Julius Thesing: You don’t look gay

Julius Thesing ist jung, schwul und frustriert von der Homophobie, die ihm überall begegnet. Sein Buch You don’t look gay ist eine persönliche Auseinandersetzung mit homophober Diskriminierung für LeserInnen ab 13 Jahren.

Kurzinfo

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 13 Jahren

96 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,95

Themen: Homosexualität, Homophobie, Diskriminierung, (In-)Toleranz, (Un-)Freiheit, Stereotype, Gleichberechtigung, LGBT, Queer Rights

«Du siehst gar nicht schwul aus» und andere Sprüche

Julius Thesings Buch You don’t look gay ist eine persönliche Auseinandersetzung mit homophober Diskriminierung und gewährt LeserInnen ab 13 Jahren Einblick in die Sprüche, die Homosexuelle hier zu Lande oft zu hören bekommen. Die neun spannenden Kapitel fesseln einen völlig, was unter anderem auch an Thesings genialen Illustrationen liegt. You don’t look gay ist ein Plädoyer gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung.

Über Diskriminierung zu berichten ist unbequem und undankbar: schnell hebt jemand den Zeigefinger und erklärt, es gäbe wichtigere Probleme auf der Welt. Wie schön für alle vor und nach dem Coming-Out und wie schön für alle, die sich für andere Menschen interessieren, dass Thesing uns mutig aus seinem Leben berichtet. You don’t look gay ist absolut lesenswert!

Zum Autor

Der Designer und Illustrator Julius Thesing, Jahrgang 1990, studierte Kommunikationsdesign und Illustration an der Münster School of Design. You don’t look gay ist im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit im Winter 2019 entstanden.

Merci!

Ich danke der Bohem Press für das Rezensionsexemplar!

Die Fakten zum Buch

Julius Thesing. You don’t look gay: Eine Auseinandersetzung mit homophober Diskriminierung. Münster: Bohem Press, 2020.

Tomi Adeyemi: Children of Virtue and Vengeance, Flammende Schatten

Leselevel: ♦♦♦♦♦
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦◊
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 14 Jahren

496 Seiten, gebundene Ausgabe um € 18,99

Themen: Fantasy-Abenteuer, Krieg, Liebe, Gemeinschaft, Zugehörigkeit, Kulturen, Kampf, Magie, Rituale, Freundschaft, Familie, Rassismus, Macht, Gewalt

Im Juni 2018 ist der erste Band von Tomi Adeyemis Children of Blood and Bone-Trilogie erschienen, Goldener Zorn. Er ist genial, und hier habe ich ihn schon vorgestellt.

Die Trilogie ist entstanden, weil die Autorin Tag für Tag in den Nachrichten sah, wie wehrlose und unschuldige Schwarze in den USA von der Polizei erschossen wurden. Das Schreiben dieser Trilogie gab ihr das Gefühl, etwas im Sinne von #BlackLivesMatter tun zu können. Zusätzlich zur politischen Relevanz ist das Buch auch noch unglaublich spannend, berührend, mitreißend, toll geschrieben und brillant konzipiert.

Zélie Adebola ist die Heldin dieser Young-Adult-Fantasy-Trilogie. Sie lebt in Orisha, einer Monarchie, in der alle Bewohner mit magischen Fähigkeiten, die sogenannten „Maji“, getötet wurden. Ihre Nachfahren, die „Diviné“, deren Magie nicht erweckt ist, erfahren dort Unterdrückung und Hass. Zélie ist eine von ihnen. In Band 1 konnten Zélie, ihr Bruder Tzain und die Königstochter Amari die Magie wiedererwecken, doch leider wurde nicht nur die Magie der Maji freigesetzt, sondern nun haben auch die Monarchie und die Adeligen magische Kräfte. Amaris Bruder Inan und Königin Nehanda versuchen in Band 2 mit allen Mitteln, die Maji auszulöschen. Ein schrecklicher Bürgerkrieg bricht aus.

