Gabrielle Kent: Alfie Bloom: Das Geheimnis der Drachenburg

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Alfie Bloom ist ein Glücksfall für alle lesewütigen Zwei- und Vierbeiner! Dieses Buch ist total spannend, super geschrieben bzw. übersetzt und wahnsinnig witzig! Die Kids werden Alfie Bloom: Das Geheimnis der Drachenburg geradezu verschlingen.

Zielgruppe: Jungen und Mädchen ab 10 Jahren; auch für abenteuerlustige, magieaffine Erwachsene geeignet 🙂

Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 2 von 5 Wissensstufen
Humor: 5 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

311 Seiten, gebundene Ausgabe um € 12,99

Themen: Freundschaft, Magie, Drachen, Geheimnisse, fliegendes Bärenfell, Zauberburg, Druiden

Der elfjährige Halbwaise Alfie kommt aus bescheidenen Verhältnissen, sein Vater ist ein unkonventioneller Erfinder und viele seiner Mitschüler würden ihn wohl als „Opfer“ bezeichnen. Das Blatt wendet sich allerdings, als er eine magische Burg erbt, samt geheimnisvollem Butler, fliegendem Fell und gefährlichem Drachenkerker. Ein fantastisches Abenteuer jagt das nächste und es bleibt bis zum Schluss spannend. Alfies Cousin Robin, seine Cousine Madeleine und seine Freundin Amy stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite, und zusammen entwirren sie das Geheimnis rund um den Druiden Orin Hopcraft und dessen Burg.

Auf der Suche nach Orin Hopcrafts Studierzimmer erwecken Alfie, Robin und Madelaine mithilfe einer Zauberpfeife ihren zukünftigen Freund Artan zum Leben:
„Vor dem Kamin lag ein Bärenfellteppich, dem Robin gerade ins offene Maul spähte.
‚Der muss ziemlich furchterregend gewesen sein, als er noch gelebt hat‘, sagte Madelaine und strich über den pelzigen Teppich, während Alfie ein letztes Mal in das Pfeifchen blies.
‚Sehr freundlich von dir, das zu sagen, Kleines‘, erwiderte eine tiefe, grollende Stimme. Im selben Moment hob sich der Kopf des Bären und wandte sich ihnen zu.
Alfie verschluckte beinahe die kleine Pfeife. Robin krabbelte hektisch ein paar Meter rückwärts und hatte es dermaßen eilig, von dem sprechenden Teppich wegzukommen, dass er Madelaine von den Beinen fegte. Alle drei sahen fassungslos zu, wie der Bär sanft ein Stück in die Höhe schwebte und sich nach einem lautstarken Gähner zu schütteln begann wie ein Hund nach dem Schaumbad. Eine jahrhundertealte Schicht aus Staub und lockeren Fellhaaren wirbelte durch das Zimmer.
Als er schließlich einigermaßen zufrieden schien, wandte der Bär sich an Alfie, dessen Wuschelkopf jetzt komplett von Staub bedeckt war.
‚Also dann, Jungchen. Ich hab viel zu lange geschlafen und könnte es ganz gut vertragen, mir ein bisschen den Wind durch den Pelz wehen zu lassen. Und da du mich geweckt hast, darfst du auch bestimmen, wo’s hingeht.‘
Alfie starrte auf die schimmernden Glasaugen und das grinsende Bärenmaul und überlegte fieberhaft, ob er antworten oder doch lieber um sein Leben rennen sollte. Der Bär hingegen schien diese Reaktion sehr zu genießen, denn er rollte theatralisch die Augen und sagte dann übertrieben langsam und laut, so als spräche er mit einem Schwerhörigen: ‚WO WÜRDEST DU GERNE HIN?‘“ (Seite 108-109).

