Mary Pope Osborne. Das magische Baumhaus: Der geheimnisvolle Ritter

Mary Pope Osborne Das magische Baumhaus Der geheimnisvolle Ritter Buchtipp Kinderbuchblog Brigitte Wallinger Jugendbuchblog Buchempfehlung zum Selberlesen ab 8 Jahren
Zielgruppe: Jungen und Mädchen ab 8

96 Seiten, gebundene Ausgabe um € 7,95

Themen: Ritter, Kerker, Waffenkammer, Baumhaus, Geschwister

Leselevel: ♦♦◊◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦◊
Elternvergnügen:♦♦♦♦◊

Der geheimnisvolle Ritter von Mary Pope Osborne ist ein schönes Buch zum Selberlesen für Kinder ab 8. Es ist Band 2 der 53 deutsche Titel umfassenden Kinderbuchserie Das magische Baumhaus. Mit besagtem Baumhaus und dessen Büchern können sich die Geschwister Philipp und Anne an einen Ort ihrer Wahl teleportieren. In Der geheimnisvolle Ritter erkunden die beiden eine Ritterburg. Im Prinzip ist das Buch ein Rittersachbuch, dessen Infos in eine spannende Geschichte verpackt sind. Die Seitenzahl ist begrenzt und somit ideal für Kinder, die noch nicht so lange selber lesen. Das Baumhaus ist bei vielen meiner jüngeren Verwandten äußerst beliebt, besonders oft wurde mir außer dem Ritterband noch Im Tal der Dinosaurier und Das Geheimnis der Mumie empfohlen.

Mein Exemplar von Der geheimnisvolle Ritter wurde übrigens 2013 gedruckt, und zwar in der 15. Auflage! Unglaublich… Die 1949 geborene Erfolgsautorin hat einen beeindruckenden Lebenslauf: Als Kind lebte sie auf verschiedensten US-Militärstützpunkten (unter anderem in Österreich!), als junge Frau erlebte sie in vielen Ländern Unglaubliches (Höhlenleben auf Kreta, Erdbeben in Afghanistan, Blutvergiftung in Kathmandu, … Am besten besucht Ihr ihre offizielle Homepage und lest die ganze Lebensgeschichte nach) und schließlich, als sie ihre Berufung, das Schreiben, fand, kam der ganz große Erfolg mit ihren wunderbaren Baumhausbüchern.

Mary Pope Osborne. Das magische Baumhaus: Der geheimnisvolle Ritter. Illustrationen von Jutta Knipping. Bindlach: Loewe Verlag, 2000. Übersetzt von Sabine Rahn.

https://www.mthclassroomadventures.org/gift-time/marys-story

Christine Nöstlinger: Fußballgeschichten vom Franz

Christine Nöstlinger Fußballgeschichten vom Franz Buchtipp WM Kinderbuchempfehlung Brigitte Wallingers Kinderbuchblog
Zielgruppe: Jungen und Mädchen ab 6 Jahren
64 Seiten, gebundene Ausgabe um € 7,99
Themen: Fußball, Freundschaft, Streit

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Das Fußballfieber hat alle WM-Fans gepackt, genauso wie den Franz, eine beliebte Kinderbuchfigur von Christine Nöstlinger. Der liebenswerte Knirps mit der Wuschelmähne und der Piepsistimme erlebt humorvolle Abenteuer und macht so ziemlich alles durch, was ein Kinderherz bewegt. In dieser Geschichte geht er beim Fußballspielen mit seinen Klassenkameraden k. o., als ihn „ein hundsgemein scharfer Ball“ am Kopf trifft (8). Die Jungs lassen ihn daraufhin nicht mehr mitspielen, weil er „zu ‚mickrig‘ für ein ‚hartes Match‘“ sei (13). Als dann aber dem „FC Girls“ die achte Spielerin abhanden kommt, springt der Franz ein. Ein Bub im Mädchenteam, na das kann ja heiter werden… 🙂

Von 1984 bis 2011 veröffentlichte Christine Nöstlinger, die Grande Dame der österreichischen Kinderbuchszene, ihre Franzgeschichten. Alle 19 Franzbücher, die übrigens von Mister Olchi, Erhard Dietl, bebildert wurden, sprechen der jungen Leserschaft Mut zu – und den kann man immer brauchen, nicht nur beim Kicken!

