Christian Tielmann Waschmaschine, Föhn und Kühlschrank: Technik einfach gut erklärt

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Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: für Kinder von 4 – 9 Jahren

24 Seiten, Maxipixibuch (Lesemaus-Ausgabe) um € 3,99

Themen: Technik, Ventilator, Föhn, Staubsauger, Bohrmaschine, Akkuschrauber, Handrührgerät, Waschmaschine, Klospülung, Toilette, Lichtschalter, Kühlschrank, Geschirrspüler, CD-Spieler

Okay, es ist mir peinlich, aber so ganz habe ich die Technik bisher nicht durchblickt. Obwohl meine Eltern und meine Lehrer anno dazumal sämtliche Erklärungsversuche mit „Also das ist kinderleicht…“ begannen, blieb da nicht viel hängen. Als Mama starte ich nun neu durch und knöpfe mir mit meinen Töchtern täglich ein Gerät vor. Ventilator und Föhn haben wir schon durch und ehrlich, Leute, ich könnte Euch die Funktionsweise dieser zwei Geräte knackig aufsagen. Am besten gefällt mir, dass sich in vielen Geräten ähnliche Bauteile befinden und alles irgendwie zusammenhängt: Föhn = Ventilator + Toaster, zum Beispiel.

Zurück zum Buch: Mathilda besucht in den Ferien die Großeltern. Ihr Opa ist ein richtiger Bastler. Er erklärt seiner Enkelin viele Geräte, die wir alle zuhause haben: Föhn, Akkuschrauber, Klospülung, Waschmaschine, Lichtschalter und vieles mehr. Die Funktionsweise der Geräte wird einleuchtend (!!) erklärt und in einfachen (!!) Illustrationen dargestellt.

Die Kids lernen so den Zauber der Technik kennen und verstehen, und wir Eltern ersparen uns das peinlich lange „Ähhhhhmmm“ auf Fragen wie „Warum ist es im Kühlschrank kalt?“ Super Sache, oder?! Dieses Buch ist auch ein tolles Mitbringsel, das definitiv jede Süßigkeit schlägt.

Christian Tielmann Waschmaschine, Föhn und Kühlschrank Technik einfach gut erklärt Buchtipp Sachbuch Kinder Buchempfehlung Kinderbuchblog Brigitte Wallinger geniales Buch

Christian Tielmann. Waschmaschine, Föhn und Kühlschrank: Technik einfach gut erklärt. Mit Bildern von Ursula Weller. Hamburg: Carlsen Verlag, 2018.

Alyson Noel: Soul Seeker: Vom Schicksal bestimmt

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Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 16 Jahren

441 Seiten, eBook um € 8,99

Themen: Teenieleben, Magie der Ureinwohner Nordamerikas, Liebe, Familie, Gut gegen Böse, Fantasy

Dieses Buch habe ich gekauft, weil ich seine Übersetzerin verehre: Ariane Böckler, die schon Bridget Jones: Schokolade zum Frühstück und viele andere tolle Bücher auf geniale Weise übersetzt hat und nebenbei auch noch ein total netter Mensch ist, hat dieses Young Adult Schätzchen ins Deutsche übertragen (#theartoftranslation). Auch die amerikanische Romanautorin Alyson Noel ist sehr erfolgreich: Vielleicht kennt ihr sie durch ihre YA-Serie Evermore? Soul Seeker: Vom Schicksal bestimmt ist ein durch und durch gelungenes Buch! Die vierbändige Soul Seeker-Reihe startet mit diesem Band, in dem die 16-jährige Halbwaisin Daire Santos ihre Bestimmung erfährt.

