Was, wenn dein ganzes Leben auf einer Lüge basiert?

Dante Medemas Diese eine Lüge ist ein hinreißendes Jugendbuch!

Kurzinfo

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦◊
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 13 Jahren

384 Seiten, gebundene Ausgabe um € 18

Themen: Familie, Freundschaft, Liebe, Geschwister, kreatives Schreiben, Gedichte, Gitarre, Schwangerschaft, Abtreibung

Schulprojekt enthüllt Lebenslüge

Für ihr Schulabschlussprojekt will die siebzehnjährige, in Alaska lebende Delia Koenig ihre DNA analysieren und herausfinden, inwiefern ihre Vorfahren ihre Persönlichkeit geformt haben. Leider zeigt der Gentest, dass ihr Dad nicht ihr leiblicher Vater ist. Ihr ganzes Leben basiert auf einer Lüge. Eine Lawine aus Fragen und Zweifeln droht Delia nun zu überrollen. Kann sie sich wieder aufraffen?

Trost findet Delia nicht nur bei ihrer besten Freundin Sana und ihrem Langzeitschwarm Kodiak Jones (vor dem sie alle warnen), sondern auch beim Gedichtschreiben. Deshalb sind auch viele Textpassagen in Gedichtform, zudem gibt es noch Chats, E-Mails und Textnachrichten. Die kurzen Textabschnitte in wunderschöner Sprache ziehen einen förmlich in ihren Bann. Dante Medemas lyrischer Roman wurde von Bettina Obrecht aus dem Amerikanischen übersetzt. Diese eine Lüge ist eine packende, berührende Coming-of-Age-Geschichte über Identität und Liebe: sehr empfehlenswert!

Dante Medema

Die Jugendbuchautorin aus Anchorage, Alaska, lebt mit ihren vier Töchtern und ihrem Mann zwischen Bergen von Alien-Fanartikeln und Büchern. Diese eine Lüge (Originaltitel The Truth Project) ist ihr Debut.

Merci!

Ich danke dem Thienemann-Esslinger Verlag sehr herzlich für das Rezensionsexemplar!

Die Fakten zum Buch

Dante Medema. Diese eine Lüge. Stuttgart: Thienemann-Esslinger Verlag, 2020. Übersetzt von Bettina Obrecht.

Kind vs. Zeitdiebe: Michael Endes Momo

Genialer, spannender Roman für alle ab 12 Jahren! #Mustread

Das großartige Buch in wenigen Worten

Leselevel: ♦♦♦♦♦
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 12 Jahren

304 Seiten, gebundene Ausgabe um € 9,99

Themen: Freundschaft, Zeit haben und nehmen, Abenteuer, Kinder, Erwachsene, Stress, arbeiten, spielen, verlorene Zeit, Lebenszeit, Schildkröte, Uhren

Die kleine Momo nimmt es mit den Zeitdieben auf

Das obdachlose Mädchen Momo zieht im verwaisten Amphitheater am Stadtrand ein. Großherzige Bewohner aus der Umgebung, allen voran Beppo Straßenkehrer und Gigi Fremdenführer, versorgen das Kind. Die Kinder der Nachbarschaft spielen mit ihm. Und Momo schenkt ihren kleinen und großen BesucherInnen Zeit: Sie hört zu und vermittelt den Leuten, dass es sie „unter allen Menschen nur ein einziges Mal“ gibt und sie deshalb „auf eine besondere Weise für die Welt wichtig“ sind, wertvoll.