Wie die österreichische Tageszeitung Der Standard am 22.6.2018 berichtete, gab Christine Nöstlinger wenige Wochen vor ihrem Tod bekannt, keine Kinderbücher mehr schreiben zu wollen. „Wie soll ich denn wissen, was Kinder bewegt, wenn sie einen halben Tag lang über dem Smartphone sitzen“, wurde die Autorin zitiert. Auch Andreas Steinhöfel, der Verfasser von Rico, Oskar und die Tieferschatten, sagte mir in Wolfenbüttel, es falle ihm schwer, sich in den Quasi-Autismus der Jugendlichen hinein zu fühlen. Ich finde das irgendwie traurig, aber heutzutage verbringen Teenies eben wirklich viel Zeit mit ihrem Smartphone. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass unsere Kids weiterhin gerne gute Bücher lesen.

Am 28. Juni 2018 verstarb diese wundervolle Schriftstellerin in ihrer Geburtsstadt Wien. Sie war eine der ersten KinderbuchautorInnen, die den Kids auf Augenhöhe begegneten, die Eltern in ihre Bücher einbanden, die unrecht hatten, und die die Kleinen nicht vor unangenehmen Themen fern hielten. Für sie waren Kinderbücher keine „Pädagogikpillen, gewickelt in buntes Geschichterlpapier“ (zitiert im Standard-Nachruf vom 13.7.18). Sie war eine freie Frau mit großem Herz und dicker „Zivilisationshaut“. Nicht besonders kinderlieb, wie sie einmal augenzwinkernd in der TV-Sendung Willkommen Österreich sagte, sondern sehr menschenlieb. Heiß und innig liebe ich ihre Bücher, und ich bin mir sicher, dass auch die kommenden Generationen den Franz, die Friederike und Gretchen Sackmeier verehren werden.

Christine Nöstlinger. Fußballgeschichten vom Franz. Bilder von Erhard Dietl. Hamburg: Verlag Friedrich Oetinger, 2002.

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und die Tieferschatten

Andreas Steinhöfel Rico Oskar und die Tieferschatten Buchempfehlung Kinderbuchblog Brigitte Wallinger Feuer und Flamme für junge Literatur Buchtipp geniales Kinderbuch
Zielgruppe: Kinder von 9 bis 13 Jahren
Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 3 von 5 Wissensstufen
Humor: 5 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

224 Seiten, TB um € 6,99

Themen: Freundschaft, Krimi, Tief- und Hochbegabung

Ein witziges, spannendes und exzellent geschriebenes Buch über das Dreamteam Rico und Oskar, der eine tiefbegabt, der andere hochbegabt. Sie leben in Berlin, freunden sich an und lösen einen Kriminalfall (ein Kindesentführer treibt sein Unwesen). Alles beginnt damit, dass der Erzähler, der leicht beeinträchtigte Rico, eine in Sauce getunkte Rigatoni auf dem Gehsteig findet. Überraschenderweise beschäftigt es ihn, wer wohl so etwas aus dem Fenster wirft, und er macht sich auf die Suche nach dem Fundnudelursprung. Dabei lernen die Leser nicht nur Ricos Nachbarschaft, das einfühlsam beschriebene Biotop rund um die Dieffenbachstraße in Kreuzberg, kennen, sondern Rico trifft bei seinen Recherchen auch auf den schlauen Oskar, der stets einen Vollvisierhelm trägt (schließlich ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste). Ihr erster gemeinsamer Ausflug soll aufs Dachgeschoss von Ricos Wohnblock führen, aber sie sind im Stiegenhaus zu laut, was den miesepetrigen Nachbarn Herrn Fitzke auf den Plan ruft:

Im nächsten Moment krachte es, eine Tür flog auf und eine Welle üblen Geruchs schlug uns entgegen. Fitzke stand in seinem verlotterten gestreiften Schalfanzug vor uns wie der Racheengel aller Altkleidersammler. Seit ich ihn am Samstag zuletzt gesehen hatte, hatte er sich immer noch nicht rasiert und anscheinend auch nicht gekämmt, und da hatte er schon ausgesehen wie ein Wischmopp, der in einer Steckdose steckt.
„Geht’s noch lauter, ja?“, polterte er los. „Ich hab’s am Herzen! Was soll denn dieser Lärm im –“ Er unterbrach sich und starrte überrascht Oskar an, der mindestens drei Meter kleiner war als er. Oskar klappte blitzschnell sein Visier runter und starrte zurück.
„Was bist denn du für’n komischer Vogel? Hat der Schwachkopf sich Verstärkung aus der Klapsmühle geholt, oder was?“
Keine Antwort.
„Kannste nicht sprechen?“ Fitzke klopfte mit einem Finger dreimal fest auf den Helm. „Hallo? Ich hab dich was gefragt!“
„Sie müffeln!“, dröhnte Oskar plötzlich durch das Visier. „In den Entwicklungsländern ist mangelnde Hygiene eine der häufigsten Todesursachen! Sie sollten dankbar sein, dass es bei uns fließendes warmes Wasser und Seife gibt. Und Sie sollten davon Gebrauch machen.“ (Seite 75-76)

