Tuutikki Tolonen: Monsternanny: Ein unterirdisches Abenteuer

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung:♦♦♦◊◊
Humor:♦♦♦♦♦
Spannung:♦♦♦♦♦
Gefühl:♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: Mädchen und Jungen von 9-12 Jahren

288 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,00

Themen: Familie, Monster, Waldgeister, Abenteuer

Eigentlich bin ich bei gehypten Büchern wie der Monsternanny immer vorsichtig. Die Aufmachung ist dermaßen cool und zielgruppengerichtet, dass man eher eine Marketingblase als ein fantastisches Kinderbuch erwartet. Allerdings kommt im Buch ein flauschiges Kindermädchen-Monster vor, deshalb musste ich es kaufen. Und siehe da: Monsternanny ist ein wundervolles Buch, fabelhaft konzipiert und witzig erzählt. Leider habe ich aus Versehen Band 2 bestellt, aber ich bin mir sicher, Band 1 ist genauso genial, also bitte dort starten.

In Teil 1 stößt das große, staubige Monster Grah zur Familie von Maikki, Hilla und Kaapo. Es wird die Nanny der drei recht unterschiedlichen Kinder (und wie sich herausstellt, werden auch die Nachbarskinder von Monsternannys gehütet). Band 2 beginnt damit, dass alle Monsternannys nach Hause gehen. Der kleinen Maikki gelingt es, ebenfalls in die unterirdische Welt zu schlüpfen; sie möchte herausfinden, wo Grah wohnt. Ein großes Abenteuer beginnt.

Die Geschichte ist kreativ, originell und lustig; dazu kommt noch die spritzig-freche Erzählweise (beziehungsweise die tolle Übersetzung von Anu Stohner). Hier lädt zum Beispiel die mutige Maikki den Türwächter der Unterwelt zu sich nach Hause ein, denn er würde so gerne wissen, was ein Badezimmer ist:

„Du kannst gerne mitkommen, wenn wir später nach Hause gehen. Dann finden wir auch den Heimweg leichter als ohne dich.“
So stellte Maikki sich das vor, aber Hilla anscheinend nicht. „Spinnst du, oder was?“, pampte sie ihre kleine Schwester an. „Wir müssen doch erst Mama fragen, bevor wir jemanden nach Hause einladen. Und neuerdings vielleicht sogar Papa.“
„Mit Papa könnte es schwierig werden“, sagte Maikki. Dass ihre große Schwester sie anpampte, war nicht nett, aber trotzdem konnte sie in dem Fall recht haben.
„Eben“, sagte Hilla.
„Ist es in eurem Badezimmer gefährlich?“, fragte der Türwächter.
„Nein, dort passiert einem nichts. Höchstens kommt mal zu kaltes Wasser aus der Dusche“, erklärte Hilla.
Der Türwächter hörte gar nicht mehr auf, den Kopf zu wiegen. „Ich möchte sehr gerne einmal euer Badezimmer aufsuchen“, sagte er.
Hilla rollte mit den Augen, aber Maikki blieb freundlich. „Das kriegen wir schon hin“, sagte sie (168-169).

Die super Illustrationen von Pasi Pitkänen sind überaus ansprechenden. Das ganze Buch ist rundum gelungen. Damit werden die Kids viel Freude haben.

Die Namen der handelnden Figuren haben es schon verraten: Das Kinderbuch spielt in Finnland; Autorin und Illustrator sind Finnen. Die 1975 geborene Tuutikki Tolonen ist Kinderbuchautorin und Reporterin für Finnlands Kinderliteraturzeitschrift Vinski. Ihr Sohn hat den Anstoß zu Monsternanny geliefert, als er im Alter von 6 Jahren zu seiner Mama sagte: „Ich habe gestern im Radio gehört, dass alle Mütter in den Urlaub fahren und Monster für sie einspringen.“ Vielleicht sollten wir auch tolle Sager unserer Kinder zu witzigen Geschichten und Kinderbüchern weiterspinnen! Tuutikki Tolonen ist jedenfalls Großartiges gelungen!

Tuutikki Talonen Monsternanny Ein unterirdisches Abenteuer Buchempfehlung Buchtipp genailes Kinderbuch Kinderbuchblog Brigitte Wallinger

Tuutikki Tolonen. Monsternanny: Ein unteriridisches Abenteuer. München: Carl Hanser Verlag, 2018. Mit Illustrationen von Pasi Pitkänen. Übersetzt von Anu Stohner.