Doch dann besuchen immer weniger Leute Momo. Graue Herren tauchen überall auf und stacheln die Menschen dazu an, Zeit einzusparen, mehr Geld zu verdienen, voranzukommen. Die eingesparte Zeit verleiben sie sich ein. Momos besondere Art zuzuhören ist den grauen Herren ein Dorn im Auge, und schon bald steht ein Zigarre rauchender, eiskalter Typ vor ihr – mit Bibigirl, der vollkommenen Sprechpuppe („alle beneiden dich um mich“, kann sie sagen; 99). Der graue Herr hat auch tonnenweise Zubehör für Bibigirl mit, denn sie braucht dauern neue Sachen. Und Bubiboy und Freundinnen gibt es auch, „es bleibt immer noch etwas, das du dir wünschen kannst“ (103). Momo, die erstklassige Zuhörerin, hört auch dem grauen Herrn zu und erfährt, dass er und seine Kollegen den Menschen Lebenszeit stehlen, „alle Zeit, die sie einsparen, ist für sie verloren“ (108).

Zusammen mit Meister Horus und Schildkröte Kassiopeia gelingt es Momo schließlich, die grauen Männer aufzuhalten und die Menschheit zu retten. Ein spannender, absolut empfehlenswerter Roman für alle ab 12 Jahren!

Wie oft kann man sagen, dass ein Buch das Leben der LeserInnen verbessert? Hier ist das der Fall! Die LeserInnen werden gewarnt vor den grauen Herren unserer Zeit (Social-Media-, Nachrichten- und TV-Kanäle, etc.) und können gestärkt durch das Wissen, dass eingesparte Zeit verlorene Zeit ist, ihre Lebenszeit mit echten Mitmenschen verbringen und so ihr Leben lebenswert gestalten.

Erwachsene, die vor lauter Arbeit keine Zeit haben, um mit ihren Kindern zu spielen. Kinder, die sich immer mehr und mehr Spielsachen wünschen, obwohl sich mit denen gar nicht richtig spielen lässt. Jede(r) will mehr haben bzw. sein und muss immer mehr arbeiten, damit er sich diese Träume erkaufen kann. Schon irgendwie gruselig, wenn ein Kinder- bzw. Jugendbuch die Gesellschaft von heute so entlarvt, wenn ein Autor so den Nerv der Zeit trifft – und das, obwohl das Buch schon vor rund 50 Jahren auf den Markt kam!

Michael Ende

Michael Ende, am 12.11.1929 als Sohn des surrealistischen Malers Edgar Ende geboren und am 28.8.1995 gestorben, war einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller. Sein Kinderbuch Momo wurde in 40 Sprachen übersetzt. Neben Kinder- und Jugendbüchern wie Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer verfasst er auch poetische Bilderbuchtexte, Bücher für Erwachsene und Theaterstücke sowie Gedichte. Hier habe ich seine wundervolle Unendliche Geschichte vorgestellt.

Merci!

Ich danke Michael Ende, der mit seinen weisen Worten mein Leben entschleunigt hat: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken“, sagt Beppo Straßenkehrer in Momo. „Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten. (…) Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut“ (40). Außerdem gehe es im Leben darum, jemanden lieb zu haben, und nicht darum, es zu etwas zu bringen und mehr zu sein oder zu haben, als die anderen, so die Botschaft des Buches. Momo für alle!!!

Die Fakten zum genialen Buch

Michael Ende. Momo. Stuttgart: Thienemann-Esslinger Verlag, 2020. Die Erstausgabe erschien 1973.

Spannender DDR-Jugendroman: Gertrude grenzenlos

Zum 30. Jahrestags der Deutschen Einheit empfehle ich euch Judith Burgers packenden Debutroman Gertrude grenzenlos aus dem Jahr 2018.

Der fulminante Jugendroman in wenigen Worten

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 10 Jahren

240 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12,95

Themen: Freundschaft, DDR/BRD, anders sein, beste Freundin, Schule, Politik, Staatsfeinde, Ausreise, Exil, Geheimdienst, Widerstand, Geschichte