Besonders charmant an diesem Buch finde ich Steinhöfels Wortschöpfungen (man speist zum Beispiel abends keine belegten Brötchen sondern „Müffelchen“), die überraschenden Vergleiche von Rico („Eine Depression ist, wenn alle deine Gefühle in einem Rollstuhl sitzen. Sie haben keine Arme mehr und es ist auch gerade niemand zum Schieben da. Womöglich sind auch die Reifen platt. Macht sehr müde.“ Seite 163) und die großteils nicht vorhersehbare Handlung sowie das sehr spannende Ende, das den jüngeren LerserInnen schon einen Schauer über den Rücken jagen wird. Es wundert mich überhaupt nicht, dass dieses wunderbare Buch 2014 verfilmt wurde und 2009 den Deutschen Jugendbuchpreis und den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis erhalten hat.

Übrigens hat Andreas Steinhöfel bei einer Lesung in Wolfenbüttel (siehe auch hier) im Juni 2018 erzählt, welche kulturell bedingten Veränderungen in den Übersetzungen seiner Rico, Oskar und…-Bücher vorkommen: Aus der koreanischen Übersetzung wurde z. Bsp. das homosexuelle Paar entfernt, in den USA strich man die Begutachtung der „Hängebusen“ von Ricos Mutter, in Saudi-Arabien bestand man darauf, dass den zwei nacktbadenden Jungs am Cover von Band 3 ein Höschen verpasst werde, und der englische Verlag wollte partout, dass die Handlung nach London verlegt werde (dem gab Steinhöfel nicht nach, daraufhin verweigerte der Verlag die Publikation der englischen Ausgabe, was auch eine US-Verfilmung verhinderte).

Der sympathische Autor hat unter anderem den Erich-Kästner-Preis für Literatur, den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein Gesamtwerk und den James-Krüss-Preis erhalten. Als erster Kinder-und Jugendbuchautor ist er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Steinhöfel hatte die Geschichte ursprünglich als Trilogie geplant, allerdings schrieb er dann noch einen vierten Band, in dem das Duo um zusätzliche Kinder erweitert wird. Ein fünfter Band ist laut Wikipedia in Planung und soll die Bandengeschichte abschließen. Der erste Band, Rico, Oskar und die Tieferschatten, wurde auch fürs Theater adaptiert, es gibt ein Hörbuch, ein Musical, Unterrichtsmaterialien und vieles mehr. Dieses Buch ist auf allen Ebenen ein voller Erfolg!

Andreas Steinhöfel. Rico, Oskar und die Tieferschatten. Hamburg: Carlsen Verlag, 2008.

Linda Chapman: Sternenschweif. Geheimnisvolle Verwandlung

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Zielgruppe: Mädchen und pferdeliebende Jungs; 6-11 Jahre
Leselevel: 3 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 3 von 5 Wissensstufen
Humor: 4 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

126 Seiten, gebundene Ausgabe um € 8,99

Themen: Pony, Freundschaft, Einhorn, Abenteuer, Reiten

Eine Pflichtlektüre für PferdeliebhaberInnen: Die bezaubernde Laura zieht mit ihrer Familie aufs Land und darf sich ein Pony aussuchen. Sie entscheidet sich für den unauffälligen „Sternenschweif“ und ahnt noch nicht, dass er sich in ein Einhorn verwandeln kann. Stück für Stück kommt sie hinter sein magisches Geheimnis und erlebt mit ihrem Freund viele spannende Abenteuer, die Lina Chapman in ihrer fünfzehnteiligen Pferdebuchreihe beschreibt. (Das dazugehörige Hörbuch ist auch prima.) Auf Deutsch sind noch weitere Bände erschienen, die andere Autorinnen verfasst haben.

Man kann über den Kosmos Verlag übrigens sogar eine personalisierte Geburtstagsausgabe bestellen: In diesem Buch wird dann das beschenkte Kind zu einer der Hauptfiguren und besteht zusammen mit Laura und Sternenschweif ein Abenteuer (man muss nur die Haarfarbe, die Augenfarbe und natürlich den Namen des Kindes beim Bestellen angeben). Ein perfektes Geschenk für Liebhaberinnen der Serie. Auch die Adventskalender-Bücher kann ich wärmstens empfehlen. Bald schon werdet Ihr und Eure Kinder folgenden Spruch in- und auswendig kennen:

„Silberstern, Silberstern,
hoch am Himmel, bist so fern.
Funkelst hell und voller Macht,
brichst den Bann noch heute Nacht.
Lass dies Pony grau und klein
Endlich doch ein Einhorn sein.“ (102).

