhaltsam und spannend. Es ist kindgerecht, ohne Glossar und Wörterbuch zu verstehen und geht gut aus. Trotzdem fiebern die jungen LeserInnen gebannt mit, ob die zwei Frischlingsgeschwister Charlie und Theo ihre in der Stadt verschollene Mutter finden werden.

Die zwei kleinen Wilden machen sich also auf in die Stadt, um Mutter Wildschwein zu finden, und schließen dort viele Freundschaften. Sie machen mit allerlei städtischen Neuheiten wie z.B. U-Bahn und Swimmingpool Bekanntschaft und lernen sogar noch ein obercooles Spiel, Nussball. Nussball ist natürlich wie Fußball, nur wird der Ball durch eine Nuss ersetzt. Ziemlich lustige Sache, wäre da nicht Knabbi, das Eichhörnchen. Der kann sich nach einer gewissen Zeit einfach nicht mehr beherrschen und frisst den Nussball auf. Nussball macht einfach so hungrig… (Ich verstehe Dich, Knabbi!)

Die Tiere, die die Geschwister in der Stadt kennenlernen, sind wunderbare Typen. Knabbi sowieso, aber auch Kotti der Straßenköter oder Tapsi. Hier ein kurzes Zitat aus dem Buch – die Stelle, an der Theo und Charlie auf Tapsi treffen:

„Wer bist du denn?“

„Ich bin Tapsi, ein Meersweinchen.“

„Ein Schwein aus dem Meer?“, fragt Charlie.

„Nein, aus dem Baumarkt. Aber jetzt wohne ich in dem Haus dahinter.“

„Du wohnst in einem Haus?“

„Ja, ich bin ein Haustier. Ich habe sogar einen eigenen Käfig. Einen rosanen. Ich bin nämlich ein Mädchen.“ Das Meerschweinchen wiegt sich wieder hin und her. „Und wo wohnt ihr?“

„Wir wohnen im Wald“, sagt Charlie. „Also eigentlich. Aber wir suchen unsere Mama in der Stadt.“

„Wildswein?“ quiekt Tapsi auf. „Ihr seid echte Wildsweine? Oh, wie sön! Hat eure Mama auch so söne Treifen?“

„Nein, hat sie nicht“, sagt Theo. „Nur Wildschweinkinder haben Streifen. Die gehen weg, wenn wir älter werden.“

„Oh, wie sade“, sagt Tapsi.

„Aber dafür kriege ich dann Hauer“, sagt Theo. „So richtig lange Eckzähne, die mir aus dem Maul stehen und die man schon von Weitem sieht.“ Theo reckt seinen Unterkiefer vor. Charlie verdreht die Augen. Geht das wieder los!

Zwei kleine Wilde in der großen Stadt: Seite 66.

Das schöne, spannende, lustige Buch von Beate Dölling geht natürlich gut aus und am Ende trotten die Frischlinge mit ihrer Mama zurück in den Wald.

Zum großen Lesegenuss tragen auch die äußerst gelungenen Illustrationen von Alexandra Junge bei! Die lustigen Bilder, die den Witz und die Schönheit des Textes optimal einfangen, gefallen mir und meinen Kindern ausgesprochen gut. Hund Kotti mit seinen drei Zähnen und die wunderschönen schwarzen Raben sind nur zwei der vielen Highlights. Die zwei kleinen Wilden in der großen Stadt ist ein wunderschönes Kinderbuch, das ich Euch sehr ans Herz lege!

Beate Dölling und Alexandra Junge. Zwei kleine Wilde in der großen Stadt. München: dtv junior Verlag, 2019.

Ich danke dem dtv junior Verlag für das Rezensionsexemplar!

Will Gmehling und Jens Rassmus: Chlodwig

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 6 – 10 Jahren
48 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12

Themen: Freundschaft, arm, reich, neu in der Schule, soziale Schichten

Dieses geniale Buch (#moderneklassiker) habe ich glücklicherweise entdeckt: Den herrlich lustigen Band Chlodwig von Will Gmehling, mit treffsicheren, äußerst unterhaltsamen Zeichnungen von Jens Rassmus.