Tomi Adeyemi wurde 1993 in den USA geboren. Ihre Eltern sind aus Nigeria in die Staaten eingewandert. Erst als Erwachsene habe die Harvard-Absolventin begriffen, wie cool ihre afrikanische Herkunftskultur sei, und ihr Roman sei ein Liebesbrief an die nigerianische Heimat, so die Autorin. Von ihren Wurzeln bzw. der Black Lives Matter-Bewegung ließ sich Adeyemi zum stärksten Fantasy-Debüt der letzten Jahre inspirieren, das direkt auf Platz 1 der New York Times-Bestsellerliste einstieg – und dort sagenhafte 90 Wochen lang blieb. Es eroberte auch die Spiegel-Bestsellerliste. Ich kann es kaum erwarten, bis der dritte Band der Children of Blood and Bone-Trilogie, Legacy of Orisha, erscheint!

Andrea Fischer, die Literaturübersetzen studiert hat, ist bestimmt vielen von euch bekannt, hat sie doch schon über 100 Übersetzungen bei namhaften Verlagen publiziert. In den letzten zwanzig Jahren hat sie u.a. Bücher von Stephen King, Stephenie Meyer, Lori Nelson Spielman, Patricia Cornwell, Mary Kay Andrews und 2020 auch Ryan T. Higgins lustiges SchulanfängerInnenbuch Wir essen keine Mitschüler übersetzt. Als ich ihre Übersetzung von Children of Virtue and Vengeance: Flammende Schatten las, war ich verblüfft, wie gut sie Adeyemis Erzählstimme nachbildete und gleichzeitig einen wunderbar lesbaren deutschen Text schuf. Echt großartig!

Ich danke dem S. Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar!

Tomi Adeyemi. Children of Virtue and Vengeance: Flammende Schatten. Frankfurt: S. Fischer Verlag, 2020. Übersetzt von Andrea Fischer.

Kenneth Oppel: Bloom. Die Apokalypse beginnt in deinem Garten

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦◊◊◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦◊
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 12 Jahren

345 Seiten, gebundene Ausgabe um € 16,95

Themen: Familie, Freundschaft, Allergien, Teenagerleben, Schule, Highschool, Pflanzen, Alien Invasion, Außerirdische, Botanik, Thriller, Horror, Apokalypse

Angriff der Killerpflanzen!

Anaya, Petra und Seth leiden unter echt heftigen Allergien und gehen zusammen zur Highschool. Nach tagelangen, starken Regenfällen tauchen überall auf der Welt schwarze Pflanzen auf, die alles überwuchern und in der Bevölkerung nicht nur Panik, sondern auch noch Allergien auslösen. Gleichzeitig werden die drei Teenager ihre Allergien schlagartig los, und sie entwickeln sogar ungeahnte Kräfte. Als Anaya, Petra und Seth mehrere SchulkollegInnen auf dem Sportplatz vor den fleischfressenden Grubenpflanzen retten, wird der Geheimdienst auf sie aufmerksam und beginnt zu ermitteln. Können drei junge Leute die schreckliche Pflanzeninvasion stoppen, an der das Militär und die Polizei weltweit scheitern?

Bloom: Die Apokalypse beginnt in deinem Garten ist der rasante erste Band der Bloom-Trilogie von Erfolgsautor Kenneth Oppel. Obwohl noch zwei Bände folgen werden, ist Band 1 in sich geschlossen und lässt einen zufrieden, ohne nervigen Cliffhanger, zurück. Definitiv beide Daumen nach oben für dieses spannende Jugendbuch, das perfekt in die Coronazeit passt. Etwas Schreckliches bedroht den ganzen Planeten: Das nenn ich aktuell!

Kenneth Oppel (*1967) ist ein kanadischer Kinder- und Jugendbuchautor, dessen Fantasy- und Science-Fiction-Bücher vielfach ausgezeichnet und übersetzt wurden. Er lebt mit seiner Frau Philippa, einer Shakespeare-Professorin, und drei Kindern in Neufundland.