Grenzenlose Freundschaft in der DDR

Ina ist 11 Jahre alt und lebt in der DDR der späten Siebziger. Als Gertrude Leberecht an ihre Schule kommt, ändert sich Inas Leben gehörig: „Alles ist anders als vorher. So war es noch nie. Bei Gertrude habe ich immer das Gefühl, richtig zu sein“ (27). Ina und Gertrude werden beste Freundinnen, doch weil ihr Vater ein regimekritischer, christlicher Dichter ist und einen Ausreiseantrag stellt, wird Gertrude von der Klassenlehrerin gemobbt und eckt überall an. Die Lehrerin lässt Gertrude, die übrigens nach Gertrude Stein benannt ist, zum Beispiel vor der Klasse erklären, wie die Welt entstanden ist. „Die Welt ist mit dem Urknall entstanden,“ denkt Ina, „das weiß doch jeder!“ (42). Aber Gertrude zitiert den Anfang der Schöpfungsgeschichte und wird dafür von der Lehrerin und einigen Schülern ausgelacht. Ina wird klar: Ein Plan muss her! Das „Kommando Rose“ startet, damit Gertrude keine Außenseiterin mehr ist. Von nun an versuchen die beiden Freundinnen, regimetreue Aktionen zu setzen, etwa Altpapier zu sammeln und Timurhilfe zu leisten. Doch die Stasi-Spitzel und linientreuen Genossen nehmen dieses subversive Verhalten nicht hin…

Ein spannender, kraftvoller Jugendroman, den man nicht mehr weglegen kann! Eigentlich ist es eine grandiose Freundinnengeschichte: Zwei Mädchen mögen sich sehr und kämpfen für ihre Freundschaft. Im Hintergrund zeigt sich jedoch ein riesiges Spinnennetz aus politischen Gedanken und zeithistorischen Ereignissen, das einen fesselt und nicht mehr frei geben will. Was für ein exzellent gemachter, packender historischer Roman für alle ab 10 Jahren! Wer mit der DDR nicht gut vertraut ist, sollte vorher das absolut kindgerechte, sehr gelungene Glossar lesen. Auch Judith Burgers Nachwort ist kein nutzloser Anhang, sondern gibt den jungen LeserInnen weitere Denkimpulse. Unbedingte Leseempfehlung!

Über die Autorin Judith Burger

Judith Burger, 1972 in Halberstadt geboren, studierte Kultur- und Theaterwissenschaften. Die vormalige Werbetexterin arbeitet nun für MDR Kultur und schreibt Radio-Features. Ihr Debutroman Gertrude grenzenlos wurde mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis 2019 ausgezeichnet.

Blogtour “30 Jahre deutsche Einheit”

Diese Buchvorstellung ist Teil von Steffi Bibers Blogtour “30 Jahre deutsche Einheit” anlässlich des 30. Jahrestags der deutschen Wiedervereinigung am 3.10.20. Damit feiern Kinderbuchbloggerinnen von 24. September bis 3. Oktober 2020 dieses besondere Jubiläum. Über 4 Jahrzehnte lang war Deutschland bzw. Europa geteilt. Bücher wie Gertrude grenzenlos tragen dazu bei, dass Deutschland (Europa) 30 Jahre nach der Wiedervereinigung weiter zusammenwächst!

Merci!

Ich danke dem Gerstenberg Verlag für das Rezensionsexemplar.

Das geniale Buch

Judith Burger. Gertrude grenzenlos. Stuttgart: Thienemann-Esslinger Verlag, 2019. Mit Bildern von Ulrike Möltgen.

Julius Thesing: You don’t look gay

Julius Thesing ist jung, schwul und frustriert von der Homophobie, die ihm überall begegnet. Sein Buch You don’t look gay ist eine persönliche Auseinandersetzung mit homophober Diskriminierung für LeserInnen ab 13 Jahren.

Kurzinfo

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 13 Jahren

96 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,95

Themen: Homosexualität, Homophobie, Diskriminierung, (In-)Toleranz, (Un-)Freiheit, Stereotype, Gleichberechtigung, LGBT, Queer Rights

«Du siehst gar nicht schwul aus» und andere Sprüche

Julius Thesings Buch You don’t look gay ist eine persönliche Auseinandersetzung mit homophober Diskriminierung und gewährt LeserInnen ab 13 Jahren Einblick in die Sprüche, die Homosexuelle hier zu Lande oft zu hören bekommen. Die neun spannenden Kapitel fesseln einen völlig, was unter anderem auch an Thesings genialen Illustrationen liegt. You don’t look gay ist ein Plädoyer gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung.