Ina Broich und Michaela Frech. Die Plitsch: Auf ins Abenteuer

Ina Broich und Michaela Frech Die Plitsch Auf ins Abenteuer Buchtipp Buchempfehlung Kinderbuchblog Brigitte Wallinger toll empfehlenswert
Zielgruppe: Kinder ab 4 Jahren

36 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,99

Themen: Abenteuer, Weltreise, Afrika, Regenwald, Nordpol, Bibliothek

Ina Broichs Erstlingswerk ist ein ambitioniertes Buch mit Illustrationen von Michaela Frech. Die Plitsch: Auf ins Abenteuer ist eindeutig mit Liebe und Hingabe gemacht und richtet sich an wache Kinder ab 4 Jahren. Zudem interagiert es mit den jungen LeserInnen, zum Beispiel hier:

Du! Ja, du! Hast du das gehört? Nein? Schau mal da in der Pfütze! Das ist ein Plitsch! Wie, du kennst keinen Plitsch? Gut, sie sind ja auch wirklich klein und schwer zu erkennen, denn sie sehen fast genauso aus wie ein Regentropfen. Weißt du was? Ich erzähle dir von den Plitsch!

(Seite 6)

Die zwei Plitsch Liti und Lito (Fanatsiewesen mit süß gezeichneten Hörlöffelchen, Flossenarmen und Gummistiefeln) reisen in Regentropfen um die Welt. Sie landen in einem Kindergarten, in der Savanne, im Regenwald, in einer Bibliothek und am Nordpol. Man ahnt schon, dass diese 36 Buchseiten voll bepackt sind; auch die Illustrationen harmonieren nicht immer zur Gänze mit dem nebenstehenden Text, etwa wenn das Plitsch-Zuhause, der Regenwald, voller schillernder Schmetterlinge und bunter Blumen beschrieben wird, das dazugehörige Bild aber nur Plitsch inmitten grüner Blätter zeigt (Seite 19). Trotzdem empfehle ich dieses Buch interessierten Jungen und Mädchen, weil es so charmant und mitreißend geschrieben ist.

Ina Broich und Michaela Frech. Die Plitsch: Auf ins Abenteuer. Flörsbachtal: Klecks Verlag, 2018.

M. G. Leonard: Käferkumpel

M G Leonard Käferkumpel Kaeferkumpel Britt Somann Jung Brigitte Wallinger Kinderbuchblog Jugendbuchblog geniales Buch fuer Kinder Buchtipp Buchempfehlung Mädchen und Jungen Kinder
Zielgruppe: Kinder von 10 – 14 Jahren

336 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,99

Themen: Käfer, Freundschaft, Familie, Genforschung

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Der Vater des dreizehnjährigen Darkus Cuttle verschwindet spurlos. Mit Hilfe seiner Menschen- und Käfer-Freunde kann er einen Teil des Rätsels in diesem ersten von drei genialen Bänden lösen. Käferkumpel ist so temporeich und spannend wie ein guter Film und bringt die Leserschaft dazu, Käfer von nun an mit ganz anderen Augen zu sehen. Zwei Daumen nach oben für dieses geniale Buch (und dessen ebenso geniale Übersetzerin Britt Somann-Jung, die ich in einem Übersetzungsworkshop in Wolfenbüttel zufällig kennengelernt habe). Chicken House, das zum Carlsen Verlag gehört, hat übrigens erst gestern bekannt gegeben, dass M.G. Leonard gerade das Drehbuch für die TV-Realverfilmung der Trilogie schreibt. Juhuuu!

Aber fangen wir mal bei der Story an: Darkus Vater ist von einem Tag auf den anderen wie vom Erdboden verschluckt. Obwohl der Rest der Welt vermutet, dass sich Dr. Bartholomew Cuttle das Leben genommen hat, weiß der Junge instinktiv, dass dem nicht so ist. Er wird von seinem Onkel Max aufgenommen und beide beginnen ihre Detektivarbeit. Aufgrund des neuen Wohnortes kommt Darkus allerdings an eine neue Schule, wo er schnell aneckt. Virginia Wallace und Bertolt Roberts helfen ihm aus der ersten brenzligen Situation auf dem Pausenhof und beschließen, Darkus bei der Suche nach seinem Vater zu helfen. Kurz bevor der Schultyrann Robby und seine Lakeien, „ die Klone“, Darkus auf der Straße angreifen, lernt er einen riesigen Nashornkäfer kennen, der ihn zu verstehen scheint. Als die Mobber auf Darkus losgehen, passiert folgendes:

