Chiaki Okada und Ko Okada: Bist du der Frühling?

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦◊◊◊
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Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 3 – 6 Jahren
32 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,40

Themen: Familie, Hase, Frühling, Großwerden, Eisbär, Meer, Wald, Warten

Mitten im Winter spielen die Hasenkinder im Wald. Während die älteren Brüder schon hoch springen können und vom Baum aus das Meer und den Frühling erspähen, sitzt das jüngste Hasenkind am Boden fest. Mama Hase verspricht, dass es im Frühling auch so hoch hüpfen können wird wie seine Geschwister, doch was ist der Frühling? Als der kleine Hase am Morgen Fußstapfen hört, saust er aus dem Haus, denn das kann ja wohl nur der Frühling sein, der da kommt: Ein spannendes Abenteuer beginnt.

Dieses unglaublich schöne Bilderbuch ist allein haptisch schon ein Erlebnis: Der raue Einband ist genauso ansprechend wie die Winterbilder darin. Die wunderschöne, mit zarten Strichen detailreich gezeichnete Hasenfamilie inmitten der weiß-blau-grauen Schneelandschaft ist einfach hinreißend. Dazu kommt noch die berührende Geschichte des jüngsten Hasenkindes, dem die Versprechungen, der Frühling werde bald kommen und er werde auch bald hoch hüpfen, nicht schnell genug eintreten können.
Chiaki Okada Ko Okada Bist du der Frühling Bilderbuchtipp Buchempfehlung für Kinder Buchtpp Kinderbücher Kinderbuchblog Jugendbuchblog Brigitte WallingerUrsula Gräfe


Mit diesem sehr empfehlenswerten Bilderbuch (erschienen im Moritz Verlag) gibt das japanische Ehepaar Okada sein Debüt auf dem deutschen Buchmarkt. Chiaki Okada hat als Illustratorin schon mehrere Bilderbücher veröffentlicht. Den Text von Bist du der Frühling? hat sie zusammen mit ihrem Mann Ko verfasst. Sie leben mit ihren drei Kindern, einem schwarzen Shiba-Hund und einem Kaninchen am Stadtrand von Tokio.


Chiaki Okada und Ko Okada. Bist du der Frühling? Originaltitel: Mo sugu, mo sugu. Frankfurt: Moritz Verlag, 2019. Übersetzt aus dem Japanischen von Ursula Gräfe.

Elisabeth Steinkellner und Michael Roher. Vom Flaniern und Weltspaziern: Reime und Sprachspiele

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦♦
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Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 6 – 10 Jahren
112 Seiten, gebundene Ausgabe um € 16,95

Themen: Stadtleben, Liebe, Streit, Reisen, Berufung, Gefühle

Ich liebe ja Gedichte. Schreibe selbst seit meiner Jugend welche, brannte im Studium dafür, habe mit vielen DichterInnen über Gott und die Welt gesprochen und ihre Werke verschlungen. Auch im Kinderbuchbereich sprechen mich gereimte, rhythmische, kurze Texte – gerne mit Witz – in besonderer Weise an. Das neue erschienene Buch von Autorin Elisabeth Steinkellner und Illustrator Michael Roher, Vom Flaniern und Weltspaziern, ist ein solches Reim- und Sprachspielbuch. Und ich stehe in Flammen: Es ist G E N I A L !!!

Die unterschiedlichsten Gedichtformen finden sich darin: optische Gedichte, wie das vom Mund, in dem ein schwarzer Zahn steckt („Zahnarzt-Termin“), gereimte Verse (etwa das überraschend endende „Kontrolleur“), freie Gedichte ohne Reim, aber mit viel Rhythmus und Lautmalerei, in „Einsam“ sogar mit Zahlenordnung, in „Post von unterwegs“ mit alphabetischer Reihenfolge (inklusive X, Ypsilon und Zett!).