Über Diskriminierung zu berichten ist unbequem und undankbar: schnell hebt jemand den Zeigefinger und erklärt, es gäbe wichtigere Probleme auf der Welt. Wie schön für alle vor und nach dem Coming-Out und wie schön für alle, die sich für andere Menschen interessieren, dass Thesing uns mutig aus seinem Leben berichtet. You don’t look gay ist absolut lesenswert!

Zum Autor

Der Designer und Illustrator Julius Thesing, Jahrgang 1990, studierte Kommunikationsdesign und Illustration an der Münster School of Design. You don’t look gay ist im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit im Winter 2019 entstanden.

Merci!

Ich danke der Bohem Press für das Rezensionsexemplar!

Die Fakten zum Buch

Julius Thesing. You don’t look gay: Eine Auseinandersetzung mit homophober Diskriminierung. Münster: Bohem Press, 2020.

Tomi Adeyemi: Children of Virtue and Vengeance, Flammende Schatten

Leselevel: ♦♦♦♦♦
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦◊
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 14 Jahren

496 Seiten, gebundene Ausgabe um € 18,99

Themen: Fantasy-Abenteuer, Krieg, Liebe, Gemeinschaft, Zugehörigkeit, Kulturen, Kampf, Magie, Rituale, Freundschaft, Familie, Rassismus, Macht, Gewalt

Im Juni 2018 ist der erste Band von Tomi Adeyemis Children of Blood and Bone-Trilogie erschienen, Goldener Zorn. Er ist genial, und hier habe ich ihn schon vorgestellt.

Die Trilogie ist entstanden, weil die Autorin Tag für Tag in den Nachrichten sah, wie wehrlose und unschuldige Schwarze in den USA von der Polizei erschossen wurden. Das Schreiben dieser Trilogie gab ihr das Gefühl, etwas im Sinne von #BlackLivesMatter tun zu können. Zusätzlich zur politischen Relevanz ist das Buch auch noch unglaublich spannend, berührend, mitreißend, toll geschrieben und brillant konzipiert.

Zélie Adebola ist die Heldin dieser Young-Adult-Fantasy-Trilogie. Sie lebt in Orisha, einer Monarchie, in der alle Bewohner mit magischen Fähigkeiten, die sogenannten „Maji“, getötet wurden. Ihre Nachfahren, die „Diviné“, deren Magie nicht erweckt ist, erfahren dort Unterdrückung und Hass. Zélie ist eine von ihnen. In Band 1 konnten Zélie, ihr Bruder Tzain und die Königstochter Amari die Magie wiedererwecken, doch leider wurde nicht nur die Magie der Maji freigesetzt, sondern nun haben auch die Monarchie und die Adeligen magische Kräfte. Amaris Bruder Inan und Königin Nehanda versuchen in Band 2 mit allen Mitteln, die Maji auszulöschen. Ein schrecklicher Bürgerkrieg bricht aus.

Tomi Adeyemi wurde 1993 in den USA geboren. Ihre Eltern sind aus Nigeria in die Staaten eingewandert. Erst als Erwachsene habe die Harvard-Absolventin begriffen, wie cool ihre afrikanische Herkunftskultur sei, und ihr Roman sei ein Liebesbrief an die nigerianische Heimat, so die Autorin. Von ihren Wurzeln bzw. der Black Lives Matter-Bewegung ließ sich Adeyemi zum stärksten Fantasy-Debüt der letzten Jahre inspirieren, das direkt auf Platz 1 der New York Times-Bestsellerliste einstieg – und dort sagenhafte 90 Wochen lang blieb. Es eroberte auch die Spiegel-Bestsellerliste. Ich kann es kaum erwarten, bis der dritte Band der Children of Blood and Bone-Trilogie, Legacy of Orisha, erscheint!