Der riesige schwarze Käfer schoss plötzlich in Robbys Gesicht und flog zischend – fast spuckend – gegen ihn an, wie eine Königskobra.
„Was zur Hölle ist DAS?“ Robby machte einen Satz rückwärts, als hätte man ihm einen Elektroschock verpasst.
„Wonach sieht es denn aus?“ Darkus mühte sich auf die Knie, sein Verstand arbeitete schnell. „Das ist mein Käfer.“
(…) Plötzlich steuerte der Käfer auf die verängstigten Jungen zu und ließ sein Horn an ihren Gesichtern vorbeisausen.
Darkus fiel die Kinnlade herunter.
„Der hat es auf mich abgesehen!“, kreischte einer der Klone und duckte sich.
„Der kommt im Sturzflug!“, schrie ein anderer.
„Haltet euch die Augen zu!“, rief Darkus. „Oder er … äh … bringt eure Augäpfel zum Platzen.“ Er bluffte nur. „Diese Käferart heißt, äh, Augen-Ausstecher!“
Der Käfer sauste wie ein Mini-Kampfflugzeug über die Köpfe der kauernden Jungs hinweg und zischte ihnen in die Ohren, bevor er wieder zu Darkus abdrehte. Als er das Insekt wieder auf seiner Schulter landen fühlte, gab er sich größte Mühe, seine Überraschung und seine Freude vor den Jungen zu verbergen, die vor ihm im Staub krochen. Mit dem majestätischen Käfer auf seiner Schulter fühlte er sich stark. Das war neu für ihn und er mochte es.
„Du bist ein verdammter Irrer!“, schrie Daniel Dowie, der die Hände von den Augen nahm und rückwärtsstolperte. „Durchgeknallter Käferjunge!“
„Wie du meinst.“ Darkus lächelte. Die Sache fing an ihm Spaß zu machen. „Aber der Augen-Ausstecher und ich, wir sind ein Team, weißt du, und wenn du mir nochmal zu nahe kommst, finden wir heraus, wo du wohnst, und dann kommt mein Freund hier mitten in der Nacht durch den Briefschlitz gekrabbelt und sticht dir im Schlaf die Augen aus.“

(Seite 47-49)

Der Käfer, den Darkus gleich Baxter nennen wird, ist in Wirklichkeit natürlich keine Insektenwaffe, aber ungewöhnlich intelligent und groß ist er schon … Jedenfalls sind er und Darkus von nun unzertrennlich. Im Laufe der Recherchen stößt der Junge noch auf einen riesengroßen Haufen weiterer derart auffälliger Käfer, und die Spur führt zur verrückten Modedesignerin Lucretia Cutter.

Durch die Lektüre dieser lustigen und fesselnden Geschichte entflammt auch eine echte Faszination für Käfer und für wissenschaftliche Forschung, und man weiß dann bestens Bescheid über Elytren, DNS, Stridulation, Setae und vieles mehr. Was, das sagt Dir nichts?!? Dann musst Du Käferkumpel unbedingt lesen!

M. G. Leonard. Käferkumpel. Hamburg: Carlsen, 2018. Übersetzt von Britt Somann-Jung.
Britt Somann Jung Buchtipp Buchempfehlung Kinderbuchblog Jugendbuchblog Brigitte Wallinger

Mary Pope Osborne. Das magische Baumhaus: Der geheimnisvolle Ritter

Mary Pope Osborne Das magische Baumhaus Der geheimnisvolle Ritter Buchtipp Kinderbuchblog Brigitte Wallinger Jugendbuchblog Buchempfehlung zum Selberlesen ab 8 Jahren
Zielgruppe: Jungen und Mädchen ab 8

96 Seiten, gebundene Ausgabe um € 7,95

Themen: Ritter, Kerker, Waffenkammer, Baumhaus, Geschwister

Leselevel: ♦♦◊◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦◊
Elternvergnügen:♦♦♦♦◊

Der geheimnisvolle Ritter von Mary Pope Osborne ist ein schönes Buch zum Selberlesen für Kinder ab 8. Es ist Band 2 der 53 deutsche Titel umfassenden Kinderbuchserie Das magische Baumhaus. Mit besagtem Baumhaus und dessen Büchern können sich die Geschwister Philipp und Anne an einen Ort ihrer Wahl teleportieren. In Der geheimnisvolle Ritter erkunden die beiden eine Ritterburg. Im Prinzip ist das Buch ein Rittersachbuch, dessen Infos in eine spannende Geschichte verpackt sind. Die Seitenzahl ist begrenzt und somit ideal für Kinder, die noch nicht so lange selber lesen. Das Baumhaus ist bei vielen meiner jüngeren Verwandten äußerst beliebt, besonders oft wurde mir außer dem Ritterband noch Im Tal der Dinosaurier und Das Geheimnis der Mumie empfohlen.

Mein Exemplar von Der geheimnisvolle Ritter wurde übrigens 2013 gedruckt, und zwar in der 15. Auflage! Unglaublich… Die 1949 geborene Erfolgsautorin hat einen beeindruckenden Lebenslauf: Als Kind lebte sie auf verschiedensten US-Militärstützpunkten (unter anderem in Österreich!), als junge Frau erlebte sie in vielen Ländern Unglaubliches (Höhlenleben auf Kreta, Erdbeben in Afghanistan, Blutvergiftung in Kathmandu, … Am besten besucht Ihr ihre offizielle Homepage und lest die ganze Lebensgeschichte nach) und schließlich, als sie ihre Berufung, das Schreiben, fand, kam der ganz große Erfolg mit ihren wunderbaren Baumhausbüchern.