Die Sternenschweif Bände sind allesamt liebevolle, positive Bücher, in denen Probleme, die jedes Kind erlebt, durch den Zusammenhalt von Freunden und Familie gelöst werden. Zusätzlich zu den bezaubernden Geschichten ist natürlich die Einhornwelt ein wunderbarer Anreiz für die Phantasie der Kinder. Diese Buchreihe ist wirklich toll!

Linda Chapman. Sternenschweif: Geheimnisvolle Verwandlung. Übers. Bettina Schaub. Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlag, 2004.

Katherine Applegate: Der unvergleichliche Ivan

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Ein poetisches Kinderbuch, geschrieben aus der Sicht eines Gorillas. Wunderschön!

Zielgruppe: Jungen und Mädchen ab 10 Jahren
Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 4 von 5 Wissensstufen
Humor: 4 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

264 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,95

Themen: Tiere, Freundschaft, Kunst, Gefangenschaft, Hoffnung

Der Silberrücken Ivan wir zusammen mit anderen exotischen Tieren in kleinen Käfigen als Attraktion in einem großen Einkaufszentrum gefangen gehalten. Mit Elefantendame Stella und Streunerhund Bob ist er befreundet, ebenso wie mit dem Kind Julia, der kleinen Tochter seines Pflegers. Der Roman wird aus Ivans Perspektive erzählt, was zu kurzen, wunderschön verfassten Kapiteln führt – schließlich sind Berggorillas keine Plaudertaschen wie etwa Schimpansen… Als Stella durch Verschulden des Zirkusbetreibers Mack stirbt und Elefantenbaby Ruby von ihm mit einem Hakenstock misshandelt wird, beschließt der „unvergleichliche Ivan“, seinem Namen gerecht zu werden und Ruby zu retten:
„Als alle Menschen gegangen sind, schicke ich Bob los, um nach Ruby zu sehen. ‚Wie geht es ihr?‘, frage ich, als er zurückkommt.
‚Sie zittert‘, sagt Bob. ‚Ich habe versucht, sie mit Stroh zuzudecken. Und ich habe ihr gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen soll, weil du sie retten wirst.‘
Ich starre ihn an. ‚Das hast du ihr so gesagt?‘
‚Du hast es Stella versprochen.‘ Bob senkt den Kopf. ‚Ich wollte doch nur, dass die Kleine sich besser fühlt.‘
‚Ich hätte das nicht versprechen dürfen, Bob. Ich wollte nur…‘ Ich zeige auf Stellas Zuhause, und einen Moment lang kommt es mir vor, als hätte ich plötzlich vergessen, wie man atmet. ‚Ich wollte Stella glücklich machen, glaube ich. Aber ich kann Ruby nicht retten. Ich kann ja noch nicht einmal mich selbst retten.‘
Ich lasse mich nach hinten auf den Rücken fallen. Der Betonboden ist hart und kalt wie immer, aber heute Nacht fühlt er sich an wie Eis.
Bob springt auf meinen Bauch. ‚Du bist der unvergleichliche Ivan‘, sagt er, ‚der mächtige Silberrücken‘“ (Seite 102-103). Und Ivan gelingt das Unmögliche!

Die kompakte Sprache des tierischen Erzählers ist bezaubernd, die Geschichte unglaublich fesselnd – und sie beruht auf einer wahren Begebenheit: 27 Jahre lang wurde der aus dem Kongo entführte Gorilla Ivan in einem amerikanischen Einkaufszentrum in einem Einzelkäfig gefangen gehalten. 2012 ist er schließlich verstorben, und Katherine Applegates Roman verleiht ihm eine Stimme, die Gehör findet: Das berührende Buch ist ein New York Times Bestseller und Gewinner der John Newbery Medaille.

Katherine Applegate. Der unvergleichliche Ivan. München: Knesebeck, 2014. Übersetzt von Ingrid Ickler

Gabrielle Kent: Alfie Bloom: Das Geheimnis der Drachenburg

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Alfie Bloom ist ein Glücksfall für alle lesewütigen Zwei- und Vierbeiner! Dieses Buch ist total spannend, super geschrieben bzw. übersetzt und wahnsinnig witzig! Die Kids werden Alfie Bloom: Das Geheimnis der Drachenburg geradezu verschlingen.

Zielgruppe: Jungen und Mädchen ab 10 Jahren; auch für abenteuerlustige, magieaffine Erwachsene geeignet 🙂

Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 2 von 5 Wissensstufen
Humor: 5 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

311 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12,99

Themen: Freundschaft, Magie, Drachen, Geheimnisse, fliegendes Bärenfell, Zauberburg, Druiden

Der elfjährige Halbwaise Alfie kommt aus bescheidenen Verhältnissen, sein Vater ist ein unkonventioneller Erfinder und viele seiner Mitschüler würden ihn wohl als „Opfer“ bezeichnen. Das Blatt wendet sich allerdings, als er eine magische Burg erbt, samt geheimnisvollem Butler, fliegendem Fell und gefährlichem Drachenkerker. Ein fantastisches Abenteuer jagt das nächste und es bleibt bis zum Schluss spannend. Alfies Cousin Robin, seine Cousine Madeleine und seine Freundin Amy stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite, und zusammen entwirren sie das Geheimnis rund um den Druiden Orin Hopcraft und dessen Burg.