Andrea Fischer, die Literaturübersetzen studiert hat, ist bestimmt vielen von euch bekannt, hat sie doch schon über 100 Übersetzungen bei namhaften Verlagen publiziert. In den letzten zwanzig Jahren hat sie u.a. Bücher von Stephen King, Stephenie Meyer, Lori Nelson Spielman, Patricia Cornwell, Mary Kay Andrews und 2020 auch Ryan T. Higgins lustiges SchulanfängerInnenbuch Wir essen keine Mitschüler übersetzt. Als ich ihre Übersetzung von Children of Virtue and Vengeance: Flammende Schatten las, war ich verblüfft, wie gut sie Adeyemis Erzählstimme nachbildete und gleichzeitig einen wunderbar lesbaren deutschen Text schuf. Echt großartig!

Ich danke dem S. Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar!

Tomi Adeyemi. Children of Virtue and Vengeance: Flammende Schatten. Frankfurt: S. Fischer Verlag, 2020. Übersetzt von Andrea Fischer.

Frauke Angel: Das tut weh und ist schön

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 11 Jahren

176 Seiten, gebundene Ausgabe um € 15

Themen: Familie, Freundschaft, Krebs, Tod, Krankenhaus, Krankheit

Ein großartiger Roman über Freundschaft, Familie und Krebs!

Hedi und Richard teilen ein Schicksal: Sie haben beide an Krebs erkrankte Mütter. In Frauke Angels Das tut weh und ist schön erzählen sie uns, wie sich ihr Leben seit der Diagnose entwickelt hat. Zusammen finden sie neuen Lebensmut und Stärke.

Meine Kinder und ich haben schon oft über Krebs gesprochen, nicht weil ich selbst betroffen wäre, sondern weil ich sie vorbereiten möchte. Denn irgendwann wird irgendein Familienmitglied oder ein(e) FreundIn betroffen sein, und dann möchte ich, dass sie gerüstet sind, dass sie eine Vorstellung haben, was Krebs ist und wie sich damit das Leben verändert, dass viele ihrer Fragezeichen schon einmal angesprochen wurden. Mit seinem Humor und seiner positiven Ehrlichkeit ist dieses Buch auch ein wundervoller Anker für Kinder und junge FreundInnen von Krebserkrankten, ein Leitfaden in turbulenten Zeiten, der nicht nur erhellend, sondern auch unterhaltsam ist. Wir haben unglaublich viel gelacht beim Lesen des Buches, die Figuren haben uns angerührt, es sind auch viele Tränen geflossen, aber so ist das mit schweren Erkrankungen, selbst in all der Traurigkeit und dem Schmerz liegen unschätzbar wertvolle Momente, es tut eben weh und ist schön.

Dieses Buch ist nicht nur für Kinder und Jugendliche gedacht, sondern nimmt auch Erwachsenen die Scheu vor der Krankheit, die Scheu davor, nachzufragen wie es der Patientin / dem Patienten und seinen Angehörigen geht, die Scheu davor hinzusehen und hinzugehen. Selbst krebserfahrenen Menschen tut dieser Roman gut. Es ist heilsam, über alte Wunden nachzudenken und sich wiederzufinden, etwa wenn Hedi ihrer Mutter, einem übers Klo gebeugten Häufchen Elend, die Haare aus dem Gesicht streift. Lest einfach alle dieses wunderbare Buch (vor), es bereichert ungemein!

Die in Dresden lebende Frauke Angel (*1974) ist ausgebildete Schauspielerin und seit 2012 freie Autorin. Hier habe ich ihr ebenfalls großartiges Buch Ein eiskalter Fisch (illustriert von Elisabeth Kihßl) vorgestellt.

Ich danke dem Jungbrunnen Verlag für das Rezensionsexemplar!

Frauke Angel. Das tut weh und ist schön. Wien: Jungbrunnen Verlag, 2020. Gedruckt und gebunden in Österreich. Gerne im lokalen Buchgeschäft zu erwerben.