Jedem Gedicht wohnt sein eigener Zauber inne, jedes erweckt im Kinderkopf schöne Bilder und Gedanken, unterhält auf kreativste Weise (wie „Hitzig“, das in einem gemeinsamen Schwimmbadbesuch zweier Streithähne endet). Auch dem Sprachspiel sind einige Texte gewidmet: In „Umwege“ verwandelt sich ein Wort, indem immer nur ein Buchstabe pro Zeile abgeändert wird: Man sitz gespannt da, wie vor einem Zauberer in der Manege, und wartet, was wohl als nächstes aus dem magischen Zylinder gezogen wird: eine Ziege, Diebe oder vielleicht eine Wiege? Auch die lustige Liste österreichischer Ortsbezeichnungen in „Urlaub in Österreich“ ist total unterhaltsam: Hier zum Beispiel im Absatz „Literarische Reisen“:

„Bucheck, Lesachtal,

Schönbuch,

St. Roman,

Wörtherberg“ (Seite 49).

Den Absatz „Lustvoll reisen“ darf jede(r) selbst durchlesen ;-). – Nana, nur keine Angst, „Venusberg“ und „Triebental“ werden Eure Kids nicht verderben!

Klangspiele sind natürlich in allen Gedichten eingebaut, aber „Mutprobe“, der lautliche Ausdruck einer gefährlichen Handlung, und „Kaffeehaus“, das die Geräuschkulisse eines Cafés einfängt, stechen als besonders überzeugend und witzig heraus.

Reime sind ein prägendes Element dieses Buches. Ein absurdes Gedicht wie „In Kathmandu flog eine Kuh“ darf da natürlich nicht fehlen. Wär ja jammerschade, wenn die Kids und Teens so etwas nicht lesen würden:

„In Singapur

Sah ich `ne Schnur –

Nur war’s dann eine Schlangenspur.“ (Seite 64)

Eins der vielen wunderbaren Gedichte heißt „Nur so“, und an die „Just so stories“ von Rudyard Kipling (deutsch: „Nur so Geschichten“) erinnert mich der Kindergedichtband von Steinkellner und Roher auch: Viel Wortwitz, viel Sprachgefühl, sehr unterhaltsame Geschichten und ein Klangspiel, das Kinder verzaubert.


Die österreichische Autorin Elisabeth Steinkellner ist Sozialpädagogin und Anthropologin mit Liebe zur Literatur, zum Reisen und zum Zirkus. Nicht nur hier harmoniert sie mit ihrem Mann, Michael Roher, der für dieses Buch punktgenaue Illustrationen zu Steinkellners Gedichten gezeichnet hat. Roher ist selbst auch Kinderbuchautor, und sein fabelhaftes, sehr empfehlenswertes Buch Tintenblaue Kreise habe ich hier vorgestellt. Zusammen mit ihren Kindern leben Elisabeth Steinkellner und ihr Mann in Baden bei Wien.

Elisabeth Steinkellner und Michael Roher. Vom Flaniern und Weltspaziern: Reime und Sprachspiele. Innsbruck: Tyrolia, 2019.

Giancarlo Macri und Carolina Zanotti: PUNKTE

Leselevel: ♦◊◊◊◊
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Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 3 – 8 Jahren
48 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,99

Themen: Flüchtling, Migration, Auswandern, Einwandern, Immigration, Emigration, Fremde, Heimat, aufnehmen, zusammenwachsen, Freundschaft, arm und reich, Solidarität, Integration

 

Ein sehr empfehlenswertes Bilderbuch, das das Thema Flüchtlinge auf genial einfache Weise veranschaulicht. Auf den rechten Seiten beschreiben ein schwarzer Punkt und seine Freunde ihr schönes Leben. Da kommt auf einer linken Seite ein schwarzer Kringel und erzählt von seinen Freunden ohne Spaß, Essen und Häuser. Natürlich würden die Kringel der linken Seite gerne auf die komfortable rechte Seite zu den Punkten wechseln, was sie nach kurzer Beratung unter den Punkten auch tun dürfen. Aber irgendwann ist Stopp, denn nicht alle passen auf die rechte Seite. Hier und dort wird überlegt und schließlich findet sich die Lösung: Bunt gemischt wird auf beiden Seiten zusammengeholfen, und es entstehen neue Wesen: halb Kringel, halb Punkt.