Mary Pope Osborne. Das magische Baumhaus: Der geheimnisvolle Ritter. Illustrationen von Jutta Knipping. Bindlach: Loewe Verlag, 2000. Übersetzt von Sabine Rahn.

https://www.mthclassroomadventures.org/gift-time/marys-story

Christine Nöstlinger: Fußballgeschichten vom Franz

Christine Nöstlinger Fußballgeschichten vom Franz Buchtipp WM Kinderbuchempfehlung Brigitte Wallingers Kinderbuchblog
Zielgruppe: Jungen und Mädchen ab 6 Jahren
64 Seiten, gebundene Ausgabe um € 7,99
Themen: Fußball, Freundschaft, Streit

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Das Fußballfieber hat alle WM-Fans gepackt, genauso wie den Franz, eine beliebte Kinderbuchfigur von Christine Nöstlinger. Der liebenswerte Knirps mit der Wuschelmähne und der Piepsistimme erlebt humorvolle Abenteuer und macht so ziemlich alles durch, was ein Kinderherz bewegt. In dieser Geschichte geht er beim Fußballspielen mit seinen Klassenkameraden k. o., als ihn „ein hundsgemein scharfer Ball“ am Kopf trifft (8). Die Jungs lassen ihn daraufhin nicht mehr mitspielen, weil er „zu ‚mickrig‘ für ein ‚hartes Match‘“ sei (13). Als dann aber dem „FC Girls“ die achte Spielerin abhanden kommt, springt der Franz ein. Ein Bub im Mädchenteam, na das kann ja heiter werden… 🙂

Von 1984 bis 2011 veröffentlichte Christine Nöstlinger, die Grande Dame der österreichischen Kinderbuchszene, ihre Franzgeschichten. Alle 19 Franzbücher, die übrigens von Mister Olchi, Erhard Dietl, bebildert wurden, sprechen der jungen Leserschaft Mut zu – und den kann man immer brauchen, nicht nur beim Kicken!

Wie die österreichische Tageszeitung Der Standard am 22.6.2018 berichtete, gab Christine Nöstlinger wenige Wochen vor ihrem Tod bekannt, keine Kinderbücher mehr schreiben zu wollen. „Wie soll ich denn wissen, was Kinder bewegt, wenn sie einen halben Tag lang über dem Smartphone sitzen“, wurde die Autorin zitiert. Auch Andreas Steinhöfel, der Verfasser von Rico, Oskar und die Tieferschatten, sagte mir in Wolfenbüttel, es falle ihm schwer, sich in den Quasi-Autismus der Jugendlichen hinein zu fühlen. Ich finde das irgendwie traurig, aber heutzutage verbringen Teenies eben wirklich viel Zeit mit ihrem Smartphone. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass unsere Kids weiterhin gerne gute Bücher lesen.

Am 28. Juni 2018 verstarb diese wundervolle Schriftstellerin in ihrer Geburtsstadt Wien. Sie war eine der ersten KinderbuchautorInnen, die den Kids auf Augenhöhe begegneten, die Eltern in ihre Bücher einbanden, die unrecht hatten, und die die Kleinen nicht vor unangenehmen Themen fern hielten. Für sie waren Kinderbücher keine „Pädagogikpillen, gewickelt in buntes Geschichterlpapier“ (zitiert im Standard-Nachruf vom 13.7.18). Sie war eine freie Frau mit großem Herz und dicker „Zivilisationshaut“. Nicht besonders kinderlieb, wie sie einmal augenzwinkernd in der TV-Sendung Willkommen Österreich sagte, sondern sehr menschenlieb. Heiß und innig liebe ich ihre Bücher, und ich bin mir sicher, dass auch die kommenden Generationen den Franz, die Friederike und Gretchen Sackmeier verehren werden.

Christine Nöstlinger. Fußballgeschichten vom Franz. Bilder von Erhard Dietl. Hamburg: Verlag Friedrich Oetinger, 2002.

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und die Tieferschatten

Andreas Steinhöfel Rico Oskar und die Tieferschatten Buchempfehlung Kinderbuchblog Brigitte Wallinger Feuer und Flamme für junge Literatur Buchtipp geniales Kinderbuch
Zielgruppe: Kinder von 9 bis 13 Jahren
Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 3 von 5 Wissensstufen
Humor: 5 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

