Eliot Schrefer: Caldera – Die Rückkehr der Schattenwandler

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 9 – 12 Jahren
352 Seiten, gebundenes Buch um € 15

Themen: magische Tiere retten den Regenwald, Fantasy, Freundschaft, Magie, Natur, Dschungel, Kapuzineräffchen, Panther, Fledermaus, Pfeilgiftfrosch, Rettung, Abenteuer

Der magische Dschungel von Caldera steht kurz vor seiner Zerstörung: Die böse Ameisenkönigin und ihre Armee raspeln alles zu Kleinholz, was ihnen vor die Mundwerkzeuge kommt. Wie schon in Caldera Band 1, Die Wächter des Dschungels (2018), schließen sich die magischen Tiere Gogi (ein Kapuzineräffchen, das Feuer werfen kann), Mali (ein Panthermädchen, das sich unsichtbar machen kann), Lima (eine Fledermaus mit Heilkräften) und Rumi (ein Pfeilgiftfrosch, der den Wind beherrschen kann) zusammen, um dem ein Ende zu bereiten. In einem alten Tempel finden sie den entscheidenden Hinweis: Bis zur nächsten Mondfinsternis muss ein Artefakt gefunden werden, mit dem dann die Ameisenkönigin vernichtet werden könnte. Ein gefährliches Abenteuer beginnt.

Caldera: Die Rückkehr der Schattenwandler ist ein mitreißender Fantasyroman für Kinder von 9 bis 12 Jahren und enthält auch eine wichtige Botschaft: Wenn Einzelne zusammenstehen, können sie die Zerstörung des Regenwalds verhindern!

Der Buchautor, Eliot Schrefer (Jahrgang 1978), ist ein vielfach ausgezeichneter Bestsellerautor, dessen Erwachsenen- und Kinderbücher meisterhaft geschrieben sind: Nuancierte Charakterbeschreibungen saugen einen in die spannenden, fein konzipierten, gefühlvollen Geschichten. Hier habe ich sein tolles Buch Spirit Animals: Der Feind erwacht vorgestellt, in dem es auch um Magie und das Retten der Welt geht. Schrefer setzt sich leidenschaftlich für den Erhalt des Regenwalds ein, unterrichtet Kreatives Schreiben und ist Kinderbuchrezensent bei USA Today.

Ich bedanke mich sehr herzlich beim Thienemann-Esslinger Verlag für das Rezensionsexemplar.

Eliot Schrefer. Caldera: Die Rückkehr der Schattenwandler. Stuttgart: Planet! im Thienemann-Esslinger Verlag, 2019. Mit Illustrationen von Emilia Dziubak. Optimal aus dem Amerikanischen übersetzt von Ulrike Köbele. Englischer Originaltitel: The Lost Rainforest – Gogi’s Gambit.

Silke Schlichtmann und Maja Bohn: Mattis und die Sache mit den Schulklos

Leselevel: ♦♦◊◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦◊◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 6 – 9 Jahren
64 Seiten, gebundenes Buch um € 10

Themen: gute Ideen / Lausejunge, Schule, Klassenzimmer, Lehrer, Schüler, Edding, Kunst, Beschwerdebriefe, Schulanfänger, ErstleserInnen

Silke Schlichtmanns Mattis und die Sache mit den Schulklos ist ein herrlich witziges Erstlesebuch mit tollen Illustrationen von Maja Bohn.

Mattis Hansen, ein moderner Michel von Lönneberga, ist acht Jahre alt und kommt regelmäßig mit Briefen von der Schule nach Hause – die sind natürlich keine Fanpost von Lehrer Storm. Als der Direktor einmal seine SchülerInnen über Lautsprecher auffordert, sich eine Lösung für die stark verschmutzten Schultoiletten und die arg überdüngte Schulhecke auszudenken, fällt dem erfinderischen Mattis die perfekte Lösung ein. Ob die auch Herrn Storm und seien Eltern begeistert? Ich will nicht zu viel sagen, nur folgende Warnung: Lasst Euer Kind bloß nie mit einem Edding in die Schule gehen!!