Kenneth Oppel: Bloom. Die Apokalypse beginnt in deinem Garten

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦◊◊◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦◊
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 12 Jahren

345 Seiten, gebundene Ausgabe um € 16,95

Themen: Familie, Freundschaft, Allergien, Teenagerleben, Schule, Highschool, Pflanzen, Alien Invasion, Außerirdische, Botanik, Thriller, Horror, Apokalypse

Angriff der Killerpflanzen!

Anaya, Petra und Seth leiden unter echt heftigen Allergien und gehen zusammen zur Highschool. Nach tagelangen, starken Regenfällen tauchen überall auf der Welt schwarze Pflanzen auf, die alles überwuchern und in der Bevölkerung nicht nur Panik, sondern auch noch Allergien auslösen. Gleichzeitig werden die drei Teenager ihre Allergien schlagartig los, und sie entwickeln sogar ungeahnte Kräfte. Als Anaya, Petra und Seth mehrere SchulkollegInnen auf dem Sportplatz vor den fleischfressenden Grubenpflanzen retten, wird der Geheimdienst auf sie aufmerksam und beginnt zu ermitteln. Können drei junge Leute die schreckliche Pflanzeninvasion stoppen, an der das Militär und die Polizei weltweit scheitern?

Bloom: Die Apokalypse beginnt in deinem Garten ist der rasante erste Band der Bloom-Trilogie von Erfolgsautor Kenneth Oppel. Obwohl noch zwei Bände folgen werden, ist Band 1 in sich geschlossen und lässt einen zufrieden, ohne nervigen Cliffhanger, zurück. Definitiv beide Daumen nach oben für dieses spannende Jugendbuch, das perfekt in die Coronazeit passt. Etwas Schreckliches bedroht den ganzen Planeten: Das nenn ich aktuell!

Kenneth Oppel (*1967) ist ein kanadischer Kinder- und Jugendbuchautor, dessen Fantasy- und Science-Fiction-Bücher vielfach ausgezeichnet und übersetzt wurden. Er lebt mit seiner Frau Philippa, einer Shakespeare-Professorin, und drei Kindern in Neufundland.

Inge Wehrmann hat den Roman großartig aus dem kanadischen Englisch übersetzt. Ihr ist es zu verdanken, dass sich das Buch so flüssig, realistisch und mitreißend liest. Vor allem die Stimme, die sie Mister Riggs verliehen hat („Heidewitzka“, „Schurken“,…), fand ich wahnsinnig lustig. Gerade letzte Woche habe ich ein extrem schlecht übersetztes Naturbuch in Händen gehalten, das von der ersten bis zur letzten Seite voller englischer Begriffe war (es war ein “Survival-Guide”, grins). Jedenfalls ist es dann eine wahre Wohltat, wieder so ein richtig gut übersetztes Buch zu lesen. Danke, Inge Wehrmann!

Ich danke dem Verlag Beltz & Gelberg für das Rezensionsexemplar.

Kenneth Oppel. Bloom: Die Apokalypse beginnt in deinem Garten. Weinheim: Beltz & Gelberg in der Verlagsgruppe Beltz, 2020. Übersetzt von Inge Wehrmann. Englischer Originaltitel: The Bloom Trilogy.

Gabi Kreslehner: Nils geht

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 13 Jahren

139 Seiten, gebundene Ausgabe um € 16,95

Themen: Schule, Mobbing, Ausgrenzung, Freundschaft, Mitläufer, Mobber, Gewalt an Schulen, Zivilcourage, Selbstschutz

Spannend, mitreißend, berührend: Ein Jugendroman der Extraklasse!

Zum Buch:

Dont’t judge a book by its cover, heißt es. Für dieses Buch gilt das ganz besonders: Was sich so unaufgeregt präsentiert, ist ein aufwühlendes, krasses Jugendbuch, das alle jungen Leute fesseln wird. (Jaja, die alten schon auch, aber den Jungen hilft es halt im Leben weiter!)