 

Es fasziniert mich nicht nur, wie einfach man ein komplexes Thema für Kinder interessant aufbereiten kann, sondern auch, wie man aus Punkten und Kringeln ein bezauberndes Bilderbuch gestalten kann. Hut ab vor so viel Fantasie und Kreativität!

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Die Buchautoren Giancarlo Macri und Carolina Zanotti sind ein Ehepaar und fixer Bestandteil der italienischen Kulturszene. Er ist erfolgreicher Schauspieler, Autor und Musiker, sie Kulturjournalistin und Kinderbuchautorin. Mit ihren beiden Kindern leben sie im Piemont.

 

Giancarlo Macri und Carolina Zanotti. PUNKTE. Stuttgart: Gabriel im Thienemann-Esslinger Verlag, 2015. Übersetzt von Salah Naoura.

Maz Evans: Die Götter sind los

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Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 10 – 14 Jahren
336 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,99 (TB um €7,99)
Themen: griechische Götter, England, Schule, Stonehenge

Der tolle Band 1 der Tetralogie Die Chaos Götter, deren dritter Band diesen Februar erscheinen wird, ist ein Hit. Elliot Hooper, der Held der Story, hat’s nicht leicht: Seine Mum ist dement, ein Lehrer mobbt ihn, und das Geld ist knapp. Doch dann knallt das Sternbild-Mädchen Virgo in seinen Kuhstall und sein Leben steht Kopf. Die beiden müssen den Todesdämon Thanatos einfangen, den sie leider irrtümlich befreit haben. Mit sexy Zeus, Fashion-Fan Hermes, den streitenden Schwestern Aphrodite und Athene, dem erfinderischen Hephaistos und dem hochtrabenden Pegasus könnte das schwierige Unterfangen gelingen.

Diese moderne, witzig-spritzige und superkreative Version der griechischen Göttersagen ist wirklich empfehlenswert! Die Geschichte reißt einen förmlich mit, und wer ein Fan der griechischen Götter ist, wird die vielen lustigen Einfälle von Hermes iGod bis zur Zeitung „Argus-Kurier“ lieben. Die actionreiche Handlung (inklusive kickboxender Queen) wird die jugendlichen LeserInnen sicherlich begeistern.

Maz (eigentlich Mary Alice) Evans ist eine britische Autorin, Liedmacherin, Journalistin und Mutter zweier Töchter. Das vorgestellte Buch ist ihr Erstlingsroman (der coole englische Titel lautet Who let the Gods out?), wurde für über 20 Kinderbuchpreise nominiert und in 17 Sprachen übersetzt. Evans ist auch als engagierte Lehrerin für kreatives Schreiben im Einsatz.

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Meine signierte Ausgabe habe ich bei einem Gewinnspiel des Carlsen Verlages gewonnen. Vielen Dank, Ihr Lieben!

Maz Evans (Mary Alice Evans). Die Götter sind los. Hamburg: Carlsen Verlag / Chicken House Buch, 2017. Übersetzt von Ilse Rothfuss.

Martin Baltscheit: Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦♦
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Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: ab 5 Jahren
40 Seiten, gebundene Ausgabe um € 13,95
Themen: Füchse, Familie, Alzheimer, Liebe, Natur, Krankheit, Generationen, Abenteuer

Der schlaue, alternden Fuchs lädt die jungen Füchse gerne zum Essen ein und verrät seine smarten Jagdtricks. Doch dann beginnt er, Sachen zu verwechseln und zu vergessen, er verirrt und verletzt sich. Nun versorgen ihn die jungen Füchse und erzählen ihm von ihren Jagderlebnissen und ab und an auch von seinen alten Tricks.

Wie alle Martin Baltscheit-Kunstwerke so zeichnet auch dieses Buch großer Witz, frische Ideen und feines Einfühlungsvermögen aus. Die Illustrationen sind ebenfalls hervorragend: Wer den verwirrten, alten Fuchs und seinen schrägen Schatten inmitten der höchst ordentlichen Kirchenbänke und quadratischen Fliesen sitzen sieht, weiß, was ich meine. Auch die dazugehörige Textseite mit den durcheinander gepurzelten Wochentagen in gleicher Schriftgröße und Farbe, jedoch unterschiedlicher Farbintensität und Schräglage, ist genial. Und dann noch der Inhalt:

Zuerst brachte er die Wochentage durcheinander. Er ging am Mittwoch in die Kirche und wunderte sich, warum der Chor der Gänse nicht sang. (Seite 10, wenn’s denn stimmt ;-), denn auch die Seitenzahlen sind etwas wirr).