Inge Wehrmann hat den Roman großartig aus dem kanadischen Englisch übersetzt. Ihr ist es zu verdanken, dass sich das Buch so flüssig, realistisch und mitreißend liest. Vor allem die Stimme, die sie Mister Riggs verliehen hat („Heidewitzka“, „Schurken“,…), fand ich wahnsinnig lustig. Gerade letzte Woche habe ich ein extrem schlecht übersetztes Naturbuch in Händen gehalten, das von der ersten bis zur letzten Seite voller englischer Begriffe war (es war ein “Survival-Guide”, grins). Jedenfalls ist es dann eine wahre Wohltat, wieder so ein richtig gut übersetztes Buch zu lesen. Danke, Inge Wehrmann!

Ich danke dem Verlag Beltz & Gelberg für das Rezensionsexemplar.

Kenneth Oppel. Bloom: Die Apokalypse beginnt in deinem Garten. Weinheim: Beltz & Gelberg in der Verlagsgruppe Beltz, 2020. Übersetzt von Inge Wehrmann. Englischer Originaltitel: The Bloom Trilogy.

Gabi Kreslehner: Nils geht

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 13 Jahren

139 Seiten, gebundene Ausgabe um € 16,95

Themen: Schule, Mobbing, Ausgrenzung, Freundschaft, Mitläufer, Mobber, Gewalt an Schulen, Zivilcourage, Selbstschutz

Spannend, mitreißend, berührend: Ein Jugendroman der Extraklasse!

Zum Buch:

Dont’t judge a book by its cover, heißt es. Für dieses Buch gilt das ganz besonders: Was sich so unaufgeregt präsentiert, ist ein aufwühlendes, krasses Jugendbuch, das alle jungen Leute fesseln wird. (Jaja, die alten schon auch, aber den Jungen hilft es halt im Leben weiter!)

Gabi Kreslehners berührender Roman Nils geht stößt uns mit der Nase auf eine unschöne Klassensituation: Da sind die fürchterlichen Vier, die ihren Namen nicht umsonst haben, da gibt’s einen Haufen Mitläufer, denen die Vier zuwider sind, die sie aber auch irgendwie bewundern, und dann gibt es Nils: „Egal wo, wenn du das perfekte Opfer bist, dann bist du es überall.“

Es entspinnt sich ein Thriller: Nils versucht, den Kopf über Wasser zu halten, die Mitläufer versuchen, wegzusehen, schaffen das aber nicht, und die Vier schlagen zu, immer und immer wieder. Doch eines Tages greift Nils zum Messer

Spannend, mitreißend, berührend: Gabi Kreslehner ist Großes gelungen.

Zur Autorin:

Die 1965 geborene österreichische Autorin, Lehrerin und Theaterpädagogin Gabi Kreslehner schreibt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihre Werke wurden schon mit vielen Preisen und Stipendien prämiert und in andere Sprachen übersetzt. Es ist unglaublich, wie gut sie sich in Jugendliche hineindenken kann und beschreibt, was wirklich abläuft.

Ich danke dem Tyrolia Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ryeo-Ryeong Kim: Eins – zwei, eins – zwei – drei

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 15 Jahren

208 Seiten, gebundene Ausgabe um € 18

Themen: Familie, Freunde, Schule, Sport, Nachbarschaft, Kickboxen, Korea, Asien, erste Liebe, Uni

Eins – zwei, eins – zwei – drei ist ein witziger, temporeicher, spannender Roman – und dank der „exotischen“ Kultur völlig unvorhersehbar: genial!

Der 17-jährige Held dieses Romans hat’s nicht leicht: Er ist zurückhaltend, hat keine Freunde in der Schule und lebt ohne Mutter in einer kleinen Wohnung mit dem Vater und dessen bestem Freund. So weit, so gut. Da kann sich jeder Teenie mit identifizieren. Aber BÄM! Der Held heißt Wan-Duk, die Geschichte spielt in Korea, der extrem kleinwüchsig Vater und der stotternde Onkel sind Taxitänzer, Wan-Duks vietnamesische Gastarbeiter-Mama taucht plötzlich auf, anstatt Leute blind vor Wut zu vermöbeln, fängt Wan-Duk mit Kickboxen an, die heiße, oberschlaue Klassenkameradin Jun-Ha wird seine „Managerin“ und sein völlig abgedrehter Nervensägen-Lehrer aus dem Nachbarhaus ist ein stinkreicher Politaktivist.