Daires Lebenwird wird vom Job ihrer Mutter bestimmt, die als Visagistin auf Hollywood-Filmsets arbeitet: Zusammen reisen sie von Filmlocation zu Flmlocation. Als Daire plötzlich Visionen bekommt, die alle um sie herum für Halluzinationen halten und ihr beinahe einen Aufenthalt in der Klapse bescheren, meldet sich Paloma, Daires Großmutter väterlicherseits. Sie überzeugt die Mutter, den Teenie zu ihr zu schicken und verspricht, ihr helfen zu können.

Daire reist also zu ihrer Abuela und staunt nicht schlecht, als sie von der langen Seelensucher-Tradition ihrer Familie väterlicherseits erfährt. Zuerst wehrt sie sich dagegen, dieses Schicksal anzunehmen, und will das kleine Dorf Enchantment in New Mexico, wo die Großmutter lebt, sofort wieder verlassen. Doch dann verliert sie sich in den blauen Augen des feschen Dace, spürt die Tiefe ihrer familiären Bande und genießt es, zum ersten Mal in ihrem Leben ein richtiges Zuhause zu haben. Daire bleibt, und die kränkelnde Paloma lehrt sie die Magie der Suchenden:

Ich sehe mich im Zimmer um, betrachte die Regale voller Tinkturen und Tränke und allen möglichen Kräuterarzneien, während in anderen Bücher, Rasseln, verschiedene Kristalle und Steine und eine rot bemalte Trommel zu erkennen sind. Und obwohl ich versuche, meinen Geist offen zu halten, und mein Bestes tue, um mitzuspielen, habe ich keine Ahnung, was sie meint. Ich bin die Tochter einer reisenden Visagistin – alles, was ich weiß, habe ich auf einem Filmset gelernt, im Internet oder direkt durch eigene Anschauung. So etwas habe ich allerdings noch nie gelernt. Ich hatte noch nicht einmal von Schamanen oder Suchenden gehört, ehe ich hierhergekommen bin.
Ich will schon protestieren, doch sie beeilt sich, mich zum Schweigen zu bringen. „Glaub mir, nieta – alles Wissen, das du brauchst, steckt bereits in dir. Es ist das Erbe deiner Vorfahren, es ist in dem Blut, das durch deine Adern fließt, es ist der Puls in deinem Herzschlag, und es ist meine Aufgabe, dir dabei zu helfen, es zu entdecken (Seite 158-159).

Das Dorf Enchantment ist sozusagen ein magischer Hotspot und zu Allerseelen kommt es zum Showdown: Daire und ihre Verbündeten gegen die böse Richter-Familie, zu der Dace in gewisser Weise gehört.

So ein YA-Text über Magie, Liebe, Familie und Teenierebellion könnte ganz schnell ins Platte, Abgekaute abdriften. Aber dank der wunderbaren Übersetzung von Ariane Böckler geschieht das nicht. Hut ab! Und volle Leseempfehlung für die Soul Seeker-Reihe, wenn Ihr Fans von Twilight und anderen Fantasy-Büchern wie Das Reich der sieben Höfe seid. Weil die Soul Seeker-Reihe der 1967 geborenen US-Bestsellerautorin Alyson Noel zwischen 2012 und 2015 herausgekommen ist, könnt Ihr jetzt gleich alle 4 Bücher nacheinander lesen: juhu!

Alyson Noel: Soul Seeker: Vom Schicksal bestimmt. München: Goldmann Verlag, 2012. Aus dem Deutschen übertragen von Ariane Böckler.

Timo Parvela: Ella in der Schule

Leselevel: ♦♦♦◊◊
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Zielgruppe: Kinder von 6 – 9 Jahren
144 Seiten, Taschenbuch um € 6,95

Thema: das erste Schuljahr, Blödsinn im Klassenverband, doppelbödiger Humor aus Kinderperspektive

Es ist soweit: Meine „Kleine“ kommt in die Schule, und in ihrer Schultüte steckt ein witziger Ella-Band, der ihr Lust auf einen Haufen Blödsinn inmitten der Schulbänke machen soll (sorry, Frau Lehrerin!).