Tja nun, der alte Gänseliebhaber wollte also dem Chorgesang lauschen, grins. (Die Gänse rächen sich übrigens später und vertonen „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ auf den letzten Seiten neu zu „Ich hab dem Fuchs Verstand gestohlen, geb ihn nie mehr her, geb ihn nie mehr her“).

Für Kinder ist das Buchthema Demenz zweitrangig oder eventuell sogar unbekannt, aber mal was zu vergessen, schusselig wo runterzufallen, Albträume und Angst zu haben, das ist ihnen wohl bekannt, und so können sie sich sowohl mit dem großen Fuchsabenteurer der ersten Seiten als auch mit seiner verwirrten Version gut identifizieren. Und wenn das Bilderbuch auch nicht mit Friedefreudeeierkuchen endet, so doch versöhnlich, denn der Fuchs wird von den Jungen umsorgt, beschützt und unterhalten.


Martin Baltscheit ist ein vielseitiger Künstler. Der 1965 geborene, vielfach preisgekrönte Düsseldorfer werkt als Comiczeichner, Illustrator, Schriftsteller, Rundfunkmoderator, Schauspieler, Regisseur, Hörspielsprecher und Drehbuchautor. Ein echtes Multitalent eben. Ich persönlich kenne ihn vor allem als genialen Kinderbuchautor. Sicherlich lieben auch viele von Euch sein Buch Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte. Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor ist diesem absolut ebenbürtig und wurde übrigens mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 prämiert.

 

Martin Baltscheit. Die Geschichte von Fuchs, der den Verstand verlor. Weinheim: Beltz & Gelberg, 2013.

Nesrin Kismar Arda und der Spuk von Tegel: Ein Tegeler Abenteuerroman

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: 8 – 12 Jahre
170 Seiten, Taschenbuch um € 10

Themen: Gespenster, Abenteuer, interkulturelle Freundschaft, Hund, Verbrechen, türkisch-deutsche Kultur

Arda und sein bester Freund Lennard erleben abenteuerliche Sommerferien in Berlin Tegel. Die beiden Elfjährigen wollen das Rätsel rund um den berühmt berüchtigten „Spuk von Tegel“ lösen, was zu einer nächtlichen Gespensterjagd, einem geklärten Verbrechen und ziemlich viel Ärger mit der Familie führt. Aber alles geht gut aus, und am Ende ergänzt ein vierbeiniger Spuk das dynamische Duo.

Die aufregende Geschichte spielt in Berlin – charmantes Lokalkolorit und fesselnde Beschreibungen bekannter Plätze und Sehenswürdigkeiten inklusive. Da einer der zwei Jungs aus einer Familie mit türkischen Wurzeln stammt, ist auch die deutsch-türkische Kultur und Geschichte ein Thema, was zusätzlich interessant ist. Hier weist die türkische Oma etwa ihren Sohn, Ardas Vater Ahmet, zurecht, weil er Arda für seine Spukbesessenheit tadelt:

„Lass mein Enkelkind in Ruhe, Ahmet, natürlich darf er fragen, was er im Sinn hat, und sich darüber Gedanken machen. Damit er nicht den falschen Weg nimmt, musst du ihm alles erklären“ (Seite 153).

Super, die Eltern-Kind-Beziehung mal aus muslimischer Sicht zu betrachten: Die Eltern, nicht der Sprössling selbst, sind dafür verantwortlich, dass das Kind auf dem rechten Weg bleibt ;-).

Die verlockenden Beschreibungen des leckeren Essens, das die Mütter von Arda und Lennard zubereiten, ist mir besonders aufgefallen: Wenn es den lesenden Kids so geht wie mir, werden sie während der Romanlektüre ständig Hunger haben.