Auf diesen 200 Seiten wird man super unterhalten und taucht ganz nebenbei in eine völlig unbekannte Welt ein (außer man kennt sich schon in der koreanischen Kultur aus, natürlich).

Sehr zu empfehlen, für alle ab 15!

Die Koreanerin Kim Ryeo-Ryeong wurde 1971 in Seoul geboren. Nach der Geburt ihrer beiden Kinder studierte sie mit knapp 30 Jahren Kreatives Schreiben an der Kunsthochschule Seoul. Eins – zwei, eins – zwei – drei war ihr Debütwerk, es erschien 2008 in Korea und wurde zu einem großen Erfolg. Die spätere Verfilmung unter dem Titel »Punch« von Lee Han verzeichnete über 5 Millionen Besucher. Kim lebt heute als freie Schriftstellerin in der koreanischen Provinz Gyeonggi-do.

Übersetzt wurde das Buch von Hyuk-Sook Kim und Manfred Selzer, die der koreanischen Kultur Raum gegeben haben und gerade so viel „eingedeutscht“ haben, dass man alles prächtig versteht. Wirklich toll!

Ein Wort noch zum Verlag:

Baobab Books ist ein Schweizer Kinder- und Jugendbuchbuchverlag, der sich als gemeinnütziger Verein lokal, national und international für kulturelle Vielfalt in der Kinder- und Jugendliteratur einsetzt und dementsprechende interkulturelle Projekte, Lesungen für Kinder, Workshops und Unterrichtsmaterialien anbietet. Die Corona-Krise ist für die Non-Profit-Organisation Baobab Books finanziell eine große Herausforderung. Um das geplantes Buchprogramm 2020 zu sichern, hat der Verlag eine 30-tägige Crowdfunding-Kampagne gestartet.

Okay, das war jetzt mehr als ein Wort…

Ich danke dem Verlag Baobab Books sehr herzlich für das Rezensionsexemplar.

Ryeo-Ryeong Kim. Eins – zwei, eins – zwei – drei. Basel: Baobab Books, 2020.

Martin Verg und Jürgen Hübner, Hg.: Gestern war noch Krieg: Die Zeit um 1945 in Sachtexten und Erzählungen von Gudrun Pausewang, Christine Nöstlinger, Klaus Kordon u.a.

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦◊◊◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 10 Jahren

240 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12

Themen: Zweiter Weltkrieg, 1945, Kriegsende, Bombenkrieg, Widerstand, Volkssturm, Adolf Hitler, Flucht, Vertreibung, Befreiung, Besatzung, Nationalsozialismus, Gestapo, Konzentrationslager, SS, Wehrmacht, Nazi-Diktatur

Wie war das Leben in Deutschland und Österreich während des Zweiten Weltkriegs? Gestern war noch Krieg schildert Kindern den Zweiten Weltkrieg in verständlichen Sachtexten und spannenden Erzählungen berühmter KinderbuchautorInnen. Sehr berührend und fundiert! Absolut empfehlenswert!

Vor 75 Jahren endete der Zweiten Weltkrieg. Der langjährige GEOlino-Journalist und Kinderbuchautor Martin Verg hat aus diesem Anlaß mit dem Kinderbuchexperten Jürgen Hübner ein hervorragendes Buch gegen das Vergessen herausgegeben, das spannende Kriegskinderprosa von elf namhaften AutorInnen versammelt und einen kindgerechten historischen Überblick über den Zweiten Weltkrieg liefert.