Alfies erstes Abenteuer ist wirklich genial, was man – wenn man den Rezensionen der Online-Leserschaft Glauben schenkt – von den beiden Folgebänden nicht behaupten kann. Ich habe soeben Band 1 fertiggelesen und bin total begeistert. Sollten Band 2 und 3 auch toll sein, werde ich sie auf meinem Blog empfehlen, ansonsten genießt einfach nur dieses Buch!

Die Autorin Gabrielle Kent arbeitete übrigens über fünfzehn Jahre lang in der Videospielbranche, unterrichtet nun Spielentwicklung und -design an der Teesside Universität und organisiert Animex, Englands größtes Festival für Computerspiele und Animation. Die super Story dieses Buches überrascht mich vor diesem Hintergrund überhaupt nicht!

Gabrielle Kent. Alfie Bloom: Das Geheimnis der Drachenburg. Köln: Schneiderbuch EGMONT, 2015. Aus dem Englischen übersetzt von Kai Kilian.

Otfried Preußler: Der Räuber Hotzenplotz

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Die Begeisterung über den vierten, posthum entdeckten Band des Kinderbuchklassikers ist riesig! Ich freue mich wie wild auf „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“, der am 17. Juli erscheinen wird. Einstweilen bitte Band 1-3 lesen. Hier meine Empfehlung für Band 1, „Der Räuber Hotzenplotz“:

Zielgruppe: Kinder von 5 – 9 Jahren
Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦◊◊◊
Humor: ♦♦♦♦♦
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
128 Seiten, gebundene Ausgabe um € 11,99
Themen: Kasperl, Seppel, Räuber, Großmutter, Zauberer, Abenteuer

Zwei Daumen nach oben für dieses witzige Kultbuch!

Der Räuber Hotzenplotz stiehlt die Kaffeemühle von Kasperls Großmutter. Natürlich versuchen Kasperl und sein treuer, wenn auch etwas begriffsstutziger Freund Seppel diese wieder zurückzubekommen. Dabei geraten die beiden leider in Gefangenschaft: einer muss dem Hotzenplotz dienen, der andere dem bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann. Als der Räuber dem Zauberer Kasperl als Dienstboten anbietet, spielt sich folgende Szene ab:

„Hotzenplotz knüpfte die Schnur auf, mit der er das obere Ende des Sackes zugeschnürt hatte. Der Sack glitt herunter, zum Vorschein kam Kasperl mit Seppels Hut auf dem Kopf.
Petrosilius Zwackelmann schnackelte mit den Fingern und zauberte seine Brille herbei. Er setzte sie auf die Nase und musterte Kasperl durchdringend. Kasperl machte das dümmste Gesicht, das er machen konnte.
‚Ist er so dumm, wie er aussieht?‘, fragte der große Zauberer Zwackelmann.
‚Mindestens‘, sagte Hotzenplotz.
‚Das ist gut‘, sagte Zwackelmann, ‚das ist sehr gut! Wie heißt er denn?‘
‚Seppel.‘
‚Aha. – Also, Seppel, ich nehme dich. Kannst du Kartoffeln schälen?‘
‚Natürlich, Herr Schnackelmann!‘
Petrosilius Zwackelmann brauste auf.
‚Du verdrehst meinen Namen, Kerl?‘, rief er zornig. ‚Ich bin auch nicht einfach ein Herr, ich verlange von dir die Anrede ‚Großer Zauberer Petrosilius Zwackelmann‘! Merk dir das ein für alle Mal!‘
‚Sehr wohl, großer Zauberer Zeprodilius Wackelzahn!‘, sagte Kasperl ganz unschuldig“ (Seite 45).

Keine Sorge, Kasperl und Seppel kommen frei und alles endet gut, allerdings werden bis dahin die Lachmuskeln ordentlich strapaziert. Was für ein geniales Kinderbuch!

Otfried Preußler. Der Räuber Hotzenplotz. Stuttgart: Thienemann, 2012 (Erstpublikation 1962).