Autorin Silke Schlichtmann erzählt die lustige Geschichte in wenigen Worten und kurzen Sätzen. Trotzdem bleiben Vergnügen und Qualität nicht auf der Strecke. Mattis ist ein Buch für ErstleserInnen, das trotz einfacher Satzstruktur und Wortschatz großen Spaß und Freude macht. Da schreit das Mutterherz „Hurra!“

Dieses Buch ist übrigens Band 2 der beliebten, bei Antolin gelisteten Mattis-Reihe von Silke Schlichtmann (*1967). Band 1 heißt Mattis und das klebende Klassenzimmer, Band 3 Mattis – Schnipp, schnapp, Haare ab (sehr vielversprechend!!). Die Schriftstellerin ist promovierte Literaturwissenschaftlerin, war als freie Wissenschaftlerin und Lektorin tätig und lebt mit Mann und vier Kindern in München. Mit Biluma und das Gummischlangengeheimnis war sie 2018 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. 2019 wurde Silke Schlichtmann von den deutschen BuchhändlerInnen, BibliothekarInnen und der IG-Leseförderung des Börsenvereins zur Lesekünstlerin des Jahres gewählt.

Die Illustratorin Maja Bohn (*1968) war Buchhändlerin und arbeitete im Verlagswesen, bevor sie Kommunikationsdesign studierte und groß rauskam. Ihr kennt vermutlich ihre tollen Illustrationen zu Kirsten Boies Thabo: Detektiv und Gentleman, zu Thilo Refferts Linie 912, zum Großen Michael Ende Vorlesebuch und vielem mehr.

Silke Schlichtmann. Mattis und die Sache mit den Schulklos. München: Carl Hanser Verlag, 2019. Mit Illustrationen von Maja Bohn.

Liz Gogerly und Miguel Sanchez: Alles auf Grün! Wie du der Umwelt helfen kannst

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 6 – 10 Jahren
48 Seiten, gebundenes Buch um € 13

Themen: Umweltschutz, Natur, Erderwärmung, Klimawandel, CO2, Wiederverwertung, Recycling, Upcycling, Freecycling, Ökostrom und Wasserschutz, Tipps, Ratschläge

Wegen der Erderwärmung könnten bald über 1 Million Tierarten aussterben, und jährlich sterben 1 Million Meerestiere durch Plastikmüll. Unser Planet ächzt und stöhnt, und Alt und Jung sollten sich über den Umweltschutz Gedanken machen. Allerdings ist das alles sehr komplex und Kindern nicht leicht zu erklären. Dieses Sachbuch für Kinder von 6 bis 10 Jahren schafft das, nicht nur durch die knackig aufbereiteten Informationen (Text: Liz Gogerly, fein übersetzt von Maria Zettner), sondern auch durch die ansprechenden, aufschlussreichen, farbenfrohen Illustrationen von Miguel Sanchez.

Alles beginnt mit einer Geburtstagsparty, die einen riesigen Müllberg hinterlässt. Der gibt den Kindern zu denken. Nach und nach erkunden sie, was mit dem Müll passiert und wie es unseren Gewässern damit geht, was es mit der Erderwärmung, dem Klimawandel und dem CO2 auf sich hat. Danach widmet sich das Buch dem aktiven Umweltschutz der/des Einzelnen: Wiederverwertung, Recycling, Upcycling, Freecycling, Ökostrom und Wasserschutz werden spannend beschrieben, und es gibt sehr viele praxisnahe (!) Tipps für die Schule und zuhause, allen voran der Ratschlag, weniger zu kaufen. In Extrakästchen wird darauf hingewiesen, wie man im täglichen Leben selbst aktiv werden kann und was man bedenken soll, z.B. dass die Mikrokügelchen in Zahnpasta und Kosmetika eine große Gefahr für die Umwelt sind – und die kann man nun wirklich leicht vermeiden; muss man halt wissen und sich beim Einkauf dagegen entscheiden.

Das Buch ermuntern Klein und Groß dazu, sich aktiv für die Natur einzusetzen: ein sehr sinnvolles, sehr spannendes, sehr empfehlenswertes Buch!