Ella ist Erstklässlerin und alles läuft super, bis ihr Lehrer einen vermeintlichen Erpresserbrief bekommt. Was folgt ist eine Lawine aus Missverständnissen und urkomischen Situationen, und am Ende gibt‘s Zeugnisse für die SchülerInnen und ein Baby für den Herrn Lehrer. Juhu!

Einen kleinen Textausschnitt hab ich auch für Euch, der den temporeichen, lustigen Charakter des Buches ganz gut widergibt (Buch Seite 55-56):

Als Nächstes wollte der Vertretungslehrer mit uns rechnen. (…) „Kann jemand von Euch rückwärts zählen?“
„Ist doch pepsi“, sagte Mika.
„Dreh sofort deinen Stuhl wieder um und schau nach vorn!“, sagte der Vertretungslehrer streng.
„Ich dachte, ich soll rückwärts zählen.“
„Und du weißt nicht, was das bedeutet?“
„Doch“, sagte Mika und ruckte wieder seinen Stuhl in Richtung Rückwand.
„Ruhe die anderen!“, sagte der Vertretungslehrer, weil sich inzwischen die ganze Klasse darüber stritt, wie er das mit dem Rückwärts-Zählen wohl meinte.
„Und ihr dreht euch auch um!“, sagte der Vertretungslehrer zu Timo und Hanna, die genau wie Mika ihre Stühle umgedreht hatten.
„Ihr anderen nicht!“, rief der Vertretungslehrer, als wir anderen unsere Stühle umdrehten und plötzlich nur noch Mika, Timo und Hanna richtig herum saßen.
„Herr Lehrer“, meldete sich Pekka, als wir wieder alle in dieselbe Richtung schauten.
„Ja?“
„Heute ist bei uns Saunatag“, sagte Pekka und lächelte stolz. Pekka sagt manchmal einfach irgendwelche Sachen, und niemand weiß, warum.

Und alle LehrerInnen unter Euch wissen, dass es in jeder Klasse einen Pekka gibt 🙂 … Ella und ihre SchulkollegInnen verehren ihren Lehrer übrigens (also null Teacher-Bashing, keine Sorge!). Die Buchreihe ist nach der Ich-Erzählerin Ella benannt, aber in Ella in der Schule geht es um die ganze Klassengemeinschaft, das ist natürlich fabelhaft!

Ich wünsche allen ErstklässlerInnen und auch den „alten Hasen“ ein spannendes Schuljahr, in dem sie zusammen mit ihren KlassenkollegInnen viel zu lachen haben! Und uns Eltern starke Nerven, haha!

 

PS: Der 15. deutsche Ella-Band, Ella und der falsche Zauberer, kommt übrigens am 24. September in den Buchhandel. Ella und ihre KollegInnen – sie sind mittlerweile schon in der 3. Klasse – retten in dieser Geschichte ihren Lehrer, der plötzlich verdächtigt wird, ein Juwelendieb zu sein.

 

Timo Parvela. Ella in der Schule. München: dtv, 2017. 12. Auflage! 1995 auf Finnisch erschienen als Ella ja kaverit. Ins Deutsche übersetzt von Anu und Nina Stohner. Mit Bildern von Sabine Wilharm. Ella in der Schule ist der erste Band der Ella-Reihe.

Antje Damm: Frag mich!

Leselevel: ♦◊◊◊◊
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Zielgruppe: 4 – 100 Jahre

240 Seiten, stabiles Taschenbuch (offiziell: flexibler Einband) um € 15

Thema: 118 Fragen, um mit Kindern (und Erwachsenen) ins Gespräch zu kommen

Dieses Buch ist genial! Und zwar nicht nur, um mit Kids tiefgehende Gespräche zu führen, sondern auch mit Älteren. (Es mag natürlich seltsam anmuten, wenn man zum Gespräch im Caféhaus oder Altenheim ein Buch mitbringt und daraus Fragen vorliest, aber empfehlenswert ist es dennoch!) Die kurzen Texte können auch LeseanfängerInnen schon lesen. PädagogInnen empfehlen dieses Buch übrigens zur Sprachförderung.