Chlodwig ist neu in Berts Klasse, ein geschniegelter, braver Junge aus reichem Hause. Sein Sitznachbar, der Icherzähler Bert, lebt mit den hart arbeitenden, zuhause aber entspannten Eltern und seinen drei wilden Geschwistern in einer chaotischen Wohnung. Wo Chlodwigs feine Haare eine Frisur bilden, stehen Berts Borsten in allen Richtungen davon. Als die zwei unterschiedlichen Jungs sich für ein Klassenprojekt zuhause besuchen müssen, lernt Chlodwig das wunderbare Tohuwabohu in Berts Wohnung kennen und lieben. Er möchte am liebsten dort bleiben – und das macht er dann auch.

Eine wirklich fesselnde Story, klar erzählt und unglaublich lustig. Sie ist wie eine Astrid-Lindgren-Geschichte, nur ohne Schweden und in der Gegenwart. Einfach fabelhaft! Die wunderbaren Illustrationen von Jens Rassmus fangen den Esprit und Witz der herausragenden Geschichte treffsicher ein. Außerdem sind die 44 unterhaltsamen Seiten des Buches ein schnelles, lohnenswertes Leseerlebnis für GrundschülerInnen. Absolut empfehlenswert!

Will Gmehling, Jahrgang 1957, ist ein erfolgreicher deutscher Kinder- und Jugendbuchautor. Vor seiner Kinderbuchkarriere war er Maler und Dichter, was seine herausragende Gabe erklärt, tiefgehende Emotionen und amüsante Begebenheiten in knappen Sätzen und sparsamen Szenenbeschreibungen einzufangen.

Die Bücher des 1967 geborenen deutschen Autors und Illustrators Jens Rassmus sind vielfach ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis und dem Luchs-Buchpreis der Zeit.

Ich danke dem Peter Hammer Verlag für das Rezensionsexemplar!

Will Gmehling. Chlodwig. Wuppertal: Peter Hammer Verlag, 2018. Mit Zeichnungen von Jens Rassmus.

Elisabeth Steinkellner und Michael Roher. Vom Flaniern und Weltspaziern: Reime und Sprachspiele

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 6 – 10 Jahren
112 Seiten, gebundene Ausgabe um € 16,95

Themen: Stadtleben, Liebe, Streit, Reisen, Berufung, Gefühle

Ich liebe ja Gedichte. Schreibe selbst seit meiner Jugend welche, brannte im Studium dafür, habe mit vielen DichterInnen über Gott und die Welt gesprochen und ihre Werke verschlungen. Auch im Kinderbuchbereich sprechen mich gereimte, rhythmische, kurze Texte – gerne mit Witz – in besonderer Weise an. Das neue erschienene Buch von Autorin Elisabeth Steinkellner und Illustrator Michael Roher, Vom Flaniern und Weltspaziern, ist ein solches Reim- und Sprachspielbuch. Und ich stehe in Flammen: Es ist G E N I A L !!!

Die unterschiedlichsten Gedichtformen finden sich darin: optische Gedichte, wie das vom Mund, in dem ein schwarzer Zahn steckt („Zahnarzt-Termin“), gereimte Verse (etwa das überraschend endende „Kontrolleur“), freie Gedichte ohne Reim, aber mit viel Rhythmus und Lautmalerei, in „Einsam“ sogar mit Zahlenordnung, in „Post von unterwegs“ mit alphabetischer Reihenfolge (inklusive X, Ypsilon und Zett!).