Auf der Suche nach Orin Hopcrafts Studierzimmer erwecken Alfie, Robin und Madelaine mithilfe einer Zauberpfeife ihren zukünftigen Freund Artan zum Leben:
„Vor dem Kamin lag ein Bärenfellteppich, dem Robin gerade ins offene Maul spähte.
‚Der muss ziemlich furchterregend gewesen sein, als er noch gelebt hat‘, sagte Madelaine und strich über den pelzigen Teppich, während Alfie ein letztes Mal in das Pfeifchen blies.
‚Sehr freundlich von dir, das zu sagen, Kleines‘, erwiderte eine tiefe, grollende Stimme. Im selben Moment hob sich der Kopf des Bären und wandte sich ihnen zu.
Alfie verschluckte beinahe die kleine Pfeife. Robin krabbelte hektisch ein paar Meter rückwärts und hatte es dermaßen eilig, von dem sprechenden Teppich wegzukommen, dass er Madelaine von den Beinen fegte. Alle drei sahen fassungslos zu, wie der Bär sanft ein Stück in die Höhe schwebte und sich nach einem lautstarken Gähner zu schütteln begann wie ein Hund nach dem Schaumbad. Eine jahrhundertealte Schicht aus Staub und lockeren Fellhaaren wirbelte durch das Zimmer.
Als er schließlich einigermaßen zufrieden schien, wandte der Bär sich an Alfie, dessen Wuschelkopf jetzt komplett von Staub bedeckt war.
‚Also dann, Jungchen. Ich hab viel zu lange geschlafen und könnte es ganz gut vertragen, mir ein bisschen den Wind durch den Pelz wehen zu lassen. Und da du mich geweckt hast, darfst du auch bestimmen, wo’s hingeht.‘
Alfie starrte auf die schimmernden Glasaugen und das grinsende Bärenmaul und überlegte fieberhaft, ob er antworten oder doch lieber um sein Leben rennen sollte. Der Bär hingegen schien diese Reaktion sehr zu genießen, denn er rollte theatralisch die Augen und sagte dann übertrieben langsam und laut, so als spräche er mit einem Schwerhörigen: ‚WO WÜRDEST DU GERNE HIN?‘“ (Seite 108-109).

Alfies erstes Abenteuer ist wirklich genial, was man – wenn man den Rezensionen der Online-Leserschaft Glauben schenkt – von den beiden Folgebänden nicht behaupten kann. Ich habe soeben Band 1 fertiggelesen und bin total begeistert. Sollten Band 2 und 3 auch toll sein, werde ich sie auf meinem Blog empfehlen, ansonsten genießt einfach nur dieses Buch!

Die Autorin Gabrielle Kent arbeitete übrigens über fünfzehn Jahre lang in der Videospielbranche, unterrichtet nun Spielentwicklung und -design an der Teesside Universität und organisiert Animex, Englands größtes Festival für Computerspiele und Animation. Die super Story dieses Buches überrascht mich vor diesem Hintergrund überhaupt nicht!

Gabrielle Kent. Alfie Bloom: Das Geheimnis der Drachenburg. Köln: Schneiderbuch EGMONT, 2015. Aus dem Englischen übersetzt von Kai Kilian.

Otfried Preußler: Der Räuber Hotzenplotz

Kinderbuch Otfried Pressier Der Räuber Hotzenplotz Buchtipp Buchempfehlung geniales Buch toll Kinderbuchblog Brigitte Walliser
Die Begeisterung über den vierten, posthum entdeckten Band des Kinderbuchklassikers ist riesig! Ich freue mich wie wild auf „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“, der am 17. Juli erscheinen wird. Einstweilen bitte Band 1-3 lesen. Hier meine Empfehlung für Band 1, „Der Räuber Hotzenplotz“:

Zielgruppe: Kinder von 5 – 9 Jahren
Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦◊◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
128 Seiten, gebundene Ausgabe um € 11,99
Themen: Kasperl, Seppel, Räuber, Großmutter, Zauberer, Abenteuer

Zwei Daumen nach oben für dieses witzige Kultbuch!

