Anke Kuhl und Martin Schmitz-Kuhl: Alle Kinder: Ein ABC der Schadenfreude

Kuchl und Schmitz-Kuhl, Alle Kinder Ein ABC der Schadenfreude, Buchtipp, Buchempfehlung, Kinderbuch, toll, Brigitte Wallinger, KinderbuchblogZielgruppe: Kinder von 5 – 9 Jahren
Leselevel: 2 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 1 von 5 Wissensstufen
Humor: 5 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten
64 Seiten, gebundene Ausgabe um €13,95
Themen: Schadenfreude, Witze, ABC, Reime

Ein Witzebuch für Groß und Klein: sehr empfehlenswert!

Wie der Titel schon ankündigt, stecken in diesem Buch 26 Gründe zur Schadenfreude, die jeweils in einem witzigen Bild und einem super Reim beschrieben werden. Das Bild von einem Kind im Rolli auf einem Sandstrand voller badewütiger Kids wird etwa von diesem Zweizeiler begleitet: „Alle Kinder genießen die Sonne. / Außer Olli – der trägt `nen Rolli“ (Seite 29). Die Witze sind ab und an etwas makaber („Alle Kinder fahren mit dem Bus. / Außer Gunther – der liegt drunter“, Seite 13), aber die Kinder finden auch diese Scherze lustig – meine zumindest :-). Allerdings Hände weg von diesem Buch, wenn man mit schwarzem Humor nichts anfangen kann!

Ich habe mir die Amazon-Rezensionen durchgesehen und es scheint, dass man dieses Buch entweder liebt oder hasst. 73% der Leute vergeben fünf von fünf Sternen, allerdings bewerten 16% dieses Buch mit nur einem Stern bzw. bedauern, nicht null Sterne vergeben zu können. Diese 16% werfen dem Buch zum einen die alten Witze vor (ja, ich habe sie auch schon auf dem Pausenhof gehört) und zum anderen die makabren Reime über den Tod eines Kindes (z.B. des erwähnten Gunther). Worin sich die meisten einig sind, ist, dass die Kinder die Scherze sehr lustig finden, und das ist ja nicht ganz unwichtig für ein Kinderbuch! Wenn man pädagogisch wertvoll vorgehen möchte, kann man ja zusammen mit den Kindern eigene Reime ersinnen ;-).

Anke Kuhl und Martin Schmitz-Kuhl. Alle Kinder: Ein ABC der Schadenfreude. Leipzig: Klett Kinderbuch, 2013.

Kveta Pacovska: Blau, Rot, Alle. Ein Farbenspielbuch

Kveta Pacovska Blau, Rot, Alle Ein Farbenspielbuch, Buchempfehlung, Buchtipp, Bilderbuch, Kinder von drei bis sechs, Brigitte Wallinger, Kinderbuchblog

Zielgruppe: Kinder von 3 – 6 Jahren
Leselevel: ♦◊◊◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
32 Seiten, gebundene Ausgabe um € 19,95

Themen: Farben, Formen, Tiere, Freundschaft, Sinne, Spiel

Ein wunderschön illustriertes, interaktives Bilderbuch für Mädchen und Jungen von 3 – 6 Jahren, das den Kindern auf vielfältige Weise das Thema Farbe näher bringt.

Jede Seite ist Kunstwerk und Spielplatz zugleich, denn das Buch erfreut nicht nur die Augen sondern auch die Finger. Überall können die Kids an Rädern drehen, hinter Türchen gucken und durch Löcher greifen. Pacovskas tolle Bilder sind ein großer Genuss für alle Fans der modernen Kunst. Zudem ist die Geschichte von der farblosen, unglücklichen Schnecke, der ein lustiger Frosch zu einem bunten Leben verhilft, ganz bezaubernd.