Jedem Gedicht wohnt sein eigener Zauber inne, jedes erweckt im Kinderkopf schöne Bilder und Gedanken, unterhält auf kreativste Weise (wie „Hitzig“, das in einem gemeinsamen Schwimmbadbesuch zweier Streithähne endet). Auch dem Sprachspiel sind einige Texte gewidmet: In „Umwege“ verwandelt sich ein Wort, indem immer nur ein Buchstabe pro Zeile abgeändert wird: Man sitz gespannt da, wie vor einem Zauberer in der Manege, und wartet, was wohl als nächstes aus dem magischen Zylinder gezogen wird: eine Ziege, Diebe oder vielleicht eine Wiege? Auch die lustige Liste österreichischer Ortsbezeichnungen in „Urlaub in Österreich“ ist total unterhaltsam: Hier zum Beispiel im Absatz „Literarische Reisen“:

„Bucheck, Lesachtal,

Schönbuch,

St. Roman,

Wörtherberg“ (Seite 49).

Den Absatz „Lustvoll reisen“ darf jede(r) selbst durchlesen ;-). – Nana, nur keine Angst, „Venusberg“ und „Triebental“ werden Eure Kids nicht verderben!

Klangspiele sind natürlich in allen Gedichten eingebaut, aber „Mutprobe“, der lautliche Ausdruck einer gefährlichen Handlung, und „Kaffeehaus“, das die Geräuschkulisse eines Cafés einfängt, stechen als besonders überzeugend und witzig heraus.

Reime sind ein prägendes Element dieses Buches. Ein absurdes Gedicht wie „In Kathmandu flog eine Kuh“ darf da natürlich nicht fehlen. Wär ja jammerschade, wenn die Kids und Teens so etwas nicht lesen würden:

„In Singapur

Sah ich `ne Schnur –

Nur war’s dann eine Schlangenspur.“ (Seite 64)

Eins der vielen wunderbaren Gedichte heißt „Nur so“, und an die „Just so stories“ von Rudyard Kipling (deutsch: „Nur so Geschichten“) erinnert mich der Kindergedichtband von Steinkellner und Roher auch: Viel Wortwitz, viel Sprachgefühl, sehr unterhaltsame Geschichten und ein Klangspiel, das Kinder verzaubert.


Die österreichische Autorin Elisabeth Steinkellner ist Sozialpädagogin und Anthropologin mit Liebe zur Literatur, zum Reisen und zum Zirkus. Nicht nur hier harmoniert sie mit ihrem Mann, Michael Roher, der für dieses Buch punktgenaue Illustrationen zu Steinkellners Gedichten gezeichnet hat. Roher ist selbst auch Kinderbuchautor, und sein fabelhaftes, sehr empfehlenswertes Buch Tintenblaue Kreise habe ich hier vorgestellt. Zusammen mit ihren Kindern leben Elisabeth Steinkellner und ihr Mann in Baden bei Wien.

Ich danke der wunderbaren Tina Reiter vom Tyrolia Verlag für mein Rezensionsexemplar!

Elisabeth Steinkellner und Michael Roher. Vom Flaniern und Weltspaziern: Reime und Sprachspiele. Innsbruck: Tyrolia, 2019.

Maz Evans: Die Götter sind los

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦♦
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Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 10 – 14 Jahren
336 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,99 (TB um €7,99)
Themen: griechische Götter, England, Schule, Stonehenge

Der tolle Band 1 der Tetralogie Die Chaos Götter, deren dritter Band diesen Februar erscheinen wird, ist ein Hit. Elliot Hooper, der Held der Story, hat’s nicht leicht: Seine Mum ist dement, ein Lehrer mobbt ihn, und das Geld ist knapp. Doch dann knallt das Sternbild-Mädchen Virgo in seinen Kuhstall und sein Leben steht Kopf. Die beiden müssen den Todesdämon Thanatos einfangen, den sie leider irrtümlich befreit haben. Mit sexy Zeus, Fashion-Fan Hermes, den streitenden Schwestern Aphrodite und Athene, dem erfinderischen Hephaistos und dem hochtrabenden Pegasus könnte das schwierige Unterfangen gelingen.

Diese moderne, witzig-spritzige und superkreative Version der griechischen Göttersagen ist wirklich empfehlenswert! Die Geschichte reißt einen förmlich mit, und wer ein Fan der griechischen Götter ist, wird die vielen lustigen Einfälle von Hermes iGod bis zur Zeitung „Argus-Kurier“ lieben. Die actionreiche Handlung (inklusive kickboxender Queen) wird die jugendlichen LeserInnen sicherlich begeistern.