Der Räuber Hotzenplotz stiehlt die Kaffeemühle von Kasperls Großmutter. Natürlich versuchen Kasperl und sein treuer, wenn auch etwas begriffsstutziger Freund Seppel diese wieder zurückzubekommen. Dabei geraten die beiden leider in Gefangenschaft: einer muss dem Hotzenplotz dienen, der andere dem bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann. Als der Räuber dem Zauberer Kasperl als Dienstboten anbietet, spielt sich folgende Szene ab:

„Hotzenplotz knüpfte die Schnur auf, mit der er das obere Ende des Sackes zugeschnürt hatte. Der Sack glitt herunter, zum Vorschein kam Kasperl mit Seppels Hut auf dem Kopf.
Petrosilius Zwackelmann schnackelte mit den Fingern und zauberte seine Brille herbei. Er setzte sie auf die Nase und musterte Kasperl durchdringend. Kasperl machte das dümmste Gesicht, das er machen konnte.
‚Ist er so dumm, wie er aussieht?‘, fragte der große Zauberer Zwackelmann.
‚Mindestens‘, sagte Hotzenplotz.
‚Das ist gut‘, sagte Zwackelmann, ‚das ist sehr gut! Wie heißt er denn?‘
‚Seppel.‘
‚Aha. – Also, Seppel, ich nehme dich. Kannst du Kartoffeln schälen?‘
‚Natürlich, Herr Schnackelmann!‘
Petrosilius Zwackelmann brauste auf.
‚Du verdrehst meinen Namen, Kerl?‘, rief er zornig. ‚Ich bin auch nicht einfach ein Herr, ich verlange von dir die Anrede ‚Großer Zauberer Petrosilius Zwackelmann‘! Merk dir das ein für alle Mal!‘
‚Sehr wohl, großer Zauberer Zeprodilius Wackelzahn!‘, sagte Kasperl ganz unschuldig“ (Seite 45).

Keine Sorge, Kasperl und Seppel kommen frei und alles endet gut, allerdings werden bis dahin die Lachmuskeln ordentlich strapaziert. Was für ein geniales Kinderbuch!

Otfried Preußler. Der Räuber Hotzenplotz. Stuttgart: Thienemann, 2012 (Erstpublikation 1962).

Mira Lobe: Die Omama im Apfelbaum

Buchcover von Mira Lobes Die Omama im Apfelbaum
Zielgruppe: Kinder ab 6 Jahren
Themen: Familie, Abenteuer, Fantasie
Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 3 von 5 Wissensstufen
Humor: 5 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

111 Seiten, gebundene Ausgabe, € 14,00

Ein superwitziges, herrlich formuliertes und von Susi Weigel wunderschön illustriertes Kinderbuch für Menschen ab 6.

Liebe Eltern! Dieses Buch ist ein Knaller! Es handelt vom kleinen Andi, der keine Oma hat, was er sehr bedauert. Also erfindet er – sehr zum Missfallen seiner Mama – eine Großmutter, trifft sich mit ihr im Apfelbaum und erlebt geniale Abenteuer mit der schrulligen Omama. Als eine nette ältere Dame mit „Rümatismus“ ins Nachbarhaus einzieht, hat er plötzlich zwei Omas und ist hin- und hergerissen.

Sprachlich merkt man dem Buch seine über 50 Jahre an, doch dieses Sechzigerjahre-Deutsch erschafft ein wunderbares Flair. Hier ein Beispiel von Andis erstem Ausflug mit der wilden Omama auf dem Rummelplatz:

Omama steckte das letzte Stück Schokolade in den Mund. „Hast du denn gar keinen Hunger, Andi?“, fragte sie. „Ich meine richtigen Hunger, zum Beispiel Würstel mit viel Senf?“
Auf Würstel hatte Andi fast immer Hunger, besonders auf die langen, saftigen, die so schön spritzten.
„Na also!“, sagte die Oma zufrieden.
Als sie mit den Würsteln fertig waren, wischte sich die Omama den Mund ab: „Uuuuu – der Senf war aber scharf! Jetzt wäre es gut, etwas Süßes zu essen. Was hältst du von gesponnenem Zucker?“
Sie schauten zu, wie der Zuckermann zwei Wattebäusche aus rosa Zucker um die Staberln spann.
„Iiii – das ist aber süß!“, sagte die Omama. „Es wird gut sein, darauf etwas Scharfes zu essen. Was hältst du von Würsteln mit Senf?“ (20-21).

