Lois Lowry: Die schreckliche Geschichte der abscheulichen Familie Willoughby (Und wie am Ende alle glücklich wurden)

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Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦◊
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 11 Jahren

176 Seiten; wunderschönes, gebundenes Buch um € 12,95


Themen: Familie, Geschwister, Eltern-Kind-Beziehung, Kindermädchen, Waisen, reicher Wohltäter, Patchwork-Familie, skurille Geschichte, schwarzer Humor, Intertextualität

Gleich vorweg: Für Liebhaber der heilen Welt ist dieses Buch nichts, denn die Willoughby-Eltern mögen ihre vier Kinder Timothy, Barnaby A, Barnaby B und Jane nicht, und auch die Kinder können ihre Eltern nicht ausstehen. Die skurrile Geschichte ist trotzdem hinreißend – und irrsinnig witzig!

Worum geht’s in diesem schrägen Kinderroman im Stil von Roald Dahl? Die Eltern der Willoughby-Kinder gehen auf eine gefährliche Abenteuerreise und lassen ihre Kinder in der Obhut eines Kindermädchens zurück. Die singt und tanzt zwar nicht wie Mary Poppins, ist aber ein ebenso großer Segen und führt die Kids schlussendlich zum Happy End. Leider, leider versterben die Eltern auf einer halsbrecherischen Bergtour in den Alpen.

In der Nachbarschaft wohnt zufälligerweise ein reicher Schokoladenfabrikant, Kommandant Melanoff, der die Rasselbande aufnimmt und ihr ein liebevolles Zuhause bietet. Vor Kurzem steckte er noch in einer großen Krise, denn seine pedantische Frau und ihr gemeinsamer Sohn wurden in der Schweiz von einer Lawine verschüttet. Das stürzte den Fabrikanten in eine Depression, die damit endete, dass die Willoughbys ein vor ihrer Haustür ausgesetztes Baby vor seine Haustür legten. Von da an kümmerte sich der Kommandant rührig um das Findelkind Barbara und fand wieder neuen Lebensmut. Zu guter Letzt werden alle möglichen Handlungsstränge zu einem glücklichen Ende zusammengeführt: Lowry ist eine wahre Meisterin des Erzählens.

Der grandiose Humor und die vielen kreativen Ideen in diesem Buch sind herrlich. Als das Haus der Willoughby beispielsweise verkauft werden soll und die Immobilienmaklerin die potenziellen Kunden durchs Haus führt, tarnen sich die Kinder als Lampe, Kaktus, Kleiderständer und Teppich, und das Kindermädchen zieht sich nackig aus, bestäubt sich mit Puder, nimmt ein Bettlaken und gibt vor, eine Marmorstatue zu sein. Und wenn sie den Interessenten dann zuzwinkert, laufen die kreischend aus dem Haus. Wieso verkauft sich das Haus bloß nicht?!

Lowrys Einbinden von Klassikern der Kinderliteratur ist ebenso bemerkenswert. In allen möglichen Lagen sagen die Kinder: „wie Mary Lennox in Der geheime Garten“ (26), „wie Huckleberry Finn“ (124), oder „wie Betty in Betty und ihre Schwestern“ (123). Das Buch ist eine unterhaltsame Persiflage der klassischen Waisenromane des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sämtliche erwähnten Bücher werden in einer Liste zu Buchende witzig vorgestellt. Wenn man diese Bücher kennt, sind Lowrys Anspielungen natürlich noch viel lustiger.

Insgesamt ein unkonventionelles und feines Kinderbuch, ich würde sagen für alle ab ca. 11 Jahren, denn dann kann man den Humor und die Erzähltradition schon zuordnen. Auch für Erwachsene sehr zu empfehlen!

Lois Lowry, 1937 in Honolulu, Hawaii, als „Military Brat“ eines Army-Zahnarztes geboren, ist eine vielfach preisgekrönte, amerikanische Kinder- und Jugendbuchautorin. Hier findet Ihr den Link zu ihrer Homepage, auf der sie ihren, wie ich finde, sehr interessanten Lebensweg beschreibt und mit herrlich persönlichen Fotos bebildert: Heirat mit 19, 4 Kinder in 5 Jahren, Studium, Schriftstellerinnenlaufbahn, Scheidung mit 40, neuer Lebenspartner, Sohn im Krieg verloren, Friedenseinsatz. Ihrer eigenen Aussage nach ist der roten Faden in all ihren Büchern „the importance of human connection“ (die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen“). Das lässt sich auch in ihrem lustig-skurrilen Kinderroman Die schreckliche Geschichte der abscheulichen Familie Willoughby erkennen.

Lois Lowry. Die schreckliche Geschichte der abscheulichen Familie Willoughby (Und wie am Ende alle glücklich wurden). München: dtv junior, 2019. Übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn.

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