Die 1928 geborene tschechische Künstlerin, Buchautorin und -illustratorin Kveta Pacovska, die am 28.7.2018 ihren 90. Geburtstag feierte, wurde 1992 gleich zweimal mit renommierten internationalen Buchpreisen ausgezeichnet: mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis sowie der Goldenen Letter. Hut ab vor ihrem beeindruckenden Lebenswerk!

Kveta Pacovska: Blau, Rot, Alle. Ein Farbenspielbuch. Zürich: minedition Michael Neugebauer Edition, 2011.

Brandon Mull: Spirit Animals: Der Feind erwacht

Titelbild von Brandon Mull Spirit Animals 1: Der Feind erwacht Zielgruppe: Kinder ab 10
Themen: Kinder retten die Welt, Fantasy, Freundschaft, Tiere

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦◊
Elternvergnügen: ♦♦♦♦◊
256 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,99 (TB € 8,99)

Spirit Animals wurde mir von einer Kinderbuchexpertin der Stadtbibliothek Salzburg empfohlen, weil es eine der beliebtesten Kinderbuchreihen derzeit sei. Ich habe mir natürlich sofort Band 1 vorgeknöpft und kann ihn empfehlen. Besser als jede Fernsehserie ist er allemal, auch wenn die Erzählweise keinen literaturverwöhnten Erwachsenen begeistern wird. Aber das Buch ist ja nicht für Erwachsene geschrieben worden…

Die vier Hauptfiguren Connor, Abeke, Meilin und Rollan sind elfjährige Auserwählte (2 Jungen, 2 Mädchen), die ihre Welt namens „Erdas“ zusammen mit ihren mächtigen Seelentieren vor dem Untergang retten müssen. In Der Feind erwacht werden die unterschiedlichen Kinder und ihre Seelentiere zu einem Team, und wir erfahren vieles über diese spannende Welt. Am Ende des Buches wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht. Ich bin mir sicher, das empfinden die jungen LeserInnen ebenso, deshalb beide Daumen nach oben für die Spirit Animals.

Wie geht es denn weiter?
Brandon Mull hat Band 1 geschrieben und die Geschichte konzipiert. Die meisten Folgebände wurden von anderen AutorInnen verfasst. Ich hatte Glück: Der Autor von Band 6, den ich per Zufall ausgewählt hatte, ist Eliot Schrefer. Sein Buch hat mir sogar besser gefallen als Mulls erster Band. Bis Band 7 ist der Übersetzer Wolfram Ströle unsere Konstante in der deutschen Version, danach übernimmt Friedrich Pflüger. Band 1 – 7 gehören zur 1. Staffel der Buchserie. Die 2. Staffel hat 6 Bände, zudem gibt es noch drei Sonderausgaben. Die deutschen LeserInnen müssen aber erstmal auf Band 9 (bzw. Band 2 der 2. Staffel) warten, der im Juni 2018 herauskommen wird.
16 Bände zu einer Geschichte sind eine ganze Menge, aber die komplexe Geschichte gibt durchaus einiges her. Und echte Fans erschüttert ja sowieso nichts…

Brandon Mull. Spirit Animals: Der Feind erwacht. Ravensburg: Ravensburger Buchverlag, 2015.

Axel Scheffler und Julia Donaldson: Für Hund und Katz ist auch noch Platz

Buchcover von Axel Scheffel und Julia Donaldson: Für Hund und Katz ist auch noch Platz

Leselevel: ♦♦♦◊ ◊
Wissenssteigerung: ♦♦◊ ◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: Kinder von 3 – 8 Jahren
Themen: Freundschaft, Reim, Tiere, Hexenzauber

€ 6,95, etwas größeres Pappbilderbuch um € 8,95

Ein witziges und wunderschön illustriertes Kinderbuch für Mädchen und Jungen von 3 bis 8 Jahren. Dazu kommen noch Mirjam Presslers ansprechend übersetzte Reime und das Wahnsinns Preis-Leistungs-Verhältnis: Ein ideales Mitbringsel und perfektes Geschenk!