Maz (eigentlich Mary Alice) Evans ist eine britische Autorin, Liedmacherin, Journalistin und Mutter zweier Töchter. Das vorgestellte Buch ist ihr Erstlingsroman (der coole englische Titel lautet Who let the Gods out?), wurde für über 20 Kinderbuchpreise nominiert und in 17 Sprachen übersetzt. Evans ist auch als engagierte Lehrerin für kreatives Schreiben im Einsatz.

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Meine signierte Ausgabe habe ich bei einem Gewinnspiel des Carlsen Verlages gewonnen. Vielen Dank, Ihr Lieben!

Maz Evans (Mary Alice Evans). Die Götter sind los. Hamburg: Carlsen Verlag / Chicken House Buch, 2017. Übersetzt von Ilse Rothfuss.

Nesrin Kismar Arda und der Spuk von Tegel: Ein Tegeler Abenteuerroman

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: 8 – 12 Jahre
170 Seiten, Taschenbuch um € 10

Themen: Gespenster, Abenteuer, interkulturelle Freundschaft, Hund, Verbrechen, türkisch-deutsche Kultur

Arda und sein bester Freund Lennard erleben abenteuerliche Sommerferien in Berlin Tegel. Die beiden Elfjährigen wollen das Rätsel rund um den berühmt berüchtigten „Spuk von Tegel“ lösen, was zu einer nächtlichen Gespensterjagd, einem geklärten Verbrechen und ziemlich viel Ärger mit der Familie führt. Aber alles geht gut aus, und am Ende ergänzt ein vierbeiniger Spuk das dynamische Duo.

Die aufregende Geschichte spielt in Berlin – charmantes Lokalkolorit und fesselnde Beschreibungen bekannter Plätze und Sehenswürdigkeiten inklusive. Da einer der zwei Jungs aus einer Familie mit türkischen Wurzeln stammt, ist auch die deutsch-türkische Kultur und Geschichte ein Thema, was zusätzlich interessant ist. Hier weist die türkische Oma etwa ihren Sohn, Ardas Vater Ahmet, zurecht, weil er Arda für seine Spukbesessenheit tadelt:

„Lass mein Enkelkind in Ruhe, Ahmet, natürlich darf er fragen, was er im Sinn hat, und sich darüber Gedanken machen. Damit er nicht den falschen Weg nimmt, musst du ihm alles erklären“ (Seite 153).

Super, die Eltern-Kind-Beziehung mal aus muslimischer Sicht zu betrachten: Die Eltern, nicht der Sprössling selbst, sind dafür verantwortlich, dass das Kind auf dem rechten Weg bleibt ;-).

Die verlockenden Beschreibungen des leckeren Essens, das die Mütter von Arda und Lennard zubereiten, ist mir besonders aufgefallen: Wenn es den lesenden Kids so geht wie mir, werden sie während der Romanlektüre ständig Hunger haben.

Nesrin Kismars Kinderbuch punktet mit sympathischen Charakteren, einer spannenden Geschichte und einem kulturell sowie geographisch interessanten Hintergrund. Wie schade, dass diese Geschichte nicht von einem der großen Kinderbuchverlage publiziert wurde: Eine erfolgreiche Verlagslektorin hätte dem Buch definitiv zu einem besseren Untertitel, Klappentext und Cover verholfen und eventuell die ein oder andere Passage etwas gekürzt. Nichtsdestotrotz ist Arda und der Spuk von Tegel ein absolut empfehlenswertes Buch und ein wahrer Geheimtipp!

Die gebürtige Türkin und studierte Physikerin Nesrin Kismar lebt übrigens mit ihrem Mann und vier Kindern in Berlin. Sie schreibt Kinderbücher sowie Romane für Erwachsene.

Nesrin Kismar. Arda und der Spuk von Tegel: Ein Tegeler Abenteuerroman. Aachen: Shaker Media, 2017.