Die Kinder-Anthologie besteht aus fünf Kapiteln (Bombenkrieg, Widerstand, Volkssturm, Vertreibung, Besatzung), zu denen immer zwei bis drei hochkarätige, eindrückliche, bewegende Erzählungen gehören. Unter den AutorInnen sind Christine Nöstlinger, Uri Orlev, Gudrun Pausewang, Klaus Kordon , Ruta Sepetys und Anke Bär. Jedes Kapitel wird von einem einführenden Text eingeleitet, der den geschichtlichen Hintergrund verständlich und knapp erläutert und die Texte kontextualisiert. Ein fundiertes Vorwort und Nachwort verbinden die schrecklichen Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs mit der Gegenwart und Zukunft. Eine gelungene Zeittafel und ein tolles Glossar ergänzen dieses herausragende Kinderbuch, das Kindern den Zweiten Weltkrieg begreifbar macht.

„Je weniger Menschen leben, die aus eigener Erfahrung über diese Zeitberichten können, desto bedeutender werden historische und literarische Quellen, die die Ursachen, Geschichte und Folgen der NS-Herrschaft und ihre Verbrechen auf anschauliche Weise näher bringen“, schreiben Sabine Bamberger-Stemmann und Jens Hüttmann im Nachwort. Auch aus diesem Grund ist Gestern war noch Krieg sehr wertvoll.

Ich danke dem Thienemann Verlag für das Rezensionsexemplar.

Martin Verg und Jürgen Hübner in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg. Gestern war noch Krieg: Die Zeit um 1945 in Sachtexten und Erzählungen von Gudrun Pausewang, Christine Nöstlinger, Klaus Kordon u.a. Stuttgart: Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 2020. Mit Illustrationen von Irmela Schautz.

Anke Kuhl: Manno! Alles genau so in echt passiert

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: für alle (!!!) ab 7 Jahren

136 Seiten, gebundene Ausgabe um € 16

Themen: Geschwister, Schwestern, Familie, Freunde, Schule, Kindheit

Anke Kuhls preisgekrönte, witzige Sammlung von lose verknüpften Anekdoten aus ihrer Kindheit in den 70er Jahren, Manno! Alles genau so in echt passiert, ist ein grenzgeniales, kunterbuntes, superlustiges Kindercomic über Geschwisterliebe und Kindheitserlebnisse, vom Eislutschenlassen über Krankenhausbesuche und Haustieralarm bis hin zu Kartenspielzoff und Tanzchoreographien.

Auch wenn Kuhl aus ihrer Kindheit in den 70ern erzählt (mit lustigen Details wie Schlaghosen, ABBA und gestreiften Klappstühlen) und sich viele Eltern dieses Kinderbuch krallen werden, finden sich heutige Kids genauso in diesen Kindheitsepisoden wieder. Als dieses Buch bei uns zuhause ankam, hat es sich die Kleinste sofort unter den Nagel gerissen und auf einen Sitz durchgelesen. Ihre große Schwester und ich haben derweil wie die Aasgeier darauf gewartet, dass sie das Buch mal weglegt, was nicht geschah, und schließlich haben wir zwei es nacheinander verschlungen. Manno! ist das erste Buch, das meine Kinder und mich gleichermaßen in Begeisterung versetzt hat. Ein großartiges Buch für alle Kinder von früher und heute!

Anke Kuhl erklärte 2019 in einem Interview mit der Comic-Denkblase, Alex Jakubowskis Comicblog, dass ein Comic für sie das einzig wahre Medium für ihre Kindheitserinnerungen sei, “weil ich so viele Bilder im Kopf habe, die ich zeichnerisch viel präziser und treffender ausdrücken kann, als mit vielen Worten. In den Geschichten kommen schöne und schlimme, lustige und traurige, komische und tragische, fröhliche und eklige, leise und laute Momente nebeneinander vor.” Tatsächlich beschert Anke Kuhl mit Manno! nicht nur haufenweise Lachanfälle, sondern bringt auch vereinzelt traurige, angstvolle Moment aufs Trapez: so wie es in der Kindheit eben ist.

Dieses Buch ist absolut großartig. Alle ab 7 Jahren sollten es unbedingt lesen!!!

Anke Kuhl (* 1970) ist eine erfolgreiche deutsche Illustratorin, die mit Mann und Kindern in Frankfurt am Main lebt. Sie hat zahlreiche Kinderbücher illustriert und erhielt 2011 für Alles Familie! den Deutschen Jugendliteraturpreis. Hier habe ich ihre Bücher Alles lecker! und Ein ABC der Schadenfreude vorgestellt. Für Manno! erhielt Anke Kuhl den Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung, die mit 20.000€ höchst-dotierte Comicauszeichnung des deutschsprachigen Raums.