Die Geschichte der freundlichen Hexe, die viele hilfsbereite Tiere auf ihrem Besen mitnimmt, bis er entzweibricht, ist herzallerliebst und wunderbar gereimt. Der Besenbruch wäre nicht allzu tragisch, käme nicht just in dem Moment ein feuerrotes Ungeheuer daher und sagte: „Ich bin ein Drache, der schlimmste von allen, und ich habe Hunger, ich will dich fressen, will Hexe mit Pommes zum Abendessen“ (16). Gott sei Dank haben die kleinen Freunde der Hexe da einen rettenden Einfall. Alle Bilder sind lustig, detailreich und gefällig, und als krönenden Abschluss sehen wir einen traumhaften First-Class-Besen:
„Der allertollste Hexenbesen,
so ist noch nie ein Besen gewesen,
ein Superluxushexengefährt“ (24) –
das ganze Buch ist bewundernswert!

PS: Hier noch ein paar interessante Infos zum Autor: Axel Scheffler ist aus Deutschland! Der 1957 in Hamburg geborene Illustrator zog erst 1982 nach England – Mannomann, das muss ein großer Druck für die deutsche Übersetzerin gewesen sein :-). Scheffler hat übrigens über 120 Bücher illustriert, die erfolgreichsten davon in Zusammenarbeit mit Julia Donaldson. Englands erste Geschichtenzentrale für Kinder, das Discover in London, hat eine Ausstellung zu diesen Bestsellern gestaltet, die noch bis September 2018 läuft. Hier könnt Ihr ein Bild aus dem Jahr 2017 sehen, das Axel und Julia auf dem dort ausgestellten Superluxushexenbesen zeigt (bitte bis 2017 hinunter scrollen).

Axel Scheffler und Julia Donaldson. Für Hund und Katz ist auch noch Platz. Weinheim: Beltz & Gelberg, 2001. Übersetzt von Mirjam Pressler.

Mira Lobe: Die Omama im Apfelbaum

Buchcover von Mira Lobes Die Omama im Apfelbaum
Zielgruppe: Kinder ab 6 Jahren
Themen: Familie, Abenteuer, Fantasie
Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 3 von 5 Wissensstufen
Humor: 5 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

111 Seiten, gebundene Ausgabe, € 14,00

Ein superwitziges, herrlich formuliertes und von Susi Weigel wunderschön illustriertes Kinderbuch für Menschen ab 6.

Liebe Eltern! Dieses Buch ist ein Knaller! Es handelt vom kleinen Andi, der keine Oma hat, was er sehr bedauert. Also erfindet er – sehr zum Missfallen seiner Mama – eine Großmutter, trifft sich mit ihr im Apfelbaum und erlebt geniale Abenteuer mit der schrulligen Omama. Als eine nette ältere Dame mit „Rümatismus“ ins Nachbarhaus einzieht, hat er plötzlich zwei Omas und ist hin- und hergerissen.

Sprachlich merkt man dem Buch seine über 50 Jahre an, doch dieses Sechzigerjahre-Deutsch erschafft ein wunderbares Flair. Hier ein Beispiel von Andis erstem Ausflug mit der wilden Omama auf dem Rummelplatz:

Omama steckte das letzte Stück Schokolade in den Mund. „Hast du denn gar keinen Hunger, Andi?“, fragte sie. „Ich meine richtigen Hunger, zum Beispiel Würstel mit viel Senf?“
Auf Würstel hatte Andi fast immer Hunger, besonders auf die langen, saftigen, die so schön spritzten.
„Na also!“, sagte die Oma zufrieden.
Als sie mit den Würsteln fertig waren, wischte sich die Omama den Mund ab: „Uuuuu – der Senf war aber scharf! Jetzt wäre es gut, etwas Süßes zu essen. Was hältst du von gesponnenem Zucker?“
Sie schauten zu, wie der Zuckermann zwei Wattebäusche aus rosa Zucker um die Staberln spann.
„Iiii – das ist aber süß!“, sagte die Omama. „Es wird gut sein, darauf etwas Scharfes zu essen. Was hältst du von Würsteln mit Senf?“ (20-21).