Jeanne Birdsall: Die Penderwicks zu Hause

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Zum Vorlesen ab 5 Jahren, zum Selberlesen ab 10; für Jungs und Mädchen
320 Seiten, Taschenbuch um € 7,99

Themen: Familie, Freundschaft, Schule, erste Liebe, Nachbarschaft

Kinderbuchbloggerinnen Adventkalender Kinderbuchblogger Brigitte Wallinger Brigitte Wallingers Kinderbuchblog Buchempfehlung Büchertipps Kinder Jugendliche Jugendbuchblog Buchjuwelen geniale Bücher Adventkalender Buch Geschenktipps für Kinder Kindergeschenke

Hinter dem 14. Türchen unseres Kinderbuchblogger-Adventskalenders versteckt sich Jeanne Birdsalls Die Penderwicks zu Hause. Dieses wundervolle Kinderbuch verschenke ich zusammen mit dem ersten Band der Penderwick-Serie an eine glückliche Gewinnerin (oder einen GewinnER natürlich), die (der) mir in einem Kommentar zu diesem Blogbeitrag verrät, was für sie (ihn) das Schönste an Weihnachten ist.

Alle Astrid Lindgren- und Christine Nöstlinger-Fans werden sie lieben, die Penderwick-Bücher der genialen amerikanischen Kinderbuchautorin Jeanne Birdsall. Das Besondere an Birdsalls Büchern ist, dass sie den Kindern aus dem Herzen spricht und eine brillante Geschichtenerzählerin ist. 1992 erschuf sie in Anlehnung an Louisa May Alcotts Betty und ihre Schwestern die Penderwicks, vier Schwestern, die im Gegensatz zu ihren literarischen Vorbildern modern und lustig sind. Sehr lustig sogar! Rosalind ist 12, Sky 11, Jane 10, und Nesthäkchen Batty ist 4 Jahre alt. Der lateinliebende Botaniker Mr. Penderwick und der alles zerkauende Hund Hound, Battys Schatten, komplettieren die Familie.

Im ersten von fünf Bänden*, den Sylke Hachmeister virtuos übersetzt hat, fährt die Rasselbande auf Urlaub und gerät in allerlei Schwierigkeiten. Hier habe ich Band 1 schon einmal vorgestellt. Der zweite Band, Die Penderwicks zu Hause (ebenfalls genial übersetzt von Sylke Hachmeister), startet mit einem Brief der fünf Jahre zuvor verstorbenen Familienmutter an Papa Penderwick: Er solle sich eine neue Partnerin suchen und nur ja nicht ewig alleine bleiben. Die Töchter sind wenig begeistert vom Gedanken an eine Stiefmutter, und so hecken sie einen verwegenen Plan aus… Ein brillantes Buch über Familie, Freundschaft, das Schulleben und besondere Nachbarschaftsbande. Jeanne Birdsall ist es gelungen, eine kunterbunte, heitere, warmherzige und abenteuerliche Erzählung von vier fabelhaften Schwestern zu schreiben, die uns LeserInnen, egal ob jung oder alt, zum Lachen bringen (und manchmal auch vor Rührung zum Weinen). Und das aller-, allerbeste an diesem Buch ist, dass noch weitere geniale Penderwick-Bände* auf uns warten!

Weil ich selbst Reihen immer von Buch 1 weg lese, verlose ich Band 1 und 2 zusammen, obwohl ich in diesem Blogbeitrag hauptsächlich Band 2, Die Penderwicks zu Hause, vorstelle. Ihr habt bis zum 15. Dezember 2018 um 23:59 Uhr Zeit, diesen Blogbeitrag zu kommentieren, danach verlose ich die Penderwicks. (Es entscheidet das Los. Der Rechtsweg sowie eine Barauszahlung des Gewinns sind ausgeschlossen.) So einfach kommt Ihr zu zwei herausragenden Kinderbüchern!! Wenn Ihr schnell seid, könnt Ihr hier noch in den Lostopf des gestrigen Türchens hüpfen. Und morgen gibt es bei Juli liest schon die nächste Gewinnchance. Ich wünsche Euch viel Glück und eine wunderschöne Weihnachtszeit!