Anke Kuhl und Martin Schmitz-Kuhl: Alle Kinder: Ein ABC der Schadenfreude

Kuchl und Schmitz-Kuhl, Alle Kinder Ein ABC der Schadenfreude, Buchtipp, Buchempfehlung, Kinderbuch, toll, Brigitte Wallinger, KinderbuchblogZielgruppe: Kinder von 5 – 9 Jahren
Leselevel: 2 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 1 von 5 Wissensstufen
Humor: 5 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten
64 Seiten, gebundene Ausgabe um €13,95
Themen: Schadenfreude, Witze, ABC, Reime

Ein Witzebuch für Groß und Klein: sehr empfehlenswert!

Wie der Titel schon ankündigt, stecken in diesem Buch 26 Gründe zur Schadenfreude, die jeweils in einem witzigen Bild und einem super Reim beschrieben werden. Das Bild von einem Kind im Rolli auf einem Sandstrand voller badewütiger Kids wird etwa von diesem Zweizeiler begleitet: „Alle Kinder genießen die Sonne. / Außer Olli – der trägt `nen Rolli“ (Seite 29). Die Witze sind ab und an etwas makaber („Alle Kinder fahren mit dem Bus. / Außer Gunther – der liegt drunter“, Seite 13), aber die Kinder finden auch diese Scherze lustig – meine zumindest :-). Allerdings Hände weg von diesem Buch, wenn man mit schwarzem Humor nichts anfangen kann!

Ich habe mir die Amazon-Rezensionen durchgesehen und es scheint, dass man dieses Buch entweder liebt oder hasst. 73% der Leute vergeben fünf von fünf Sternen, allerdings bewerten 16% dieses Buch mit nur einem Stern bzw. bedauern, nicht null Sterne vergeben zu können. Diese 16% werfen dem Buch zum einen die alten Witze vor (ja, ich habe sie auch schon auf dem Pausenhof gehört) und zum anderen die makabren Reime über den Tod eines Kindes (z.B. des erwähnten Gunther). Worin sich die meisten einig sind, ist, dass die Kinder die Scherze sehr lustig finden, und das ist ja nicht ganz unwichtig für ein Kinderbuch! Wenn man pädagogisch wertvoll vorgehen möchte, kann man ja zusammen mit den Kindern eigene Reime ersinnen ;-).

Anke Kuhl und Martin Schmitz-Kuhl. Alle Kinder: Ein ABC der Schadenfreude. Leipzig: Klett Kinderbuch, 2013.

Kveta Pacovska: Blau, Rot, Alle. Ein Farbenspielbuch

Kveta Pacovska Blau, Rot, Alle Ein Farbenspielbuch, Buchempfehlung, Buchtipp, Bilderbuch, Kinder von drei bis sechs, Brigitte Wallinger, Kinderbuchblog

Zielgruppe: Kinder von 3 – 6 Jahren
Leselevel: ♦◊◊◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦
32 Seiten, gebundene Ausgabe um € 19,95

Themen: Farben, Formen, Tiere, Freundschaft, Sinne, Spiel

Ein wunderschön illustriertes, interaktives Bilderbuch für Mädchen und Jungen von 3 – 6 Jahren, das den Kindern auf vielfältige Weise das Thema Farbe näher bringt.

Jede Seite ist Kunstwerk und Spielplatz zugleich, denn das Buch erfreut nicht nur die Augen sondern auch die Finger. Überall können die Kids an Rädern drehen, hinter Türchen gucken und durch Löcher greifen. Pacovskas tolle Bilder sind ein großer Genuss für alle Fans der modernen Kunst. Zudem ist die Geschichte von der farblosen, unglücklichen Schnecke, der ein lustiger Frosch zu einem bunten Leben verhilft, ganz bezaubernd.

Die 1928 geborene tschechische Künstlerin, Buchautorin und -illustratorin Kveta Pacovska, die am 28.7.2018 ihren 90. Geburtstag feierte, wurde 1992 gleich zweimal mit renommierten internationalen Buchpreisen ausgezeichnet: mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis sowie der Goldenen Letter. Hut ab vor ihrem beeindruckenden Lebenswerk!