Nesrin Kismars Kinderbuch punktet mit sympathischen Charakteren, einer spannenden Geschichte und einem kulturell sowie geographisch interessanten Hintergrund. Wie schade, dass diese Geschichte nicht von einem der großen Kinderbuchverlage publiziert wurde: Eine erfolgreiche Verlagslektorin hätte dem Buch definitiv zu einem besseren Untertitel, Klappentext und Cover verholfen und eventuell die ein oder andere Passage etwas gekürzt. Nichtsdestotrotz ist Arda und der Spuk von Tegel ein absolut empfehlenswertes Buch und ein wahrer Geheimtipp!

Die gebürtige Türkin und studierte Physikerin Nesrin Kismar lebt übrigens mit ihrem Mann und vier Kindern in Berlin. Sie schreibt Kinderbücher sowie Romane für Erwachsene.

Nesrin Kismar. Arda und der Spuk von Tegel: Ein Tegeler Abenteuerroman. Aachen: Shaker Media, 2017.

Jutta Treiber: Na ja

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: ab 4 Jahren
32 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,95

Themen: Eigenliebe / Selbstkritik, Individualität vs. Mainstream, Schönheit, Identität, Mut zum Anderssein

Zum 70. Geburtstag alles Gute, liebe Jutta Treiber! Die am 10.1.1949 geborene österreichische Autorin ist vielseitig begabt, und ihre Bilderbücher, Kinderbücher, Romane für Jugendliche und Erwachsene, Lyrik, Kindermusicals, Hörspiele, Kurzgeschichten und Kurzfilme begeistern Jung und Alt. Sie erhielt zahlreiche Literaturpreise, darunter den Kinder- und den Jugendbuchpreis der Stadt Wien, den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur sowie Würdigungspreise der Burgenlandstiftung Theodor Kery und des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. Treibers umfangreiches Werk wurde in 23 Sprachen übersetzt.

Ihr zu Ehren hat der Tyrolia Verlag Jutta Treibers gefeiertes Bilderbuch Na ja neu aufgelegt, das die deutsche Künstlerin und Illustratorin Susanne Eisermann einfühlsam und beeindruckend bebildert hat. Selbstkritisch blicken da ein Kreis, ein Dreieck und ein Quadrat vom Cover. Na ja, so ganz perfekt ist man nicht: Zu spitz, findet sich das Dreieck, zu rund der Kreis, zu eckig das Quadrat. Der Figurendoktor meint: „Kein Problem“. Hier kommt was weg, dort wird abgesaugt, da schnürt er was zusammen – et voilà. „Na ja“, sagen die drei Formen nun und stehen alle gleich eiförmig da. Der Figurendoktor zögert nicht lange, polstert auf, kantet ab, spitzt zu. Ob die Drei nun zufrieden sind?? Das herrliche Ende möchte ich nicht vorwegnehmen: unbedingt selber lesen!

Jutta Treiber führt die Absurdität des menschlichen Schönheitswahns lustig vor Augen, und jedem Kind (bzw. vorlesenden Erwachsenen) wird nach dem genussvollen Erleben von Susanne Eisermanns bezaubernden Formen und Farben bewusst, wie schön es ist, sich selbst zu lieben, genauso wie man ist. Jutta Treiber ruft uns zu: Pfeif auf das Idealbild, sei du selbst! Wie schön ist das?!

Jutta Treiber. Na ja. Innsbruck: Tyrolia, 2019.

Lea Coplin: Nichts zu verlieren. Außer uns.

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 14 Jahren

368 Seiten, Taschenbuch um € 10,95

Themen: Liebe, Freundschaft, Erwachsenwerden, Edinburgh, Reisen, Musik

 

Ich bin vor 20 Jahren mit einem riesigen Rucksack und zwei lieben Freundinnen durch Schottland gereist, und so etwas Ähnliches machen Max von Linden und Lina Stollberg auch. Als sie sich das erste Mal am Flughafen von Edinburgh treffen, fliegen die Fetzen, aber immer wieder laufen sie sich in der wunderschönen Stadt über den Weg. Schließlich fahren sie gemeinsam gen Norden, als touristische Zweckgemeinschaft sozusagen. Beide werden von familiären Problemen getrieben und könnten gegensätzlicher nicht sein: Er aus „gutem“ Elternhaus, vermögend, ein Strahlemann; sie die chaotische Straßenmusikerin, kratzbürstig und zickig. Doch sobald sie ihre Vorurteile ablegen und zaghafte Blicke hinter die Fassade des/der anderen wagen, kommen sie sich näher.