Über die Autorin:
Jeanne Birdsall, Jahrgang 1951, lebt mit ihrem Mann in Northampton, Massachusetts (USA). Die Kinderbuchautorin erhielt zahlreiche Preise, darunter den US-amerikanischen National Book Award für Kinderbücher, die Kalbacher Klapperschlange (ein von einer reinen Kinderjury vergebener Jugendliteraturpreis) sowie den Heidelberger Leander.


 

*Der fünfte Band der Penderwick-Reihe wird vom Carlsen-Verlag im Mai 2019 publiziert werden.

Jeanne Birdsall. Die Penderwicks zu Hause. Hamburg: Carlsen Verlag, 2011. Übersetzt von Sylke Hachmeister.

Frances Hodgson Burnett. Der geheime Garten

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 10 Jahren
320 Seiten, gebundene Ausgabe um € 4,95
Themen: Freundschaft, Familie, positives Denken, Garten, Natur, Geheimnis

Die Kraft des positiven Denkens wird in diesem Buch auf wundervolle Weise beschrieben. Das Waisenkind Mary wird nach Misselthwaite Manor zu ihrem Onkel Archibald Craven gebracht, wo sie von nun an leben soll. Allerdings ergeht es ihr so, wie schon zuvor in Indien, als ihre Eltern noch lebten: Niemand kümmert sich um sie. Sie bekommt zwar Essen, Kleidung und ein Dach über dem Kopf, aber ansonsten ist sie auf sich allein gestellt. Natürlich bemitleidet sie sich selbst und geht ruppig mit anderen um.
Alles ändert sich, als sie einen geheimen Garten entdeckt und sich um die Pflanzen dort kümmert. Indem sie sich um andere Lebewesen kümmert, erwacht ihre eigene Lebensfreude. Sie gewinnt menschliche, tierische und pflanzliche Freunde, wird langsam netter zu den Angestellten und findet zuletzt sogar am düsteren Herrschaftshaus Gefallen.

Der zehnjährige Sohn ihres Onkels, ihr Cousin Colin, vegetiert derweil abgeschottet in einem anderen Teil des Schlosses dahin. Bei seiner Geburt starb seine Mutter, was weder er noch sein Vater je verwunden haben. Der Junge befürchtet, sterbenskrank zu sein und bucklig zu werden, und er ist ein wahrer Tyrann. Zufällig trifft er auf Mary, die beiden freunden sich an und auch ihn verändert der geheime Garten. Plötzlich hat er etwas, auf das er sich freut, ein Ziel, das der schwache und deshalb an den Rollstuhl gefesselte Junge erreichen möchte. Ihr Geheimnis schweißt die beiden und den Bauernjungen Dickon, der ihnen aufgrund seiner positiven, liebevollen, freundlichen und naturbezogenen Lebensart ein großes Vorbild ist, eng zusammen. Zu guter Letzt erliegt auch noch der depressive Onkel Archibald dem Zauber des Gartens und die Kraft des positiven Denkens und der Liebe entfaltet ihre Wirkung.

Ein wirklich empfehlenswerter Klassiker aus dem Jahr 1911, geschrieben von der Autorin des Kleinen Lord. Trotz der über hundert Jahre, die dieses Buch auf dem Buckel hat, ist das Thema des Ich-bezogenen bzw. depressiven Kindes sehr aktuell und die Lösung (ein Fleckchen Erde, das die Kinder bearbeiten) wunderbar einfach. Mary bestärkt ihren Cousin zudem mehrmals, positiv zu denken. Das ganze Geschehen spielt sich vor dem Hintergrund der englischen Zweiklassengesellschaft von 1900 ab: Die reichen Adeligen beschäftigen sich nicht mit ihren Kindern, der armen Bäuerin aus der Nachbarschaft, Dickons Mutter, gelingt es trotz knapper Finanzen, ihre Kinder zu versorgen und ihnen Liebe zu schenken. Das ist auch heute noch aktuell: Anstatt die Kinder mit Geschenken, Urlaubsreisen und Nachmittagsprogramm zu überhäufen, empfiehlt es sich, ihnen in die Augen zu schauen, mit ihnen zu sprechen und gemeinsam hinaus in die Natur zu gehen, denn es hat ja wohl kaum einer von uns einen geheimen Garten zuhause – oder vielleicht doch?