Ich bedanke mich beim Gabriel Verlag für das Rezensionsexemplar!

Liz Gogerly. Alles auf Grün! Wie du der Umwelt helfen kannst. Stuttgart: Gabriel im Thienemann-Esslinger Verlag, 2019. Mit Illustrationen von Miguel Sanchez. Aus dem Englischen übersetzt von Maria Zettner.

Kerstin Wacker: Herr Katz, Isolde und ich / Klappe, Cut, Hurra

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦◊◊
Elternvergnügen: ♦♦♦◊◊


Herr Katz, Isolde und ich: Altersempfehlung 7-12 Jahre, gebundenes Buch um €15,80, 56 Seiten

Klappe, Cut, Hurra: Altersempfehlung 10-14 Jahre, gebundenes Buch um €16,95, 144 Seiten

Themen: Büchermachen bzw. Filmemachen

Im heutigen Blogbeitrag kommen die Bücher im Doppelpack daher: 2 Sachbücher, die umfangreiche Informationen mit einer spannenden, humorvollen Geschichte verbinden. Kerstin Wackers Herr Katz, Isolde und ich ODER Wie macht man eigentlich ein Buch? und Kerstin Wacker und Henrik Hitzblecks Klappe, Cut, Hurra: Aufregende Drehtage in Berlin sind zwei wunderbare Sachbücher für Kids und Teens, die es genau wissen wollen.

Herr Katz, Isolde und ich ODER Wie macht man eigentlich ein Buch? (für 7- bis 12-Jährige) erklärt detailreich, wie ein Buch entsteht. Das Mädchen Amra stürzt sich in die Welt des Büchermachens, weil sie Bücher liebt und eines Tages beschließt, selbst ein Buch voll mit ihren eigenen Geschichten, Bildern und Fotos zu machen. Im Laufe der Geschichte werden Fachbegriffe wie „Vorsatz“, „ISBN“ und „CMYK“ erklärt und man versteht so langsam, wie viel Arbeit und Know-how in einer Buchpublikation stecken. Herr Katz, Isolde und ich wurde im Oktober 2015 mit dem EMYS-Sachbuchpreis ausgezeichnet. Eine Arbeitsmappe für PädagogInnen ist auf der Verlahshomepage abzurufen. Im Buch gibt’s auch eine Bastelanleitung für ein eigenes Buch und ein wunderbares Rezept für „Spaghetti Bällchenese“.

Klappe, Cut, Hurra: Aufregende Drehtage in Berlin (für 10- bis 14-Jährige) beschäftigt sich sehr gründlich mit dem Thema Film. Amras Lieblingsonkel Feridun ist Kameramann und lädt seine Nichte ein, ihn in den Sommerferien zu Dreharbeiten zu begleiten. Dort taucht sie in die Welt des Filmemachens ein und lernt alles Wissenswerte und Interessante zum Thema Film. Ein Muss für filmbegeisterte Kids und Jugendliche, insbesondere wenn sie selbst an Dreharbeiten teilnehmen wollen. Das Buch enthält auch ein grandioses Sushi-Rezept.

Beide Bücher bestechen übrigens auch mit den coolen, ansprechenden Illustrationen von Kerstin Wacker!

Ich bedanke mich sehr herzlich beim Verlag Wacker und Freunde für die Rezensionsexemplare!

Kerstin Wacker und Henrik Hitzblecks. Klappe, Cut, Hurra: Aufregende Drehtage in Berlin. Berlin: Wacker und Freunde Verlag, 2018. Mit Illustrationen von Kerstin Wacker.

Kerstin Wacker. Herr Katz, Isolde und ich: oder Wie macht man eigentlich ein Buch?. Berlin: Wacker und Freunde Verlag, 2015. Mit Illustrationen von Kerstin Wacker.