Gabi Kreslehners berührender Roman Nils geht stößt uns mit der Nase auf eine unschöne Klassensituation: Da sind die fürchterlichen Vier, die ihren Namen nicht umsonst haben, da gibt’s einen Haufen Mitläufer, denen die Vier zuwider sind, die sie aber auch irgendwie bewundern, und dann gibt es Nils: „Egal wo, wenn du das perfekte Opfer bist, dann bist du es überall.“

Es entspinnt sich ein Thriller: Nils versucht, den Kopf über Wasser zu halten, die Mitläufer versuchen, wegzusehen, schaffen das aber nicht, und die Vier schlagen zu, immer und immer wieder. Doch eines Tages greift Nils zum Messer

Spannend, mitreißend, berührend: Gabi Kreslehner ist Großes gelungen.

Zur Autorin:

Die 1965 geborene österreichische Autorin, Lehrerin und Theaterpädagogin Gabi Kreslehner schreibt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihre Werke wurden schon mit vielen Preisen und Stipendien prämiert und in andere Sprachen übersetzt. Es ist unglaublich, wie gut sie sich in Jugendliche hineindenken kann und beschreibt, was wirklich abläuft.

Ich danke dem Tyrolia Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ryeo-Ryeong Kim: Eins – zwei, eins – zwei – drei

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 15 Jahren

208 Seiten, gebundene Ausgabe um € 18

Themen: Familie, Freunde, Schule, Sport, Nachbarschaft, Kickboxen, Korea, Asien, erste Liebe, Uni

Eins – zwei, eins – zwei – drei ist ein witziger, temporeicher, spannender Roman – und dank der „exotischen“ Kultur völlig unvorhersehbar: genial!

Der 17-jährige Held dieses Romans hat’s nicht leicht: Er ist zurückhaltend, hat keine Freunde in der Schule und lebt ohne Mutter in einer kleinen Wohnung mit dem Vater und dessen bestem Freund. So weit, so gut. Da kann sich jeder Teenie mit identifizieren. Aber BÄM! Der Held heißt Wan-Duk, die Geschichte spielt in Korea, der extrem kleinwüchsig Vater und der stotternde Onkel sind Taxitänzer, Wan-Duks vietnamesische Gastarbeiter-Mama taucht plötzlich auf, anstatt Leute blind vor Wut zu vermöbeln, fängt Wan-Duk mit Kickboxen an, die heiße, oberschlaue Klassenkameradin Jun-Ha wird seine „Managerin“ und sein völlig abgedrehter Nervensägen-Lehrer aus dem Nachbarhaus ist ein stinkreicher Politaktivist.

Auf diesen 200 Seiten wird man super unterhalten und taucht ganz nebenbei in eine völlig unbekannte Welt ein (außer man kennt sich schon in der koreanischen Kultur aus, natürlich).

Sehr zu empfehlen, für alle ab 15!

Die Koreanerin Kim Ryeo-Ryeong wurde 1971 in Seoul geboren. Nach der Geburt ihrer beiden Kinder studierte sie mit knapp 30 Jahren Kreatives Schreiben an der Kunsthochschule Seoul. Eins – zwei, eins – zwei – drei war ihr Debütwerk, es erschien 2008 in Korea und wurde zu einem großen Erfolg. Die spätere Verfilmung unter dem Titel »Punch« von Lee Han verzeichnete über 5 Millionen Besucher. Kim lebt heute als freie Schriftstellerin in der koreanischen Provinz Gyeonggi-do.

Übersetzt wurde das Buch von Hyuk-Sook Kim und Manfred Selzer, die der koreanischen Kultur Raum gegeben haben und gerade so viel „eingedeutscht“ haben, dass man alles prächtig versteht. Wirklich toll!