Kveta Pacovska: Blau, Rot, Alle. Ein Farbenspielbuch. Zürich: minedition Michael Neugebauer Edition, 2011.

Brandon Mull: Spirit Animals: Der Feind erwacht

Titelbild von Brandon Mull Spirit Animals 1: Der Feind erwacht Zielgruppe: Kinder ab 10
Themen: Kinder retten die Welt, Fantasy, Freundschaft, Tiere

Leselevel: ♦♦♦♦◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦◊◊
Humor: ♦♦♦◊◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦◊
Elternvergnügen: ♦♦♦♦◊
256 Seiten, gebundene Ausgabe um € 14,99 (TB € 8,99)

Spirit Animals wurde mir von einer Kinderbuchexpertin der Stadtbibliothek Salzburg empfohlen, weil es eine der beliebtesten Kinderbuchreihen derzeit sei. Ich habe mir natürlich sofort Band 1 vorgeknöpft und kann ihn empfehlen. Besser als jede Fernsehserie ist er allemal, auch wenn die Erzählweise keinen literaturverwöhnten Erwachsenen begeistern wird. Aber das Buch ist ja nicht für Erwachsene geschrieben worden…

Die vier Hauptfiguren Connor, Abeke, Meilin und Rollan sind elfjährige Auserwählte (2 Jungen, 2 Mädchen), die ihre Welt namens „Erdas“ zusammen mit ihren mächtigen Seelentieren vor dem Untergang retten müssen. In Der Feind erwacht werden die unterschiedlichen Kinder und ihre Seelentiere zu einem Team, und wir erfahren vieles über diese spannende Welt. Am Ende des Buches wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht. Ich bin mir sicher, das empfinden die jungen LeserInnen ebenso, deshalb beide Daumen nach oben für die Spirit Animals.

Wie geht es denn weiter?
Brandon Mull hat Band 1 geschrieben und die Geschichte konzipiert. Die meisten Folgebände wurden von anderen AutorInnen verfasst. Ich hatte Glück: Der Autor von Band 6, den ich per Zufall ausgewählt hatte, ist Eliot Schrefer. Sein Buch hat mir sogar besser gefallen als Mulls erster Band. Bis Band 7 ist der Übersetzer Wolfram Ströle unsere Konstante in der deutschen Version, danach übernimmt Friedrich Pflüger. Band 1 – 7 gehören zur 1. Staffel der Buchserie. Die 2. Staffel hat 6 Bände, zudem gibt es noch drei Sonderausgaben. Die deutschen LeserInnen müssen aber erstmal auf Band 9 (bzw. Band 2 der 2. Staffel) warten, der im Juni 2018 herauskommen wird.
16 Bände zu einer Geschichte sind eine ganze Menge, aber die komplexe Geschichte gibt durchaus einiges her. Und echte Fans erschüttert ja sowieso nichts…

Brandon Mull. Spirit Animals: Der Feind erwacht. Ravensburg: Ravensburger Buchverlag, 2015.

Axel Scheffler und Julia Donaldson: Für Hund und Katz ist auch noch Platz

Buchcover von Axel Scheffel und Julia Donaldson: Für Hund und Katz ist auch noch Platz

Zielgruppe: Kinder von 3 – 8 Jahren
Themen: Freundschaft, Reim, Tiere, Hexenzauber
Leselevel: 3 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 2 von 5 Wissensstufen
Humor: 5 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

€ 6,95, etwas größeres Pappbilderbuch um € 8,95

Ein witziges und wunderschön illustriertes Kinderbuch für Mädchen und Jungen von 3 bis 8 Jahren. Dazu kommen noch Mirjam Presslers ansprechend übersetzte Reime und das Wahnsinns Preis-Leistungs-Verhältnis: Ein ideales Mitbringsel und perfektes Geschenk!