Frank Schwieger und Ramona Wultschner: Ich, Zeus, und die Bande vom Olymp

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 9 – 13 Jahre (und darüber hinaus)
264 Seiten, TB um € 9,95

Themen: griechische Götter, griechische Helden, griechische Sagen

Sehr zu empfehlen, dieses unterhaltsame Buch voller spannender Geschichten und Mythen, quasi ein Freundschaftsbuch der wichtigsten Leute des antiken Griechenlands. Die besten griechischen Sagen von den Göttern, Göttinnen, Heldinnen und Helden selbst erzählt! Von A wie Ariadne bis Z wie Zeus sind alle Schwergewichte der Götterwelt beschrieben, mit witzigem Bild, lustigem Steckbrief und kurzer, fesselnder Erzählung ihrer Story. So macht Geschichts- bzw. Lateinunterricht Spaß!

Frank Schwieger, geb. 1968, ist ein deutscher Kinder- und Jugendbuchautor sowie Latein- und Geschichtelehrer. Seine Bücher spielen oft in der Antike. Die Illustratorin Ramona Wultschner, Jahrgang 1987, wirkt bei Trickfilmproduktionen, Kinderbüchern und Spiele-Entwicklungen mit. Ihre Illustrationen verleihen den alten Sagengeschichten die Coolness, die die jungen LeserInnen brauchen, um einen Zugang zur Antike zu finden.

Ich bedanke mich sehr herzlich bei dtv junior für das Rezensionsexemplar!

Diese empfehlenswerte Reihe umfasst auch:

Frank Schwieger. Ich, Odin, und die wilden Wikinger: Götter und Helden erzählen nordische Sagen. München: dtv, 2019. Mit Illustrationen von Ramona Wultschner.

Frank Schwieger. Ich, Caesar, und die Bande vom Kapitol: Live aus dem alten Rom. München: dtv, 2018. Mit Illustrationen von Ramona Wultschner.

Frank Schwieger. Ich, Zeus, und die Bande vom Olymp: Götter und Helden erzählen griechische Sagen. München: dtv, 2019. Mit Illustrationen von Ramona Wultschner.

Verena Friederike Hasel und Iris Wolfermann: Wir Rüben aus der großen Stadt

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦◊
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: 7-10 Jahre
128 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14
Themen: Familie, Freunde, Schule, Selbständigkeit, Großfamilie, Zusammenleben, Akzeptanz

Flora ist 8 und erzählt in Wir Rüben aus der großen Stadt von ihrem kunterbunten Großfamilienleben: Ihre Eltern und 3 andere Familien wohnen in einem Baugruppe-Haus zusammen, in der Rübezahlstraße 8. Der Alltag der 12-köpfigen „Rüben-Sippe“ ist herrlich turbulent und amüsant – und auch inspirierend, denn ein Einfach-so-obwohl-gerade-weil-Fest sollte wirklich jeder im langweiligen Jänner feiern.

Nach und nach lernen wir die liebenswerten Figuren kennen, lesen von den chaotischen Morgenstunden und dem Zusammenhalt der Rasselbande, von den Herausforderungen eines Berufslebens trotz Kinder und dem Selbständigwerden trotz Eltern, von Eifersüchteleien und Versöhnung.

Verena Friederike Hasel ist ein wunderbar unterhaltsamer und herzerwärmender Kinderroman gelungen. Auch Iris Wolfermanns ansprechende Zeichnungen lassen den Funken des lustigen Großfamiliendaseins überspringen. Flora sagt: „Mit einer Familie ist es wie mit Gummibärchen: je mehr, desto besser“ (7). Das Gleiche gilt auch für so bezaubernde Kinderbücher!

Ich danke dem Peter Hammer Verlag sehr herzlich für das Rezensionsexemplar!

Verena Friederike Hasel. Wir Rüben aus der großen Stadt. Wuppertal: Peter Hammer Verlag, 2018. Mit Zeichnungen von Iris Wolfermann.