224 Seiten, TB um € 6,99

Themen: Freundschaft, Krimi, Tief- und Hochbegabung

Ein witziges, spannendes und exzellent geschriebenes Buch über das Dreamteam Rico und Oskar, der eine tiefbegabt, der andere hochbegabt. Sie leben in Berlin, freunden sich an und lösen einen Kriminalfall (ein Kindesentführer treibt sein Unwesen). Alles beginnt damit, dass der Erzähler, der leicht beeinträchtigte Rico, eine in Sauce getunkte Rigatoni auf dem Gehsteig findet. Überraschenderweise beschäftigt es ihn, wer wohl so etwas aus dem Fenster wirft, und er macht sich auf die Suche nach dem Fundnudelursprung. Dabei lernen die Leser nicht nur Ricos Nachbarschaft, das einfühlsam beschriebene Biotop rund um die Dieffenbachstraße in Kreuzberg, kennen, sondern Rico trifft bei seinen Recherchen auch auf den schlauen Oskar, der stets einen Vollvisierhelm trägt (schließlich ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste). Ihr erster gemeinsamer Ausflug soll aufs Dachgeschoss von Ricos Wohnblock führen, aber sie sind im Stiegenhaus zu laut, was den miesepetrigen Nachbarn Herrn Fitzke auf den Plan ruft:

Im nächsten Moment krachte es, eine Tür flog auf und eine Welle üblen Geruchs schlug uns entgegen. Fitzke stand in seinem verlotterten gestreiften Schalfanzug vor uns wie der Racheengel aller Altkleidersammler. Seit ich ihn am Samstag zuletzt gesehen hatte, hatte er sich immer noch nicht rasiert und anscheinend auch nicht gekämmt, und da hatte er schon ausgesehen wie ein Wischmopp, der in einer Steckdose steckt.
„Geht’s noch lauter, ja?“, polterte er los. „Ich hab’s am Herzen! Was soll denn dieser Lärm im –“ Er unterbrach sich und starrte überrascht Oskar an, der mindestens drei Meter kleiner war als er. Oskar klappte blitzschnell sein Visier runter und starrte zurück.
„Was bist denn du für’n komischer Vogel? Hat der Schwachkopf sich Verstärkung aus der Klapsmühle geholt, oder was?“
Keine Antwort.
„Kannste nicht sprechen?“ Fitzke klopfte mit einem Finger dreimal fest auf den Helm. „Hallo? Ich hab dich was gefragt!“
„Sie müffeln!“, dröhnte Oskar plötzlich durch das Visier. „In den Entwicklungsländern ist mangelnde Hygiene eine der häufigsten Todesursachen! Sie sollten dankbar sein, dass es bei uns fließendes warmes Wasser und Seife gibt. Und Sie sollten davon Gebrauch machen.“ (Seite 75-76)

Besonders charmant an diesem Buch finde ich Steinhöfels Wortschöpfungen (man speist zum Beispiel abends keine belegten Brötchen sondern „Müffelchen“), die überraschenden Vergleiche von Rico („Eine Depression ist, wenn alle deine Gefühle in einem Rollstuhl sitzen. Sie haben keine Arme mehr und es ist auch gerade niemand zum Schieben da. Womöglich sind auch die Reifen platt. Macht sehr müde.“ Seite 163) und die großteils nicht vorhersehbare Handlung sowie das sehr spannende Ende, das den jüngeren LerserInnen schon einen Schauer über den Rücken jagen wird. Es wundert mich überhaupt nicht, dass dieses wunderbare Buch 2014 verfilmt wurde und 2009 den Deutschen Jugendbuchpreis und den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis erhalten hat.

Übrigens hat Andreas Steinhöfel bei einer Lesung in Wolfenbüttel (siehe auch hier) im Juni 2018 erzählt, welche kulturell bedingten Veränderungen in den Übersetzungen seiner Rico, Oskar und…-Bücher vorkommen: Aus der koreanischen Übersetzung wurde z. Bsp. das homosexuelle Paar entfernt, in den USA strich man die Begutachtung der „Hängebusen“ von Ricos Mutter, in Saudi-Arabien bestand man darauf, dass den zwei nacktbadenden Jungs am Cover von Band 3 ein Höschen verpasst werde, und der englische Verlag wollte partout, dass die Handlung nach London verlegt werde (dem gab Steinhöfel nicht nach, daraufhin verweigerte der Verlag die Publikation der englischen Ausgabe, was auch eine US-Verfilmung verhinderte).

Der sympathische Autor hat unter anderem den Erich-Kästner-Preis für Literatur, den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein Gesamtwerk und den James-Krüss-Preis erhalten. Als erster Kinder-und Jugendbuchautor ist er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Steinhöfel hatte die Geschichte ursprünglich als Trilogie geplant, allerdings schrieb er dann noch einen vierten Band, in dem das Duo um zusätzliche Kinder erweitert wird. Ein fünfter Band ist laut Wikipedia in Planung und soll die Bandengeschichte abschließen. Der erste Band, Rico, Oskar und die Tieferschatten, wurde auch fürs Theater adaptiert, es gibt ein Hörbuch, ein Musical, Unterrichtsmaterialien und vieles mehr. Dieses Buch ist auf allen Ebenen ein voller Erfolg!