Ein Wort noch zum Verlag:

Baobab Books ist ein Schweizer Kinder- und Jugendbuchbuchverlag, der sich als gemeinnütziger Verein lokal, national und international für kulturelle Vielfalt in der Kinder- und Jugendliteratur einsetzt und dementsprechende interkulturelle Projekte, Lesungen für Kinder, Workshops und Unterrichtsmaterialien anbietet. Die Corona-Krise ist für die Non-Profit-Organisation Baobab Books finanziell eine große Herausforderung. Um das geplantes Buchprogramm 2020 zu sichern, hat der Verlag eine 30-tägige Crowdfunding-Kampagne gestartet.

Okay, das war jetzt mehr als ein Wort…

Ich danke dem Verlag Baobab Books sehr herzlich für das Rezensionsexemplar.

Ryeo-Ryeong Kim. Eins – zwei, eins – zwei – drei. Basel: Baobab Books, 2020.

Martin Verg und Jürgen Hübner, Hg.: Gestern war noch Krieg: Die Zeit um 1945 in Sachtexten und Erzählungen von Gudrun Pausewang, Christine Nöstlinger, Klaus Kordon u.a.

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦◊◊◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 10 Jahren

240 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12

Themen: Zweiter Weltkrieg, 1945, Kriegsende, Bombenkrieg, Widerstand, Volkssturm, Adolf Hitler, Flucht, Vertreibung, Befreiung, Besatzung, Nationalsozialismus, Gestapo, Konzentrationslager, SS, Wehrmacht, Nazi-Diktatur

Wie war das Leben in Deutschland und Österreich während des Zweiten Weltkriegs? Gestern war noch Krieg schildert Kindern den Zweiten Weltkrieg in verständlichen Sachtexten und spannenden Erzählungen berühmter KinderbuchautorInnen. Sehr berührend und fundiert! Absolut empfehlenswert!

Vor 75 Jahren endete der Zweiten Weltkrieg. Der langjährige GEOlino-Journalist und Kinderbuchautor Martin Verg hat aus diesem Anlaß mit dem Kinderbuchexperten Jürgen Hübner ein hervorragendes Buch gegen das Vergessen herausgegeben, das spannende Kriegskinderprosa von elf namhaften AutorInnen versammelt und einen kindgerechten historischen Überblick über den Zweiten Weltkrieg liefert.

Die Kinder-Anthologie besteht aus fünf Kapiteln (Bombenkrieg, Widerstand, Volkssturm, Vertreibung, Besatzung), zu denen immer zwei bis drei hochkarätige, eindrückliche, bewegende Erzählungen gehören. Unter den AutorInnen sind Christine Nöstlinger, Uri Orlev, Gudrun Pausewang, Klaus Kordon , Ruta Sepetys und Anke Bär. Jedes Kapitel wird von einem einführenden Text eingeleitet, der den geschichtlichen Hintergrund verständlich und knapp erläutert und die Texte kontextualisiert. Ein fundiertes Vorwort und Nachwort verbinden die schrecklichen Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs mit der Gegenwart und Zukunft. Eine gelungene Zeittafel und ein tolles Glossar ergänzen dieses herausragende Kinderbuch, das Kindern den Zweiten Weltkrieg begreifbar macht.

„Je weniger Menschen leben, die aus eigener Erfahrung über diese Zeitberichten können, desto bedeutender werden historische und literarische Quellen, die die Ursachen, Geschichte und Folgen der NS-Herrschaft und ihre Verbrechen auf anschauliche Weise näher bringen“, schreiben Sabine Bamberger-Stemmann und Jens Hüttmann im Nachwort. Auch aus diesem Grund ist Gestern war noch Krieg sehr wertvoll.

Ich danke dem Thienemann Verlag für das Rezensionsexemplar.

Martin Verg und Jürgen Hübner in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg. Gestern war noch Krieg: Die Zeit um 1945 in Sachtexten und Erzählungen von Gudrun Pausewang, Christine Nöstlinger, Klaus Kordon u.a. Stuttgart: Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 2020. Mit Illustrationen von Irmela Schautz.