Andreas Steinhöfel: Die Mitte der Welt

Leselevel: ♦♦♦♦♦
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 14 Jahren
480 Seiten, Taschenbuch um € 9,99


Themen: Erwachsenwerden, zu sich selbst finden, Familie, Freundschaft, Bücher, Kindheit, Abenteuer, Liebe, verliebt sein, Homosexualität, Vielfalt, Offenheit

Dieses geniale Buch empfehle ich Jugendlichen genauso wie Erwachsenen: Die Geschichte rund um den 17-jährigen Phil und seine unkonventionelle Familien- und Freundesschar ist sehr bewegend und spannend, und der einzigartige Sprachstil des Autors Andreas Steinhöfel ist bezaubernd, tiefgründig und humorvoll. 1998 erstveröffentlicht, ist Die Mitte der Welt bereits zum Klassiker avanciert, wurde 2016 erfolgreich verfilmt (Regie: Jakob M. Erwa) und ist auch auf Theaterbühnen zu sehen, zum Beispiel ab 2. April 2020 im Salzburger Landestheater (in einer Inszenierung von Marco Dott).

Phil und seine Zwillingsschwester Dianne leben mit ihrer alleinerziehenden, exzentrischen Mutter Glass in der schlossartigen Villa „Visible“, etwas abseits einer Kleinstadt. Dort blicken die „Kleinen Leute“ auf den Männerverschleiß von Glass herab, nennen sie eine „Hure“, und auch ihre Kinder werden ausgegrenzt und ecken an. Als sich die Liebe in Phil und Diannes Leben schleicht, nimmt das Unheil seinen Lauf, bis… ja, bis Phil sich, gestärkt von seiner liebevollen Familie, ins Leben schmeißt und alles erst so richtig beginnt.

Was für ein wundervoller Coming-of-Age-Roman, ein herausragendes Jugendbuch voller Lebensweisheit und Sprachschönheit – und Intertextualität: Wie der Autor im Nachwort erklärt (auf den Seiten 469-470 und 476), schöpfte er für Die Mitte der Welt aus dem Fundus der griechischen Mythologie. Z.B. sind das Zwillingspaar Phil und Dianne an Apollon und Artemis angelehnt, die Figur der Glass an deren flüchtende Mutter Latona, die die Zwillinge auf der Insel Delos gebar (das griechische Wort delos heißt „sichtbar“, engl. visible). Extrem genial, oder?

Ich bin ohnehin ein großer Fan von Andreas Steinhöfel. Warum? 1.) Scheint er ein netter Mensch zu sein (habe ihn mal am Flughafen getroffen). 2.) Ist er auch Übersetzer (habe ihn mal bei einer ÜbersetzerInnen-Konferenz getroffen). 3.) Sind seine Bücher göttlich (hier meine Empfehlung von Rico, Oskar und die Tieferschatten). 4.) Er ist der erste Kinder-und Jugendbuchautor, der Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung wurde. Also steckt unbedingt Eure Nasen in Bücher, auf denen Andreas Steinhöfel steht – sie werden Euch gefallen!

Andreas Steinhöfel. Die Mitte der Welt. Hamburg: Carlsen, 2004.

Lois Lowry: Die schreckliche Geschichte der abscheulichen Familie Willoughby (Und wie am Ende alle glücklich wurden)

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦◊
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 11 Jahren

176 Seiten; wunderschönes, gebundenes Buch um € 12,95


Themen: Familie, Geschwister, Eltern-Kind-Beziehung, Kindermädchen, Waisen, reicher Wohltäter, Patchwork-Familie, skurille Geschichte, schwarzer Humor, Intertextualität

Gleich vorweg: Für Liebhaber der heilen Welt ist dieses Buch nichts, denn die Willoughby-Eltern mögen ihre vier Kinder Timothy, Barnaby A, Barnaby B und Jane nicht, und auch die Kinder können ihre Eltern nicht ausstehen. Die skurrile Geschichte ist trotzdem hinreißend – und irrsinnig witzig!

Worum geht’s in diesem schrägen Kinderroman im Stil von Roald Dahl? Die Eltern der Willoughby-Kinder gehen auf eine gefährliche Abenteuerreise und lassen ihre Kinder in der Obhut eines Kindermädchens zurück. Die singt und tanzt zwar nicht wie Mary Poppins, ist aber ein ebenso großer Segen und führt die Kids schlussendlich zum Happy End. Leider, leider versterben die Eltern auf einer halsbrecherischen Bergtour in den Alpen.

