Lea Coplin: Nichts ist gut. Ohne dich.

Lea Coplin Nichts ist gut Ohne dich Jugendbuchblog Brigitte Wallinger Buchtipp Buchempfehlung Kinderbuchblog geniales Jugendbuch

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen:♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 14 Jahren

352 Seiten, TB um € 10,95

Themen: Liebe, Freundschaft, Familie, Unfalltod, München

Die Münchner Autorin „Lea Coplin“, die am gleichen Tag wie Jane Austen Geburtstag hat, hat 2018 dieses geniale Buch veröffentlicht. Seit der Geburt meiner Kinder habe ich aus den hinlänglich bekannten Gründen kein einziges Buch mehr auf einmal ausgelesen („in one sitting“, hätte Edgar Allan Poe gesagt), und gestern war es wieder soweit: Schlag 18 Uhr setzte ich mich hin und stürzte mich Hals über Kopf in _Nichts ist gut. Ohne dich._ Und als ich den letzten Satz fertiggelesen hatte, herrschte schon finsterste Nacht, mein Mann hatte die Kinder zu Bett gebracht und der Hund streckte sich genüsslich nach seinem Marathonschläfchen.

 Was für ein grandioses, gelungenes Buch! Der Plot ist vielschichtig und interessant, die Charaktere tiefgründig und faszinierend, die Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten Jana und Leander intensiv und ergreifend. Die Geschichte wird größtenteils abwechselnd aus seiner und ihrer Sicht erzählt, was spannende Einblicke gewährt.

Das Buch beginnt mit dem ersten, schockierenden Wiedersehen von Leander und Jana in der Jetztzeit. Als Kinder gut befreundet, riss ihre Verbindung sechs Jahre zuvor jäh ab, weil Janas Bruder in einem von Leander verursachten Autounfall starb. Nun müssen sich die beiden mit der schmerzlichen Vergangenheit auseinandersetzen und finden dabei mehr und mehr zueinander, was Jana in eine moralische Zwickmühle bringt (darf man den Mörder seines Bruders lieben?). Als Leanders Mutter an Krebs stirbt, gerät die zerbrechliche Liebe ins Wanken.

Jana und Leander stürzen die Leserschaft in eine emotionale Achterbahnfahrt. Steigt man am Ende aus, ist das Gehirn voller Speed und das Herz rast. Hier als kleine Leseprobe ein schönes Zitat von Leanders Mutter. Sie verspricht ihrem Sohn fünf Gründe, warum sein von Schuld geplagtes Leben lebenswert ist:

„Weil du noch nicht das getan hast, was du tun möchtest, ohne den Erwartungen anderer zu entsprechen. […] Weil du dir noch nicht erlaubt hast, glücklich zu sein. Weil du noch nie einem Mädchen ‚Ich liebe dich‘ gesagt und es aus tiefstem Herzen gemeint hast. Weil du noch nicht so geliebt wurdest, wie du es verdient hast. Weil du dir noch nicht selbst vergeben hast. Weil du noch nicht um das Mädchen gekämpft hast, das dir am wichtigsten ist. Weil du noch nicht der bist, der du sein willst. Weil jeder eine Aufgabe hat und du deine erst herausfinden musst. Weil das Schönste noch kommt, Leander.“

Für den Augenblick bin ich sprachlos. Dann habe ich das Gefühl, zu ersticken, was womöglich daran liegt, dass ich vergessen habe zu atmen. Ich sauge Luft ein, dann senke ich den Kopf und blinzle was auch immer da hinter meinen Lidern brennt in die Flucht.

„Das waren an die hundert Gründe“, sage ich schließlich.

„Du findest deine Top Fünf heraus.“ (Seite 151-152)

 

Natürlich habe ich immer wieder geheult wie ein Schlosshund und mich dann extrem gefreut, wenn Silberstreifen am Horizont dieser komplizierten Geschichte erschienen. Das Buch hat mich gebeutelt und mitgenommen. Was ich besonders herausragend an Lea Coplins Buch finde ist, dass die Autorin keinen Roman für Jugendliche als Zielgruppe geschrieben hat. Nein! Vielmehr weiß sie noch bis ins letzte Detail, wie es wirklich ist, jung zu sein und das Auf und Ab verworrener Familienbande und tiefgründiger Liebe zu erleben. Ein großer Lesegenuss! Und im September 2018 hat Lea Coplin _Nichts zu verlieren. Außer uns._ veröffentlicht, in dem es um Leanders Freund Max geht. Das ist sicher ebenfalls genial: Ich hebe es mir für die Weihnachtsfeiertage auf <3 !

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