Das ist eine Oma nach meinem Geschmack! Wer sie jetzt noch nicht heiß und innig liebt, der warte noch vier Seiten, bis die gnädige Frau mit Andi Straßenbahn fährt. Sie blickt nach oben und erspäht die baumelnde, lederne Klingelschnur:

„Du, Andi“, flüsterte die Omama, „ich hab so große Lust, an der Schnur zu ziehen.“
„Das darf man nicht!“, flüsterte Andi erschrocken zurück. „Sonst musst du Strafe zahlen!“
Die Omama seufzte und schaute weiter hinauf. „Wenn ich doch aber so sehr große Lust habe…“ (25)

Eh klar, was Omama machen wird. Und ganz elegant zieht sie sich mit ihren weißen Haarlöckchen und ihrem Federhut aus der Affäre, sodass der Straßenbahnfahrer nach der Vollbremsung sogar noch sagt: „Was für ein Glück, dass sie sich an der Klingelschnur festgehalten hat!“ (26)

Omama ist nicht nur herrlich rebellisch, sie hat auch noch ein himmelblaues Cabrio, das mehr Knöpfe als James Bonds Aston Martin vorweisen kann (nur anstatt Flammenwerfer und Schleudersitz gibt’s hier Knöpfe für Schmalzbrote und Weihnachtsmusik). Sie fängt mit Andi Wildpferde ein und sticht mit ihrem Enkel in See. Als Andi der hilfsbedürftigen Frau Fink beim Einzug ins Nachbarhaus hilft, bleibt für die imaginäre Oma immer weniger Zeit, aber natürlich geht alles gut aus…

Jedes Kind sollte mit einer Oma wie Andis Apfelbaum-Exemplar gesegnet sein, oder zumindest dieses Buch gelesen haben!

Mira Lobe. Die Omama im Apfelbaum. Wien: Verlag Jungbrunnen, 1965.

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Buchdeckel von John Green Das Schicksal ist ein mieser VerräterLeselevel: ♦♦♦♦♦
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦◊
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

336 Seiten, Taschenbuch, € 9,95

Zielgruppe: für Jugendliche ab 13 Jahren

Themen: Liebe, Krankheit, Tod

Diese wundervolle, berührende Liebesgeschichte für Jugendliche und Erwachsene zeigt eine Welt aus Intensivstationen, aufgeschwemmten Magerkörpern und Todesangst. Das hört sich wenig einladend an, aber ihr begrenzter Zeitrahmen macht diese Liebe umso schöner. Und das Ende ist dennoch keinesfalls vorhersehbar. Lasst Euch einfach auf diese Gefühlsachterbahn ein!

Die 16-jährige Romanheldin Hazel Grace lernt Augustus in einer Selbsthilfegruppe für krebskranke Jugendliche kennen. Sie verlieben sich Hals über Kopf und bald wird klar: die zeitliche Begrenzung dieser Liebe ist so definitiv wie das traurige Ende eines Romeo und Julia-Theaterbesuchs. Allerdings entfaltet sich der Zauber dieser innigen Beziehung direkt vor unseren Augen. Und auch wenn die beiden Hauptfiguren keine Zukunft à la Zusammenziehen-Hochzeit-Kind erwartet, so leben sie doch glücklich bis an ihr Lebensende.