In der Nachbarschaft wohnt zufälligerweise ein reicher Schokoladenfabrikant, Kommandant Melanoff, der die Rasselbande aufnimmt und ihr ein liebevolles Zuhause bietet. Vor Kurzem steckte er noch in einer großen Krise, denn seine pedantische Frau und ihr gemeinsamer Sohn wurden in der Schweiz von einer Lawine verschüttet. Das stürzte den Fabrikanten in eine Depression, die damit endete, dass die Willoughbys ein vor ihrer Haustür ausgesetztes Baby vor seine Haustür legten. Von da an kümmerte sich der Kommandant rührig um das Findelkind Barbara und fand wieder neuen Lebensmut. Zu guter Letzt werden alle möglichen Handlungsstränge zu einem glücklichen Ende zusammengeführt: Lowry ist eine wahre Meisterin des Erzählens.

Der grandiose Humor und die vielen kreativen Ideen in diesem Buch sind herrlich. Als das Haus der Willoughby beispielsweise verkauft werden soll und die Immobilienmaklerin die potenziellen Kunden durchs Haus führt, tarnen sich die Kinder als Lampe, Kaktus, Kleiderständer und Teppich, und das Kindermädchen zieht sich nackig aus, bestäubt sich mit Puder, nimmt ein Bettlaken und gibt vor, eine Marmorstatue zu sein. Und wenn sie den Interessenten dann zuzwinkert, laufen die kreischend aus dem Haus. Wieso verkauft sich das Haus bloß nicht?!

Lowrys Einbinden von Klassikern der Kinderliteratur ist ebenso bemerkenswert. In allen möglichen Lagen sagen die Kinder: „wie Mary Lennox in Der geheime Garten“ (26), „wie Huckleberry Finn“ (124), oder „wie Betty in Betty und ihre Schwestern“ (123). Das Buch ist eine unterhaltsame Persiflage der klassischen Waisenromane des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sämtliche erwähnten Bücher werden in einer Liste zu Buchende witzig vorgestellt. Wenn man diese Bücher kennt, sind Lowrys Anspielungen natürlich noch viel lustiger.

Insgesamt ein unkonventionelles und feines Kinderbuch, ich würde sagen für alle ab ca. 11 Jahren, denn dann kann man den Humor und die Erzähltradition schon zuordnen. Auch für Erwachsene sehr zu empfehlen!

Lois Lowry, 1937 in Honolulu, Hawaii, als „Military Brat“ eines Army-Zahnarztes geboren, ist eine vielfach preisgekrönte, amerikanische Kinder- und Jugendbuchautorin. Hier findet Ihr den Link zu ihrer Homepage, auf der sie ihren, wie ich finde, sehr interessanten Lebensweg beschreibt und mit herrlich persönlichen Fotos bebildert: Heirat mit 19, 4 Kinder in 5 Jahren, Studium, Schriftstellerinnenlaufbahn, Scheidung mit 40, neuer Lebenspartner, Sohn im Krieg verloren, Friedenseinsatz. Ihrer eigenen Aussage nach ist der roten Faden in all ihren Büchern „the importance of human connection“ (die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen“). Das lässt sich auch in ihrem lustig-skurrilen Kinderroman Die schreckliche Geschichte der abscheulichen Familie Willoughby erkennen.

Lois Lowry. Die schreckliche Geschichte der abscheulichen Familie Willoughby (Und wie am Ende alle glücklich wurden). München: dtv junior, 2019. Übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn.

Ben Hubbard. Flugzeuge: Mit großem 3-D-Modell, zum Zusammenstecken, mit über 70 Teilen

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
Zielgruppe: Jungs und Mädchen von 7 – 10 Jahren (und darüber hinaus, auch für Erwachsene ein großer Spaß)
16-seitige Broschüre und ein Flugzeugbastelset um € 12,95

Themen: Flugzeug, Modell, Basteln, Staggerwing, die ersten Flieger bzw. Flüge, Militärflugzeuge

Eine wundervolle Beschäftigung für Kinder von ca. 7 – 10 Jahren, bei der sie ein schönes Teamerlebnis haben (elterliche Begleitung ist meines Erachtens erforderlich) und spielerisch eine Menge über Flugzeuge und das Fliegen lernen.