Andreas Steinhöfel. Rico, Oskar und die Tieferschatten. Hamburg: Carlsen Verlag, 2008.

Linda Chapman: Sternenschweif. Geheimnisvolle Verwandlung

Linda Chapman Sternenschweif Geheimnisvolle Verwandlung Buchtipp Kinderbuchblogg Brigitte Wallinger Feuer und Flamme fuer junge Literatur

Zielgruppe: Mädchen und pferdeliebende Jungs; 6-11 Jahre
Leselevel: 3 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 3 von 5 Wissensstufen
Humor: 4 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

126 Seiten, gebundene Ausgabe um € 8,99

Themen: Pony, Freundschaft, Einhorn, Abenteuer, Reiten

Eine Pflichtlektüre für PferdeliebhaberInnen: Die bezaubernde Laura zieht mit ihrer Familie aufs Land und darf sich ein Pony aussuchen. Sie entscheidet sich für den unauffälligen „Sternenschweif“ und ahnt noch nicht, dass er sich in ein Einhorn verwandeln kann. Stück für Stück kommt sie hinter sein magisches Geheimnis und erlebt mit ihrem Freund viele spannende Abenteuer, die Lina Chapman in ihrer fünfzehnteiligen Pferdebuchreihe beschreibt. (Das dazugehörige Hörbuch ist auch prima.) Auf Deutsch sind noch weitere Bände erschienen, die andere Autorinnen verfasst haben.

Man kann über den Kosmos Verlag übrigens sogar eine personalisierte Geburtstagsausgabe bestellen: In diesem Buch wird dann das beschenkte Kind zu einer der Hauptfiguren und besteht zusammen mit Laura und Sternenschweif ein Abenteuer (man muss nur die Haarfarbe, die Augenfarbe und natürlich den Namen des Kindes beim Bestellen angeben). Ein perfektes Geschenk für Liebhaberinnen der Serie. Auch die Adventskalender-Bücher kann ich wärmstens empfehlen. Bald schon werdet Ihr und Eure Kinder folgenden Spruch in- und auswendig kennen:

„Silberstern, Silberstern,
hoch am Himmel, bist so fern.
Funkelst hell und voller Macht,
brichst den Bann noch heute Nacht.
Lass dies Pony grau und klein
Endlich doch ein Einhorn sein.“ (102).

Die Sternenschweif Bände sind allesamt liebevolle, positive Bücher, in denen Probleme, die jedes Kind erlebt, durch den Zusammenhalt von Freunden und Familie gelöst werden. Zusätzlich zu den bezaubernden Geschichten ist natürlich die Einhornwelt ein wunderbarer Anreiz für die Phantasie der Kinder. Diese Buchreihe ist wirklich toll!

Linda Chapman. Sternenschweif: Geheimnisvolle Verwandlung. Übers. Bettina Schaub. Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlag, 2004.

Katherine Applegate: Der unvergleichliche Ivan

Katherine Applegate Der unvergleichliche Ivan  Buchempfehlung Buchtipp Kinderbuchblog Brigitte Wallinger Feuer und Flamme fuer junge Literatur tolles Buch lesenswert empfehlung
Ein poetisches Kinderbuch, geschrieben aus der Sicht eines Gorillas. Wunderschön!

Zielgruppe: Jungen und Mädchen ab 10 Jahren
Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 4 von 5 Wissensstufen
Humor: 4 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

264 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,95

Themen: Tiere, Freundschaft, Kunst, Gefangenschaft, Hoffnung

Der Silberrücken Ivan wir zusammen mit anderen exotischen Tieren in kleinen Käfigen als Attraktion in einem großen Einkaufszentrum gefangen gehalten. Mit Elefantendame Stella und Streunerhund Bob ist er befreundet, ebenso wie mit dem Kind Julia, der kleinen Tochter seines Pflegers. Der Roman wird aus Ivans Perspektive erzählt, was zu kurzen, wunderschön verfassten Kapiteln führt – schließlich sind Berggorillas keine Plaudertaschen wie etwa Schimpansen… Als Stella durch Verschulden des Zirkusbetreibers Mack stirbt und Elefantenbaby Ruby von ihm mit einem Hakenstock misshandelt wird, beschließt der „unvergleichliche Ivan“, seinem Namen gerecht zu werden und Ruby zu retten:
„Als alle Menschen gegangen sind, schicke ich Bob los, um nach Ruby zu sehen. ‚Wie geht es ihr?‘, frage ich, als er zurückkommt.
‚Sie zittert‘, sagt Bob. ‚Ich habe versucht, sie mit Stroh zuzudecken. Und ich habe ihr gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen soll, weil du sie retten wirst.‘
Ich starre ihn an. ‚Das hast du ihr so gesagt?‘
‚Du hast es Stella versprochen.‘ Bob senkt den Kopf. ‚Ich wollte doch nur, dass die Kleine sich besser fühlt.‘
‚Ich hätte das nicht versprechen dürfen, Bob. Ich wollte nur…‘ Ich zeige auf Stellas Zuhause, und einen Moment lang kommt es mir vor, als hätte ich plötzlich vergessen, wie man atmet. ‚Ich wollte Stella glücklich machen, glaube ich. Aber ich kann Ruby nicht retten. Ich kann ja noch nicht einmal mich selbst retten.‘
Ich lasse mich nach hinten auf den Rücken fallen. Der Betonboden ist hart und kalt wie immer, aber heute Nacht fühlt er sich an wie Eis.
Bob springt auf meinen Bauch. ‚Du bist der unvergleichliche Ivan‘, sagt er, ‚der mächtige Silberrücken‘“ (Seite 102-103). Und Ivan gelingt das Unmögliche!