Ich hatte es zufällig mit, als wir stundenlang im Stau standen, und die Zeit ist damit (und mit einer XXL-Packung Manner Wafferl) superschnell verflogen. Vielleicht eine Lektüre, die Ihr beim nächsten Urlaub einpacken wollt? Vermutlich findet Ihr sogar bei diesem Frage-Antwort-Spiel noch etwas Neues über Eure Liebste / Euren Liebsten heraus…

Die vier Töchter der Gießener Autorin haben am Buch mitgewirkt: Man merkt, dass in diesem Buch viel Herzblut, Fantasie und Einfühlungsvermögen stecken. Volle Empfehlung: tolles Buch!!

Antje Damm. Frag mich! Frankfurt: Moritz Verlag, 2017.

Wieland Freund: Krakonos

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦◊
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Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: Jugendliche von 10 – 14 Jahren

292 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,95

Themen: Rübezahl, Brüderbeziehung, digitale Welt, Natur

Die Brüder Nik und Levi leben zusammen mit anderen Jugendlichen und Kindern auf dem Campus der IT-Firma Qwip, für die ihre Eltern fast Tag und Nacht arbeiten. Der Alltag wird dominiert von Handys, PCs, Computerspielen, Laptops, autonomen Fahrzeugen und Videoüberwachung. Levi hält nichts von dieser digitalen Blase, sucht die Natur, auch wenn ihn das auf verbotene Wege führt. Sein Bruder ist bemüht, Levi zu decken und zu beschützen, wo er kann. Eines Nachts treffen sie jedoch auf den Naturgeist und Gestaltenwandler Krakonos, den man auch Rübezahl nennt. Er wird von einem erbarmungslosen Sonderkommando gejagt, das ihn töten will. Nur die Mythobiologin Emma, die einst zur Überwachung des Berggeistes abgestellt wurde und nun Teil des Sonderkommandos sein muss, will Krakonos schützen. Eine spannende Jagd beginnt, bei der auch die beiden Jungs ins Visier der Technokraten geraten.

Wieland Freund gelingt es mühelos, eine glaubhafte und fesselnde Geschichte im Spannungsfeld zwischen hochtechnologisierter Gegenwart und sagenhafter Naturwelt anzusiedeln. Zur aufregenden Jagd auf Rübezahl kommt auch noch die interessante Beziehung zwischen Nik und Levi. Letzterer erscheint zu Beginn des Romans autistisch, seltsam technologiefremd und eigenbrötlerisch. Später wird Nik entdecken, dass Levis Interesse an der Natur und Zuneigung zu Tieren durchaus ihre Berechtigung hat und dank Levi in eine neue Denkart und Sichtweise eintauchen. Ein tolles, sehr empfehlenswert Buch, das 2018 mit dem Leipziger Lesekompass und dem Rattenfänger Literaturpreis ausgezeichnet wurde.

Der 1969 geborene Wieland Freund, dessen Vater Germanistikprofessor war, arbeitet als Journalist, Autor von Kinder-und Jugendbüchern und Literaturkritiker in Berlin. Der Vater dreier Kinder ist auch als Übersetzer tätig. Zusammen mit Andrea Wandel hat er Steve Coles Astrosaurier-Bücher aus dem Englischen übertragen.

Wieland Freund. Krakonos. Weinheim: Beltz & Gelberg Verlag, 2017.