Ich danke dem Klett Kinderbuch Verlag für das Rezensionsexemplar.

Anke Kuhl. Manno! Alles genau so in echt passiert. Leipzig: Klett Kinderbuch Verlag, 2020.

Stephan Sigg: Was ich dir zur Firmung wünsche

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 10 Jahren

44 Seiten; gebundene Ausgabe um € 9,95

Themen: Firmung, Glaube, Religion, Jugend, Gott, gute Wünsche, junge Gläubige, christlicher Glaube, Christentum, Pfingsten, Gedanken, Erwachsenwerden, Ermutigung, Empowerment, Mut, Humor, Freunde, Kreativität, Heiliger Geist, Teenager

In Was ich Dir zur Firmung wünsche sammelt Stephan Sigg ermutigende Gedanken und gute Wünsche, eigentlich für Firmlinge, aber ich finde die Sprüche für alle Menschen schön. Man wird ermutigt, voller Humor, Kreativität und Durchhaltevermögen – und im Vertrauen auf Gott – zu leben. In jugendgerechter Sprache gibt Sigg Tipps für ein erfülltes, reiches Leben und versichert, dass Gott jedermann (und jederfrau) zur Seite steht.

Die Bilder im Buch sind übrigens sehr vielsagend, ansprechend und unterhaltsam!

Ein Lebensratgeber für junge Erwachsene, den ich sehr empfehlenswert finde.

Der junge Schweizer Autor und Journalist Stephan Sigg ist studierter Theologe und erreicht mit seinen Büchern viele junge Menschen. Er engagiert sich auch für Schreib- und Leseförderung sowie Nachhaltigkeit. Hier der Link zu seiner Homepage.

Herzlichen Dank an den Tyrolia Verlag für das Rezensionsexemplar!

Stephan Sigg. Was ich Dir zur Firmung wünsche. Innsbruck, Wien: Tyrolia Verlag, 2019.

Markus Dietrich: INVISIBLE SUE Plötzlich unsichtbar

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦◊◊◊◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦◊◊
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 10 Jahren

160 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12,90

Themen: Einzelgängerin, Freundschaft, Familie, Superheldin, Erfindungen, Superkraft, Nerd, IT-Genie, BMX-Champ, Hochbegabung, Außenseiter

Im Herbst 2019 kam der Kinofilm „Invisible Sue: Plötzlich unsichtbar“ heraus – den haben wir irgendwie nicht mitbekommen. Aber das Buch zum Film von Markus Dietrich finden meine Kinder und ich klasse!

Sue ist zwölf und wird von allen, außer ihrem Vater, ignoriert. Bei einem Unfall im Labor ihrer Mutter kommt sie eines Tages mit einer neu entwickelten Substanz in Berührung: Ab diesem Zeitpunkt kann sie sich unsichtbar machen – und wird gejagt.

Zwei Mitschüler, der BMX-Champ Tobi und die geniale Tüftlerin Kaya, helfen ihr in höchster Not und retten zusammen mit Sue deren entführte Mutter. Auf weitere Abenteuer der Drei darf man gespannt sein!

Markus Dietrichs Erzählweise ist zwar nicht so kunstvoll wie z. B. Katja Brandis‘ oder Eliot Schrefers, aber die Geschichte läuft so spannend ab wie ein Kinofilm* und unterhält mit viel Witz und Nervenkitzel bestens.

*Der Kinofilm hat übrigens den Preis der Kinderjury (Oulu Filmfestival 2018) und den Publikumspreis (FIFEM Montreal 2019) gewonnen.

Ich danke dem 360 Grad Verlag und Bücherwege für das Rezensionsexemplar!

Markus Dietrich. Invisible Sue: Plötzlich unsichtbar. Schriesheim: 360 Grad Verlag, 2019.