Das ist eine Oma nach meinem Geschmack! Wer sie jetzt noch nicht heiß und innig liebt, der warte noch vier Seiten, bis die gnädige Frau mit Andi Straßenbahn fährt. Sie blickt nach oben und erspäht die baumelnde, lederne Klingelschnur:

„Du, Andi“, flüsterte die Omama, „ich hab so große Lust, an der Schnur zu ziehen.“
„Das darf man nicht!“, flüsterte Andi erschrocken zurück. „Sonst musst du Strafe zahlen!“
Die Omama seufzte und schaute weiter hinauf. „Wenn ich doch aber so sehr große Lust habe…“ (25)

Eh klar, was Omama machen wird. Und ganz elegant zieht sie sich mit ihren weißen Haarlöckchen und ihrem Federhut aus der Affäre, sodass der Straßenbahnfahrer nach der Vollbremsung sogar noch sagt: „Was für ein Glück, dass sie sich an der Klingelschnur festgehalten hat!“ (26)

Omama ist nicht nur herrlich rebellisch, sie hat auch noch ein himmelblaues Cabrio, das mehr Knöpfe als James Bonds Aston Martin vorweisen kann (nur anstatt Flammenwerfer und Schleudersitz gibt’s hier Knöpfe für Schmalzbrote und Weihnachtsmusik). Sie fängt mit Andi Wildpferde ein und sticht mit ihrem Enkel in See. Als Andi der hilfsbedürftigen Frau Fink beim Einzug ins Nachbarhaus hilft, bleibt für die imaginäre Oma immer weniger Zeit, aber natürlich geht alles gut aus…

Jedes Kind sollte mit einer Oma wie Andis Apfelbaum-Exemplar gesegnet sein, oder zumindest dieses Buch gelesen haben!

Mira Lobe. Die Omama im Apfelbaum. Wien: Verlag Jungbrunnen, 1965.

Jeanne Birdsall: Die Penderwicks: Eine Sommergeschichte mit vier Schwestern, zwei Kaninchen und einem sehr interessanten Jungen

Jeanne Birdsall Die Penderwicks Buchempfehlung Kinder Buben Mädchen Jungen Jungs Kinderbuch Buchtipp Bücherempfehlung Zielgruppe: Zum Vorlesen ab 5 Jahren, zum Selberlesen ab 10; für Buben und Mädchen
Kategorie: Kinderbuch; wäre aber auch ein tolles Vorlesebuch fürs Altersheim (allerdings würden den Rentnern vermutlich beim Lachen die Dritten raushüpfen)

Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Leselevel: ♦♦♦♦♦

286 Seiten, Taschenbuch um € 7,99
Themen: Familie, Freundschaft, Urlaub, Ferien, Abenteuer, Spaß

Achtung, Ihr lieben Astrid Lindgren- und Christine Nöstlinger-Fans! Eine weitere Grande-Dame schreibt Hammerbücher für Kinder. Sie ist genial, sie ist witzig und sie ist schlau: Die vielfach preisgekrönte, 1951 geborene US-Amerikanerin Jeanne Birdsall. 1992 erschafft sie in Anlehnung an Louisa May Alcotts Betty und ihre Schwestern die Penderwicks: vier Schwestern, die im Gegensatz zu ihren literarischen Vorbildern modern und witzig sind. Sehr witzig sogar! Rosalind ist 12, Sky 11, Jane 10 und Nesthäkchen Batty ist 4 Jahre alt. Der lateinliebende Botaniker Mr Penderwick und der alles zerkauende Hund Hound, Battys Schatten, komplettieren die Familie.

Im ersten von fünf Bänden, den Sylke Hachmeister brillant übersetzt hat, fährt die Rasselbande auf Urlaub und gerät in allerlei Schwierigkeiten. Als sie den Nachbarsjungen Jeffrey kennenlernen, bringen sie auch ihn in Schwierigkeiten. Ehrlich gesagt ist das ganze Buch so witzig, dass ich es auch Erwachsenen sehr empfehlen möchte. Das Besondere an Jeanne Birdsalls Erzählung ist, dass sie den Kindern aus dem Herzen spricht. Sie weiß wirklich noch, wie es ist, Kind zu sein, ganz ohne den ganzen Erwachsenenkram wie Kredite, Lebensmitteleinkäufe oder Steuerausgleiche.

Natürlich gibt es auch im Leben der Kinder Probleme, zum Beispiel wenn die Vierjährige beim Gänseblümchenpflücken auf einer Stierkoppel landet: „Batty hörte, dass es Jane war, die da schrie, und da Jane öfter mal schrie, häufiger als zum Beispiel Skye, war Batty nicht weiter beunruhigt. Trotzdem schaute sie von ihrem Käfer auf. Ein Bulle ist so viel größer als ein Käfer, dass Batty im ersten Moment nicht begriff, was sie sah. Sie schaute wieder auf den Käfer, der jetzt wohlbehalten einen anderen Gänseblümchenstiel hochkraxelte, und hoffte, das schwarze Ungeheuer würde verschwinden. Doch als sie wieder aufschaute, war es sogar noch einen Schritt näher gekommen. Es war nur fünf Meter von ihr entfernt. ‚Braves Pferdchen‘, sagte Batty hoffnungsvoll“ (Seite 69).