Florian Beckerhoff: Nickel und Horn: Zwei Detektive mit Durchblick

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦◊◊◊
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Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: für Kinder von 5 – 9 Jahren

144 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12,99

Themen: Detektive, Tiere, Abenteuer, Diebstahl, Brille

Die weitsichtige Meerschweinchendame Nickel und ihr Freund Horn, ein kurzsichtiger Papagei, leben mit dem ruhebedürftigen Hund Schlappi und seinem Herrchen, einem pensionierten Detektiv von 90 Jahren, zusammen. Als die beiden Brillenträger einen Einbrecher beobachten und der Nachbarsjunge Paul sie tags darauf um Hilfe bittet, weil sein Hinterafrikanisches Pupsetier verschwunden ist, gibt es für die tierischen Schnüffler kein Halten mehr.

Witzige, pointenreiche, kurzweilige Detektivgeschichte für Mädchen und Jungs ab 5 Jahren. Auch die Bilder von Barbara Scholz sind einsame Klasse! Das tolle Buch wurde völlig zurecht mit dem Leipziger Lesekompass 2018 prämiert.

Der 1976 in Zürich geborene und nun in Berlin lebende Schriftsteller ist wahrscheinlich vielen durch seinen Debutroman _Frau Ella_ bekannt, der 2013 mit Ruth Maria Kubitschek und Matthias Schweighöfer verfilmt wurde. Nickel und Horn: Zwei Detektive mit Durchblick ist sein Debut als Kinderbuchautor. Auf seiner Homepage hat der zweifache Vater übrigens einen nächsten Nickel und Horn-Fall in Aussicht gestellt. Yippie!

Florian Beckerhoff. Nickel und Horn: Zwei Detektive mit Durchblick. Stuttgart: Thienemann-Esslinger Verlag, 2017. Mit Bildern von Barbara Scholz.

Tanja Kummer: Cat Cat

Zielgruppe: für Mädchen von 9 – 12 Jahren

128 Seiten, gebundene Ausgabe um € 17,90

Themen: Freundinnen, Katzen, Klassengemeinschaft, Clique, Individualität

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
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Ein Geheimtipp aus der Schweiz! Dieses absolut empfehlenswerte Buch über Freundschaft und Katzenliebe ist ab 20.8. im Buchhandel erhältlich.

In Cat Cat geht es um die frisch übersiedelte, elfjährige Catrin, die sich in einer neuen Klasse einfinden muss. Ihre Klassenkolleginnen machen sich über sie lustig, nur ihre Banknachbarin Sofia freundet sich mit ihr an – hier eine Szene zu Beginn des Buches, auf dem winterlichen Pausenhof:

In der Mitte des Schulhofes stehen die kluge Leni und Emily-Grace, das Mädchen mit der pinken Haarsträhne. Um sie herum summen die anderen Mädchen der Klasse wie Bienen um ihre Königin.

„Worüber reden die?“, will Catrin wissen.

„Emily-Grace redet sicher über die Turnstunde am Nachmittag.“

Während sie spricht, steigt über Emily-Graces Kopf der Dampf ihres Atems auf.

„Warum, was macht ihr denn in der Turnstunde?“, will Catrin wissen. In Sport ist sie gut. In der alten Klasse wollte sie jeder in der Mannschaft haben, weil sie schnell ist wie ein Gepard.

„Was man halt so macht. Aber es geht nicht darum, was wir machen. Es geht darum, dass Leni und Emily-Grace immer die Besten sein wollen.“

„Und sind sie es auch?“

Catrin ist gespannt auf die Antwort. Das wäre doch total unfair, wenn Leni nicht nur klug, sondern auch noch eine Sportskanone wäre!

„Nein, sie sind nicht die Besten. Das bin ich.“

Catrin sieht sie überrascht an.