Die kompakte Sprache des tierischen Erzählers ist bezaubernd, die Geschichte unglaublich fesselnd – und sie beruht auf einer wahren Begebenheit: 27 Jahre lang wurde der aus dem Kongo entführte Gorilla Ivan in einem amerikanischen Einkaufszentrum in einem Einzelkäfig gefangen gehalten. 2012 ist er schließlich verstorben, und Katherine Applegates Roman verleiht ihm eine Stimme, die Gehör findet: Das berührende Buch ist ein New York Times Bestseller und Gewinner der John Newbery Medaille.

Katherine Applegate. Der unvergleichliche Ivan. München: Knesebeck, 2014. Übersetzt von Ingrid Ickler

Gabrielle Kent: Alfie Bloom: Das Geheimnis der Drachenburg

Gabrielle Kent Alfie Bloom Das Geheimnis der Drachenburg Brigitte Wallingers Kinderbuchblog Buchtipp Buchempfehlung mega toll super genial
Alfie Bloom ist ein Glücksfall für alle lesewütigen Zwei- und Vierbeiner! Dieses Buch ist total spannend, super geschrieben bzw. übersetzt und wahnsinnig witzig! Die Kids werden Alfie Bloom: Das Geheimnis der Drachenburg geradezu verschlingen.

Zielgruppe: Jungen und Mädchen ab 10 Jahren; auch für abenteuerlustige, magieaffine Erwachsene geeignet 🙂

Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 2 von 5 Wissensstufen
Humor: 5 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

311 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12,99

Themen: Freundschaft, Magie, Drachen, Geheimnisse, fliegendes Bärenfell, Zauberburg, Druiden

Der elfjährige Halbwaise Alfie kommt aus bescheidenen Verhältnissen, sein Vater ist ein unkonventioneller Erfinder und viele seiner Mitschüler würden ihn wohl als „Opfer“ bezeichnen. Das Blatt wendet sich allerdings, als er eine magische Burg erbt, samt geheimnisvollem Butler, fliegendem Fell und gefährlichem Drachenkerker. Ein fantastisches Abenteuer jagt das nächste und es bleibt bis zum Schluss spannend. Alfies Cousin Robin, seine Cousine Madeleine und seine Freundin Amy stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite, und zusammen entwirren sie das Geheimnis rund um den Druiden Orin Hopcraft und dessen Burg.

Auf der Suche nach Orin Hopcrafts Studierzimmer erwecken Alfie, Robin und Madelaine mithilfe einer Zauberpfeife ihren zukünftigen Freund Artan zum Leben:
„Vor dem Kamin lag ein Bärenfellteppich, dem Robin gerade ins offene Maul spähte.
‚Der muss ziemlich furchterregend gewesen sein, als er noch gelebt hat‘, sagte Madelaine und strich über den pelzigen Teppich, während Alfie ein letztes Mal in das Pfeifchen blies.
‚Sehr freundlich von dir, das zu sagen, Kleines‘, erwiderte eine tiefe, grollende Stimme. Im selben Moment hob sich der Kopf des Bären und wandte sich ihnen zu.
Alfie verschluckte beinahe die kleine Pfeife. Robin krabbelte hektisch ein paar Meter rückwärts und hatte es dermaßen eilig, von dem sprechenden Teppich wegzukommen, dass er Madelaine von den Beinen fegte. Alle drei sahen fassungslos zu, wie der Bär sanft ein Stück in die Höhe schwebte und sich nach einem lautstarken Gähner zu schütteln begann wie ein Hund nach dem Schaumbad. Eine jahrhundertealte Schicht aus Staub und lockeren Fellhaaren wirbelte durch das Zimmer.
Als er schließlich einigermaßen zufrieden schien, wandte der Bär sich an Alfie, dessen Wuschelkopf jetzt komplett von Staub bedeckt war.
‚Also dann, Jungchen. Ich hab viel zu lange geschlafen und könnte es ganz gut vertragen, mir ein bisschen den Wind durch den Pelz wehen zu lassen. Und da du mich geweckt hast, darfst du auch bestimmen, wo’s hingeht.‘
Alfie starrte auf die schimmernden Glasaugen und das grinsende Bärenmaul und überlegte fieberhaft, ob er antworten oder doch lieber um sein Leben rennen sollte. Der Bär hingegen schien diese Reaktion sehr zu genießen, denn er rollte theatralisch die Augen und sagte dann übertrieben langsam und laut, so als spräche er mit einem Schwerhörigen: ‚WO WÜRDEST DU GERNE HIN?‘“ (Seite 108-109).

