Mira Lobe: Die Omama im Apfelbaum

Buchcover von Mira Lobes Die Omama im Apfelbaum
Zielgruppe: Kinder ab 6 Jahren
Themen: Familie, Abenteuer, Fantasie
Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 3 von 5 Wissensstufen
Humor: 5 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

111 Seiten, gebundene Ausgabe, € 14,00

Ein superwitziges, herrlich formuliertes und von Susi Weigel wunderschön illustriertes Kinderbuch für Menschen ab 6.

Liebe Eltern! Dieses Buch ist ein Knaller! Es handelt vom kleinen Andi, der keine Oma hat, was er sehr bedauert. Also erfindet er – sehr zum Missfallen seiner Mama – eine Großmutter, trifft sich mit ihr im Apfelbaum und erlebt geniale Abenteuer mit der schrulligen Omama. Als eine nette ältere Dame mit „Rümatismus“ ins Nachbarhaus einzieht, hat er plötzlich zwei Omas und ist hin- und hergerissen.

Sprachlich merkt man dem Buch seine über 50 Jahre an, doch dieses Sechzigerjahre-Deutsch erschafft ein wunderbares Flair. Hier ein Beispiel von Andis erstem Ausflug mit der wilden Omama auf dem Rummelplatz:

Omama steckte das letzte Stück Schokolade in den Mund. „Hast du denn gar keinen Hunger, Andi?“, fragte sie. „Ich meine richtigen Hunger, zum Beispiel Würstel mit viel Senf?“
Auf Würstel hatte Andi fast immer Hunger, besonders auf die langen, saftigen, die so schön spritzten.
„Na also!“, sagte die Oma zufrieden.
Als sie mit den Würsteln fertig waren, wischte sich die Omama den Mund ab: „Uuuuu – der Senf war aber scharf! Jetzt wäre es gut, etwas Süßes zu essen. Was hältst du von gesponnenem Zucker?“
Sie schauten zu, wie der Zuckermann zwei Wattebäusche aus rosa Zucker um die Staberln spann.
„Iiii – das ist aber süß!“, sagte die Omama. „Es wird gut sein, darauf etwas Scharfes zu essen. Was hältst du von Würsteln mit Senf?“ (20-21).

Das ist eine Oma nach meinem Geschmack! Wer sie jetzt noch nicht heiß und innig liebt, der warte noch vier Seiten, bis die gnädige Frau mit Andi Straßenbahn fährt. Sie blickt nach oben und erspäht die baumelnde, lederne Klingelschnur:

„Du, Andi“, flüsterte die Omama, „ich hab so große Lust, an der Schnur zu ziehen.“
„Das darf man nicht!“, flüsterte Andi erschrocken zurück. „Sonst musst du Strafe zahlen!“
Die Omama seufzte und schaute weiter hinauf. „Wenn ich doch aber so sehr große Lust habe…“ (25)

Eh klar, was Omama machen wird. Und ganz elegant zieht sie sich mit ihren weißen Haarlöckchen und ihrem Federhut aus der Affäre, sodass der Straßenbahnfahrer nach der Vollbremsung sogar noch sagt: „Was für ein Glück, dass sie sich an der Klingelschnur festgehalten hat!“ (26)

Omama ist nicht nur herrlich rebellisch, sie hat auch noch ein himmelblaues Cabrio, das mehr Knöpfe als James Bonds Aston Martin vorweisen kann (nur anstatt Flammenwerfer und Schleudersitz gibt’s hier Knöpfe für Schmalzbrote und Weihnachtsmusik). Sie fängt mit Andi Wildpferde ein und sticht mit ihrem Enkel in See. Als Andi der hilfsbedürftigen Frau Fink beim Einzug ins Nachbarhaus hilft, bleibt für die imaginäre Oma immer weniger Zeit, aber natürlich geht alles gut aus…

Jedes Kind sollte mit einer Oma wie Andis Apfelbaum-Exemplar gesegnet sein, oder zumindest dieses Buch gelesen haben!

Mira Lobe. Die Omama im Apfelbaum. Wien: Verlag Jungbrunnen, 1965.

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