Der Krebs spielt natürlich eine wichtige Rolle, bekommt Hazel doch nur schwer Luft, und Augustus muss sich mit seinen 1,5 Beinen auch einigen Herausforderungen stellen. Trotzdem ist die Erzählung frei von Mitleid und Gefühlsduselei. Und die eigenen Erwartungen, Vorurteile und Stereotype gegenüber Krebspatienten und Todkranken werden gehörig über den Haufen geworfen. Ich war zum Beispiel ganz überrascht, dass es Hazel vor Augustus Amputationsstumpf ekelte: „Ich wollte nicht, dass es mir etwas ausmachte, aber das tat es trotzdem. Meine Sauerstoffschläuche machten ihm wahrscheinlich auch was aus. Krankheit ist abstoßend“ (44).

Man würde es einem Buch über ein krebskrankes junges Paar nicht zutrauen, aber es ist wahnsinnig witzig geschrieben. Als Hazel etwa mit Augustus Mutter auf der Couch sitz, sticht ihr die Zeichnung eines Engels mit dem Spruch „Ohne Leid würden wir nicht wissen, was Freude ist“ ins Auge: „Ein altes Argument aus dem Feld Gedanken über das Leiden, dessen Dummheit und Stumpfsinn Stoff für hundert Jahre Lästern bot, aber möge hier die Feststellung reichen, dass die Existenz von Brokkoli auch keinerlei Einfluss auf den Geschmack von Schokolade hat. ‚Ja‘, sagte ich, ‚ein schöner Gedanke.‘“ (43).

Ich habe natürlich Rotz und Wasser geweint, weil mich das Schicksal der beiden Teenager so gebeutelt hat. Aber im Buch geht es nicht nur um die Liebe zweier schlagfertiger Jugendlicher, sondern auch um Hazels Liebe zum einzigen Buch des Autors Peter Van Houten. Ihr Lieblingsbuch handelt von einem krebskranken Mädchen und ist aus deren Sicht geschrieben. Es hört am Ende einfach auf, ohne dass der Erzählstrang beendet wird (das Mädchen ist verstorben). Hazel will nun unbedingt wissen, was aus den restlichen Romanfiguren geworden ist (es beschäftigt sie sehr, was aus ihrer Familie und ihrem Freund nach ihrem Ableben wird). Augustus ermutigt sie, zum Autor zu fahren und es heraus zu finden – er lebt allerdings auf einem anderen Kontinent. Ob Augustus und Hazel es lebend zu ihm schaffen?

PS: Dieser Bestseller, der 2013 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, ist auch verfilmt worden. Der Autor und Videoblogger John Green war bei den gesamten Dreharbeiten dabei, was ja so gut wie nie vorkommt. Der 2014 veröffentlichte Film ist also Autoren-genehmigt 🙂 und wird ebenfalls empfohlen.

PPS: Hier habe ich ein Buch von John Greens Bruder Hank empfohlen.

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter. München: dtv, 2014. Übersetzt von Sophie Zeitz.

Die Top Ten meiner eigenen Kinderbücher

(An die werde ich mich auch noch mit Alzheimer erinnern!)

Vielleicht interessiert Euch, was ich als Kind am liebsten gelesen habe.
Obwohl das natürlich nicht dem entspricht, was ich mir selbst ausgesucht hätte, empfehle ich diese Bücher voller Begeisterung weiter:

Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter, Wir Kinder aus Bullerbü und Märchen

Christine Nöstlinger: Die feuerrote Friederike und Nagle einen Pudding an die Wand

Mira Lobe: Das kleine Ich bin Ich

Die gesammelten Märchen von Hans Christian Andersen

Die Gebrüder Grimm: Gesammelte Märchen

Franz Baumann: Salzburger Sagenreise (Zugegeben, hohen literarischen Ansprüchen wird hier nicht unbedingt Genüge getan. Aber mich begeistern die spannend erzählten Überlieferungen aus meiner Heimat trotzdem!)

Wilhelm Busch: Max und Moritz (Leute machen Blödsinn und alles reimt sich auch noch: herrlich!!)