Alfies erstes Abenteuer ist wirklich genial, was man – wenn man den Rezensionen der Online-Leserschaft Glauben schenkt – von den beiden Folgebänden nicht behaupten kann. Ich habe soeben Band 1 fertiggelesen und bin total begeistert. Sollten Band 2 und 3 auch toll sein, werde ich sie auf meinem Blog empfehlen, ansonsten genießt einfach nur dieses Buch!

Die Autorin Gabrielle Kent arbeitete übrigens über fünfzehn Jahre lang in der Videospielbranche, unterrichtet nun Spielentwicklung und -design an der Teesside Universität und organisiert Animex, Englands größtes Festival für Computerspiele und Animation. Die super Story dieses Buches überrascht mich vor diesem Hintergrund überhaupt nicht!

Gabrielle Kent. Alfie Bloom: Das Geheimnis der Drachenburg. Köln: Schneiderbuch EGMONT, 2015. Aus dem Englischen übersetzt von Kai Kilian.

Otfried Preußler: Der Räuber Hotzenplotz

Kinderbuch Otfried Pressier Der Räuber Hotzenplotz Buchtipp Buchempfehlung geniales Buch toll Kinderbuchblog Brigitte Walliser
Die Begeisterung über den vierten, posthum entdeckten Band des Kinderbuchklassikers ist riesig! Ich freue mich wie wild auf „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“, der am 17. Juli erscheinen wird. Einstweilen bitte Band 1-3 lesen. Hier meine Empfehlung für Band 1, „Der Räuber Hotzenplotz“:

Zielgruppe: Kinder von 5 – 9 Jahren
Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 2 von 5 Wissensstufen
Humor: 5 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten
128 Seiten, gebundene Ausgabe um € 11,99
Themen: Kasperl, Seppel, Räuber, Großmutter, Zauberer, Abenteuer

Zwei Daumen nach oben für dieses witzige Kultbuch!

Der Räuber Hotzenplotz stiehlt die Kaffeemühle von Kasperls Großmutter. Natürlich versuchen Kasperl und sein treuer, wenn auch etwas begriffsstutziger Freund Seppel diese wieder zurückzubekommen. Dabei geraten die beiden leider in Gefangenschaft: einer muss dem Hotzenplotz dienen, der andere dem bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann. Als der Räuber dem Zauberer Kasperl als Dienstboten anbietet, spielt sich folgende Szene ab:

„Hotzenplotz knüpfte die Schnur auf, mit der er das obere Ende des Sackes zugeschnürt hatte. Der Sack glitt herunter, zum Vorschein kam Kasperl mit Seppels Hut auf dem Kopf.
Petrosilius Zwackelmann schnackelte mit den Fingern und zauberte seine Brille herbei. Er setzte sie auf die Nase und musterte Kasperl durchdringend. Kasperl machte das dümmste Gesicht, das er machen konnte.
‚Ist er so dumm, wie er aussieht?‘, fragte der große Zauberer Zwackelmann.
‚Mindestens‘, sagte Hotzenplotz.
‚Das ist gut‘, sagte Zwackelmann, ‚das ist sehr gut! Wie heißt er denn?‘
‚Seppel.‘
‚Aha. – Also, Seppel, ich nehme dich. Kannst du Kartoffeln schälen?‘
‚Natürlich, Herr Schnackelmann!‘
Petrosilius Zwackelmann brauste auf.
‚Du verdrehst meinen Namen, Kerl?‘, rief er zornig. ‚Ich bin auch nicht einfach ein Herr, ich verlange von dir die Anrede ‚Großer Zauberer Petrosilius Zwackelmann‘! Merk dir das ein für alle Mal!‘
‚Sehr wohl, großer Zauberer Zeprodilius Wackelzahn!‘, sagte Kasperl ganz unschuldig“ (Seite 45).

Keine Sorge, Kasperl und Seppel kommen frei und alles endet gut, allerdings werden bis dahin die Lachmuskeln ordentlich strapaziert. Was für ein geniales Kinderbuch!

Otfried Preußler. Der Räuber Hotzenplotz. Stuttgart: Thienemann, 2012 (Erstpublikation 1962).