„Du?“

„Ja, ich“, sagt Sofia, „aber es interessiert mich nicht.“

Die Glocke schrillt. Sofia steht auf und geht Richtung Schulhauseingang. Catrin sieht ihr nach. Eigentlich geht Sofia nicht, sie schlurft eher. Und dieses Mädchen soll die Beste in Sport sein? Das ist ja komisch, denkt Catrin. Irgendwie ist das eine komische Schule. (Seite 19 – 20)

Als Catrins alte, heißgeliebte Katze stirbt, wird sie von Tag zu Tag katzenartiger: Sie jagt zum Beispiel einer herumwirbelnden Plastiktüte nach, faucht einen Hund an und möchte nicht mehr duschen. Was bei der Ingroup ihrer Klassenkameradinnen gut ankommt, stößt bei Sofia auf Ablehnung: „Katzen sind Katzen. Und Menschen sind Menschen. Menschen sollten keine Katzen werden. Menschen sollten einfach netter werden. So nett wie Katzen“, schreibt sie Catrin. Die Alpha-Mädels sind jedoch hin und weg, als Catrin den Lehrer anfaucht. Sie bekommt den Spitznamen „Cat Cat“ verliehen und wird zur Anführerin des „Cat Clubs“ ernannt. In diesen erlauchten Club wird nur aufgenommen, wer eine Mutprobe besteht. Doch die Aufnahmeprüfungen werden immer ärger, und als der Club zum zweiten Mal mit dem Gesetz in Konflikt gerät, schreiten die Eltern ein.

Ein spannendes Buch über Cliquenbildung und wahre Freundschaft, das vielen Mädchen ein guter Ratgeber in Freundschaftsfragen sein wird.

Die Geschichte ist wunderbar in der Gegenwart verankert, mit Selfies, DSDS-Auftritten,  Skype-Anrufen und witzigen Teenie-Kürzeln wie „hdl“ und „whdmfg“. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte fein formuliert und wird auch „gehobenen Ansprüchen“ genügen ;-). Die jugendliche Sprache und Erzählwelt spricht die jungen Leserinnen sicher an.

Ab und zu finden sich im Buch Schweizer Ausdrücke, was ich sehr charmant und authentisch finde, denn die Handlung spielt ja in der Schweiz. So gehen Catrin und ihre Mutter einmal „schlitteln“ und vor dem Sport wird „eingewärmt“. Der Kontext klärt die wenigen landestypischen Bezeichnungen – und außerdem: Hat das Wienerisch der Nöstlinger-Bücher auch nur ein Kölner Kind verschreckt?!?

Preislich liegt das Buch eher im oberen Segment, aber da es optisch sehr ansprechend ist (mit Glitzer, yeah!) und inhaltlich nicht nur eine tolle Geschichte sondern auch noch eine Art Freundschaftsratgeber bietet, würde ich Euch durchaus zu dieser Investition raten. Vielleicht könnt Ihr es auch auf die Wunschliste Eurer öffentlichen Bücherei schreiben? Ich bedanke mich an dieser Stelle sehr herzlich beim Aris Verlag fürs Zusenden eines Exemplars – ist natürlich eine besonders feine Sache für Buchliebhaberinnen, wenn man ein Buchjuwel schon vor Publikationstermin lesen darf.

Die Autorin Tanja Kummer lebt übrigens in Zürich und publizierte bislang Lyrik, Kurzgeschichten und einen Roman. Sie tritt auch als Spoken Word-Künstlerin auf. Cat Cat ist ihr erstes Kinderbuch. Im Herbst wird es einige Buchevents zu Cat Cat geben (auf ihrer Homepage gibt’s Details).

Tanja Kummer. Cat Cat. Embrach: Aris Verlag, 2018.