Die Geschichte der freundlichen Hexe, die viele hilfsbereite Tiere auf ihrem Besen mitnimmt, bis er entzweibricht, ist herzallerliebst und wunderbar gereimt. Der Besenbruch wäre nicht allzu tragisch, käme nicht just in dem Moment ein feuerrotes Ungeheuer daher und sagte: „Ich bin ein Drache, der schlimmste von allen, und ich habe Hunger, ich will dich fressen, will Hexe mit Pommes zum Abendessen“ (16). Gott sei Dank haben die kleinen Freunde der Hexe da einen rettenden Einfall. Alle Bilder sind lustig, detailreich und gefällig, und als krönenden Abschluss sehen wir einen traumhaften First-Class-Besen:
„Der allertollste Hexenbesen,
so ist noch nie ein Besen gewesen,
ein Superluxushexengefährt“ (24) –
das ganze Buch ist bewundernswert!

PS: Hier noch ein paar interessante Infos zum Autor: Axel Scheffler ist aus Deutschland! Der 1957 in Hamburg geborene Illustrator zog erst 1982 nach England – Mannomann, das muss ein großer Druck für die deutsche Übersetzerin gewesen sein :-). Scheffler hat übrigens über 120 Bücher illustriert, die erfolgreichsten davon in Zusammenarbeit mit Julia Donaldson. Englands erste Geschichtenzentrale für Kinder, das Discover in London, hat eine Ausstellung zu diesen Bestsellern gestaltet, die noch bis September 2018 läuft. Hier könnt Ihr ein Bild aus dem Jahr 2017 sehen, das Axel und Julia auf dem dort ausgestellten Superluxushexenbesen zeigt (bitte bis 2017 hinunter scrollen).

Axel Scheffler und Julia Donaldson. Für Hund und Katz ist auch noch Platz. Weinheim: Beltz & Gelberg, 2001. Übersetzt von Mirjam Pressler.

Mira Lobe: Die Omama im Apfelbaum

Buchcover von Mira Lobes Die Omama im Apfelbaum
Zielgruppe: Kinder ab 6 Jahren
Themen: Familie, Abenteuer, Fantasie
Leselevel: 4 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 3 von 5 Wissensstufen
Humor: 5 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

111 Seiten, gebundene Ausgabe, € 14,00

Ein superwitziges, herrlich formuliertes und von Susi Weigel wunderschön illustriertes Kinderbuch für Menschen ab 6.

Liebe Eltern! Dieses Buch ist ein Knaller! Es handelt vom kleinen Andi, der keine Oma hat, was er sehr bedauert. Also erfindet er – sehr zum Missfallen seiner Mama – eine Großmutter, trifft sich mit ihr im Apfelbaum und erlebt geniale Abenteuer mit der schrulligen Omama. Als eine nette ältere Dame mit „Rümatismus“ ins Nachbarhaus einzieht, hat er plötzlich zwei Omas und ist hin- und hergerissen.

Sprachlich merkt man dem Buch seine über 50 Jahre an, doch dieses Sechzigerjahre-Deutsch erschafft ein wunderbares Flair. Hier ein Beispiel von Andis erstem Ausflug mit der wilden Omama auf dem Rummelplatz:

Omama steckte das letzte Stück Schokolade in den Mund. „Hast du denn gar keinen Hunger, Andi?“, fragte sie. „Ich meine richtigen Hunger, zum Beispiel Würstel mit viel Senf?“
Auf Würstel hatte Andi fast immer Hunger, besonders auf die langen, saftigen, die so schön spritzten.
„Na also!“, sagte die Oma zufrieden.
Als sie mit den Würsteln fertig waren, wischte sich die Omama den Mund ab: „Uuuuu – der Senf war aber scharf! Jetzt wäre es gut, etwas Süßes zu essen. Was hältst du von gesponnenem Zucker?“
Sie schauten zu, wie der Zuckermann zwei Wattebäusche aus rosa Zucker um die Staberln spann.
„Iiii – das ist aber süß!“, sagte die Omama. „Es wird gut sein, darauf etwas Scharfes zu essen. Was hältst du von Würsteln mit Senf?“ (20-21).