Zusätzlich zur humorvollen, unvorhersehbaren Geschichte ist das ganz normale Familienleben wahnsinnig witzig beschrieben, zum Beispiel hier, als der Vater seine Mädchen, die sich für die Geburtstagsparty eines Freundes herausgeputzt haben, fotografieren will:

„Jetzt alle lächeln!“, sagte Mr Penderwick und drückte auf den Knopf an seiner Kamera. Nichts passierte. „Auf den anderen Knopf, Daddy“, sagte Rosalind. „Ach so, ja.“ Über den Brillenrand hinweg betrachtete er die Kamera. Diesmal blitzte es. „Noch eins, Daddy. Hound hat nicht gelächelt“, sagte Batty. „Das steht ihm auch nicht zu“, sagte Skye. Vor einer halben Stunde hatte Hound sich auf Skyes – oder eigentlich auf Mrs Tiftons – silberne Schuhe erbrochen. Rosalind hatte die Schuhe gründlich gereinigt, aber jetzt schmatzte es bei jedem Schritt. „Sieht man auf dem Bild meine Knie?“, fragte Jane. Ihre Knie waren vom morgendlichen Fußballtraining zerschunden. „Ich hab dir doch gesagt, dass dein Rock die zerkratzten Stellen bedeckt“, sagte Rosalind. „Nun denn, also noch mal“, sagte Mr Penderwick. Es blitzt wieder. „Nein, Daddy! Battys Kaugummiseite hat zur Kamera gezeigt“, sagte Rosalind“ (Seite 110-111).

Es gelingt Mr P schließlich, ein schönes Bild von seinen Töchtern zu machen. Genauso wie es Jeanne Birdsall gelungen ist, eine kunterbunte, heitere, abenteuerliche Erzählung von vier fabelhaften Schwestern zu machen, die uns Leser, egal ob jung oder alt, zum Lachen bringt (und manchmal auch vor Rührung zum Weinen). Und das aller-, allerbeste an diesem Buch ist, dass noch vier weitere geniale Penderwickbände auf uns warten!

Jeanne Birdsall. Die Penderwicks: Eine Sommergeschichte mit vier Schwestern, zwei Kaninchen und einem sehr interessanten Jungen. Hamburg: Carlsen Verlag, 2008. Übersetzt von Sylke Hachmeister.

Jacqueline West: Olive und das Haus der Schatten

Zielgruppe: Mädchen und Jungen von 9-14 Jahren
Thema: Rätsel, Spannung, Mädchen, Katzen, Zauberer, magische Welt

Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 3 von 5 Wissensstufen
Humor: 3 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten
221 Seiten, gebundene Ausgabe, € 12,80

Für mutige Kinder, die nicht so leicht Angst bekommen, ist dieses gut geschriebene und fesselnde Buch. Der Spannungsbogen des Buches ist wirklich gelungen, für Zartbesaitete mag die ansonsten humorvolle Geschichte stellenweise zu unheimlich sein.

Die Heldin des Kinderbuches, Olive Dunwoody, zieht mit ihren Eltern in ein altes Haus, in dem viele Gemälde der Vorbesitzerin hängen. Bald findet Olive heraus, dass sie durch die Bilderrahmen in eine von einem bösen Zauberer beherrschte Geheimwelt steigen kann. Drei besonders große und gesprächige Katzen helfen ihr im Kampf gegen den Magier. Und Freund Morton, auf den sie in einem der Bilder trifft, steht ihr ebenfalls zur Seite, auch wenn er eine verdächtig glatte und kühle Haut hat…

Olives Eltern, beide Mathematiker, sind liebevoll und schrullig, und viele lustige Momente entstehen durch ihre naturwissenschaftliche Leidenschaft.

Die deutsche Übersetzung von Leonard Thamm ist gut gelungen. Die Illustrationen der englischen Originalausgabe sind allerdings viel ansprechender. Vielleicht ist das der Grund, warum nur zwei der fünf in Amerika sehr beliebten Elsewhere-Abenteuer  auf Deutsch erschienen sind.

Olive und das Haus der Schatten ist ein tolles Kinderbuch. Ich gebe eine klare Lese- und Kaufempfehlung für mutige Jungen und Mädchen ab, allerdings ist ängstlichen, nervösen Kindern von der Lektüre dieses Romans abzuraten. Man darf auf Olives nächstes Abenteuer gespannt sein: Band zwei der Serie, Im Bann der Magie, ist auch auf Deutsch erhältlich.

Jacqueline West. Olive und das Haus der Schatten. Übersetzt von Leonard Thamm. Mit Illustrationen von Ingrid und Dieter Schubert. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2010.