Gottfried Archan: Das kleine Mädchen und der Vollmond

Als mir ein g’standenes Mannsbild von einem süßen Kinderbuch vorgeschwärmt hat, war ich natürlich gespannt wie ein Regenbogen: Kann das was?? Heute hat es mir der Postler gebracht und es ist…

…TOLL! Gottfried Archans Buch Das kleine Mädchen und der Vollmond erzählt die Geschichte eines Kindes, das sich vor dem Vollmond fürchtet. Der Himmelskörper bekommt das mit und lässt sich von einer Wolke verdecken. Daraufhin wird es aber im Wald recht finster, und die nachtaktiven Tiere sind wenig begeistert. Frau Eule begibt sich zum Mond, findet den Grund für die Dunkelheit heraus und berät sich mit den Waldtieren, was nun zu tun sei. Der schlaue Fuchs hat die zündende Idee, nämlich dem ängstlichen Mädchen zu zeigen, wie schön eine Vollmondnacht im Wald ist. Gesagt getan: Ein Vögelchen weckt das Kind auf und das zauberhafte Waldabenteuer beginnt. Fortan fürchtet sich die Kleine natürlich nicht mehr vor dem Vollmond. Hurrah!

Gottfried Archan Das kleine Mädchen und der Vollmond Buchtipp Buchempfehlung Kinderbuchblog Brigitte Wallinger empfehlenswertes Buch

Die herzige Geschichte wird von bezaubernden Bildern begleitet. Das Zusammenspiel von Text und Bild ist sehr harmonisch und spricht die Kinder auf besondere Weise an. Die Illustratorin Julia Archan ist die Nichte des steirischen Autors, der sich freundlicherweise bereit erklärt hat, einige Fragen per E-Mail zu beantworten. Vielen Dank nochmals an dieser Stelle!

Das kleine Mädchen und der Vollmond ist das erste Kinderbuch von Gottfried Archan, weitere werden hoffentlich bald folgen. Das Buch hat übrigens eine längere Entstehungsgeschichte hinter sich: Vor nun bald 30 Jahren erzählte er diese Geschichte immer seiner Tochter vor dem zu Bett Gehen. Seitdem trug er den Gedanken in sich, diese tolle Story als Kinderbuch zu publizieren. 2016 wurde sie schließlich veröffentlicht – gut Ding braucht eben Weile! Gottfried Archan bezeichnet sich selbst als Mondfanatiker: Er liebt Vollmondwanderungen zu jeder Jahreszeit. Diese Begeisterung steckt in jedem Buchstaben der Geschichte ebenso wie die Liebe zum eigenen Kind, die den Ursprung dieses Buches darstellt.

Auch wenn beim Korrektorat der ein oder andere Fehler übersehen wurde, schmälert das den Zauber der Geschichte keineswegs, schon überhaupt nicht für die Kinder, denen dieses Buch vorgelesen wird. Aufgrund der großen Schrift und angenehmen Textlänge eignet sich diese Geschichte auch für LeseanfängerInnen sehr gut.

An alle g‘standenen Männer da draußen: Nur her mit Euren Buchempfehlungen! Euer erster Tipp war schon mal ein Hit!

Gottfried Archan. Das kleine Mädchen und der Vollmond. Wien: Paramon, 2016.

Lorenz Pauli und Kathrin Schärer: ich mit dir, du mit mir

Zielgruppe: Kinder von 3-7 Jahren

32 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,95,
Taschenbuchausgabe um € 6,50

Themen: Teilen, Freundschaft, Carpe Diem, Schenken macht Freude

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Ein wunderbares Bilderbuch zum Thema Teilen. Interessanterweise wird den Kindern nicht gelernt, wie man gerecht teilt, sondern Lorenz Paulis Geschichte zeigt, dass man auch mal 5 gerade sein lassen kann und dem anderen einmal mehr gibt, als man selbst erhält, um die gemeinsame Zeit auszukosten und am Schenken Freude zu haben. Toll! Die MINIMAX-Ausgabe um € 6,50 macht dieses Buch auch zu einem wunderbaren, sinnvollen Mitbringsel.