Frances Hodgson Burnett. Der geheime Garten. Übersetzt von Felix Mayer. Köln: Anaconda Verlag, 2013.

Renate Welsh: Das Vamperl

Leselevel: ♦♦◊◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: Kinder von 6 – 8 Jahren

112 Seiten, Taschenbuch um € 5,95

Themen: Freundschaft, alte Dame, Vampir, Wut, Freundlichkeit, Schullektüre

 

Das Vamperl von Renate Welsh ist das erste Buch, das meine Große für die Schule lesen „musste“.  Dieses geniale Kinderbuch ist höchst unterhaltsam, auch für Erwachsene. Frau Lizzi, eine 67-jährige, gutmütige, alleinstehende Stadtbewohnerin, findet einen kleinen Vampir, den sie mit einer Milchflasche aufzieht und heiß und innig liebt. Rundherum begegnen den beiden fiese Wüteriche (z.B. vampirfeindliche Nachbarinnen, hänselnde Kinder und karrieregeile Wissenschafler), doch das Vamperl ist die Rettung: Er beißt in den Bauch der Bösen, saugt ihnen das Gift aus der Galle und schwups sind die Zornzwerge freundliche Mitmenschen. Das sorgt natürlich für sehr lustige Momente. Ich liebe die Szene, in der ein Einbrecher eine alte Frau in ihrer Wohnung ausrauben will, aber dann saugt ihm das Vamperl das Gift aus. Sein nettes Ich trifft nun auf die resolute alte Dame, die sich zunächst ordentlich empört: „Und was wollen Sie hier? … Sie sind ja ein Dieb! … Sie sollten sich schämen“ (Seite 53). Das tut er auch. Und weil er schon mal da ist, schickt ihn die Lady gleich einkaufen, denn sie ist schon seit einer Woche krank und der Kühlschrank schrecklich leer. Herrlich!

Nach vielen lustigen Episoden verplappert sich Frau Lizzi eines Tages. Sie erzählt einem Krankenhausarzt von Vamperls Heldentaten. Der Wissenschaftler überredet Frau Lizzi, das Vamperl ins Krankenhaus zu bringen. Es wird unter einen Glassturz gesteckt und erforscht. Doch Frau Lizzi wäre nicht Frau Lizzi, wenn sie ihrem Vamperl nicht aus der Klemme helfen könnte.

Nicht nur wir Erwachsene, sondern auch unsere Kinder wünschen sich so ein Vamperl, das den bösen Leuten die Galle leert und für mehr Freundlichkeit und Wohlwollen sorgt. Dieser Blogbeitrag soll nicht nur die tolle österreichische Autorin Renate Welsh und den österreichischen Nationalfeiertag ehren, sondern im Sinne von #bookstagrammergegenrechts und #vielfaltstatteinfalt für ein freidliches Zusammenleben werben. #wirsindmehr und #mutstattwut könnten schließlich von Frau Lizzi und ihrem Vamperl stammen!

Das 1979 publizierte Vamperl gibt es übrigens als Little Vampie auch auf Englisch: Zum ersten Englischlesen oder -hören (Renate Welsh war lange Jahre als freiberufliche Übersetzerin tätig). So können die Kinder gleich in eine andere Sprache und Kultur eintauchen, ein doppelter Gewinn! Zum Vamperl gibt es auf Antolin praktischer Weise gleich zwei Quizmöglichkeiten, also doppeltes Punkteabräumen. Und es gibt noch einige Vamperl-Bände mehr, denn von Vamperl kann man einfach nicht genug bekommen!

 

Renate Welsh. Das Vamperl. München: dtv junior, 2011.