 

Bezaubernder, romantischer Roadtrip durch Schottland mit zwei Charaktertypen, die faszinieren. Lea Coplin* hat erneut eine fabelhafte Geschichte gesponnen, die nicht oberflächlichem Schmus nachjagt, sondern tief in die Gefühls- und Lebenswelt der Hauptfiguren eintaucht. _Nichts zu verlieren. Außer uns._ ist spannend, überzeugend und berührend. Unbedingt lesen und hier bis zum 23.12. um 23:59 einen Kommentar hinterlassen. Am 24.12. verlose ich das vom dtv-Verlag zur Verfügung gestellte Exemplar und dackle brav zum Postamt, damit die glückliche Gewinnerin oder der glückliche Gewinner dieses super YA-Buch noch in den Weihnachtsferien lesen kann, so wie ich es eigentlich geplant hatte. Aber, hey! Wer könnte diesem feinen, knallroten Band schon widerstehen?!?!!

*Informationen zum ersten Band von Lea Coplin gibt’s hier.
Und mein Interview mit der sympathischen Bestseller-Autorin Lea Coplin aka Anne Sanders könnt Ihr hier nachlesen.

Lea Coplin. Nichts zu verlieren. Außer uns. München: dtv, 2018.

Stefanie Dahle Erdbeerinchen Erdbeerfee: Mein zauberhaftes Anzieh-Spiel-Buch

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: für puppenliebenden Mädchen und modeaffinen Jungs ab 3 Jahren
16 Seiten, Pappbilderbuch mit wiederverwendbaren Stickern um € 12,99

Themen: Kleidung, Feen, Freundschaft, An- und Ausziehen, Erdbeeren, Selbermachen, Verkleiden

Für meine kleine Nichte habe ich heuer dieses Buch ausgesucht. Ich freue mich schon so darauf, ihr dabei zuzusehen, das Geschenk auszupacken und dann loszulegen – dieses Erdbeerinchen-Buch eignet sich nämlich nicht nur zum Lesen, sondern auch zum Spielen!

Die Story gefällt puppenliebenden Mädchen und modeaffinen Jungs ab 3 Jahren bestimmt sehr gut: Die Erdbeerfee Erdbeerinchen veranstaltet einen Kleiderflohmarkt im Erdbeergarten und sammelt dafür Altes und Selbstgemachtes. Alle ihre FreundInnen machen begeistert mit, und es gilt herauszufinden, wem was am besten steht. Sämtliche Kleidungsstücke lassen sich von den beigefügten Stickerbögen abziehen und dann auf die leicht bekleideten Bilderbuchfiguren kleben. „Aufgeräumt“ werden die Aufkleber auf der jeweiligen Buchseite in einer Kleiderleiste. Die Illustrationen sind wie immer bei Erdbeerinchen herzallerliebst. Stefanie Dahle weiß einfach, was kleine Herzen höher schlagen lässt. Und Elternherzen werden mit diesem feinen Beschäftigungsbuch auch viel Freude haben, denn die Mäuse werden quietschvergnügt längere Zeit in die rosa Feenwelt abtauchen 😉 .
Stefanie Dahle Erdbeerinchen Erdbeerfee Mein zauberhaftes Anzieh Spiel Buch Brigitte Wallingers Kinderbuchblog Buchtipp Geschenktipp Buchempfehlung Beschäftigung und Spaß für Mädchen


Für den Arena Verlag hat die 1981 geborene deutsche Kinderbuchautorin und -illustratorin schon viele Bilder- und Erstlesebücher geschrieben und gestaltet. Erdbeerinchen Erdbeerfee ist ihr bislang größter Erfolg. Die riesige Fangemeinde und die große Produktpalette beweisen das eindringlich. Hier kann man für Erdbeerinchen-Fans außer Büchern noch Pappteller, Kindertee, Einladungskarten und vieles mehr erwerben. Das wär vielleicht auch was für Weihnachten.