Ein Bär sitzt auf seinem roten Lieblingskissen und hört plötzlich Musik: ein Flöte spielender Siebenschläfer kommt auf ihn zu. Die beiden beschließen, ihre Gegenstände zu tauschen und sind sich sicher: „Für dich ein Gewinn, für mich ein Gewinn“. Leider bringt der Bär auf dem kleinen Instrument keine harmonischen Töne zustande. Nun schlägt der Siebenschläfer einen neuen Tausch vor: „Du gibst mir deine Flöte und ich geb dir meine Musik. Für dich ein Gewinn, für mich ein Gewinn“.  Der Bär weiß, dass das kein fairer Tausch ist, willigt aber trotzdem ein und setzt sich neben den musizierenden, weich gebetteten Siebenschläfer. Diesem fallen weitere Tauschgeschäfte zu seinen Gunsten ein, und der Bär stimmt ihnen immer zu, weil er dabei eine Menge Spaß hat und schöne Abenteuer erlebt. Er weiß, dass er weder die Flöte, noch sein Kissen, noch einen Glücksstein braucht, da er mit seinem Freund eine fabelhafte Zeit hat und ihm das Schenken Freude bereitet. Auch der Siebenschläfer erkennt zum Schluss, dass Schenken Freude macht, und fortan beschenken sie sich gegenseitig, etwa mit Mondlicht im Wasser und dem Säuseln des Windes.

Kathrin Schärers Bilderwelt ist ausdrucksstark und bezaubernd. Der Illustratorin sind sehr knuffige Darstellungen von Siebenschläfer, Bär und Herbstlandschaft gelungen, und sie schaffte es auch, Musik und Tanz in wunderschöne Bilder zu fangen.

ich mit dir, du mit mir ist eine herzallerliebste, poetische Freundschaftsgeschichte, die zusammen mit den gelungenen Bildern das Herz erfreut.

 

Lorenz Pauli und Kathrin Schärer. ich mit dir, du mit mir. Zürich: Atlantis, 2008. Seit Dezember 2017 gibt es die MINIMAX Taschenbuchausgabe.

Alice Briere-Haquet und Penelope Paicheler: Alles Schweine, oder was?!

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung:♦♦♦◊◊
Humor:♦♦♦♦♦
Spannung:♦♦♦♦♦
Gefühl:♦♦♦♦♦
Elternvergnügen:♦♦♦♦♦

Zielgruppe: für Mädchen und Jungen ab 4 Jahren

32 Seiten, gebundene Ausgabe um € 13,95

Themen: Streit, Freundschaft, Rassismus

Dieses absolut empfehlenswerte Bilderbuch schafft es, das Thema Rassismus ganz locker flockig und mit viel Humor zu behandeln. Das gelingt nicht zuletzt auch deshalb, weil es im Bilderbuch nicht um muslimische Einwanderer in Frankreich geht, sondern um Schafe im Schweineland: herrlich! Das Buch erfreut mit tollen, spannenden, detailreichen Bildern und – Hut ab vor dem Übersetzer Klaus Cäsar Zehrer – gereimtem, witzigem Text, hier zum Beispiel von Seite 1: „Im Schweineland sind Papa und ich ganz alleine. Weil wir Schafe sind. Und die anderen Schweine. Und das ist ganz schön dumm. Wisst ihr auch warum?“ Es folgen Szenen, in denen die zwei Schafe diskriminiert werden, wobei der Nachbar Bodo Grunz am schrecklichsten ist. Als Vater Schaf Herrn Grunz nach einem Unfall hilft, wendet sich das Blatt. Man freundet sich an, entdeckt geteilte Vorlieben und beim gemeinsamen Caféhausbesuch wird klar: „Ob einer Schaf ist oder Schwein ist piepegal.“ Ich kann nur sagen, das Buch ist genial!

Alice Briere Haquet Penelope Paicheler Alles Schweine oder was Buchtipp Buchempfehlung Kinderbuchblog Brigitte Wallinger

Alice Brière-Haquet und Pénélope Paicheler. Alles Schweine, oder was?! Leipzig: Klett Kinderbuch, 2013. Übersetzt von Klaus Cäsar Zehrer.