Das ist eine Oma nach meinem Geschmack! Wer sie jetzt noch nicht heiß und innig liebt, der warte noch vier Seiten, bis die gnädige Frau mit Andi Straßenbahn fährt. Sie blickt nach oben und erspäht die baumelnde, lederne Klingelschnur:

„Du, Andi“, flüsterte die Omama, „ich hab so große Lust, an der Schnur zu ziehen.“
„Das darf man nicht!“, flüsterte Andi erschrocken zurück. „Sonst musst du Strafe zahlen!“
Die Omama seufzte und schaute weiter hinauf. „Wenn ich doch aber so sehr große Lust habe…“ (25)

Eh klar, was Omama machen wird. Und ganz elegant zieht sie sich mit ihren weißen Haarlöckchen und ihrem Federhut aus der Affäre, sodass der Straßenbahnfahrer nach der Vollbremsung sogar noch sagt: „Was für ein Glück, dass sie sich an der Klingelschnur festgehalten hat!“ (26)

Omama ist nicht nur herrlich rebellisch, sie hat auch noch ein himmelblaues Cabrio, das mehr Knöpfe als James Bonds Aston Martin vorweisen kann (nur anstatt Flammenwerfer und Schleudersitz gibt’s hier Knöpfe für Schmalzbrote und Weihnachtsmusik). Sie fängt mit Andi Wildpferde ein und sticht mit ihrem Enkel in See. Als Andi der hilfsbedürftigen Frau Fink beim Einzug ins Nachbarhaus hilft, bleibt für die imaginäre Oma immer weniger Zeit, aber natürlich geht alles gut aus…

Jedes Kind sollte mit einer Oma wie Andis Apfelbaum-Exemplar gesegnet sein, oder zumindest dieses Buch gelesen haben!

Mira Lobe. Die Omama im Apfelbaum. Wien: Verlag Jungbrunnen, 1965.

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Buchdeckel von John Green Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Zielgruppe: für Jugendliche ab 13 Jahren
Kategorie: Jugendbuch, Young Adult Roman, junge Literatur
Themen: Liebe, Krankheit, Tod
Leselevel: 5 von 5 Schwierigkeitsstufen
Wissenssteigerung: 4 von 5 Wissensstufen
Humor: 4 von 5 Punkten
Spannung: 5 von 5 Punkten
Gefühl: 5 von 5 Punkten
Elternvergnügen: 5 von 5 Punkten

336 Seiten, Taschenbuch, € 9,95

Diese wundervolle, berührende Liebesgeschichte für Jugendliche und Erwachsene zeigt eine Welt aus Intensivstationen, aufgeschwemmten Magerkörpern und Todesangst. Das hört sich wenig einladend an, aber ihr begrenzter Zeitrahmen macht diese Liebe umso schöner. Und das Ende ist dennoch keinesfalls vorhersehbar. Lasst Euch einfach auf diese Gefühlsachterbahn ein!

Die 16-jährige Romanheldin Hazel Grace lernt Augustus in einer Selbsthilfegruppe für krebskranke Jugendliche kennen. Sie verlieben sich Hals über Kopf und bald wird klar: die zeitliche Begrenzung dieser Liebe ist so definitiv wie das traurige Ende eines Romeo und Julia-Theaterbesuchs. Allerdings entfaltet sich der Zauber dieser innigen Beziehung direkt vor unseren Augen. Und auch wenn die beiden Hauptfiguren keine Zukunft à la Zusammenziehen-Hochzeit-Kind erwartet, so leben sie doch glücklich bis an ihr Lebensende.