Stefanie Dahle. Erdbeerinchen Erdbeerfee: Mein zauberhaftes Anzieh-Spiel-Buch. Würzburg: Arena Verlag, 2016.

Melanie Laibl und Lili Richter: So ein Mist: Von Müll, Abfall und Co

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen zwischen 7 und 11 Jahren
48 Seiten, gebundene Ausgabe um €19,95

Themen: Müll, Abfall, Erfindungen, Lebensmittelrettung, Haltbarmachen, Recyclen

 

Das wunderbare Sachbuch „So ein Mist“ von Melanie Laibl und Lili Richter ist ein ideales Geschenk für schlaue Köpfe zwischen 7 und 11 Jahren. Das Buch ist ein super Mix aus Wissenswertem, Lustigem, Gereimtem, ansprechenden Illus und mistigen Tabuwörtern und bringt alle Lesenden, egal ob jung oder alt, zum Lachen. Es ist erstaunlich, wie viel Neues ich mit meinen… räusper… ähm, sagen wir mal 28 Jahren (kicher) dazugelernt habe! Auch meine Kinder sind von dem Buch total begeistert und mögen sich stundenlang damit beschäftigen. Dieser tolle Band, der zum „Wissenschaftsbuch des Jahres 2019“ gewählt wurde, gewährt clevere Einblicke in folgende Themengebiete: Verrottung, Körpermüll, Wasserreinigung, Luftverschmutzung, Hausmüll, Lebensmittelrettung, Recyclen, das Haltbarmachen von Lebensmitteln, Weltallmüll und verblüffende Erfindungen, die Körpermüll und Abfall verwerten. Ein richtig spannendes Sachbuch!

 


Die studierte Übersetzerin und Kommunikationswissenschaftlerin Melanie Laibl erhebt nicht den pädagogischen Zeigfinger, sondern erzählt Wissenswertes ohne Tabus und Berührungsängste. Sie präsentiert überraschende Zusammenhänge, detailreiches Wissen, verblüffende und kindgerecht formulierte Zahlen sowie witzige Müllgedichte. Wer hätte gedacht, dass das Thema Müll so spannend und facettenreich sein kann? Lili Richter, seit 2013 als selbständige Illustratorin tätig, sind in diesem Sachbuch geniale Illustrationen gelungen. Die Seiten sind sehr gelungen und unterhaltsam, wobei ich die Bilder zu den Tabuthemen besonders bewundere. Sicherlich finden Jungs und Mädchen die Illus gleichermaßen ansprechend.


 

Der Tyrolia Verlag hat mir freundlicherweise ein Exemplar von „So ein Mist“ zum Verlosen zur Verfügung gestellt! Und für die Eltern wurde in bester Weihnachtslaune noch das hochinteressante Buch „Nicht alles ist Mist“ von Angelika Kirchmaier oben draufgelegt. Darin enthalten sind wertvolle Tipps zu Nahrungsmittellagerung, Resteverwertung und Lebensmittelverderb. Ich hab es verschlungen und noch einiges dazugelernt, obwohl ich mich viel mit Ernährung beschäftige.

Wer nun dieses tolle Buchpaket vom Tyrolia-Verlag gewinnen möchte und in Österreich oder Deutschland wohnt, verrät mir einfach in einem Kommentar zu diesem Blogbeitrag, welches Schrottgeschenk ihn oder sie auf die Palme treiben würde: Ein grasgrüner, herzförmiger Toaster in Nussgröße? Ein getupfter Riesenlöffel, den man höchstens als Highheel-Einstiegshilfe benutzen kann? Ein Busenquartett?? (Oh, ja, meine Lieben, das gibt es wirklich!!!!) Bis zum 17. Dezember 2018 um 23.59 könnt Ihr am Gewinnspiel teilnehmen. Wer gewinnt entscheidet am 18.12.18 das Los. Viel Glück!

 

Melanie Laibl und Lili Richter. So ein Mist: Von Müll, Abfall und Co. Innsbruck: Tyrolia-Verlag, 2018.