Elena Favilli und Francesca Cavallo: Good Night Stories for Rebel Girls: 100 außergewöhnliche Frauen

Buchdeckel von Favilli und Cavallo Good Night Stories for Rebel Girls 100 Aussergewöhnliche Frauen

Zielgruppe: ab 5 Jahren zum Vorlesen, zum Selberlesen ab ca. 10
Thema: interessante Frauenporträts
Leselevel: 5 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 5 von 5 Wissensstufen
Humor: 2 von 5 Punkten
Spannung: 3 von 5 Punkten
Gefühl: 4 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 10 von 5 Punkten
224 Seiten, gebundene Ausgabe, € 24

Ein tolles Buch! Ich gebe eine absolute Leseempfehlung für dieses Buch ab. Tatsächlich sollte dieses Buch allgemeine Pflichtlektüre sein!

Good Night Stories for Rebel Girls präsentiert 100 Porträts besonderer Frauen, die irgendwann zwischen 1500 v. Chr. und der Gegenwart wirkten. Jede einzelne hat eine hervorragende Leistung auf dem Gebiet der Politik, der Architektur, der Astronomie, der Menschenrechte, der Justiz, des Krieges, der Kunst, der Medizin, der Seeräuberei, des Sports, des Tierschutzes oder der Wissenschaft erbracht. Eigentlich sollten sie allesamt weltberühmt sein, aber viele dieser Genies lernt man hier überhaupt erst kennen.

Die kurzen und kurzweiligen Personendarstellungen eignen sich bestens zum Vorlesen vor dem Schlafengehen (ab 5 Jahren) oder natürlich auch zum Selberlesen (ca. ab der vierten Klasse). Ab und an wird man ein Wort erklären müssen, im Gegenzug ist dafür aber die Lektüre auch für die Vorlesenden ein großes Vergnügen. Endlich mal kein langweiliges Vorlesebuch, dass man den Kleinen runterleiert, sondern ein echter Knaller für alle! Nach dem Vorlesen dieser Porträts werden die Kids sicher ihren eigenen Träumen nachgehen: Gutenachtgeschichte reloaded!

Die schriftlichen Porträts sind nur eine Seite lang und frisch und witzig formuliert. Ein tolles Zitat jeder Pionierin rundet die Personendarstellungen ab. Die mexikanische Malerin Frida Kahlo fragte sich zum Beispiel: „Wozu brauche ich Füße, wenn ich doch Flügel habe?“ (Seite 66). Birgitt Kollmann hat erstklassig aus dem Englischen übersetzt. Ein unterhaltsames Lesevergnügen für Groß und Klein, das laufend in Staunen versetzt (selbstverständlich auch Buben und Männer!). Wer von Euch wusste zum Beispiel, dass das erste Computerprogramm von einer Frau geschrieben wurde? (Und zwar bereits im 19. Jahrhundert!) Kennt ihr die Erfinderin der batterielosen Taschenlampe, die durch Körperwärme zum Leuchten gebracht wird? (Es ist Ann Makosinski aus Kanada, geboren 1997.)

Die Bildporträts der vorgestellten Frauen, die von über 60 Künstlerinnen aus der ganzen Welt gestaltet wurden, sowie das Gesamtlayout sind eine wahre Augenweide.

Die Sammlung stellt nicht nur amerikanische und europäische Persönlichkeiten ins Rampenlicht, sondern präsentiert auch asiatische, afrikanische und australische Frauen mit Kultstatus. Mädchen (und natürlich auch Jungen) werden von den Geschichten dazu inspiriert, an ihre eigenen Talente zu glauben, sich große Träume zu erlauben und für erreichbar zu halten sowie entschlossen für ihre Ideen und Überzeugungen zu kämpfen.

Cooles Detail am Rande: Die Veröffentlichung dieses Buches wurde durch ein Crowdfunding-Projekt ermöglicht. Eine Million US-Dollar kam zusammen! Das Buch ist ein weltweiter Bestseller und wurde in über 30 Sprachen übersetzt. Hurra!!!