Das Buch von Ben Hubbard beinhaltet eine leicht verständliche Bastelanleitung mit spannenden Fakten zum Doppeldeckerflugzeug „Staggerwing“, zu den ersten Flugversuchen und alten Militärflugzeugen sowie ein Flugzeug-Bastelset mit über 70 Teilen aus robuster Pappe. Die Teile muss man nur richtig zusammenstecken (das heißt das Ganze läuft ohne Sekundenkleberalbträume und Klebestreifenexzesse ab, hurra!).

Bevor man mit dem Bau beginnt, soll man laut Bastelanleitung alle Teile wie abgebildet auflegen. Das ist wirklich hilfreich. Es macht also tatsächlich Sinn, sich an die Anweisungen zu halten, wie bei IKEA-Möbeln.

Ich bin überhaupt keine Bastelqueen, aber das Zusammenstecken dieser Flugzeugteile war sehr einfach – vielleicht nicht unbedingt „kinderleicht“, denn meine Kids haben schon etwas Unterstützung gebraucht. Aber dafür hatten wir ein schönes Gemeinschaftserlebnis. Das Flugzeug hat eine ordentliche Größe und ist sofort voller Stolz aufgehängt worden.

Ich bedanke mich sehr herzlich beim Verlag Dorling Kindersley für das Rezensionsexemplar!

Ben Hubbard. Flugzeuge: Mit großem 3-D-Modell, zum Zusammenstecken, mit über 70 Teilen. München: Dorling Kindersley Verlag, 2019. Übersetzt von Burkhard Schäfer.

Lucy Astner: Schwesterherzen – Eine für alle, alle für DICH!

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦◊◊
Zielgruppe: Mädchen ab 8 Jahren
224 Seiten, Taschenbuch um € 11

Themen: Freundinnen, Schwestern, Zusammenhalt, weibliche Solidarität, Kameradschaft, Mädchen gegen Jungs, Pony, Pferd, Handy, Schwein, Fußball

Die 12-jährige Bonnie ist genervt: drei Brüder, dafür kein Pferd und kein Handy. Echt hart. Und die Fußballjungs vom FC Amigo gehen ihr auch auf den Zeiger. Aber was ihr an den Amigos gefällt ist, wie die zusammenhalten. Das müssten Mädchen doch auch hinbekommen! Zusammen mit ihrer besten Freundin Smilla beschließt sie, einen Mädchenclub zu gründen. Zuerst ist das Freundinnenfinden nicht leicht, aber als beim Baden mit der Schule die Klamotten von Bonnie, Smilla, dem Grufti-Girl Jo, der runden Nuca und der Tussi Monti verschwinden, werden die „Schwesterherzen“ gegründet und zusammen sinnen die Mädels auf Rache – denn das können doch nur die Amigos gewesen sein!

Der schwungvolle Kinderroman rund um die 5 unterschiedlichen Schwesterherzen aka Sicret Sistahz ist echt witzig und unterhaltsam geschrieben. Es geht drunter und drüber und zum Schluss landet auch noch ein Pony auf dem Balkon von Montis Nobelschuppen. Die Illustrationen von Nadine Jessler sind auch extrem gelungen. Meine Töchter lieben das Buch – eine optimale Ferienlektüre! Und der zweite Band über die Mädchenbande ist soeben erschienen – das wird sicherlich auch ein großer Spaß!

Die 1982 in Hamburg geborene Lucy Astner ist nicht nur als Kinderbuchautorin erfolgreich, sondern auch als Drehbuchautorin – Matthias Schweighöfers witziger Kinofilm Der Nanny stammt z.B. aus ihrer Feder. Die reiselustige Schrifstellerin hat 4 Kinder und lebt in Deutschland.

Ich bedanke mich sehr herzlich beim Thienemann-Esslinger Verlag und Henrike Blum für das Rezensionsexemplar.

Lucy Astner. Schwesterherzen: Eine für alle, alle für DICH! Mit Illustrationen von Nadine Jessler. Stuttgart: Planet! im Thienemann-Esslinger Verlag, 2019.