Interview mit Kveta Pacovska, BCBF 2019

Interview Kveta Pacovska Michael Neugebauer Brigitte Wallinger BCBF 2019 Kinderbuchmesse Bologna 2019 Kinderbuchblog Jugendbuchblog Buchtipp Bücherempfehlung Buchkritik Bilderbuch Kunstbuch neustes Interview Grande Dame Bucharchitektin

Kveta Pacovska, die kleine, zarte, über 90-jährige Dame, sitz am Tisch des knallroten Minedition Standes auf der Kinderbuchmesse in Bologna und guckt mich wach an (es ist der 3. April 2019). Sie sieht nach Künstlerin aus, schwarze Kleidung aus verschiedenen Materialien, Metallic-Nagellack, eine wunderschöne Frau. Dass sie etwas auf dem Kasten hat ist schon klar, bevor sie den Mund öffnet. Wir sprechen Englisch, doch dann fragt mich die Tschechin auf Deutsch, ob wir das Interview in deutscher Sprache machen wollen. Überrascht strahle ich sie an. Hinter mir reihen sich sofort weitere Pacovska-Fans ein, die nach meinem Interview um ein Autogramm bitten wollen. Eine asiatische Dame vor mir hatte Kveta um ein Selfie gebeten und ihr, noch bevor sie nein sagen konnte, ein Küsschen auf die Wange gedrückt. Andere Bewunderer filmen sie beim Signieren wie einen Panther hinter Gitterstäben. Meine Ausgabe von Pacovskas jüngstem Bilderbuch, Die Nimmtes-Nimmtes-Frau, das der Verlag Michael Neugebauer Edition 2018 zu Ehren ihres 90. Geburtstags herausgegeben hat, wird auch signiert. „Für Stella und Helena“ malt Pacovska in kraftvollen Strichen mit silbernem Metallicstift auf das schwarze Papier. Die Vornamen meiner Kinder werden wohl nie mehr schöner geschrieben werden, außer von ihnen selbst.


BW: Bei ihrer Signierstunde auf der Kinderbuchmesse in Bologna gestern herrschte gewaltiger Andrang. Bedeutet es Ihnen etwas, dass so viele Menschen Ihre Arbeit bewundern?
KP: Ja, das gibt mir sehr viel Kraft. Die Arbeit ist eine Sache, aber das hier ist auch sehr schön und macht mich glücklich.

BW: Ich empfinde ihre Bücher als Spielplatz, vor allem für die LeserInnen natürlich, aber vielleicht auch für Sie? Macht Ihnen das Kreieren ihrer Bilderbücher Spaß?

KP: Wenn ich arbeite, konzentriere ich mich ganz auf meine Arbeit. Das macht mir großen Spaß. Ich möchte es schön machen, es frei machen. Im Leben haben wir nicht so viele Freiheiten, aber in der Kunst schon.

BW: Hier auf der Buchmesse in Bologna stehen viele junge IllustratorInnen vor den Verlagsständen Schlange, um ihre Zeichnungen zu präsentieren. Was denken Sie, wenn sie diese jungen Leute sehen?

KP: Es erinnert mich an die Zeit, als ich selbst jung war. Ich bin damals auch mit einer großen Mappe von einem zum anderen gelaufen und habe meine Arbeiten gezeigt, um einen Auftrag zu bekommen. Hier in Bologna und auf der Frankfurter Buchmesse.

BW: Das ist nun sicher anders. Wenn sie jetzt ein Buchprojekt machen wollen, geht es vermutlich von Ihnen aus und Sie bieten es Ihrem Verlag an.

KP: Jetzt fragt mich der Verlag und ich mache es sehr gerne (lacht).

BW: Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken, welche Begegnungen, Publikationen oder Auszeichnungen sind für Sie von besonderer Bedeutung?

KP: Ich möchte nicht zurückschauen. Ich schaue immer, was noch kommt. Das ist für mich am schönsten.

BW: Ihre Großmutter hat mit Ihnen viel gebastelt und Ihnen in gewisser Weise die Kunstwelt eröffnet. Haben Sie auch mit Ihren Söhnen gebastelt?

KP: Ja, ich habe mit meinen Söhnen zusammen verschiedenste kleine und große Bücher gemacht, nur zum Spaß. Aber mit meinen Enkelkindern und Urenkeln mache ich das nicht, die sollen das mit ihren Eltern machen (lacht). Ich finde es sehr schön, wenn die Kinder klein sind, weil das eine Zeit ist, die nicht zurückkommt. Die muss man genießen, sonst ist sie weg.

BW: Haben Sie ein Lieblingsbuch?

KP: Alle Bücher liebt man wie Kinder, doch das jeweils neuste Buch braucht am meisten Aufmerksamkeit. Manchmal denke ich, ja, dieses eine, das ist das Beste, aber ich möchte nicht sagen welches. Das Buch, an dem man gerade arbeitet, sollte für einen Autor immer das Wichtigste sein. Ich habe hier auf der Messe viele schöne Bücher von jungen Leuten gesehen. Ihnen möchte ich Mut zusprechen. Sie sollen sich durchschlagen und den eigenen Stil finden. Das ist das Wichtigste: den eigenen Stil zu finden, und der kommt, wenn man arbeitet.


Ich danke dem Minedition Verlag sehr herzlich für seine Gastfreundschaft auf der BCBF Kinderbuchmesse in Bologna! Ein großes Dankeschön möchte ich Gudrun Albertsmeier aussprechen, die mir dieses Interview ermöglicht hat. Leider habe ich vergessen, ein Foto von ihr und Kveta zu knipsen, aber auf diesem Bild ist zumindest der Verleger im Hintergrund zu erkennen :-).

Hier geht es zu meinen Rezensionen von Kveta Pacovskas Die Nimmtes-Nimmtes-Frau und Blau, rot, alle .

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.