Dieses Buch schenkt Mädchen und Frauen aller Orte und Generationen Selbstvertrauen. Den vorgestellten außergewöhnlichen Frauen, die in ihrer Lebenszeit oft unterdrückt oder belächelt wurden, sichert es einen festen Platz im Gedächtnis der Menschheit. Die hoffnungsvollen Autorinnen ermutigen im Vorwort alle Frauen, sich daran zu erinnern, „dass wir das Recht haben, glücklich zu sein und die Welt nach Herzenslust und in alle Richtungen zu erforschen“. Jawohl!!

Übrigens kommt im Herbst Band 2 dieser Gutenachtgeschichten heraus und beinhaltet 100 weitere Porträts von Frauen, die die Welt verändern/verändert haben, und zwar inklusive Beyoncé!!!!!

Elena Favilli und Francesca Cavallo. Good Night Stories for Rebel Girls: 100 außergewöhnliche Frauen . München: Carl Hanser Verlag, 2017. Übersetzt von Birgitt Kollmann.

Brian Lies: Bats at the Beach

Buchcover von Brian Lies Bats at the BeachLeselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦◊◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦◊◊
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
32 Seiten, gebundene Ausgabe, € 11,36

Zielgruppe: Englischsprachige Menschen; zum Vorlesen für Drei- bis Achtjährige, zum Selberlesen: 7 – 9 J.
Themen: Fledermäuse, Strandbesuch, Meer, Nacht, Familie, Freunde

Liebe zweisprachige Blog-LeserInnen!

Dieses fabelhafte Bilderbuch gibt‘s leider nur auf Englisch. Falls ein Verlag mal eine deutsche Version veröffentlichen möchte, ich wäre sofort bereit zu übersetzen :-)! Die Bilder sind ein Hit und die Geschichte ist genial!

Fledermäuse treffen sich am Abend, um eine schöne Nacht am Strand zu verbringen. Die Komik entsteht insbesondere dadurch, dass der Badetag in der Finsternis stattfindet, also die Fledermäuse eine Mondcreme anstatt einer Sonnenlotion auftragen oder nach Hause gehen, weil es hell wird. Die erstklassigen Illustrationen sind gepaart mit tollen Reimen, zum Beispiel „Bug-mallows toast on slender sticks / while cousins do their ocean tricks“ (Grillenspieße rösten auf dünnen Stecken, während Cousins sich bei Turmtricks im Wasser recken). Brian Lies (sein Name wird /li:s/ ausgesprochen, er ist also kein Lügner!) hatte geniale Eingebungen, als er seine Bilder zeichnete, die zum Bespiel kleine Fledermäuse mit Schwimmflügeln zeigen oder ein Fledermauspicknick unter einem Eisschirmchen mit Insekten in Tupperboxen. Die Kleinen (und wir Vorleser) werden immer wieder neue Details entdecken, wie etwa eine mit den Zähnen klappernde Fledermaus im seichten Wasser (sofort fühle ich mich seelenverwandt), einen Imbissstand mit leckeren Nachspeisen (= eine eingeschaltete Glühbirne, die Motten anlockt) oder Fledermäuse, die vor dem Nachhausefliegen noch Möwen mit ihren Essensresten füttern.

Dem in den USA bekannten Kinderbuchautor Brian Lies ist mit diesem Bilderbuch ein Meisterstück gelungen. Auf Englisch gibt es eine ganze Serie seiner Fledermausbücher. Deutschsprachige Leser kennen ihn durch seine wunderschönen Illustrationen für das konsumkritische Kinderbuch Mehr, immer mehr! von I.C. Springman (Annette Betz, 2013).

Dass Brian Lies Lieblingstiere keine Fledermäuse sind, kommt wenig überraschend (Niedlichkeitsfaktor = 0,01). Wollt Ihr einen Tipp abgeben, welche Tiere er am liebsten mag?

Brian Lies. Bats at the Beach. New York: Houghton Mifflin Harcourt Publishing Company, 2006.