Interview mit Lisbeth Zwerger, BCBF 2019

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Bild: Detail aus Lisbeth Zwergers Romeo und Julia (2016)

Die Wienerin Lisbeth Zwerger zählt zu den bekanntesten IllustratorInnen. Die grandiose Künstlerin erhielt schon zahlreiche Auszeichnungen, darunter vier (!!) Bologna Ragazzi Awards, zwei (!!) Hans Christian Andersen Preise und das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich. Sie hat zwei Tage und ein paar Jährchen vor mir Geburtstag und begeisterte mich auf der Kinderbuchmesse in Bologna, wo ich sie am 3. April 2019 am Stand des Michael Neugebauer Verlags interviewen durfte, mit ihrer direkten und ehrlichen Art. Hat sie wirklich gesagt, ihr falle nichts mehr ein? Warum juckt sie es eigentlich nicht, sich eine eigene Geschichte auszudenken? Die Antworten zu diesen und anderen spannenden Fragen findet Ihr hier:

BW: Diese langen IllustratorInnenschlangen an den Verlagsständen der Kinderbuchmesse in Bologna stechen einem ins Auge. Was sagen Sie dazu?

LZ: Ich musste es nie tun. Ich bin sozusagen froh, dass ich schon in einem höheren Alter bin: Ich hatte noch das Glück, eine Art Karriere zu machen. Es ist jetzt sicher schwieriger für die jungen Leute.

BW: Sie sind hochdekorierte Illustratorin und wurden unter anderem mehrmals von der New York Times ausgezeichnet, sind Trägerin von vier Bologna Ragazzi Awards, zwei Hans Christian Andersen Preisen, dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich und vielem mehr. Hat es am Karriereanfang genauso viele Absagen gegeben?

LZ: Um ganz ehrlich zu sein, ich habe eigentlich keine Ablehnung in Erinnerung. Ich bin in die richtigen Hände gekommen, nämlich zu Neugebauer Press, zum Vater des jetzige Verlegers Michael Neugebauer.

BW: Wie läuft so eine Publikation als etablierte Illustratorin ab? Denken Sie sich nun einfach Sachen aus und geben beim Verlag Bescheid?

LZ: Früher war das so. Früher habe ich mir Sachen ausgedacht und konnte die dann illustrieren. Aber jetzt fällt mir nichts mehr ein. Ich habe schon so viele Märchen illustriert, was soll ich noch machen? Jetzt bin ich auf die Anregung der Verleger angewiesen. Und das ist dann eine schönere Herausforderung, als hätte ich die Idee schon lange mit mir herumgetragen.

BW: Sie sind ja bekannt für Ihre Märchenbücher. Juckt es Sie manchmal, ein eigenes Bilderbuch mit einer eigenen Geschichte zu machen?

LZ: Nein, weil ich nicht zu den Leuten gehöre, die gerne etwas erzählen. Ich wüsste nicht, was ich mir einfallen lassen sollte. Es fällt mir nichts ein und es würde mich, glaube ich, langweilen, meine eigenen Geschichten zu illustrieren.

BW: Ist es für Sie ein Druck, sich in eine Tradition einzureihen und einen Stoff zu bearbeiten, den auch schon andere KünstlerInnen illustriert haben?

LZ: Früher, vor vielen Jahren habe ich mich nicht getraut anderer Leute Illustrationen anzuschauen, weil ich mir gedacht habe, das würde mich ablenken oder zu stark beeinflussen. Aber jetzt schaue ich sie mir gerne an, weil diese Gefahr nicht mehr besteht.

BW: Was ist Ihr Lieblingskinderbuch?

LZ: Sofort fallen mir Die Mumins ein.

BW: Welches Ihrer eigenen Bücher ist Ihr Liebling? Oder ist Ihnen immer Ihr jüngstes Projekt am liebsten?

LZ: Ja, ich bin immer in die Neuesten verliebt, aber es gibt schon Lieblinge, zum Beispiel Der Nussknacker.

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Lisbeth Zwerger für das Interview! Leider habe ich in der Aufregung vergessen, um ein gemeinsames Foto zu bitten. Da ein Bild mehr sagt als tausend Worte, stelle ich ein Foto von einer ihrer Illustrationen ein. Darauf zu sehen sind vier Zeichnungen von zwei Rosen, die die Handlung von Shakespeares Romeo und Julia grandios zusammenfassen und sozusagen den graphischen Prolog zu ihrem Buch Romeo und Julia (2016) bilden. Hier stelle ich dieses unfassbar schöne Buch vor.

Ein großes Dankeschön an Michael Neugebauer und sein Team für die Interview-Herberge am Minedition-Stand in Bologna und an Gudrun Albertsmeier für ihre beherzte Intervieworganisation!

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