Der Krebs spielt natürlich eine wichtige Rolle, bekommt Hazel doch nur schwer Luft, und Augustus muss sich mit seinen 1,5 Beinen auch einigen Herausforderungen stellen. Trotzdem ist die Erzählung frei von Mitleid und Gefühlsduselei. Und die eigenen Erwartungen, Vorurteile und Stereotype gegenüber Krebspatienten und Todkranken werden gehörig über den Haufen geworfen. Ich war zum Beispiel ganz überrascht, dass es Hazel vor Augustus Amputationsstumpf ekelte: „Ich wollte nicht, dass es mir etwas ausmachte, aber das tat es trotzdem. Meine Sauerstoffschläuche machten ihm wahrscheinlich auch was aus. Krankheit ist abstoßend“ (44).

Man würde es einem Buch über ein krebskrankes junges Paar nicht zutrauen, aber es ist wahnsinnig witzig geschrieben. Als Hazel etwa mit Augustus Mutter auf der Couch sitz, sticht ihr die Zeichnung eines Engels mit dem Spruch „Ohne Leid würden wir nicht wissen, was Freude ist“ ins Auge: „Ein altes Argument aus dem Feld Gedanken über das Leiden, dessen Dummheit und Stumpfsinn Stoff für hundert Jahre Lästern bot, aber möge hier die Feststellung reichen, dass die Existenz von Brokkoli auch keinerlei Einfluss auf den Geschmack von Schokolade hat. ‚Ja‘, sagte ich, ‚ein schöner Gedanke.‘“ (43).

Ich habe natürlich Rotz und Wasser geweint, weil mich das Schicksal der beiden Teenager so gebeutelt hat. Aber im Buch geht es nicht nur um die Liebe zweier schlagfertiger Jugendlicher, sondern auch um Hazels Liebe zum einzigen Buch des Autors Peter Van Houten. Ihr Lieblingsbuch handelt von einem krebskranken Mädchen und ist aus deren Sicht geschrieben. Es hört am Ende einfach auf, ohne dass der Erzählstrang beendet wird (das Mädchen ist verstorben). Hazel will nun unbedingt wissen, was aus den restlichen Romanfiguren geworden ist (es beschäftigt sie sehr, was aus ihrer Familie und ihrem Freund nach ihrem Ableben wird). Augustus ermutigt sie, zum Autor zu fahren und es heraus zu finden – er lebt allerdings auf einem anderen Kontinent. Ob Augustus und Hazel es lebend zu ihm schaffen?

PS: Dieser Bestseller, der 2013 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, ist auch verfilmt worden. Der Autor und Videoblogger John Green war bei den gesamten Dreharbeiten dabei, was ja so gut wie nie vorkommt. Der 2014 veröffentlichte Film ist also Autoren-genehmigt 🙂 und wird ebenfalls empfohlen.

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter. München: DTV, 2014. Übersetzt von Sophie Zeitz.

Die Top Ten meiner eigenen Kinderbücher

(An die werde ich mich auch noch mit Alzheimer erinnern!)

Vielleicht interessiert Euch, was ich als Kind am liebsten gelesen habe.
Obwohl das natürlich nicht dem entspricht, was ich mir selbst ausgesucht hätte, empfehle ich diese Bücher voller Begeisterung weiter:

Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter, Wir Kinder aus Bullerbü und Märchen

Christine Nöstlinger: Die feuerrote Friederike und Nagle einen Pudding an die Wand

Mira Lobe: Das kleine Ich bin Ich

Die gesammelten Märchen von Hans Christian Andersen

Die Gebrüder Grimm: Gesammelte Märchen

Franz Baumann: Salzburger Sagenreise (Zugegeben, hohen literarischen Ansprüchen wird hier nicht unbedingt Genüge getan. Aber mich begeistern die spannend erzählten Überlieferungen aus meiner Heimat trotzdem!)

Wilhelm Busch: Max und Moritz (Leute machen Blödsinn und alles reimt sich auch noch: herrlich!!)