Steven Herrick: Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 13 Jahren

240 Seiten, gebundene Ausgabe um € 15

Themen: Familie, Freundschaft, erste Liebe, Stadtleben

Steven Herricks Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen, großartig übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn, hat 2019 den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis gewonnen. Es drängt sich die Frage auf, warum. Ist es besonders katholisch*? Nein. Ist es besonders gut? Oh, ja!!

Dieses unglaublich faszinierende Jugendbuch kombiniert die Gattungen Roman und Gedicht auf einzigartige Weise (und hier kommt der deutsche Übersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn wieder ins Spiel, denn ohne ihn hätte dieses Buch bestimmt keinen Buchpreis gewonnen!). Die Erzählung besteht aus gedichtartigen Szenen, die den LerserInnen bewegende Einblicke ins Leben des Jugendlichen Harry Hodby gewähren. Er lebt zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder Keith in einer australischen Stadt, ist in Linda verliebt und schlägt sich in der ärmlichen Nachbarschaft und der Schule durch.

Das Buch beginnt mit dem Gedicht „Die Farbe meiner Stadt“, das meiner Meinung nach dem Prolog in Shakespeares _Romeo und Julia_ hinsichtlich Vorausschau und Schönheit absolut ebenbürtig ist. (Wenn ihr mir nicht glaubt, lest bitte beides nach und nickt dann zustimmend!) Ich darf mal die letzten Zeilen dieses Gedichts zitieren, damit Ihr Euch selbst eine Vorstellung von diesem feinen Werk machen könnt:

Aus „Die Farbe meiner Stadt“:

„Braun

war den ganzen Sommer über das Gras,

eine tote Schlange,

platt gefahrene Riesenkröten

und unser mit Öl beschmiertes Haus;

nichts, was lebt,

nichts, was leuchtet.

Weiß

war Mums Nachthemd,

die Kreide, die Miss Carter benutzte,

um meinen Namen zu schreiben,

Krankenhauslaken

und die Farbe von Lindas Kreuz.“

(Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen, Seite 6-7)

Nun entfaltet sich vor unseren Augen Szene für Szene und Gedicht für Gedicht das Leben dieses scharfen Beobachters, der das Schöne auch im Hässlichen entdeckt und mit seiner anständigen Art gegen die Windmühlen seines Milieus kämpft, etwa wenn er die Lehrerin unschuldig fragt: „Warum haben Sie eigentlich / niemals geheiratet, / Miss Carter?“ (42), als sie seine Freundin Linda schikaniert und bezichtigt, sie träume davon, mit einem Jungen durchzubrennen.

Was Harry alles erlebt, ist schwer übersichtlich wiederzugeben: Menschen sterben, verletzten sich, ein Mädchen wird geschwängert, ein Haus geht in Flammen auf. Es ist das packende Leben eines normalen Jungen, den die Achterbahn des Lebens herumreißt, bis:

„Ich schließe das Tor,

gehe die Treppe hinauf,

setze mich

auf die oberste Stufe

und warte auf Dad

und auf Keith,

dass sie

nach Hause kommen

in der perfekten Stille

des Nachmittags.“ (238-239)

Großes Kino für feinfühlige Jugendliche und Erwachsene!

Das Buch wurde übrigens auch mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2019 ausgezeichnet und es wurde Jugendbuch des Monats Juni 2018 der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V..

*Gott wird im Buch zweimal erwähnt: Einmal nach einem schrecklichen Unfall des Vaters, einmal im Gedicht “Es war nicht Gott”, in dem sich Harry fragt, wo Gott war, als all die schrecklichen Dinge in seinem Leben passierten.

Heute habe ich zwar nicht für ein Rezensionsexemplar zu danken (selbstgekauft, grins), aber trotzdem danke ich dem Thienemann-Esslinger-Verlag, der so großartige Bücher ins Deutsche übersetzen lässt und herausbringt, damit auch die deutschsprachige LeserInnenschaft so etwas Schönes lesen kann!

Steven Herrick. Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen. Stuttgart: Thienemann Esslinger Verlag, 2018. Genial aus dem australischen Englisch übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn. Originaltitel: By the River.